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Die Wahrheit · 1917-04-06 · Heft 7 (6.4.1917) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 7 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 5. g leich unter mannigfachen Entbehrungen dem Studium der profanen Gegenstände. Hierauf ging er nach Wien, woselbst er die Vorlesungen Professor Goldenchalr hörte. Hier verkehrte er im Hanse Mannheimers und Jellineks, die stets sein Vorbild -geblieben waren und die den jungen Gelehrten in seinem Streben förderten. Mit zwanzig Jahren gab er eine Uebersetznng der Gesänge des Israel Nagarra heraus. Im Jahre 1862 führte er die Tochter des Pieslinger Rabbiners M. L. Kohn als Gattin heim, die in dreißigjähriger Ehe Freud und Leid mit ihm teilte. Ueber ein halbes Jahrhundert wirkte er als Seelsorger in den Gemeinden Jägerndorf, Kanitz, Goltsch-Jenikau und Pisek, überall geehrt und als Kanzelredner gefeiert. Seine größten Erfolge und Anerkennung in den weitesten Kreisen brachte ihm jedoch seine schriftstellerische Tätigkeit. Zu seinen hervorragendsten Werken zählen: „Jüd. Geschichtsbilder," „Tiferet Jisroel," «Die Arbeit, nach dem Talmud" und „Populär wissenschaftliche Vorträge." Die meisten Anstagen dieser Schriften sind vollständig vergriffen. In seinem langen, arbeitsreichen Leben war Dr. M. H. Friedländer vom Glücke wenig begünstigt. Viele schwere Schicksalsschläge suchten ihn heim, und nur sein unerschütterliches Gottesvertraueu ließ ihn alle' Prüfungen mit Geduld und Ergebung ertragen. Still und. bescheiden, wie er gelebt, wollte er auch begraben sein — ohne Sang und Klang. Die Chewra Kadischa in Fünfhaus ließ es sich jedoch nicht nehmen, diesem bedeutenden Manne des Judentums die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem Oberkantor Schleifer in ergreifender Weise die vorgeschriebenen Gebete verrichtet hatte, widmete Rabbiner Dr. Taglicht dem Dahingeschiedenen einen kurzen, aber inhaltsreichen Nachruf, dervom Herzen kommend, auf die Trauerversammlung, die ans den-nächsten Angehörigen und einigen Verehrern bestand, einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck machte. Das Andenken Dr. M. H. Friedländers wird fortleben und seinen Kindern zum Segen gereichen. Verein Kinderheim. Der Verein zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, schwache und rekonvaleszente Kinder jüdischer Konfession hielt am 28. März d. I. im Restaurant Tonello seine XIX. ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely in Vertretung des Wiener Kultnsvorstandes, die Damen Frau Direktor Krenberger, Frau Franziska Biermaun unb Frau Bernfeld als Delegierte des Hietziuger Frauen-Wohltätigkeitsvereines und Herr Karl Freund als Vertreter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen und als Delegierter der Kinderhorte, ferner Herr, Amtsleiter Krauß für das Wohltätigkeitsamt der Kultnsgemeinde erschienen waren. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt Herr Primararzt Dr. Ludwig Stricker, Frau Direktor Ullmaun des Mädchen-Unterstützungsvereines und Herr Dr. Löwy als Leiter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen. In Verhinderung des Präsidenten Herrn Moriz Eisler eröffnete der I. Vizepräsident Herr Emil Keleti die Versammlung und begrüßte in herzlichster Weise die erschienenen Delegierten. Gäste und Mitglieder, unter welchen sich auch zahlreiche Damen befanden. Der Vorsitzende gab sodann der tiefen Trauer über das Hinscheiden weil. Sr. Majestät Kaiser- Franz Josefs I. Ausdruck, dessen Negierungszeit dem Vaterlaude, allen seinen Staatsbürgern und insbesondere uns Juden eine Periode freier und fortschrittlicher Entwicklung brachte. Redner gedachte insbesondere des warmen Interesses, welches der verblichene Monarch jederzeit der Fürsorge für das Kind entgegengebracht habe und welche ihn bestimmte, bei allen Festlichkeiten dem Wunsche Ausdruck zu geben, daß der beabsichtigte Aufwand für ihm zugedachte Ehrungen der Kinderfürsorge zugeführt werde. Aber auch sein jugendlicher Nachfolger, Kaiser Karl I., und seine erlauchte Gemahlin, Kaiserin Zita, haben sich von tiefem Verständnis für alle sozialen Probleme erfüllt gezeigt unb ihre dankeswerte Für» derung allen auf das Wohl der Kinder gerichteten Bestrebungen zugewendet. Wir freuen uns unseres jungen Kaiser- und bringen ihm und feiner edlen Gemahlin den Zoll unserer begeisterten Huldigung dar. Die Versammlung hatte sich während dieser patriotischen Kundgebung von ihren Sitzen erhoben. Der Vorsitzende widmete sodann dem Andenken des im Berichtsjahre verstorbenen verdienstvollen Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob Deutsch und dem auf der Höhe seines menschenfreundlichen Wirkens dahingerafften Herrn Heinrich Mendl, der noch der vorjährigen Generalversammlung des Vereines angewohnt hat, Worte innigsten Gedenkens. Dem hierauf zur Verlesung gelangten Jahresberichte ist zu entnehmen, daß der Verein trotz der großen Schwierigkeiten, welche im dritten Kriegsjahre der Aufnahme, Verpflegung und Heilung einer größeren Anzahl kranker Kinder entgegenstanden, 68 Kinder, d. i. um 20 mehr als im Jahre 1915, verpflegen und der Heilung znführen konnte. Die Mehrzahl dieser Kinder litt an schweren konstitutionellen Erkrankungen. Bon denselben wurden 39 durch den Aufenthalt im Anstaltsheim zu Laa bei Nenlengbach vollkommen geheilt und 17 bedeutend gebessert, während 12 noch weiterhin in Behandlung verblieben. Diese erfreulichen Erfolge sind insbesondere der überaus günstigen kiimatischen Lage des Heimes und der ausgezeichneten Ernährung znznschreiben. Ans dem eigenen Gntshofe der Anstalt wurden den Kindern im Berichtsjahre 9242 Liter Milch im Werte von K 2905 verabreicht und so gelang es. das Kinderheim von den während des letzten Sommers in seiner unmittelbaren Umgebung herrschenden Infektionskrankheiten, wie Scharlach, Masern und Dyphtheritis, vollkommen frei zu halten. Allerdings stiegen die Heimhaltkosten im Jahre 1916 auf den Betrag von K 16.839 und überstiegen um ein Beträchtliches die Höhe der Haushaltkoften in den letzten drei Friedensjahren, in welchen fast die doppelte Anzahl von Kindern verpflegt werden konnte. Im Jahre 1916 konnte somit der Verein mir höheren Kosten nur die Hälfte seiner humanitären Zwecke erfüllen und da gewärtigt werden muß, daß die Lebensmittelpreise noch weiter steigen werden, so ist das Kinderheim gur Anfrechterhaltung seines Betriebes in Laa auf die erhöhte und eifrige Unterftntznag all seiner Gönner, Mitglieder und Freunde angewiesen. — Die Gesamtzahl der seit Bestand des Vereines, in der Anstalt zu Laa verpflegten kranken Kinder beträgt 954 mit einem Gesamtkostenanfwande von K 162.731.—. — Der Bericht schließt mit der Auffordernng an alle Menschenfreunde unermüdlich wirksam zu sein für die Werbung neuer Mitglieder und für die Sammlung von Spenden, damit der Bestand des Kinderheims gegen alle Fährlichkeiten gesichert werde. Die Verlesung des Berichtes wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Es ergriff sodann der Delegierte des Kultnsvorstandes Herr Dr. Samuely das Wort und betonte, daß er sowohl als Vereinsmitglied wie auch in Vertretung der Knltusgemeinde nach den überaus erfreulichen Leistungen des Vereines im abgelaufenen Jahre dem Vorstande seinen Dank und seine Anerkennung aussprechen wolle. Trotz der schweren Kriegszeit habe der Verein das Menschenmöglichste geleistet und er wünsche, daß das Kinderheim auch weiter gedeihe und seine segensreiche Wirksamkeit immer weitrr entwickle. Redner erinnert sodann an seine vorjährige Anregung, daß der Verein Kinderheim, der ja in seinem Gutshofe in Laa ein so schönes, gesundes und entwicklungsfähiges Airwesen besitze, zu der Kiuderfürsorge der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in eine engere Verbindung treten möge. In wenigen Wochen werde das Kinderambulatorinm des künftigen jüdischen Kinderspitals, dessen Ban durch den Krieg verzögert wurde, eröffnet werden. Er halte au dem Gedanken fest, daß in Laa durch einen entsprechenden Anbau, sei es nun in defiilitiver Form oder zunächst mittelst einer modernen Baracke,

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