Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 5 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 5. Hofrat Dr. Löwner widmet seine Ausführungen dem Religionsunterrichte. Wiewohl die Verhältnisse sich ein wenig gebessert hätten, sei doch der Ausblick in die Zukunft wegen deS JndifferentismuS der modernen Jugend hinsichtlich der Religion ein sehr trister. Dem niiiffe mit aller Kraft entgegengearbeitet werden. Von dem Anträge Oehler verspricht er sich nicht viel, der Schwerpunkt des Religionsunterrichtes sei in die Ekhorte zu verlegen und zu wirken, daß der Besuch' bes Jugendgottesdienstes obligatorisch werde. Von besonderer Wichtigkeit scheine ihm, daß die Ethik des Judentums in Vordergrund gestellt werde, und durch eine gm ansgebildete Lehrerschaft, durch moderne Lehrbücher rc. dahin zu wirken, daß die Jugend aus den Schichten, die besonders zum Abfall neige, den Jlldentnm erhalten bleibe. Für die'kommende schwere Zeit solle unsere Jugend mit religiösem Fühlen beseelt sein, um dem Anstürme des Antisemitismus standhalten zu können. Dr. Schwarz-Hlller reflektiert auf die Ausführungen des Herrn Dr. Schreiber und erklärt, die Judenschaft müsse floh sein, daß die Regierung den Wirkungskreis der Kultnsgemeinde nicht einengen wolle. Redner wünscht keinesfalls, daß die Kultusgemeiude die Lasten der Waisen- und Kinderfürsorge aus Eigenen zur Gänze trage, aber die Initiative zu derartigen Schöpfungen müsse von ihr ausgehen. Weiters berichtete Redner über seine Erfahrungen bei der Versorgung von Waisenkindern, welche ihm unter anderem, im Gegensätze zu seinen früheren Anschauungen die Erkenntnis brachten, daß eine Trennung in nationaler und konfessioneller Richtung unbedingt notwendig sei. Mit aller Entschiedenheit wendet sich Dr. Schwarz-Hiller gegen die Abgabe voll Kindern an Pflegeparteien, nur bei Unterbringung in eigenen Heimen sei eine rationelle Fürsorge möglich. Die Debatte wird hierauf unterbrochen und in nächster Sitzung fortgesetzt werden. Iosesstadtrr Tempelverrm. Die diesjährige Generalversammlung des Josefstädter Tempelvereines wurde am 2b. v. M. im Zeremoniensaale des Tempels VHL, Neudeggergasse 12, abgehalten. Vor Eröffnung der Generalversammlung gibt der Vorsitzende I. Vizepräsident Adolf Beck der liefen Trauer der Juden Oesterreichs über den Heimgang weiland Sr. Majestt Kaiser Franz Josef I. beredten Ausdruck und bringt daun Ihren Majestäten Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita eine Huldigung dar, in welcher er deren Liebe und Fürsorge für alle ihre Untertanen hervorhebt, die sie gleich bei Thronbesteigung kuudgegeben und die in allen Gauen Oesterreichs-Ungarns so lebhaften Wiederhall gefunden haben. Es beseele § ihn und mit ihm alle Juden der Monarchie der Wunsch, daß das junge Herrscherpaar durch eine lange Reihe von Jahren der Segnungen des Friedens sich erfreuen und die Beschützer des Judentums bleiben mögen. Die Versammlung stimmt in ein dreifaches Hoch.ein. ' Der Vorsitzende eröffuete sodann dieGeneralversammlnug, konstatierte deren Bischlußfähigkeit und begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder, namentlich den Präses deS Tempels vom IV.,und V. Bezirk Herrn Adolf Hoffmann, den Vertreter des Vereines „Beth Hatsiloh" vom IX. Bezirk Herrn F. Kraus, den Vertreter des Fugbach-Tempels Herrn Kais. Rat Wenger, den Vertreter des Tempels vom VI. Bezirk Herrn Architekt Leopold Fuchs und den Vertreter des Tempels vom XIII. Bezirk Herrn Isidor Bernfeld und erteilte sodann dem Schriftführer Herrn Dr. Sigmund Goldberger das Wort zur Erstattuug des Rechenschaftsberichtes. Herr Dr. Goldberger führte in seinem gründlichen Elaborate ans, wie sehr der Krieg auch in der abgelaufenen Funktionsperiode im Vereinsleben sich fühlbar machte, indem die Zahl der Trauungen in erheblicher Weise zurückgegangen ist, wodurch der Verein eine bedeutende Einbuße erlitten hat, die aber wohl nur teilweise durch die Munifizenz der Spender und durch die Erhöhung der Mitgliederzahl wettgemacht wurde, nicht aber iu dem Maße, daß der Verein imstande Wäre, den an ihn gestellten Forderungen, s chou im Hinblick auf die Härte der Zeit, voll und ganz gerecht zu werden. Leider sei die Kultusgemeiude durch eine wichtige Sitzung, an der ihre sämtliche Vorstände teilzunehmen haben, nicht in der Lage gewesen, ihren Delegierten zu der Generalversammlung zu entsenden, an den das Ersuchen gestellt worden wäre, eine höhere Dotirnng der Subvention zu befürworten; der Vorstand werde jedoch in anderer Weise 'sich dafür bemühen. Das Referat wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen und dem Herrn Dr. Goldberger für seine hingebungsvolle Mühewaltung der Dank der Versammlung votiert. Namens der Revisoren erklärte Herr Hermann Stern, die Kassa, Bücher und Wertpapiere stets iu vollster Ordnung befunden zu haben und es wird dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Im Namen der Tempelvereine des IV., VII., IX. und XIII. Bezirkes ebenso des Fugbachertempels überbrachten deren Vertreter die herzlichsten Grüße. Nachdem das Vorstandsmitglied Herr W. Freund den Mitgliedern für die rege Anteilnahme und tatkräftige Unterstützung der Vereinszwecke den Dank namens des Vorstandes abstattet, schließt der Vorsitzende nach kurzem Resümee die Versammlung. Verschiedene Nachrichten. Wien. O e f f e n t l i ch e P l e n a r s i t z u u g des Vorstandes der Israel. Kultusgemeinde Wien am Sonntag den 11. März 1917 10 Uhr vorm. I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Sitzungssaal). Tagesordnung : Festsetzung der Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der Israel. Kllltttsgemeinde Wien sowie sämtlicher unter der Verwaltung der ifrael. Kultusgemeinde stehenden Fonde und Anstalten. Im Anschlüsse an die öffentliche Plenarsitzung findet eventuell eine vertrauliche Sitzung statt. Wien. Unter außerordentlicher Beteiliguug sand am Montag! die Beerdigung deS am 3. März nach kurzem Leiden verschiedenen! langjährigen Obmannes der Chewra Kadischa des Verbandes des j türkischen Israeliten (Sephardim) iu Wien des ehemaligen türkischen Großhändlers Salouron Rüben F a r ch y statt. Die große Zahl der Trauergäste, unter welchen satt sämtliche Mitglieder der türkischen Jsraeliten-Gemeinde Wiens vertreten waren, gab Zeugnis von der allgemeinen Wertschätznng, die fict der Verblichene unter den Mitgliedern der sephardischen Kolonie Wiens wegen seiner Wohltätigkeit s' und seines rastlosen Wirkens im Interesse der Sephardim Wiens erworben hatte. Es erschien der gesamte Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien unter Führung des Präsidenten Mosco de Majo und des Vizepräsidenten Leon Haim, der! Tempelvorsteher A. Canetti und die Vorsteher aller Wohltätigkeilsanstalten der Gemeinde, deffen gesamte Beamtenschaft sowie zahlreiche Trauergäste. Seitens des Präsidiums der israelitischen Kultusgemeiude j Wien erschien der Präsident Dr. Alfred Stern, für die Chewra Kadischa der Kultusgemeinde die Herren Karl Leniberger und Leopold Otto, sowie Sekretär Wilhelm Fr ei st a dt. Der Leichenzug nahm seinen Weg von dem Trauerhause vor dem türkischen Tempel, von dessen Giebel Trauerfahnen wehten, deffen Tore geöffnet waren und dessen Vorhof beleuchtet war, vorbei zum Zentralfriedhose, woselbst Rabb> P a p o sowie der Vizepräsident der türkischen Israeliten Gemeinde Herr Leon H a i m dem langjährigen Obmaune der Chewra Kadischa und treuen Mitarbeiter einen warmen Nachruf hielt. Die kantorale ' Funktion versah Oberkantor Bauer unter Mitwirkung des Chores, welcher unter Leitung des Kantors und Dirigenten Löwlt stand. Im Namen der Funktionäre sprach Kantor Altaras Worte des Dankes. Im Anschlüsse an die Beerdigung trat der Vorstand des Verbandes! zu einer Trauerkundgebnng zusammen.! Wien. Am 4. d. M. ist Frau Antonie S ch n e p p, die Gattin j des Obmannes des Tempelvereines im IX. Bezirk, Moritz Schnepp;. nach langem Leiden gestorben. Die Verblichene war eine durch seltene Tugenden ausgezeichnete Frau, die in weiten Kreisen hohe Wertschätzung genoß. Der tiefgebeugten Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Da» Leichenbegängnis fand am 6. d. M. unter großer Beteiligung statt. Wien. Herrn Markus Bondi, Seniorchef der Metallgroßyandlung Jakob Neurath, Wien, wurde der Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. So hat das rühmliche Wirken und Schaffen eines der Besten unserer Gemeinde auch die Allerhöchste Anerkennung gefunden, trotzdem kaiserlicher Rat Bondi nie nach Titeln strebte, sondern im Wohl-! tun selbst seinen schönsten Lohn suchte und fand, i Hannover. (Zum 25j ä h r i g en O rt s jnb i l äum des Oberkantors Gerson Lin har dt.) Dem Ernste der Zeit entsprechend hatte die Gemeinde Hannover von einer öffentlichen Feier abgesehen; jedoch die Synagoge wax zu Ehren des Jubilars mir Blumen und Pflanzen herrlich dekoriert. Wie an einem hohen Feiertage? so strömte die Menge herbei, um sich an dem herrlichen Gesänge de» * Oberkantors in Begleitung des vorzüglichen Chores zu ergötzen. Der