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Die Wahrheit · 1917-03-09 · Heft 5 (9.3.1917) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 5 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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W. 5. Die Wahrheit Seite 5. hältnisse der gegenwärtigen schweren Kriegszeit, sondern auch, nber die mannigfache, in Anssicht stehende Friedensarbeit auszusprechen und Anregungen zu geben, die vielleicht-in Zukunft praktische Resultate zeitigen werden. Sämtliche Gebiete der Gemeindeverwaltung wurden in der Debatte gestreift. Es wurde über Gottesdienst, Unterricht, Jugenderziehung, Seelsorge, Steuerpolitik, Zentralisation der Wohlfahrtspflege, und vieles Andere gesprochen, aber am ausgiebigsten wurde das Gebiet der sozialen Fürsorge behandelt und das gab der Henrigen Budgetdebatte aktuelles Gepräge und über das. Alltägliche hinausreichenden Inhalt. Und wenn es auch nicht durchwegs neue Gedanken waren, so, kann man doch sagen, daß vieles, was vorgebracht wurde, Beachtung verdient und gewiß auch Berücksichtigung ftuben wird. Eine höchst wichtige und für die Entwicklung des Judentums bedeutsame Frage, das Berhällnis des konservativen zum fortschrittlichen Jndentnm, wurde gleichfalls in der Debatte berührt. Bezeichnend für die geteilten Anschauungen im Knltrlsvorstande nach dieser Richtung waren zwei Zwischenrufe, die bei dem Anlasse laut wurden, als einer der Redner die Besürchtung anssprach, daß schon nach wenigen Jahrzehnten kein Vertreter des fortschrittlichen Judentums in diesem Saale, sitzen und die Orthodoxie die Oberhand gewinnen werde. „Kern Unglück", riesen die Konservativen, „Niemals!" die Fortschrittlichen. Die Wiener Kultusgemeinde liebt es. sich eine konservative zu nennen, aber jener verknöcherte Konservativismus, der nur am Buchstaben des Ritnalgesetzes festhält und dem Geiste desselben keine Rechnung trägt, hat noch nicht in der Wiener Kultusgemeinde die Oberhand gewonnen. Umso mehr mußte es verwundern, daß der Referent für die Mikwah, als von ernster Seite auf gewisse unhygienische Zustände in derselben hingeiviesen wurde, die Abstellung derselben als unmöglich erklärte und sich hinter das Rabbinat verschanzte. Auch in Deutschland gibt es konservative Gemeinden und konservative Rabbiner, aber wir glauben nicht, daß dieselben über einen eventuell zu Tage tretenden Widerstreit zwischen Rititalgesetz und Hygieire einfach zur Tagesordnung übergehen. Gerade in Deutschland hat das konservative Judeiuumso bedeutende Ausdehnung darum gewonnen, weil seine Lehrer und Führer sich bestrebt haben, den Nachweis zu erbringen, daß es möglich ist, ein gesetzestrener Jude und zugleich ein moderner Mensch zu fein. Dieses Beispiel sollten auch Misere geistigen Führer jederzeit im Auge behalten. Einen politischen Einschlag erhielt auch die Debatte mit dem in der ersten Sitzung am 25. Februar erfolgten Hinweis des Kultusvorstehers Obering. Stricker ans die skandalösen Vorfälle in Prag, betreffend das Verbot für die galizischen Flüchtlinge zur Benützung der Straßenbahnen Mid es wurde allgemein mit Freude begrüßt, als Gemeinderat Dr. Schivarz-Hiller in der zweiten Sitzung am 4. März die Mitteilung machen tonnte, daß die ungesetzlichen Bersügnngen der Behörden über höhere Anordnung bereits eingestellt wurden, was übrigens auch gleichzeitig durch eine Zuschrift der Prager Knltnsgemeinde, die in der Sitzung zur Verlesung gelangte, bestätigt wurde. Im Nachstehenden ein mit Rücksicht ans die gegenwärtigen Verhältnisse sehr gekürzter Auszug ans dem umfangreichen Berichte: Ans der Sitzung v o m 25. F e b r tl a r. Der Präsident Dr. Alfred Stern eröffnet die Sitzung lttid hält dem verstorbenen Präsidenten der Prager Israel. Kultusgemeinde, Herrn Dr. Arnold Nosenbacher, einen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Die Trauerkllndgebnng wird dem Protokoll einverleibt. Nach Verlesung des Eiitlanfes erstattete der Vizepräsident Dr. Leopold Kohn den Bericht über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Verwaltnngsjahr 1917. Seinen Ausführungen entnehmen wir folgende Daten: Eint,ahmen pro 1917: L 4,158.88 (im Vorjahre K 3,508^516.28); Ausgaben K 4,471.095 (uit Vorjahre K 3,913.858.49); daherbudgetmäßiger Zuschuß von K 312.126.09 (tut Vorjahre K 405.342.21). Abschnitt A: Bethäuser, Kultus- und rituelle Angelegenheiten weisen an Einnahmen K. 236.516.— aus, au Ausgaben K. 640.282.—, daher ein Zuschuß von K.403.766.—. Abschnitt B: Unterrichtsangelegenheiten, Einnahmen: K. 63.128, Ausgaben: K. 431.289.—, Zuschuß:K. 368.161. Abschnitt C: Friedhofs- und Beerdigungsangelegenheiteu, Einnahmen: K. 1,321.277.—, Ausgaben: K. 762,929, Ueberschnß: K. 558.350.—, der für Wohltätigkeilszwecke Verwendung findet. Abschnitt D: Spital. Einnahmen: K. 408.401.—, Ausgaben: St. 772.516.—. Zuschuß: K. 364.119.—, mehr als im Vorjahre an K. 84.000.—. Abschnitt E: Versorgungsanstalt, Einnahmen: ft. 212.511.—, Ausgaben: ft. 340.342.—, Zuschuß: ft. 127.831.—. Abschnitt F: Wohltätigkeitsangelegenheiten, Einnahmen: K. 53.964.—, Ausgaben: K. 453.948.—. Zuschuß: K. 399. 984.—, also mehr als im Vorjahre um Kronen 32.000.—. Abschnitt G: Finanzangelegenheiten, Einnahmen au ftultusstenern und Jmmatrikulauonsgebühren ft. 1,700.000:—, mehr als im Vorjahre um K. 150.000.—. Nach Erklärung einzelner Details macht der Referent folgende Bemerkungen: „Ich kann nicht umhin, bei Erwähnung der Post Kultussteuern zu konstatieren, daß wir bei Behandlung derselben im Budget des Jahres 1916 mit gutem Rechte auf die Opserwilligkeit unserer Gemeiudemitgtleder gerechnet haben, und daß, mit Ausnahmen, die für Kriegszeiten in Aussicht genommenen und im Vorjahre dnrchgeführlen Erhöhungen keinen Widerstand gefunden haben." Redner verweist auf die Schwierigkeit in solch bedrängnisvoller Zeit, da alles Denken und Empfinden durch weltgeschichtliche Ereignisse gefangen und gefesselt wird, und da au jedem Tage die Bewertungen von Lebensmitteln, Material und Löhne wechseln, ein Budget festzustellen und einzuhalten. Allein es bleibt trotzdem die nnabweisliche Pflicht, den Bedürfnissen vorzusorgen und die von Tag zu Tag wachsende Not eines großen Teiles unserer Glaubensgenossen zu lindern — eine Notwendigkeit, die auch ikusere Gemeindemitglieder zur erhöhten Opserwilligkeit bestimmt hat, was wir mit Dank anerkennen wollen. (Lebhafter Beifall.) Der Referent besprichl die dringenden Angelegenheiten des neuen Friedhofes, der Mazzothversorguug uut> den Bau des Ambulatoriums auf dem für dasftinderspital erlvorbenen Grunde. Zur Mazzolhversorgung, so führt er aus, sind uns im Vorjahre 20 Waggons Weizenmehl, Heuer 15 Waggons Weizen und 5 Waggons Gerste (zur pflichtgemäßen gesetzlichen Mischung) bewilligt worden. Das entspricht einem Quantum von 15—16 Waggons Mehl, somit ein geringeres Ouantnm und eine minderwertige Qualität. Alle Bemühungen, ein größeres Qllantum oder eine bessere Qualität zu erlangen, waren erfolglos. Dabei sind wir verpflichtet, von dem uns zugebilligteu Quantum auch au.Niederösterreich. Steiermark und Triest samt Küstenland einen Teil abzugeben. Die Verteilung der Mazzoth an die einzelnen Mitglieder tluserer Gemeinde ist mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden, zumal nach den bereits eingelangten Bezugsanmeldungen und appromaximativer Berechnnng höchstens ein halbes Kilo per Kopf für die gesamte Osterzeit wird abgegeben werden können. — Redner berichtet über das Fortschreiten der baulichen Arbeiten auf den Gründen für den neuen Friedhof und erwähnt die Schwierigkeiten bei dem Beerdiguugsweseu infolge verschiedener Verkehrshindernisse; ferner über die Ausführung der Teftamentsbestimmungen der Frau Betti Fränkel, die der israelitischen Kultusgemeinde einen Betrag von 300.000 ev. 400.000 Kr. behufs Errichtung eines Kinder-Ambulawriums im 20. Bezirke hinterlassen hat. Nach Ueberwindung verschiedener Schwierigkeiten hofft Redner, daß noch im Laufe dich:-

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