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Die Wahrheit · 1917-03-09 · Heft 5 (9.3.1917) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 5 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 5. % Diese eherne Zeit muß uns ehern machen, stählen gegen Leid und Jammer! Der Einzelne muß iu der Gesamtheit anfgehen, wie der Gesamtheit Kampf des Einzelnen Wähle und Sicherheit gilt. Wie Mordechai der Königin Esther die Kleider zurücksandte, mit dem Bedeutelt, es sei eine Zeit der Trauer, und Ensagung, wo alle Ansprüche des Einzelnen zurücktreten müssen, so gilt es auch für uns alle: der Einzelne muß mit seinem Ich, seinen Forderungen zugunsten der Gesamtheit zurückireten, sich bescheiden und alles um des allgemeinen Wohles Willen tragen. Nicht murren, nicht unzufrieden sein, sondern geduldig, zuversichtlich, würdig der großen Zeit und herrlichen Gestalten, die sie uns als Vorbilder und Helden schenkt! Wir alle können Unabänderlich rs leichter tragen, so wir es um des Vaterlandes willen gerne, freudig tragen und andern tragen helfen. Die Geschöpfe sollen sich nach unsern Weisen ergänzen. So sollen wir unfern Mitbürgern iu allem behilflich sein, das schwere Kriegslos zu tragen, ruhig und lvürdig. Die große Zeit soll nicht kleine, mutlose Wesen schaffen, sondern uns emportragen zu ihrer Leistungen würdiger Höhe, über uns hinaus und des Alltags Jammer uns nach unserer Väter hehrem Beispiele erheben. So fordert es unsere Lehre, so unserer großen Männer Beispiel. Keine Klagen, sondern Taten der Lebensbejahnng der Abwehr von Not und Leiden, Anpassung an außerordentliche Verhältnisse! Dann kann in Israel Freude und Wonne sein, trotz aller Leiden und Kümmernisse, wenn Mordechäis Gottvertrauen und Bekenntnisfreude sich mit Esthers Heldenmut und Todesverachtung vereineil. Wenn Männer und Frauen für des Vaterlandes Größe wetteifern, wenn alle Kräfte für des Vaterlandes Heil Zusammenwirken und alles vor diesem Ziele znrücktritt, dann wird Gott uns helfen, wie Er unserem Volk in Nöten stets beistand, wie Er der Bedrückten Hort und Schützer, der Verfolgten Verteidiger und Retter ist und bleibt und den Frevel ahndet, die Gewalt sühnt und Recht Gesetz immer wieder aufrichtet und offensichtlich hüllet. So wollen wir denn gleich Mordechai und Esther wirken jeder in seiner Weise zn des Vaterlandes Heil und Größe! In Not und Gefahr wollen wir der cble^t Vorbilder gedenken, die uns den rechten Weg zeigen: auszuharren und in dunkelster Nacht des kommenden Morgens zu gedenken. Nimmer sich dem Unglücke beugen, sondern aufrecht, stark bleiben, stets den Blick nach oben gerichtet! Im Glücke zu vertrauen, aufrecht zu bleiben, ist wenig Verdienst, wohl aber im Unglücke auszuharren und stark zu bleiben. Unser Glaube lehrt uns.dies, er gemahnt uns, immer wieder Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele zn * suchen und zu finden. Das ist jedes Einzelnen Pstlcht und Glück! ch Wer Gott nicht sucht, in des Leides höchsten Graden nicht zu finden weiß, ist zu beklagen. Er mnß zn Ihm seine Zuflucht nehmen und eine Stunde der Sammlung wird ihn sehend und stark machen. Das muß jeder an sich selbst erleben, da es andere ihm nicht geben können. Nimm die Bibel, die Ahnengeschichte, schau ins Leben nnd ins eigene Herz, um Gott zu finden und Ihm neu zu leben! Werde gleich Mordechai würdig des Namens isolr jehudi, eines Mannes voll Kraft und Willensstärke, Entschiedenheit und Festigkeit! werde gleich Esther voll Begeisterung und Einfachheit um höherer Ziele und Zwecke willen! Es werden nach Stürmen nnd Verheerungen sondergleichen wieder Zeiten der Ruhe mtb des Aufbaues kommen und jeden lohnen, der ansgeharrt in Vertrauen und Ergebung. Religion ist Beziehung zu Gott, seiner großen Lehre nnd Znrechtstndung in feinent Srnne. Sie mnß durchlebt und in uns verwebt werden, uns umgestalteu und erneuern. Dies kann unsere Zeit mehr denn jede andere. Gottes Stimme tönt überall im Schlachtendröhnen, im Donner der Geschütze und den furchtbaren Kämpfen, worin Er zu Gerichte sitzt. Die Geisel des Krieges soll uns käutern und beffern, zu Gott führen und bei Ihm ausharren kaffe». Wir müssen an unserer Besserung und Hebung unaufhörlich arbeiten, ohne irre zu werden oder von Gott abzufallen, wie eS in der Verzweiflung leider oft geschieht, daß man am Glauben an Gott und Welt verzagt. Nur dies nicht, da wir damit nnermeßliche Werte zerstören. Laßt nnS bei Gott unsere Zuflucht fiubeu nnd unser Los in seiner Hand am besten geborgen wisse», da er uns schützt und hütet. Prof. Dr. L. Hirsch. Die amerikanischen Spenden. Mit Bezug ans die durch die Tagesblätter verbreitete Nachricht über die der israelit. Allianz zn Wien durch den amerikanischen Botschafter zugegangene Spende von 248.000 Dollars wird uns vom Vorstände der Israelitischen Allianz Folgendes mitgeteilt. Es handelt sich nicht um eine neue Geldzuwendung, durch welche der Verein in die Lage käme, in weiterem Umfange als bis jetzt Unterstützungen zn gewähren, sondern um eine Deckung für bereits seit längerer Zeit gegenüber allen Flüchtlingskomitees und den notleidenden Gemeinden in Galizien nnd Russisch Polen übernoinmene Verpflichtungen. Während des ganzen verflossenen Winters haben die Subventionen der Israelitischen Allianz an zirka 200 Flüchtlingskomitees in Böhmen, Mähren, Schlesien, Oberösterreich, Steiermsrk, Salzburg und in Wien insgesamt monatlich nahezu K 300-000.—, die Subventionen in Galizien monatlich K 150.000.— und in Russisch Polen monatlich K 127.000.— ausgemacht, wobei ausserordentliche einmalige Beiträge nicht mitgerechnet sind. In einem detaillirteu Berichte, welchen die Israelitische Allianz über die Aktion bis zum 31. Dezember 1916 an das Hilfskomittee in New-Iork erstattete nnd in welchem alle unterstützten Orte nebst den verwendeten Summen augegebeir waren, waren für die Zeit vom 1. Juni 1916 bis Ende des Jahres allein für Flüchtlinge K 1,968.542.—, für Galizien K 916.879.—, für Russisch-Polen K 915.300,—, außerdem für die Hilfsaktion in Ungarn (durch das auf Veranlassung der Israelitischen Allianz von Vertretern aller Parteien gebildete, von Hofrat Franz Szekely geleitete Hilfskomitee, K 430.429.— ausgewiesen. Diese dank der Hochherzigkeit der amerikanischen Glaubensgenossen in so großem Umfange geleitete Aktion hätte bald eingestellt werden ulüssen, wenn das Komitee in New-Iork nicht durch Vermittlung des Staatssekretärs Lansing m Washington der Allianz durch einen neuen Beitrag zn Hilfe gekommen wäre. Dadurch ist der Verein imstande, im Rahmen der bis jetzt übernommenen Verpflichtungen die Aktion durch einen gewissen Zeitraum fortznsetzen. Es wird uns gleichzeitig mitgeteilt, daß Unterstütznngsgesnche einzelner Personen oder Familien von der Zentrale in Wien ans nicht in Behandlung gezogen werden können. Die Hilfssektion ist so organisiert, daß jeder Ort einem Fürsorgekomitee untersteht, an welches sich die einzelnen Petenten zu wenden haben. Das Kudget der Wiener Kn linsgemeinde. Wenn wir auch noch so weit iu der Erinnerung zurückgreifen, werden wir kaum auf eine Debatte kommen, die so ausgedehnt und interessant wie jene war, welche sich bei der Beratung der Voranschläge für das Jahr 1917 im Vorstande der Wiener Knltnsgemeinde entwickelte. Unseres Wiffens ist es überhaupt das erstemal, daß die Budgetdebatte, nachdem sie bereits zwei Sitzungen beschäftigt hatte, noch auf eine dritte erstreckt werden mußre. Trotzdem jetzt nicht die Zeit zum Reden sondern znm Handeln ist, kann dieser Aufwand an Reden doch nicht mißbilligt werden nnd es ist nur zn begrüßen, daß so viele Mitglieder des Knltusvorstandes das Bedürfnis fühlten, sich nicht nur über die Ber-

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