Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 5 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeit \ Kebaltiou und tlbuiinißxatiou: Wien, II., Novaragasse 27 Telephon: ftebafiiou Automat *2.889. ^«abhängige Aertschrift für jüöische i Bezugspreis; Gau-jährig.K 16.— Halbliihri«.K 7.60. Administration Am. 47.654 ft. k. Ssterr. Postsparkasia- Ecbeek-Konlo Nr. 100.SI8. Internen. Für Kultusbeamte: <a«,»zjährig.K 10.— JulEratc: — Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden I r e i t n g. Für Ausland: Abonnements- und JnsertionS« Manzjiihxig ..6 Mark betröge sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel (Lottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder Itt Frc*. Ur. 5 ieu. 9. Mär; 1917 Inhalt: Purim. — Die amerikanischen Spenden. — Das Budget der Wiener Kultusgemeinde. — Josesstädter Tempelverein. — Verschiedene Nachrichten. Mnrim. Wieder begehen wir mitten im tobenden Weltenknmpfe das schöne Losfest. Es führt uns zurück in graue Vorzeit, da nichtswürdiger Haß und falscher Ehrgeiz eines einzelnen ein ganzes Volk vernichten wollte. Wie damals, so ist es heute. Einige Hetzer, Ehrgeizlinge wollen den Haß der Völker immer mehr steigern und hoffen daran Erfolge, bei deren Nichteintreffen ihr Kopf verloren ist. Unsere Feinde sind von einigen Ehrgeizlingen in diesen filrchtbaren Weltkrieg hinein gerissen worden und da mit ihrer Niederlage ihr Los besiegelt wäre, suchen sie die Verantwortung möglichst hinansznschieben und zn retten, was möglich. Sie faseln und stammeln vom Endsiege, von der Befreiung der kleinen Völker, vom Trinmpfe der Gerechtigkeit und des Rechtes. Jedes Wort eine Lüge! In Wahrheit wollen sie erobern und sich an unserem Besitze bereichern, die Völker nicht befreien, sondern in unerträgliche Fesseln schmieden. Doch wie HamanS Vernichtungspläne sich an ihm rächten und vollzogen; so wird es unser» Feinden gehen. Sie wollten uns aushungern, jetzt spüren sie den Hunger am eigenen Leibe. Sie wollten uns von aller Welt abschließen, jetzt sind sie zn Wasser von einander und der übrigen Welt abgeschlossen, das perfide Albion, der Sitteuwächter der Gerechtigkeit, der den grausamen Hungerkrieg über die Mittelmächte verhängte, die Meerstraßen vergewaltigt und am Marke der Völker zehrt, dieses heuchlerische England hat von seiner hochfahrenden Sprache viel verloren und ist etwas kleinlaut geworden, da es in seiner eigenen Zufuhr und Ernährung bedroht ist und nun das Fluchwürdige seines Treibens an sich selbst sieht. Wie Haman wollte es Unschuldige verderben und sieht sich selbst von Verderben bedroht, wie Haman arbeitete Albion mit Lüge und Verleumdung und sieht nun mit erwachendem Grauen die Gefahren, die es mit seiner frevelhaften Ablehnung des Friedensvorschlages der Mittelmächte über sich selbst und seine ihm blind gehorchenden Verbündeten gebracht hat. Es gibt eine Gerechtigkeit, eine Vorsehung! Das erkennen wir täglich besser und sehen es immer klarer. Im Frühjahre wollen sie gleichzeitig die großen Angriffsschlachten beginnen und unser Los entscheiden, die Welt nach ihren Plänen aufteilen. Ruhig, gut vorbereitet, sehen wir ihnen entgegen, nächst Gott unserer gerechten Sache und dem scharfen Schwerte vertrauend. „Mit dem Maße, womit der Mensch mißt, wird ihm zugemessen" sagen unsere lebenSerfahrenen Weisen. Auch wir hoffen, daß Gott unseren Feinden zumesseu wird, was sie an Grausamkeit, Niedertracht und Elend uns zugefügt haben. Wir können unser Purim,' unser LoSfest im Bewußtsein göttlicher Hilfe und Stütze feiern, voll unerschütterlichen Vertrauens in die Gerechtigkeit unseres Abwehrkampfes, geeint und geschlossen durch die Gemeinsamkeit unseres Verteidigungskrieges, den wir zu unserer Erhaltung gegen eine Welt von Feinden zu führen haben. Naht dann der ehrenvolle Friede, dann gilt es auszubauen und aufzurichten und besonders unseren Brüdern in Galizien rasch, ausgiebig zn helfen, moü dsrssün, einer dem andern. Die wirtschaftliche und politische Wiedergeburt unseres Volkes zum Wohle des Vaterlandes zu fördern, alle schaffenden Kräfte znsammenzufassen, um möglichst rasch des Krieges Leiden und Verwüstungen zu bannen und das Los aller zn bessern, das ist des Purimfestes Mahnung, des Festes, das den Schutz der Bedrückten, Schwachen und Hilfsbedürftigen uns so warm, so sinnfällig darstellt. Möge er mit seinem so schönen Ganzen, den erhebendem Einzelheiten seines Aufbaues uns zu guten Taten befeuern und für unseren hohen Glauben entflammen! Die Bekennerfreude eines Mordechai, eines wahrhaft jüdisch fühlenden und handelnden Mannes, eines isch jelradi tut uns so oft not, da wir uns uiljeres Judentums schämen und durch seine Vernachlässigung, Verheimlichung uns zn helfen vermeinen. Mit Nichten! Wieviele unserer treuen Brüder haben draußen, auf blutiger Walstatt für Kaiser und Vaterland den Heldentod erlitten und davon Zeugnis abgelegt, wie sie ihres Glaubens Mahnung zu beherzigen und für die höchsten Güter zu sterben vermögen! Solch ein Heldentod edelt jeden, denn er zeigt, daß über aller Ehre und Gerechtigkeit, Liebe zu Kaiser und Reich geht, daß das irdische Leben nicht der Güter höchstes ist, sondern höher als Leben und irdisch Sein der Kampf um Menschenrecht, Menschenwürde ist, die unsere Feinde uns rauben wollen, um uns in entwürdigende Abhängigkeit von ihrer Willkür, ihrer Machtgier zn bringen. Die Welt der Freiheit ringt mit der der Knechtschaft. Licht mit Finsternis zu vertauschen und da heißt es alles auch das Leven einsetzen. Da heißt es mit der edlen Esther rufen: Gehe ich zugrunde, so gehe ich eben für eine große, edle Sache dahin! Es ist Schmerz und Trauer überall eingekehrt, doch das eine erhebt uns: für eine große, edle Sache sind sie gestorben, ihr Ruhm bleibt ewig, ihre Namen teuften gleich des Himmels Sterne.