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Die Wahrheit · 1917-01-26 · Heft 2 (26.1.1917) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 2 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit. Seite 7. der Mann wurde ihr von den Eltern bestimmt, eine freie Wahl gab es nicht und was wirklich zum Staunen: die Ehen waren meist glücklich. Diese Sitte wie auch so manche andere sind natürlich abgekommen, denn mit der Zeit sind die Spaniolen vorgeschritten. Sie haben sich mehr und mehr akklimatisiert, nahmen von dem Laude, wo sie wohnten, so Manches an; ihre Sprache hat im Wohlklang viel eiugebüßt, man mengte Worte der Landessprachen hinein; viele türkische Worte sind wie der ungarischen auch ihrer Sprache einverleibt. Was sich jedoch bis heute erhielt, ist das spanische Zeremoniell, der Handkuß. Es wäre ein grober Verstoß gegen den guten Ton, wenn ein Mädchen einer älteren Dame nur die Hand reichen würde. Auch die Ehrfurcht vor den Eltern ist unverändert geblieben; oft opfern die Kinder ihr Lebensglück für sie. Es sei hier blos ein Beispiel erwähnt, doch könnte ich viele Seiten damit ansfüllen. Ein Gutbesitzer in Ungarn blieb bis zn seinem fünfzigsten Lebensjahre ledig; er heratete aus dem Grunde nicht, um seiner Mutter, die Witwe war, nicht den verpönten Namen einer Schwiegermutter zu geben, mit anderen Worten: sie sollte Alleinherscherin sein bis an ihr seliges Ende. Da er nun Vermögen besaß, auch sonst einen soliden Charakter hatte, war er stets das Ziel aller heiratsfähigen Töchter besitzender Mütter. Man trug ihm viele Mädchen au: schöne, häßliche, kluge, schicke Wienerinnen, fesche Pesterinnen, schlichte Temesvarerinnen, luxuriöse Belgraderinnen. Doch vergebens. Er blieb seinem Vorsatz treu mib erst ein Jahr nach dem Tode feiner Mutter nahm er sich eine Frau. Aber auch die Eltern fiiib aufopfernd für ihre Kinder, bei manchem Kinde hat die Erziehung die Diamanten der Mutter verschlungen Auch die Sitte, jedem Gaste gleich nach dem Begrüßen einen Löffel Dnlci (Eingefotteues) mit einem Glas Wasser zu verehren, hat sich erhalten. Ehe der Gast etwas znm Munde führt, wünscht er der Hausfrau und ihren Angehörigen das Beste, wofür sie sich bedankt oder die Segensf wünsche erwidert. Znm Schluffe erwähne ich noch die fränkischen Sprichwörter, da es kaum eine Nation gibt, die so reich an solchen wäre, wie die spanische. Fern von ihrer einstigen Heimat, Jahrhunderte hindurch haben sie sich von Generation auf Generation vererbt und kommt in diesen ihre Denkungsart ihre Lebensweisheit, ihre Grundsätze mit gutem Humor, oft aber auch sehr drastisch zum Ausdruck. Hier einige Beispiele: Dl ganullo V6C solo la corcova de otros, y no la suya propia. (Das Kamel sieht nur den Höcker bei andern, seinen eigenen aber nicht.) Esperavos asno a la hierva nueva. (Warte Esel auf's neue Gras.) Di esta bien eomo la mosca en la leche. (Es steht ihm so.gut,wie die Fliege in der Milch.) Sentio el gallo cantar, mas no sabe en que lugar. (Er hat den Hahn krähen gehört, weiß aber nicht wo er ist.) Si arnos de dos pica no habia, los de cuatro mucho valian. (Wenn es nicht zweifüßige Esel gebe, würden die vierfüßigen viel höher im Wert stehen.) . Quien qnita burla, non muere mas se encampa. (Wer immer spottet, zieht sich dadurch zwar keinen Tod, aber sehr große Unannehmlichkeiten zn.) da que no hay que senar, vamas a tarcar. (Wenn wir schon nichts zu essen haben, leben wir halt fein. Yo que este callente, y que se rien la gente. (Wenn ich warm bin, können die Leute lachen, so viel sie wollen.) En manquansa de pan, buenas son i tortas. (In -Ermangelung von Brot schmecken auch die Torten fein.) Mas vale caer en un rio furiente, que en boca de los parientes. (Besser man fällt in einen reißenden Strom, als in der Schwägerinnen Mund.) Quien de lo suyo quita al bazar, todos tienen de hablar. (Wer seine Angelegenheiten mit Jedermann bespricht, von dem spricht Jeder.) Boca dulce abre puertos de hiero. (Ein süßer Mund öffnet Türen von Enen.) Quien es para si no es para otros, quien es para otros no es para si. (Wer für sich, ist nicht für Andere, wer für Andere ist ilicht für sich.) Quien comio y caso temprano, no se repenfcio. (Wer frühzeitig ißt und frnc-zeitig heiratet, dem hal's noch nicht gereut.) Quien quere ser casamentero. quäle que tenger cara de pero, y sapatos de hierro. Quien quere tapar la boca de la gente, que sere en primero el eampo con puertas. (Wer Heiratsvermittler sein will, ier recht nnver'chämc energisch and nehme feste Lohten ans die Schabe in;:, naß er nicht ermüde.) Con un „nou se escapa, con un „siu se encampa. (Mit einem „Nein* ist man fertig, :nn einem ..Ja" wird man nie fertig.) Poco ablar, salud para el euerpo. (Wenig sprechen, ist gesrntd für den Körper.) Quien muncho habia, poco vale. (Wer viel spricht, ist wenig wert. Piedra el amor, y no la repuesta. (R>skire lieber die Freundschaft, aber laste dir keine Beleidigung gefallen.) Pres cosa quitan al hombre del mundo. echar y no dormir, esperar y no venir, haeer y no agradeeer. (Drei Dinge können den Menschen nmbringen: sich niederlegen und nicht schlafen können, erhoffen und nichts erlangen, sich in jeder Weise Mühe geben und nie Beifall finden.) Respuesta en su ora, vale mil ducados. (Eine gute Antwort zur rechten Zeit, ist tausend Dukaten wert. Quien en el caldo se quemo, en el „yugort“ asoplo. (Wer bei bei Suppe sich verbrennt, bläst beim „Ivgbnrt".) Dl hombre va fin onde puede, y no fin onde quiere. (Der Mensch geht, so wett er kann, nicht so weit er will.) Ad hastro y al haragan euando la aguja, cuando el didal. (Dem Schneider und dem Faiilen, bald fehlt ihm die Nadel bald der Fingerbnt.) Dl liaraganut es la llave de la pobreza. (Die Faulheit ist der Schlüssel zur Armut.) Dos a uno, quitan del mundo. (Zwei gegen Einen können einem nmbringen,) Bermano para el dia malo. (Nur rittdie schlechten Tage, da iit der Bruder gut.» Eermanos y no de un parecer. (Geschwister und gar keine Aehnlichkelt.) La madre y el delantal, tapan mucho mal. (Eine Mutter und eilte Schürze decken gar rnanches zn.) Dn la guerra no se espartan confites. (Im Krieg werden keine Zuckert ansgewitt.) Entre la paz y la guerra, guay, de puien la lleva! (Zwischen Friede und Krieg, wehe! wem es betrifft! Los grandes pelean, los chicos los llevan. (Die Großen stresten und die Kleinen haben daran zn tragen. Nunca te espantes de guerra, asta que bibe el rey en la tierra. (Fürchte keinen Krieg, solange ein König im' Lande ist.) Bn buen pleito true una buena paz. (Nach einer großen Schlacht erfolgt ein langer Friede!

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