Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 2 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6. Die Wn artreit Nr. 8. Munde der alten Schüler sein Lob in überschwänglicher Weise. Sie alle verehren in ihm das unerreichte Vorbild. So würdig" wie sein ganzes Wesen, so ergreifend wie sein Gesang im Gotteshanse, so poetisch verklärt wie sein Vortrag der Gebete, so schied der gefeierte Sänger aus diesem Leben mitten in der Ausübung seines Lehrberufes. Ehre seinem Andenken! Gin Vorläufer Ulispnims. Eine Reminiszenz aus dem K r i m k r i e g e. Bon Armin Wilkowitsch. Wer in Rußland die Theologie der Prawoslawie (Rechtsgläubigkeit) mit dem Maximen des (Chassidismns) (Strenggläubigkeil) in irgend einen Zusammenhang bringen wollte, liefe Gefahr, von der einen Sekte gekreuzigt zu werden. Und trotzdem läßt sich die Behauptung nicht abweisen, daß die orthodoxe Kirche ans dem Brunnen des viel älteren Chassidismus schöpfte. Die Lehre, daß der Durchichnitsmensch zu sündig sei, um Gott im Gebete zu nahen, die uralte Ansicht von der „Mittelkraft" wird von beiden bis zu den äußersten Konsequenzen verfochten. Während die Bibel populär lehrt: „An jeder Stelle, wo du meinen Namen anrusst, komme ich und segne dreh ..." bewerten beide — der Chassid, wie der orthodoxe Russe — ihre eigene religiöse Uebung, ihr öfteres Kasteien nur gering. Der erstere geht an kein Unternehmen, bevor er nicht des Rates und deS Segens des Wunderrabbi teilhaftig wird, der letztere ruft in seiner Bedrängnis außer dem kirchlichen Beistand irgend einen Prorok (Seher) au. Aber nicht nur der russische Pöbel klammert sich an die Vermittler Gottes, auch in den Salons der Großfürsten sind die oft fragewürdigen Sendboten Gottes tonangebende Faktoren! Sie terrorisieren mit ihren heiligen Blicken die Lenker der Staatsmaschine, sie zwingen aufs Knie die Schönheiten der vornehmsten und einsiußreichsten Boudoirs. . . . Nach der Ermordung des Kaisers Alexander H. wurde in Rußland überall ein köstliches Histörchen vom Einfluß eines Mönchs — der Name durfte nicht genannt wurden — auf die Person des Nikolaus I. znm besten gegeben. Es war zu Anfang des Jahres 1853. Kaiser Nikolaus hatte gleich seinen Ahnen den Ehrgeiz, nicht nur seine Macht im Orient entscheidend zur Geltung zu bringen, sondern auch Konstantinopel zu erobern und von der Hagia Sophia die russischen Fahnen wehen zu lassen. Aber nicht alle Ratgeber deweißen Zaren, besonders aber der Kronprinz Alexander — der als Freigeist galt — teilten die Ansicht de» Kaisers in Bezug der Opportunität deS Kriegführens mit dem osmanischen Reiche. Man wußte, daß England und Frankreich an die Seite der Türkei treten werden und daß selbst von Preußen und Oesterreich keine besondere Unterstützung zu gewärtigen sei. Allein die kirchliche Synode in Rußland arbeitete mit Hochdruck auf den Krieg, da das Kriegsmotto diesmal war: „Die Anerkennung des Rechtes der griechischen Kirche auf die heiligen Stätten in Jerusalem und die Garantie ihrer Privilegien in der Türkei. Ein Mönch, der persona grata beim Zaren war, kam eines Tages zu Kaiser Nikolaus und berichtete, daß in der Basiliuskathedrale zu Moskau eine göttliche Stimme aus dem Glockeugeläute zu vernehmen sei, die ohne Unterlaß „Pobieda nascha!“ („Der Sieg ist unser!") ruft. Kaiser Nikolaus wollte sich natürlich von der Wahrheit der Behauptung überzeugen und forderte den Mönch auf, sofort mit ihm die Reise nach Moskau anzutreten. Der GotteSmanu jedoch versicherte, daß die Prozedur, die zur Heiligung nötig sei, mehrere Wochen beanspruche, weil derjenige, welcher die göttliche Stimme hören will, sich viele Tage kasteien und vierzig Bäder nehmen müsse. Zar Nikolaus befolgte pünktlich die religiösen Anordnungen des Starez (Alter, Mönch) und aldie Frist der Heiligung um war, fuhren Beide nach Moskau. Ein Archimandrit las dem Kaiser bei geschlossenen Türen in der Basiliuskathedrale eine Messe vor, wobei aus mehreren Türmen die gewaltigen Töne der gigantischen Glocken erklangen und in ihren harmönischen Akkorden sang immer wieder eine seltsame Stimme die Worte „Polrieda nascha!“ Kaiser Nikolaus war ganz begeistert von der himmlischen Stimme und trat befriedigt die Rückreise nach Petersburg an. Auf seine Weisungen brachte Meuschikow die Forderungen seiner Regierung in so schroffer, herausfordernder Weise vor, daß die Pforte sie rundweg ablehnte, worauf Rußland am 2. Juli 1853 40.000 Mann unter Gortschikow in die Donaufürstentümer einrücken ließ, was der Beginn zum langwierigeu Krimkrieg, der Rußland mehr Niederlagen als Siege brachte, war. Als der Kronprinz Alexander aus dem Munde seines Papascha (Väterchens) die wunderliche Mär von der himmlichen Stimme vernahm, ließ er den Mönch zu sich rufen und bat um die Vermittlung, ebenfalls die Verheißung Gottes aus dem Glockenklange zu vernehmen. Der Starez jedoch meinte, der Kronprinz sei all dem Kasteien, die zur Heiligun g bedingt seien, unmöglich gewachsen. Die» ließ sich Alexander nicht eiureden, versprach alle Weisungen des GottesmauneS genau zu befolgen und zwang den Mönch, sobald als möglich mit der Heiligung zu beginnen. Der Krieg wütete bereit-, als der Mönch mit dem Kronprinzen nach Moskau fuhr. . Auf geheimen Befehl Alexanders drang während des Gottesdienstes eine Rotte der Leibgarde in die Kathedrale, durchsuchte alle Glockentürme und schleppte aus einer Nische einen roten Kazapen heraus, der so schön die Worte: „Pobieda nascha* singen konnte. Zar Nikolaus bestrafte den Kronprinzen für seine Hyperklngheit damit, daß dieser ein halbes Jahr ohne Degen hernmgehen mußte. Am 2. März starb Kaiser Nikolaus unkurz darauf schloß der friedliebende Kaiser Alexander II. den Frieden. Spanier in Oesterreich-Ungarn. Don Flora Albachary. (Schluß). Die Mädchen werden gleich den Japanerinnen nach den Gestirnen und Blumen benannt wie Sol (Sonne), Luna (Mond), Esirella (Stern), Flor (Blume), Rose etc. Als Braut werden mit ihr ganze Zeremonien vollzogen,, besonders eine Woche vor der Trauung, da wird sie auch mit Süßigkeiten und Geschenken, jedes verbunden mit einer Blumenspende, überhäuft. Ich will blo» den Tag erwähnen, wo aparar achugar d. H. ivo ihre sämtliche Ausstattung zur Ansicht ausgelegt ist. Da kommt Alles, reich und arm, nahe und ferne Verwandte, Bekannte; einige arme Frauen werden ausgenommen, die singen alte Weisen und schlagen dazu die Panderos (spanisches Musikinstrument), wobei jede r Besucher ihnen ein Geldstück hineinwirft. Man besichtigt Alles, es wird den Gästen türkischer Kaffee und Datei ausgetragen, wie auch andere verschiedene Süßigkeiten, man lacht, man scherzt und nachher folgt.ein Diner oder Souper und das geht so alle Tage fort, da gibt es nicht einen sondern acht Polterabende. E» ist dies wirklich keine klein e Ausgabe für die Hausfrau. Die Hochzeit jedoch ist Sache des Bräutigams. Von der Stunde au, wo ihm die Braut angetrant ist, hat er das Weitere zu besorgen und wie es bei einer solchen Hochzeit zugeht, kann sich nur der einen Begriff machen, der selber einer beigewohnt hat. Oft sind 40 bis 50 Wagen im Zuge, es herrscht große Heiterkeit und Lust und getanzt wird oft noch drei Tage nachher; heutzutage sieht man jedoch solche Hochzeiten nur mehr im Orient, selbstredend nur in Fciedenszeit, denn jetzt kommt einem Lust und Heiterkeit schon bald wie eine Vision vor und überall gibt es nur Kriegstrauungen. Interessant ist die Sitte, daß oft die Braut erst am Tage ihrer Hochzeit ihren Zukünftigen kennen lernte, denn