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Die Wahrheit · 1917-01-26 · Heft 1 (26.1.1917) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 1 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit. Seite 7. versetzt. Ihr ward der Tod einer wahrhaft Gerechten beschieden. Denn sanft und milde, ihr unbewußt, nahte der Engel des ewigen Frieden?, des Friedens, den sie mit heißer Sehnsucht erfleht, Josesine Engel, dieses schlichte Biederweib von außerordentlicher Bescheidenheit, deren Grnndzug eine beispiellose Herzeusgüte und Menschenliebe gewesen, hinterläßt tiefgehende Spuret! ihres ErdenwallenZ, vor allem in ihrem engsten Familienkreise, dem sie al§ musterhafte patriarchalische Hausfrau Vorstand, von dem gleichgesinnten zärtlichen Gatten und den rvohlgeratenen Kindern mit unendlicher Liebe umgeben, vergöttert von den trefflichen, angesehene Stellungen bekleidenden Schwiegersöhnen. Zweifellos haben die Ausstrahlungen ihres klaren Geistes und ihres goldenen Herzens die so erfolgreiche und segensreiche öffentliche Tätigkeit ihres treuen Lebensgesährren befruchtet und sie selbst frühzeitig einer reichen charitativen Wirksamkeit im Vorstände deS Mariahilfer Franen-Wohltätigkeitsvereines zugeführt. Was sie durch eine lange Reihe von Jahren in diesem Wohlfahrts-Institute als Kasseverwalterin geleistet, ist in den Annalen dieses Vereines verewigt und sichert ihr in den Herzen der zahllosen Unglücklichen, die durch ihre milde Hand ihre Gaben empfingen, ein Denkmal, dauernder denn Erz. Denn sie wußte in angeborenem Taktgefühl mit wahrer Herzlichkeit zu geben, sie war eine Freundin ihrer Schutzbefohlenen, kümmerte sich um die Sorgen, die sie drückten, und neben den Unterstützungen uns Vereinsmitteln flössen auS ihrer offenen Hand stetreiche Spende^ edelster Menschenliebe. Sie hatte eine hohe Auffassung von den Pflichten ihres Amtes. Mit Pünktlichkeit und Ernst verwaltete sie dasselbe und war bei den Beratungen 'stets eine warme Fürsprecherin der Armut. Und atS sie körperliches Leiden zwang, das mühsame Amt einer Kassierin «nszugeben, da betraute sie die Liebe und Wertschätzung ihrer Kolleginnen mit dem Ehrenamte einer Vizepräsidentin und auch als solche erwies sie ihre seltene Anhänglichkeit an den Verein in mannigfacher-Weise; sie fehlte bei keiner Sitzung und nahm noch lebhaften Anteil an der. letzten Veranstaltung des Vereines, der Kinderbekleidung, bei der mitzuwirken ihr eine große Befriedigung gewährte. Unendlich viel Liebe hat Josesine Engel gesät, aber Diel dankbare Anerkennung hat sie auch geerntet. Dies zeigte sich in geradezu überwältigender Weise bei dem am 7. d. M. ftattgefundenen Leichenbegängnisse. Die vornehmsten Repräsentanten unserer Gemeinde hatten sich im Trauerhause eingefnnden; der ehrwürdige 'Präsident der Kultusgemeiude, Herr Alfred Stern, war mit Herrn Landesschulrat Dr. Spitzer und fast allen Knltnsvorstehern erschienen, der Vorstand der Chewra Kadischa mit Herrn Präsidenten Salo Cohn, der Gesamt-Borstand deS Mariahilfer Tempelvereines unter Führung des Vize- Präsidenten Herrn kais. Rat Friedrich Pollak, sämtliche BorstandSdamen deS Mariahilfer Franeu-WohltätigkeitSvereines, Abordnungen anderer Frauen- und Tempelvereine, die Rabbinen Dr. Taglicht, Dr. Bauer sowie eine unübersehbare Zahl von Bernfsgenossen, persönlichen Freuuden der Leidtragenden, eine Auslese der vornehmsten Kreise unserer Stadt. Die Mehrzahl der Erschienenen gab der Entschlafenen auf den Zentralsriedhof das Ehrengeleite, deffen Zeremoniensaal die Fülle der Trauergäste kaum zu fassen vermochte. Tiefergrejsend war die künstlerisch vollendete Funktion deS Herrn Oberkantors Dünnmann und ein Meisterwerk der Beredsamkeit die weihevolle Gedenkrede des ehrw. Rabbiner Herrn Dr. Drobinsky, der das Erdenwallen der Verblichenen mit einem Liede voll inniger Harmonie verglich. Das Lied an deffen Wohllaut wir^ uns stets erfreut, ist nun für immer verklungen und was an Josesine Engel sterblich war, ist .eingegangen in der Allmutter Schoß zum ewigen Frieden! B—y. Die Königskrönrmg im Kriege. Bon Josef Rendi. Zagreb (Agram), am 30. Dezember 1916, dem Tage der Krönung Kaiser-König Karls zum König von Ungarn nnd von Kroatien, Slavonien und Dalmatien. Znm „König der Ehre" den Erben wird hent^ Die Krön', die erhaben, erheben; Sie krönt auch die Liebe der Völker, die Ihm, Wie Taten ergaben, ergeben. Sie krönt dann die Treue, die Ihm wird als dem Vom Himmel Geholten gehalten. In Zeiten so furchtbar von Schlachten beherrscht, Vom Feinde gewvllten Gewalten. Denn. Friedens-Fansaren der Herrscher ja wollt'. Statt fürder verwunden, verwenden; Sollt' wirklich die Worte des Heiles Er dort, Wo Tugend v e r s ch w n n d e n, verschwenden? Er wollte, daß Wunden im Glanz des Verzeih'ns, Bei trautem Verhalten, verheilten. Daß Engel mit Myrten hienieden im Reich, Bei dessen Verwalten verweilten. Dem rühmlichen Werke der Oelztveig entsprießt: Nicht ganz die verraten, verrohten. Die jenen zuliebe dem Lichte die Tür. Die schlau sich's verbaten, verboten. So laßt uns die Krone, die Er so gekrönt Und Große besangen, besingen: Getaucht nur in Liebe muß Freuden sie wohl, Die Frieden bedangen, bedingen. Spanier in Oesterreich-Ungarn. Boa Flora Albachary. (Fortsetzung.) Die spaniolischen, d.h. fränkischen oder spanischen Frone» trugen früher einen ganz eigenartigen Kopfputz, Tnkizsu (Bund) genannt, der oft ein Vermögen answog und mit einer Reihe orientalischer Goldstücke und kostbarer Edelsteine geziert war. Mit diesen verbargen sie ihre schönste Zierde, die Haare. Auch eine Eigenheit der spanischen Frauen die wundervollen schönen schwarzen langen Haare, nicht selten auch blonde. Diese unkleidsame Sitte erhielt sich noch ins vor 35 bis 30 Jahren, heute sieht man diesen Kopfschmuck nur vereinzelt bei ganz alten Frauen zumeist noch in Bosnien und Serbieil. Diese Kopftracht wurde wahrscheinlich von den Männern ansgedrachk, damit die Frauen Anderen nicht gefallen, denn sie waren riesig eifersüchtig, wie die Türken, hallen aber keinen Grund dazu, denn die spanische Frau ist sehr moralisch. Frühzettlg ins Joch der Ehe gespannt, sieht sie in ihrem Manne ihren Herrn und Gebieter und ist ihm untertan, doch in ihrem Haltswesen, in der Erziehung ihrer Kinder behält sie ihre Autorität, welche aber von der Schwiegermutter, die eine besonders große Rolle in ihrem Leben spielte, sehr beeinträchtigt wurde, ja in Abwesenheit des Mannes war sie sogar die Oberbesehlshaberitt des Hauses. Doch dies ist wirklich kein Wunder, wenn man bedenkt, daß manche Ehegattin erst 14 Jahre zählte nnd oft noch einen sehr kindischen Sinn besaß. So erzählt man: Er befand sich einmal eine Gesellschaft solch junger Frauchen beisammen und da die würdige Hausfrau nichts Klügeres wußte, um die Gäste zu unterhalten, nahm sie ihr Lieblingskätzchen, zog ihr die eigenen Brillant-Orgehänge in die Ohren, wand ihr mehrere Reihen echter weißer Perlen um den Hals und als sie damit geschmückt gar possierliche Sprünge machte, gab er im Kreise deS Lachens kein Ende, bis die Schwiegermutter unvermutet eintrat nnd sie vor Schreck die Katze los ließen. Diese war im Nu zur Tür hinaus und mit einem Satze auf dem Hausdache. Tableau!

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