Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 1 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 1. in «me große, schöne, Velebte jüdische Welt hinausführen konnte, ist von fren deutschen Juden nicht rechtzeitig ernannt und verfolgt worden. _ (Fortschritts folgt. Soziale Fürsorge im allen Testament' Im Tätigkeitsbericht der „Zentrale für private Fürsorge E. V." mit dem Schlußworte: „Durchhalten auch in der Fürsorgearbeit" von Geh. Konsistorialrat Doktor Matzling, fid'ent sich folgende Stelle: Die Motive zu solcher sozialen Arbeit sind' ganz verschrien. Es sind manche unter uns, denen d'as alttestjamentarische Liebesgebot besonders heilig ist. Und in hier Tat zeigt uns das alte Testament ein Volk, in dessen Mitte wie in keinem anderen Volke des Altertums die soziale Gesinnung gepflegt wurde. Das älteste Gesetzbuch, das sogenannte Bundesbuch, schreibt vor, daß der arme Volksgenosse zinsfrei sein Darlehen erhallen soll, daß das Pfand, welches ihm zum Eintreiben einer Schuld weggenommen wird, nicht über Nacht behalten werden darf für den Fall/ daß es das Oberkleid des Armen ist, da er es selbst als Decke zu seinem Schutz braucht; es wehrt dem Verfall des Armen in der Abhängigkeit bjer Sklaverei; es entzieht Aecker, Weinberge und Oelgärten der Prioatbewirtschaftung im siebenten Jahr, damit dke Armen des Volkes essen könnten; es dringt darauf, den siebenten. Tag als Ruhetag zu feiern; es schützt Witwen und Waisen in ihrer Bedrängnis; es bewahrt den Armen davor, daß sein Recht gebeugt wird. Das soziale Verhalten, die soziale Rücksichtnahme gilt damit als selbstverständliche Pflicht für den, der Gottes Gebot beobachten will. Freilich ist dieses Ideal in Israel nicht restlos verwirklicht worden. Hart müssen die Propheten über das unsoziale Verhalten klagen, über Ausbeutung der Armen, über ungerechtes Verhalten gegen die Bedrängten, über Aneinanderreihung von Acker zu Acker und die damit verbunden« Anhäufung von Besitz unter rücksichtsloser Ausnutzung der eigenen Machtmittel. Aber eben darum enthält diese Predigt des Propheten die stärksten Antriebe zum Erweis fürsorgender Hilfe; sie entflammt und nährt das soziale Verantwortlichkeitsgefühl. Was für goldene Worte enthält die gewissenerweckende Verkündung eines Amos, eines Hosea, eines Iesaias! Uno darf ich hier daran erinnern, wie dieser Sinn auch im späteren Leben des Volkes Israel von seinen Lehrern gepflegt worden ist? Ich möchte nur auf Moses Maimo indes, diesen großen Weisen aus dem Mittelalter, Hinweisen und' auf seine Sätze über die Wohltätigkeit; Wen wichtigste lauten: Die höchste Stufe der Wohltätigkeit ist die, daß jemand' in solcher Weise unterstützt wird, daß er sich selbständig ernähren kann. Die dritte ist die, wenn der Wohltäter weiß, wem er gibt, aber der Arme nicht weiß, von wem er empfängt. Die fünfte ist die, daß jemand gibt, bevor er darum gebeten wird. /?• Wir sehen, die alttestamentliche Religion bietet in der Tat starke Motive und' kräftige Antriebe zur sozialen Fürsorgearbeit und willigen Gebefreudigkeit. Aus der Wiener Knltnsgemeinde. (Koustituierrude Plenarsitzung de» Wiener Kultusvorstandes am 7. Jänner 1917, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Ster n.) Nach Eröffnung der Sitzung begrüßt der. Vorsitzende Präsident Dr. Alfred Stern den in der letzten Plenarsitzung in den Vorstand der Knltnsgemeinde kooptierten Herrn . Profesior Neu iu a n », als neuen Kollegen auf das herzlichste. Herr Professor N e u m a n u dankt für die ehrend e Auszeichnung, in den Knltnsvorstand ausgenommen worden zu fein und verspricht, nach Kräften sich an den Arbeiten für das Wohl der Gemeinde betätigen zn wollen. Im Einlaufe befinden sich Spenden: ein Dankschreiben des Herrn kaiferl. Rates Samuel S t e i n h ü b l für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Siegmnnb Mayer für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seines 85. Geburtstages; Dankschreiben der k. k. ifrael. Mi li tärseel sorge in Wien für den Beitrag zn der von der Militärseelsorge anläßlich des Channkafestes eingeleiteteu Aktion zur Verteilung von Liebesgaben an die in den Wiener Sannätsanstalten untergebrachten kriegsblinden jüdischen Soldaten. Im P r ä s i d i a l b e r i ch t e gibt der Vorsitzende Dr. Alfred Stern der Anteilnahme des Knltusvorstandes an den schweren Verlust, den das Mitglied des Knltusvorstandes, Herr Dr. Jakob Engel, durch das Ableben seiner Gattin erlitten, in herzlichen Worten Ausdruck. Hierauf fand im Sinne des Statutes die Neuwahl der Vizepräsidenten des Vertreter-Kollegiums sowie der Mitglieder der verschiedenen Komitees, Kommissionen und Stiftungs-Ktlratorien statt. Eine Neuwahl des Präsidenten hatte nicht stattzufinden, da der Präsident Dr. Alfred Stern in der Plenarsitzung vom 6. Jänner 1916 für eine dreijährige Fnnktionsdailer gewählt worden ist. Es wurden einstimmig gewählt: Für eine einjährige Funktionsdauer: Pr. Benjamin R « p p a p o r l, k. k. Hofrat, als I. Vicepräsident, Dr. Leopold K o h n als II. Vizepräsident. Die Gewählten danken für die wiederholte Wahl und für das hiedurch ihnen zum Ausdruck gebrachte Vertrauen. In das Vertreter-Kollegium wurden gewählt: Für eine einjährige Funktionsdaner die Herren: Salo C o h n, Privatier, M. B. E i ß l e r, Großindustrieller, Siegmnnd K a u d e r s, kais. Rat, Weingroßhändler, Dr. Wilhelm P a p p e u h e i m, Hof- und Gerichtsadvokar, Bezirksschulrat, Eduard Schwa r z, Fabrikant, Leopold S i m o n, k. k. Kommerzialrat, Dr. Markus Spitzer, Hofnnd Gerichtsadvokat, Landesschulrat, Ernst H i r j ch, Fabriksbesitzer (Nengewählt). Herr Ernst Hirsch dankt für die auf ihn gefallene Wahl. Er sei sich dessen bewußt, daß er seine Wahl m erster Linie den Verdiensten seines gottseligen Vaters, des langjährigen Vizepräsideltten der Kliltlisgemeinde, kais. Rates Moritz H i r f ch. zu verdanken habe. Redner werde gewiß bestrebt sein, den Intentionen seines Vaters gemäß der Knltusgemeillde zn dienen. Hieraus wurden die Wahlen in die einzelnen Kommissionen, Komitees und Stiftungs-Kuratorien vorgeuommen. Die Konstituierung derselben wurde einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten. I Josefme Enget. I Am 4. d. M. hat Frau Josefine Engel, Gattin deS Knltnsvorstehers, Präsidentin des Mariahilfer Tempelverein, ihre Seele ansgehancht; vorzeitig nnd unerwartet hat der Sturm der Zeit diese seltene Menschenblttte geknickt und damit ein überaus glückliches Familienleben zerstört, eine der ansehnlichsten Mariahilfer Häuser in unsagbare Trauer