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Die Wahrheit · 1917-01-26 · Heft 1 (26.1.1917) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 1 (26.1.1917)
Date
1917-01-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 1. Mich mir einen Regierungsassessor ohne Taufschein Nachweisen? t Die ehemalige Benachteiligung der Juden im preußischen Staatsleben hat nach Gchmollers Meinung bereits bß und dort dem Gegenteil, also der Bevorzugung, Platz rächt. Wo, Herr v. Schmoller, wo in aller Welt? welchem Punkt des preußischen Stiaatslebens werden! Betrachtung über den Heroenkultus der morgenunrd; abendländischen Arier folgt nun eine ausführliche Schil-! djerung des israelitischen Volkes, die, als von nichtjüdip- > scher Seite kommend, sehr geeignet ist, die Antisemit««!! in bezug auf Israel als KulMrelement eines bessere«!! zu belehren. Wir lassen nun im Folgendien Nocholk pi j Worte kommen: Mas israelitische Volk", führt er wörtlich aus,*) „iss ungetanste Juden nicht nur als gleichberebtrgt behandlet^ sondern sogar um ihres Judentums willen bevorzugt? ■ fs Viele Juden in ihrem Sanguinismus haben bei Nusbruch des Krieges gegljgubt, die gemeinsame Gefahr tutbi das gemeinsame Sterte werde ihnen nicht nur für dße Zeit des Kampfes, sondern auch nachher die heitz- «rsehnte Gleichberechtigung bringen. Wer sich ein yüchternes Urtell bewjahrt hat, der sieht für die Zeit nach dem Kriege nicht ein Verschwinden oder auch nur Abflauen, sondern im Gegenteil eine Hochflut des Antisemitismus voraus. War der Beschluß der Reichstagskommission in Nachen ddr Judenstatistik nicht etwa symptomatisch? Es gilbt Mische Drückeberger und jüdische Wucherer, wie es schriftliche" Drückeberger und „christliche" Wucherer gibt. Aber schon liegen die Agitatoren auf der Lauer, um sofort nach Aufhebung dds „Burgftiedens" alle Vorurleöeund alle schlechten Instinkte einseitig gegen die jüdischen Drückeberger und Mischen Wucherer und diamit gtzgen düs Judentum überhaupt mobil zu Machen. Schrofßer als je Haben sich während des Krieges die Gegensätze zwischen städtischen Konsumenten und ländlichen Probjl^enten ausgetan. Es liegt ein politisches Lebensinteresse gewisser Kreise vor, allen Groll der Konsumenten aus »inen Sündenbock, das Händlertum, das jüdische Händßertum, abzu lenken. ttnft da kommt ein so anerkannt „maßvoller" Mann, «ße Schmoller, eine Leuchte der Wissenschaft, macht deM deutschen Volke graulich von der angeblichen Absicht der semitischen Millionäre, Universitäten, Heer und hohes Beamtentum unbedingt zu beherrschen, erzählt den eifrig Laüschenden, daß schon jetzt in gewissen Zweigen des Preußischen Staatslebens die Juden sich einer direkten Bevorzugung erfreuten. Mit welcher Wonne sich die Vertreter des Straßen- Emtifemitismus diesen Sukkurs des Kathederantifemitrs- «ms nutzbar machen werden? Däbei bleibt es wahr, daß die Inden noch himmelweit von wirklicher Gleichberechtigung im Staatsleben entfernt sind. Und daß es Pflicht jedies gerecht denkenden Deutschen ist, dafür zu kämpfen, daß jede Stelle ßm Staate jedem Geeigneten ohne jede Rücksicht auf Parßek, Konfession und' Abstammung zugänglich werde? Fveie Bahn Men Tüchtigen!" Man darf gespannt sein, wie sich die scharfe Pretz- Dchde, die schlecht in die Zeit des großen Burgfriedens pocht, weiter entwickln wird. Zur Weltstellnttg des israelitische« Kolkes. Die Schriften des „Jnstitutum Judaicum" in Leipzigs welches sich bekanntlich zu Beginn der Achtzigerjahre te vorigen Jahrhunderts unter der Aegide des alten Delitzsch gebildet hat, sind zwar vom christlichen Stand- MM» geschrieben, aber doch auch im Interesse des Judentums verfaßt, um anzuerkennen, was am Judentum acht und wahr sei. Die 26. Nummer dieser Schriften obgenannten Instituts ^enthält einen Vortrag des bekannten Kirchenrates Rocholl, betitelt „Zur Wieltsiellung dies israelitischen Volkes", der, obgleich nicht ftei von Voreingenommenheit, uns durch feinfe wohlwollende Offenheit sympathisch berühren muß. Nach einer kurzen j semitisch. Es hat also etwas von der Wüste. Es jisil! nicht Volk der Spekulation, wie die Arier; es ist lebt j Volk her Tradition. Aus diesem semitischen Element, - tojtfef aus dem Urgestein heraus, ist's losgebrochen. Auf! dem Glauben dieses Abraham, welcher, aus allen natük-! lichen Verbindungen herausgerissen, der Grundstein wird^! ist's gebaut. Nicht durch Nenans „monotheistischen Instinkt" ist's geworden. Es ist nicht eine „Leistung te Moses", wie Pünjer sagt. Es ist als Volk ein GebiM : Gottes. Gott schafft'sj,, tzüchftgt's, wirft's hierhin, wirft's , dorthin, zerbricht's, setzt's wieder zusammen, stößi's t*; den Ofen der Leiden, zieht's wieder heraus. Und end-! sich wirft er's zertrümmert unter die Völker, wie müÄ! ein Gefäß zerschmettert, daß die Scherben uinherli«g«iHj ' nächdfem man den Inhalt herausgenommen. Denn dies Volk stirbt nicht eines natürlichen Todes, wie andere Volker. Sie sterben, wenn und weil sie ihre Aufgabe für I die Geschichte erfüllten. Dieses Volk muß sterben, mutz an seiner Ausgabe zugrunde gehen, muß sterben, well es dieselbe nicht erfüllt hat. So steht's völlig einsam durch i starren Zaun abgeschlossen, im Weltverkehr. Es steht! und geht einsam wie jemand, der ein großes Geheimnis!; pi bewahren hat. Dies Geheimnis erdMckt ihn fast. Cs sind geheime, noch versiegelte Urkunden in diesem Volks! wie in einem Schreine deponiert. Es hat ihm' selbst luni faßbare Botschaften an hie >Völter der Erde zu bergen undj i zu tragen. So steht es, soweit es in seinem Kern dtzml! Bundesverhältnis mit seinem Gotte treu bleibt. Es steW - als das einzjig nüchterne Volk mitten unter Tart-! melnden, wie Lötze richtig bemerkt. Man Muß diese wik-! den Taumel der vorderasiatischen Götterdienste nur Len-! neu. Man muß nur Movers über „die Gottheiten der; Phönizier" oder Luciän,,über die syrische Göttin" lese«-! 'Di« orgastischen und wollüstigen babylonischeil Mylit-! ten- und Molochdienste, welche Vorderasien überzogen^ wechseln mit dien rasenden Kybele-Kulten Phrygiens. Dies! Israel von Korybanten- und Kjnadenbanlden umwogt! und überschwemmt, hält dennoch das Haupt frei und hoch; darüber emporgehoben. Es erkennt das, was die Volke«; ringsum als Uebel und Leiden empfinden, nüchtern als Sünde. Mir haben, es ist wahr, auch in der altbabylonL- scheu Literatur tiefe Klagen über begangen« Fehltritte. Wir haben summarische Bußpsalmen. LenorMant unkj! Schröder hüben deren übersetzt. Sie sind ergreifend ut i Selbstanklage und Selbstdemütigung. Aber eines fehlt doch. Ich! meine, es fehlt der Hintergrund des persön--! lichen Verhältnisses zum offenbaren Vundesgott. Auch insofern ist dies israelitische Volk das nüchterne, als es fern von jedem patriotischen Schwindel ist. Die gebildetsten Nationen, Assyrer und Römer, verherrlichten sich trunken selbst in ihrer Geschichtsschreibung. Die Wnn-ale» des Mischen Volkes sind ehrlich. Sie üben unerbittlich« Selbstkritik, wie Niebuhr so sehr hervorhob. Dies« Neichschronisten schneiden ihrem Volke ins Fleisch. Nichts blendet sie. Es ist eine zermalmende Kraft göttlicher Wahrhaftigkeit, welche diese Historiographen erfüllt und stählt. Tacitus hat sein Volk beklagt, auch getadelt, aber er ftanb1 schreibend in seinem.Volke. Drrse Schriftsteller stehen in, aber zugleich völlig souverän über ihrem Volke." ' Gar herrliche Worte findlet Rocholl, wenn er des, Schrifttums des israelitischen Volkes erwähnt. „Dieses Volk", ruft er begeistert iaus,*) „hat eine Lyrik ohn« *) Znr Weltstkllung des isr. Volkes. Leipzig 1890. S. 7 ff.

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