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Die Wahrheit · 1916-12-29 · Heft 33 (29.12.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 33 (29.12.1916)
Date
1916-12-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Weite 7. Nr. 33. Die Wahrheit. Brüdern, für die einst Dein edles Herz schlug, die vollständige Freiheit! Zu mächtig aber erscholl des Wächter- Ruf: Tag wird's!" — daß er in Nacht und Finsternis versinke! Schlafe in Frieden! Deine Träume werden zu Wahrheiten werden! Aphorismen. ±V. Die frevelhaften Brandstifter. Kol haposel — bemumo posel. Der srevelbelastete Mensch jucht gewöhnlich seine Laster anderen, nnschuldigen Menschen anzndichten. (Talmud) Wenn im alten Israel auf dem Felde ein Erschlagener gefunden wurde und istan den Mörder nicht eruieren tonnte, so mutzten näch gesetzlicher Vorschrift die Aeltesten und die Richter hinausgehen und dis an die Städte messen, die um den Erschlagenen herum' lagen; diejenige Stadt nun, welche die nächstje an dem Erschlagenen war, , deren Aeltestlen mutzten eine Rindkalbe nehmen, die noch nicht zur Arbeit gebraucht worden war und an keinem' 1 Joche gezogen Hatte, diese Kalbe mutzten die Aeltesten . der Stpdt in einen harten Grund führen, der nicht bearbeitet und nicht besät werden tonnte, und ihr dort das Genick abhauen ,das heitzt, wie unsere Weisen erklären: Gott spricht gleichsam : Ein einjähriges, noch nicht fruchtbares Kalb soll auf einem noch unfruchtbaren Boden getötet werden, um Sühne zu erwirken für den Mord eines Menschen, dem man Mutwillig das Leben geraubt, so djatz er keine Früchte bringen konnte — sodann mutzten die Priester jaus dem Stamme Lewi hinzutreten (denn sie hstt der Ewige, dein Gott, erwählet, seinen Dienst zu versehen und in seinem Namen den Segen auszufprechen, und nach ihrem Ausspruche werden alle Streitsachen und Verletzungen entschieden), und alle Aeltesten derjenigen St-adt, welche dem Erschlagenen am nächsten war, mutzten über der Kalbe, der im Tale das Genick abgeschlagen wurde, die Hände waschen und gegeneinander sprechen (diese, nämlich die Aeltesten): „Unsere Hände haben dieses Blut uicht vergossen und unsere Augen es nicht gesehen!" Hierauf sprachen die Priester: „Köpper leamdro Iisroel, Vergib^ o Mvigjer, dem Bolle Israel, das du erlöst hjast, und rechne es ihm' nicht als unschuldig vergossenes Blut zu! Alsdann ist ihnen dieses Blut versöhnt. Du Mer hast auf 'diese Weise die Anklage unschuldigen Blutes von dir weggeschafft, wenn du das getan, was in den Äugen des Ewigen recht ist." — Auch im gegenwärtigen Weltkriege — der nicht mehr - ein Krieg, sondern ein Völkermord genannt zu werden vvMent — wurden Md werden heute noch immer täglich tausende Md abermals tausende unschuldige Menschen nutzloser Weise hingeschhachtet und die Hauptniedertracht dabei ist, datz die eigentlichen Brandstifter sich -erkühnen (ich möchte sagen, bjm traurigen Mut haben). Wese unerhörten Freveltaten den friedliebendsten.Regierungen anzuhichten, sie durch ihre glänzend besoldeten IMgitatoren und Journalisten in aller Well durch Verbreitung lügenhafter Verleumdungen anschwärzen und mitzkreditieren, ja sogar als Barbaren und Hunnen stigmatisieren lietzen, so Hatz die Volker Europas ganz wirr gemacht wurden und jetzt ftagen, wer denn der eigentliche Brandstifter dieser Grotzschlächterei sei. — Auf diese famose Frage hülfen mit Fug und Recht die Diplomaten her Zentralmächte antworten: „Unsere^ Han.de haben dieses unschuldige Blut Acht mutwillig vergossen, denn wir. hiaben den Weltkrieg nicht heraufbeschworen, sind nicht in den Kampf gezogen, um fremde Länder zu erobern, sondern um unser Leben zu schützen, unser gefährdetes Besitztum zu wlahren. Erbitterte Feinde, die seit vielen Jahren aus Neid, Hatz, Mitzgunst und Habsucht gefährliche, aus hie ZerMMmerung unserer Staaten! zielende Pläne entworfen haben, haben uns plötzlich durch ' ihre Orgäne, oder richtiger Verbündeten, den Kampf aufgezwungen. Wir nmtzten haher, um nicht von unseren Gegnern als Feiglinge verhöhnt, verspottet und verlacht zu werden, gegen unseren Willen in den Kampf ziehen und uns wehren. Habo lehogoch hafchkem lehorgan., ,Wenn der Feind plötzlich über dich kommt Mit der Absicht, dich niederzurennen, so säume nicht, komme ihm zuvor und strecke ihn nieher." Wenn auch die hohen, einflußreichen Kriegshetzer der Entente diese Antwort vornehm belächeln, verhöhnen, bespötteln und für die Fortsetzung der Grotzschlächte rei die größten Opfer p bringen sich bereitwilligst erklären, haben wir hoch keine Ursache, zu verzagen, denn die Zeit ist nicht mehr fern, wo auch die Ententevölker zur Besinnung kommen und. die feste Ueberzeugung gewinnen werden, datz sie von den hohen Kriegshetzern, die hoch zu. Rotz sitzen, aber nicht auf den Schlachtfeldern^' sondern in den Bureaus, wo sie siegreiche Redeschlachten abhallen und dafür sorgen, datz ihnen kein Haar gekrümmt werde, während sie Millionen unschuldige Schafe zur Schlachtbank schleppen lassen, belogen, betrogen, bitter getäuscht und ins gräßlichste Unglück ^stürzt wurden. Die Folge dieser Ueberzeugung wird sein, datz alle diese Brarchstrfter gar bald vom Schauplatze ihrer grauenhaften, weltzerstörenden Tätigkeit verschwinden werden; denn die Welt ist nicht ohne Gott, ohne Vorsehung, ohne Gerechtigkeit! Fr. Gerfon Sirchardl. Z u seinem 2 5 jährig e n A m t s j» b i l ä u m. Von A. Friedman«, königl. Musikdirektor, Berlin. Am 20. Januar 1915 feiert Herr Gerson Linhardt sein 25jähriges Amtsjubiläum als Oberkantor der Gemeinde Hannover. Linhardt wurde am -7. Februar 1859 zu Sambor, Galizien, geboren, wo sein Vater ein gerngehörter Baal Tefilla war. Der Knabe, der mit einer sympathischen und hellklingenden Sopranstimme begabt war, fand Aufnahme im Chor des Fischet Hefter, Chasan seiner Vaterstadt. Später begab sich Linhardt nach Ungarn zu dm^herühmten Kantoren, um sich weiter auszubilden und Häkchen und musikalischen Studien obznliegen. Als junger zWAn wandte sich Linhardt dann nach Budapest, um daselbst bei dem rühmlichft bekannreit Professor Oberkantor Moritz Friedmann das Kantorat zu erlernen. Durch seine Hingabe an das Fach und durch seinen großen Fleiß gewann er sich nicht nur die volle Sympathie seines Lehrers, sondern auch der Oberrabbiner Dr. Kasperling brachte dem jungen Schüler Wohlwollen nnd Interesse entgegen. Nach vollendetem Studium empfahlen ihn Prof. Friedmann und Dr. Kayserling der Gemeinde Janoshaza, woselbst er drei Jahre lang zur allgemeinen Zufriedenheit seines Amtes waltete. Bon hier aus erhielt er eine Berufung nach Kaposvar, wo er mit Chor und Orgel amtierte. Linhardts Ruf als Kantor verbreitete sich bis über die Grenzen Ungarns, und als Basel einen Oberkantor suchte, fiel die Wahl der Gemeinde auf Linhardt. Auch in dieser Gemeinde wurden seine vorzüglichen Gaben als Chasan sehr geschätzt, da er eS verstand, das tnibitionefle Chasonns mit tiefem Verständnis und großer Empfindung vorzrrtragen. Im Jahre 1892 erhielt Linhardt einen Ruf nach Hannover, als Nachfolger von Heinrich Berggrün, s. A. Auch in dieser Gemeinde hat er es verstanden, sich. die Zuneigung aller Mitglieder zu erwerben. Linhardt hütet mit Pietät die musikalische Tradition seine- Vorgängers nnd ist bemüht, dessen liebgewordene Gesänge der Gemeinde zu erhalten.

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