Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 33 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6. Die Wahrheit Nr 33. der einem -armen Menschen die Gelegenheit raubt, sich einen ehrlichen Verdienst ju erwerben, nicht tadelnswert?" „Ern solcher Mensch", erwiderte der Rabbi, „verdient ein Frevler genannt zu werden." „Wie aber — riefen sie Hm zu — hat der frömmle Rabbi den armen R. Eiddiel um ein Geschäft bringen können?" Feierlichst erMrte! R. Abba, daß er von der Unterhandlung, die R. Eiddiel mit dem Eigentümer des Grundstückes gehabt, keine!' Ahnung hatte, daß es ihm herzlich leid tue, dem Kollegen so viel Unannehmlichkeiten, wenn auch unbewußt, bereitet zu haben, und daß er endlich gar bereit gewesen wäre, das Grundstück Hm zu überlasten, wenn jes nicht ein böses Omen wäre, das erste Grundstück, das er käuflich erworben, zu verkaufen. R. Giddel, der sich durchaus nicht beschenken lassen wollte, lehnte das Anerbieten entschieden ab. Nun wollten weder der eine noch der andere Rabbi von dem Acker einen Genuß haben, dasselbe wurde daher das ,,Feld der Weisen" genannt. (Kidusch. 59.) Einst, so wird im Rabba 292 erzählt, haben zwei Freunde den berühmten R. Pmchus b. Jair besucht, bei dem sie eine sehr freundliche Aufnahme gefunden. Vor Hrer Abreise vergaßen sie zwei Maß Gerste,> die sie ihm zur Aufbewahrung gegeben hatten, mitzunehmen. R. Pinchas, der erst nach ihrer Abneife die zurückge-: lassene Gerste bemerkte, war im ersten Augenblick in Verlegenheit, da er nicht wußte, was er damit anfangen sollte. Endlich entschloß er sich, die Gerste auszusäen, die Hm tatsächlich eine ausgezeichnete Ernte brachte. Da aber die Freunde, die eine weite Reise unternommen, nicht so bald zurückkamen, setzte R. Pinchas die Aussaat der Gerste sieben Jahre fort, so daß er gezwungen war, Kr den daraus gezogenen Gewinn einige Magazine in Anspruch zu nähmen. Nach sieben Jahren kamen endliche die zwei Freunde von ihrer großen Reise zurück und verfügten sich zu R. Pinchas, um ihn um die Rückgabe der seinerzeit davergessenen zwei Maß Gerste zu ersuchen. Der fromme Rabbi Öffnete ihnen mehrere Magazine, die dichtgefüllt waren, und sagte: „Hier habt Ihr Euer Eigentum." Die Schüler des Simon b. Schetach halten für ihren ftommen, gottbegeisterten Lehrer, um ihm sein höchst beschwerliches Hausierergeschäft wenigstens teilweise ecleichtern zu können, einen Esel gekauft und als sie am Halse desselben ein mit Diamanten besetztes Halsband bemerkten, fteuten sie sich sehr und wollten dem edlen Rabbi M diesem glücklichen Funde gratulieren, allein er trug ihnen auf, den Schatz dem sarazenischen Verkäufer sofort Mrückzuerstatten, da derselbe nicht zum Kaufe gehörte. Interessant sind die schönen, auf Ehrlichkeit und Redilichkeit Bezug habenden Lehren der hervorragenden rabbmischen Autoritäten des Mittehrlters. In dem „Buche der Frommen" des R. Jehuda b. Samiuel aus Regensburg *) heißt es: Täusche niemand absichtlich durch deine Handlungen, auch keinen Nichtjuden; seid nicht zänkisch gegen die Leute, weß Glaubens sie feien. Handle ehrlich in deinem Geschäfte; erzähle nicht, daß man dir eine Ware für diesen oder jenen Preis habe abkaufen wollen, wenn es nicht wahr ist; mache nicht Miene zum Verkaufen, wenn es dir kein Emst ist. Solche Dinge sind eines Israeliten unwürdig. Kommt ein Jude oder ein Nichtjude und wül Geld von dir geliehen haben, und du magst nicht, weil du an der Wiederbezahlung zweifelst, so sage nicht, du habest kein Geld usw. — Ferner: Wenn zwischen Juden und Nichtjuden ein Vertrag zu gegenseitigem HZeistande abgeschlossen wurde, müssten erstere Beistand leisten, wenn letztere ihrer Verpflichtung Nachkommen. Will ein Jude einen Nichtjuden töten, dieser aber nicht jenen, müssen wir dem Nichtjuden beistehen. Man soll Niemandem Unrecht tun, auch nicht Bekennern anderen *) Bgl. Zunz, Z. Gesch. «.Littet. Glaubens. An dem Vermögen derer, welche die Arbeiter drücken, gestohlene Sachen kaufen und zu ihrem Hausgeräte heidnische Zierate halten, ist kein Segen; sie oder Hre Kinder gehen dessen verlustig. In dem Verkehr mit Nichtjuden befleißige dich derselben Redlichkeit als mit Juden; mache den Nichtjuden auf seinen Irrtum aufmerksam- und besser, du lebst von Almosen^, als daß du zur Schmach des Judentums und des jüdischen Namens mit fremdem Gekde dav.onläufst. Holt der Nichtjude sich bei dir Rat, so sage ihm, wer in dem Orte, wohin er sich begibt, r e dlich u,nd wer ein Betrüger sei. Siehst du einen fremden Glaubensgenossen eine Sünde begehen, so hintertreibe sie, wenn du die Macht dazu hast, und sei der Prophet Jona hierin dein Vorbild. Fliehet ein Mörder zu dir, so gewähre ihm keinen Schutz, auch wenn es ein Jude; begegnet dir aber auf schmalem, schlechtem^ Wege ein Hasttragender, so mache ihm Platz, wenn es auch kein Jchde ist. Einem die natürlichen Gebote haltenden Nichtjuden gib zurück, was er verloren, halte ihn mehr fn Ehren, als den die göttliche Lehre vernachlässigenden Israeliten. llebrigens sind an den meisten Orten die Juden den Christen in ihren Sitten ähnlich, rc. rc. AVer Erbarmen hat mit den Menschen dessen erbarmt sich Gott; ein Unbarmherziger gleicht dem Vieh, das bei den Leiden der Seinigen gleichgültig bleibt usw. Der größte Fehler ist Undankbarkeit; die ist selbst gegen das Tier nicht gestattet usw. Sprich, nicht: „Ich werde das Böse vergelten!" Hoffe auf Gott und er wird helfen. Hat man dich «mit unrichtigem Gewichte betrogen, bestohlen, falsches Zeugnis gegen dich> abgelegt, so laß dich nicht verleiten, aus Rache ein Gleiches zu tun. Sei still, wenn man dich schmähet, und dulde auch nicht, daß deine Schüler und Hausgenossen mit Schimpfen und Schlägen dem! begegnen, der dich beleidigt. Neid und Haß tue ab von dir; hat man dich zu einem Beitrage über dein Vermögen besteuert, so daß Reichere weniger zahlen, errege nicht dir und anderen ^Verdrießlichkeiten durch Einsprache; schweige und beschäftige dich mit der göttlichen Lehre rc. rc. (Forcietziiug folgt.) Die öfterreichilche Kelterei. Zum zweiten Jahrzeitstage Hugo Zuckermailils (6. Tebeth). ' Von Armin Wilkowitfch, Eger. Omar schomer: „Osso bauker!w— W’gam lojloh! (Jesajas 19. B. 11.) Durch Grauen und Finsternis, ächzend und blutend aus tausend klaffenden Wunden trottet die gleichsam mit Blindheit geschlagene Menschheit ... Da ruft ein Wächter vom Tnrme einer mächtigen, in Felsen gehauenen Burg: „Tag wird'»!" — Nicht drei Tage nur. wie einst im Reiche des tyrannischen Pharao, währt die Finsternis, nein, drei Jahre fast bedeckt sie mit schwarzen Schleiern die Welt! Aber noch wollen des Hasses Fürsten von der Wohltat des Lichtes — des Frieden ans Erden nichts wissen! Sie fabeln von der Völker Freiheit, die sie selber mißachten, vom Umschmieden der Waffen zu Sensen und Sicheln und tragen doch selbst stets den Dolch im Busen ... „Wie eine Schildwache im Grabe ruht seit zwei Jahren ein österreichischer Sänger und Held im heißgeliebten heimatlichen Boden. Wie schwebte auf seinen Sängerlippen, da wir ihn vom Totenbette hoben, die Frage: „Werden unsere Fahnen wehen ans Belegrad?! ..." «Hugo Zuckermann! Zn Deinem zweiten Jahrzeittage überbringen wir Dir die Kunde:/ Noch traben Hnnderttausende in Oesterreichs Reiterei! Sie schlagen die heuchlerischen Feinde an allen Ecken nnd Enden! Und trotz des Hasses finsterer Nacht bricht bald der Tag der Freiheit Und des Friedens heran. Vielleicht bringt er auch Deinen