Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 33 (29.12.1916)
- Date
- 1916-12-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Leite 4. Die Wahrheit Nr. 83. niedersteigen, als es notwendigist, um sie zu packen und zu uns emporzuziehen. Unserer synagogalen Einrichtung Rechnung tyrgeiü), soll die Erhörte in der Regel von d>Än verlesenen Wochenabschnitt ihren Ausgangspunkt nehmen. Hiebei ist dem einleitenden Tatze besondere Sorgfalt zu wftynen. Dieser soll so beschaffen jsein, daß er wie mit einem Schlage das Interesse der blinder gefangen nehme. Auch eine sonst gute Erhörte vermag das Interesse der Kinder nicht jtmeder M M^ben, wenn sie der Anfang 'gleichgültig gelassen hat. „Wir lesen im heutigen Wochenabschnitte" ist Hebt glücklich gewÄhlter Anfang für eine Erhörte. Nun kommt noch eine vielleicht mehrstündige Gedächtnisarbeit, das Memorieren der Erhörte und das Einüben einer wirkungsvollen Vortragsweise hinzu. Nach dem Gesagten frage ich, wie kann ein gewiWnhafter Lehrer, bei seiner täglich zumeist bis in die späten Abendstunden hinein dauernden UnterrichtstätiMit, nebenbei bexmerkt, soll er sich ja auch auf diese vorbereiten, jede Woche oder selbst auch nur jede zweite Woche eine gute Erhörte hckltM? - -Man mühte es indessen bedauern, wenn die Erhörten den Religionsl-chrern abgenommen oder letztere vor den SchwieriAeiten zurückschrecken würden, sich, auf diesem Gebiete zu betätigen. Die Erhörte ist und bleibt eine Domäne der Religionslchrer. Sie steht mit ihrem Zwecke und Ziele in so enger Beziehung zum Religionsunterrichte, dah gerade der Religionslehrer die Eignung für eine BetätiWng Mf diesem Gebiete für sich in erhöhtem Matze M Anspruch zu nehmen berechtigt ist. Die Kunst, zu Kindern zu sprechen, Hann nirgends anders als in der Schule erworben weichen. Nur derjenige, den in bler Schule mit den Kindern lebt, diese versieht und von ihnen am besten verstanden wird, wird auch im Gotteshaus von ihnen am besten verstanden werden. Nur dürfen Neligionslehrern keine Verpflichtungen auferlegt werden, dlämr sie unmöglich gewachsen sein können. Dies gilt namentlich von jungen Religionslehrern. Hätte der Religionslehrer in seiner ersten Dienstzeit nicht mehr, als drei oder vier Exhorten jährlich zu hakten, so würde er Zeit und Mutze finden, sein Thema reiflich zu überlegen, es dprch einschlägige fieftüre zu vertiefen und formgerecht zu gestalten. Für den jungen Religionslehrer wäre dies eine vortreffliche Schulung und seine Arbeit hätte jedenfalls für ihn selbst und fite die Kinder mehr Wert als die Schnellarbeit, die er leisten mutz, wenn er gleich jede Woche oder alle vierzehn Tage eine Erhörte zuhalten verpflichtet ist. Dies führt aber zur Verminderung hier Erhortenanzahl. Ich fürchte, mit diesem meinem' Vorschläge auf Widerspruch zu stützen, allein ich sehe keinen andren Ausweg. Das jüdiM Kind mutz sich daran gewöhnen, auch einem Gottesdienst ohne Erhörte bei- Juwvhnen, wie es auch nicht immer auf das Brot die Brüter gestrichen bekömmt und zuweilen auch ein Stück trockenes Brot effen mutz. Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende. Ich gljcmbe in dem Vorstehenden alles das ausgesprochen zu haben, was, meiner Ansicht nach, unserem Iugendgottesdienfte nottut, um ein würdigeres Gepräge zu erhalten. Es handelt sich dabei weniger darum, den Iugpndgottesdienst umzugestalten und rahjkale Reformen an ihm vorzunehmen, als vielmehr das Bestehende auszubauen und zweck/entsprechender einzurichten. Die Grundmauern des Iugendgottesdienstes: Hebräische Gebets helbriaische Th!orjavorlesunjg, bleiben. jLine völlige Umgestaltung Des Iugendgottesdienstes mit deutschen Gebeten und Gesängen, oder Einführung des Borfesens der Thora in deutscher Sprache und Aechulichem, worin manche das Heil der kIugend und des Iujdentums erblicken wolle n, h zi e tz e ü b ex: hi e G e g e n w a r t h i n ausgre ifen upd einem Ziele zu steuern, das wir in seiner Wirkung nicht genau kennen, insoweit wir e.s aber kennen, e ben nicht sehr erstrebenswert .ist. Reicht mein Optimismus auch! nicht so weif, um,anzunehmen, daß alle Meine Vorschläge Beifall gefunden haben, so darf ich mich wohl der Hoffnung hingeben, daß wenigstens einzelnen Anregungen Billigung nicht versagt bleiben wird. Und sollte es mir auch nur zum Teil gelungen sein, auf eine Institution unserer -Gemeinde, welche der heute mehr heim. je notwendig gewordenen Pflege der religiösen Betätigung unserer Jugend dient, förderlich einzuwirken, so werde ich mich mit diesem' Erfolge vollauf zufrickren geben. Der Krieg und die jüdische Kran. Ueber das hochaktuelle Thema, wie der Krieg mif Leben, Wirken und Pflichtenkreis der Frau im allgemeinen und insbesondere auch , der jüdischen Frau Einfluß gewinne, schreibt Fabius Schach im „Hauch. Isr. Famflienblatt" folgenden, überaus beachtenswerten Artikel, der gewitz auch in unseren Leserkreisen mit großem Interesse ausgenommen werden wird: Das Leben «des Weibes bedeutet, psychologisch aus-, gefaßt, immer Kriegs und es Mt im Grunde keinen tiefgehenderen Krieg im Leben als den der Geschlechter gegeneinander. Aber in diesem Kriege ruhen die höchsten Reize und die tiefsten Kräfte des Lebens und — es Mag paradox klingen und ist doch wahr — aus diesem Kriege fließt uns der tieffte Frieden. Denn der wahre Frieden ist die Frucht des Kampfes, das Produkt des Ringens mit der Welt und mit sich. Der größte Held ist Nacheinem Ausspruch der jüdischen Weisheit derjenige, der über sich selbst siegt, der sich selbst in seiner Gewalt hat. Von den beiden gegeneinander kämpfenden Geschlechtern hat jedesseine starken und schwachen. Seiten und es ist eine Torheit, abmessen zu wollen, wer von beiden wichtiger und bedeutender ist. Jedenfalls aber ist das Weib, das bodenständigere Element, weil es mit stärkeren 'Instinkten ausgestattet ist und daher nicht bloß vernunftgemäß lebt. Hier ruht die Stärke und die Schwäche de!s Weibes und hier ist -auch die Begreifung seines Wirkungskreises. Nach dem kurzen Rausche des schablonenhaften Emanzip ationskampfes kommt man heute allmählich zu einer llareren Auffassung vom Wirken des Weibes. Das Weib' ist nicht dazu geschaffen, um mit dem' Manne auf ftllen Gebieten den KonArrenzfampf auszusechten, sondern es' hat sein eigenes, vielfach eng bemessenes und doch gewaltiges Reich. Je tiefer es davon durchdrungen ist und je klarer es feine Aufgabe erfaßt, desto mehr Segen stiftet es, nicht nur für sich!, sondern auch für die Gesamtheit. Psychologisch betrachtet, wird man wohl sagen dürfen, die eigentliche Ahifgabe des Weibes ist, das Lehen W verschönern, zu erwärmen Md zu verinnerlichen. Wir laufen in dem heutigen, unendlich komplizierten Kampfe ums Dasein? Gefahr, alle unsere feinsten Kräfte zu vernichten, unsere JnstiEe zu schwächen und das Gefühlsleben gmflich zu verdrängen. Das Weib soll diese Ernüchterung verhindern, soll der Nivellierung einen Dämm setzen und MS den Quell des gefühlsmäßigen Lebens,, jaus dem allein alle Poesie flieht, rein erhalten. Die Frau soll dem Dasein einen alogischen Gehalt geben, soll den Menschen wieder zur Natur zurückführen.; Und auf diesem Wege kann uns auch die Frau beste Leiterin der religiöesn Gefühle, werden. Denn jede «Poesie und jede Vertiefung des Lebens führt' schließlich« zur Religion in irgend «fiter Gestalt. i » * <