Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1916-12-22 · Heft 32 (22.12.1916) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 32 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063828-3063860--10213-3077530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 7. Nr, 32. Die Wahrheit. der Handel sich nicht der besonderen Sympathie der Gelehrten erfreute, finden wir doch sowohl in der Bibel als im Talmud und in beit späteren Schriften auf Kauf und Verkauf, Ehrlichkeit und Redlichkeit, Maß nnd Gewicht Bezug habende vortreffliche, von echter Humanität zeugende Gesetze und Vorschriften, die von allen Handel treibenden Menschen, ohne Unterschied der Konfession, besonders beherzigt zu werden verdienen. In der Thora sowohl als im Talmud wird jede Art Uebervorteilung im Kaufe und Verkaufe auf das entschiedenste werpönt und als eine strafbare Handlung verurteilt. So oft ihr einer dem anderen etwas verkauft, so dürft ihr einander nicht bevorteilen." (3. M. 25. 14.) Dieses biblische Verbot wird im Talmud darin erklärt, daß das Verkaufen eines Gegenstandes um einen niedrigen Preis schon eine Uebervorteilnng sei. (B. Mez. 51.) Selbst durch Worte soll man es nicht wagen im Geschäfte mit einem Juden oder Nichtjuden zu täuschen. (Chul. 94.) Wer einen zum Verkaufe bestimmten Gegensätze einen täuschenden Glanz gibt, um ihn dadurch leichter an den Manu bringen zu können, verdient als Betrüger gebrändmarkt zu werden. (B. Mez. 60.) Der Käufer darf überhaupt nicht durch Verheimlichung irgendeines an dem Käufer zu verkaufenden Gegenstände haftenden Fehlers getäuscht und hinters Licht geführt werden. (Maini. h. Mech. 18. .1.) Der große Maimonides lehrt ferner: Es ist -strengstens verboten, jemanden, sei er Jude oder Nichtjnde, zu täuschen, zu betrügen (ibid) oder ihn der Thora wechaschen im kohenu: man muß mit dem Käufer streng, gewissenhaft und redlich abrechnen, (h. Genewa 7. 8.) Von dem im Talmnd sich findenden zahlreichen Beispielen von Ehrlichkeit, Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit mögen hier einige angeführt werden, damit die Talmudverächter, die dieses große (verächtete) prachtvolle, eine Welt von Gedanken, eine Fülle von anregenden Ideen, erhabenen Lehren und schönen beherzigenswerten Menschen beglückenden Grundsätzen nnd Anschannngslehren enthaltende Werk bloß ans den gefälschten Zitaten Eisenmengers und Konsorten kennen, die Ueberzengung gewinnen, daß die Verfasser des Talmuds nicht nur in der Beobachtung religiöser Vorschriften, sondern mehr noch in der Ausübung humanitärer Satzungen äußerst streng und skrupulös waren und in dieser Beziehung keinen konfessionellen Unterschied gekannt hatten. ' (Fortsetzung folgt.) Spanien in Oesterreich-Ungarn. Bon Flora Albachary. Die spanischen Juden werden auch Sephardim, im -Gegensatz zu den Eschkenafen (deutsche Juden), ferner Portugiesen, weil viele aus Portugal stammen und endlich auch Türken genannt, weil sie wie erwähnt, noch türkische Untertanen sind. Doch merkwürdigerweise in Ungarn sind sie nur unter dem Namen Fränken bekannt. Diese Bezeichnung ist jedoch grundfalsch. Mt dem Namen Franken benannte sich, wie bekannt, ein Bund mehrerer deutscher Völker, die zur Zeit Konstantins des Großen zwischen dem Unter-Rhein und der Weser wohnten. Im Anfänge des 4. Jahrhunderts nahmen sie das ganze nördliche Gallien zum festen Wohnsitze und so entstand in dem alten Gallien ein Frankenreich. Sie wurden von Königen und Kaisern regiert. Jeder Normalschüler wird die Tugenden und Heldentaten eines Chlodwigs, eines Karl Martell, Pippin des Kurzen, Karl des Großen, Konrad II., Heinrich EL, HI., IV. und Heinrich V. aufzählen können; diese nannte' man fränkische Könige nnd Kaiser. Soviel ist aber sicher, daß unsere Spaniolen von' keinem dieser Regenthäuser abstammen, wenn auch manche von ihnen den freien Adel besitzen wie ans ihren Namen ersichtlich ist. Zum Beispiel de Majo, de Bonton, de Rera. Manche Spaniolen leite» zwar ihre Abstammung von König David ab, zum Beispiel Abrabanel Amigo rc. Cs ist aber unverständlich wie die spanischen Juden in Ungarn zu der ihnen nicht gebührenden Benennung Fränken kamen. Sie sprechen und schreiben spanisch, eine romanische Sprache, die mit den teutonischen Idiomen und Stämmen, also auch mit den Franken absolut keine Gemeinsamkeit besitzen. Als Aufklärung kann uns dienen, daß in der Türkei man mit dem Worte „Fränke" heute noch einen Westeuropäer, d. h. einen modernen Menschen, bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde gewiß auch den Spaniolen zuteil als sie nach der Türkei kamen und sie behielten den Titel Fränke auch weiter bei als sie nach anderen Ländern zogen nnd es entstand so auS dem Worte Franke die Mehrzahl Frauken. Die Spaniolen sind ernst und gediegen au Charakter, mitunter auch durchtrieben, zumeist aber bescheiden und zurückhaltend in ihrer Art. ja sogar in ihrem Tun uni) Lasten ein bischen zu bedacht, daher sie auch stur schwer vorwärtskommen, und das einzige was sie mit den Deutschen gemeinsam haben, ist die Bärennatur. Lange Zeit braucht es bis sie sich für jemand erwärmen, doch erfolgt dies einmal, dann ist ihre Treue unerschütterlich. In ihrem Heim sind sie heiter und liebenswürdig; ihre Gastfreundschaft ist bekannt. Im Kreise ihrer Augehörigen fügten sie sich am wohlsten, daher mag es auch kommen, daß sie trotz mancher Schicksalsschläge ihren zufriedenen Sinn bewahren, eine Elgenschaft, die sie von ibrer ursprünglichen Umgebung geerbt haben; ist doch das Wort Jnsch Allah! (wie Gott will) nur zu gut bekannt. Oft hat mau schon die Frage aufgeworfen, warum man von den spanischen Juden nichts zu hören bekommt, sie sich nicht mehr hervortun? Einst waren unter ihnen sehr viele Gelehrte und angesehene Männer von denen es manche bis zum Großveziere der arabischen Kalifell gebracht haben. Die einzige Antwort barauf mag die große Tragödie gewesen sein, die sich seinerzeit durch die Vertreibung der Inden ans Spanien abgespielt und auf das Gemüt des Volkes eine solche Abschreckung zurückgelasten hat, daß sie von der breiten Oeffentlichkeit nichts mehr wissen wollten; sie wollen nur still und glücklich in ihrem Heim fein. Heute wird man es erklärlich finden, da man von den vielen Greueltaten des Krieges erfährt, die noch lange nicht das erreichen, was einst die Folterqualen und Autodafes waren, denn der Krieg ist Krieg. Soll doch auch Kolumbus ein Jude gewesen sein! Wenige wissen davon; man hat es ver- / tuscht; jetzt ist es klar, warum er in der Geschichte totgeschwiegen wird, warum Amerika nicht nach feinem Namen benannt wird. Die spanischen Juden sind abgeschreckt von der Oeffentlichkeit, Neid und Mißgunst haben sie aus dem Lande getrieben. Sie verzichten lieber auf die Würde eines Schatzmeisters, königlichen Leibarztes oder Ministers, nur um Ruhe und Frieden zu haben. Ist doch das irdische Leben ohnedies, so kurz! Wollte ich alle die hohen Würdenträger erwähnen, so müßte ich Bände füllen; ich beschränke mich darauf nur einige berühmte spanische Juden zu nennen: Maimonides, Hofarzt des Sultans Saladi» um das Jahr 1187; Samuel Halevy Abulasia. Schatzmeister und Vertrauter unter Don Pedro, den Sohn Alfonsos in Spanien 1350—1369, der durch feine Finanzoperationen eine hohe Stelle und mächtigen Einfluß befaß; Don Abram Beuvenisti wurde im Jahre 1433 vom König Joam EL zum Hofrabbiner und Oberrichter ernannt; Don Jfac Abrabanel, der sich hohen Ruhm unter Alfonso V. von Portugal erwarb. Alle diese berühmten Männer waren auch in Talmud und Wissenschaft wohl bewandert. Zumeist sind heute die Spaniolen Kaufleute, Rohprodukten- und Getreidehändler. Es gibt jedoch auch andere Stände unter ihnen, wie Schrift* steller, Aerzte und Künstler, zumeist unbekannte Größen. Einer hat es beispielsweise in der Gegenwart zu Glanz und Ruhm gebracht. Es ist dies Emmerich Robert, Regisseur des k. k. HofburgtheaterS nnd Hofburgschauspieler in Wien. Er starb am 29. Mai 1899; doch fein Name wird den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.