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Die Wahrheit · 1916-12-15 · Heft 31 (15.12.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 31 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit. Leite 7. Nr. 31. den Sarg des guten, des weisen und gerechten Königs, in der Hoffnung, in der Ueberzengung, daß sein frommes, heiliges Andenken zum Segen gereichen wird, jetzt linb in Zukunft. Der Präsident ersuchte hierauf den Generalsekretär Dr. Julius Weißonrg folgende Anträge des GemeindevorstandeS vorzntragen: 1. Die tiefe Trauer der Gemeinde im Protokoll zu verewigen; 2. für das Seelenheil des in Gott ruhenden Königs ein Jahr lang zu beten; 3. am Todestage jährlich Tranergottesdienst zu halten; 4. nur den Namen des verewigten Königs eine Stiftung im Betrage von 200.000 L zu errichten, deren Zinsen jährlich zur Unterstützung von Witwen und Waisen zu verwenden ist. Diese Anträge wurden einstimmig zum Beschluß erhoben. Hierauf begab sich die Versammlung unter Führung des Präsidenten Ludwig Adler und des Generalsekretärs Dr. Julius Weißbnrg in den Tempel, wo bereits eine überaus große-Zahl von Tranergästen versammelt war. Unter änderen waren erschienen im Namen der Negierung die Staatssekretäre Dr. Leopold V a d a s z und Ludwig v. Ilo sv a i, vou Seite der Hauptstadt Bürgermeister Dr. Stephan v. Bärczi und Bizebürgermeister Dr. Franz Deri. vou Seile der Landeskauzlei Dr. Moriz Mezei uud De. Franz Mezei, von Seite der "Chevra Kadischa Hofrat Julius W i n t e r b e r g und viele andere. — Die Tranerfeier begann mit dem erhebenden Präludium Professor Bauers, hierauf hielt Rabbiner Simon H e v e s i eine tief ergreifende Rede, worauf Oberkantor Professor Lazarus mit dem Tempelchor Trauerpsalmen mit seiner gewohnten Meisterschaft vortrng. Auch die Ofner israelitische Gemeinde hielt eine Trauer- Generalversammlung ab, in welcher beschlossen wurde, dem neu zu erbauenden Tempel den Namen Franz Josef I. zu geben; nach dieser Generalversammlung fand der Trauergottesdienst.statt, an welcher Oberrabbiner Dr. Arnold K iß eine an Gefühl und Gedanken reiche Rede hielt. Zur Reorganisation des Ingendgoltesdienstes für Uolksnnd Knrgerschnlen in Wien. Bon L. Wiestter. (Schluß.) Es ist klar, daß bei ernster und konsequenter Durchführung der hier gemachten Vorschläge das religiös-erziehliche Moment des Jngeudgottesdienstes wirksam hervortrelen, daS Ganze an gefälliger Form erheblich gewinnen nnd ein würdigeres Gepräge erhalteil würde. Es muß zunächst auf die Kinder ganz anders wirken, wenn sie sehen, daß ihre Lehrer mitbeten und, um auch sie zum Beten auzuleiten, ihnen die Gebete deutlich und langsam vorsprechen. Ferner wird ein Kind, welches dem Religionslehrer gegenübersitzt und sich von diesem wie in der Schule dauernd beobachtet sieht, es kaum wagen zu schwätzen oder seinem Uebermute die Zügel schießen zu lassen, wie es jetzt hinter dem Rücken des Lehrers nicht selten geschieht. Aber auch der Sinn für Abstand, Ruhe und Ordnung im Gotteshause würde auf diese Weife bei den Kindern gepstegt und gebildet werden. Auf jeden 'fremden Besucher des Jngeudgottesdienstes wird der Anblick von Lehrern, die mitten unter den Kindern stehen, diese sorgfältig beaitssichtigen und ihnen die Gebete vorsprechen, einen erhebenden und wohltuenden Eindruck machen und nicht verfehlen, der Institution des Jugendgottesdienstes Freunde zuznführen. Von weiteren Vorschlägen und Anregungen wäre noch vorzubringen: An rvin »k*v na» .na:n na» uud njnan bin na» würde es sich empfehlert, ben Jugendgottesdienst nicht wie gewöhnlich mit dem Aushebeu der Thora, sondern mit dem Vorträge einiger bbn-Psalmen zu beginnen. Die Kinder, die nach unserem Lehrprogranun die bbn-Psalmen in der Schule lesen und dabei erfahren, daß sie an diesen Tagen gesprochen werden, muß es befremden, beim Jugendgottesdienste davon nichts zu hören. Sehr sympathisch hat uns eine Anregung des verstorbenen Religionslehrers Daniel Skutezky in Nummer 13 der „Wahrheit" vom 13. Mai 1910 berührt, die Kinder beim Jugendgotlesdienste mit ihrem hebräischen Namen zur Thora zrl rufen. Der Umstand, daß Aehnliches beim Gottesdienste der Erwachsenen nicht geschieht, ist durchaus kein Grund, es auch beim Jngendgottesdienste zu lassen, da wir ltns bei letzterem einzig und allein von erziehlichen und belehrenden Motiven lenen zu lassen haben nnd ihn diesen gemäß gestalten sollten. Jedenfalls sollte zumindest ein „ntiö “o" mit seinem hebräischen Namen zur Thora gerufen tverden, da ja auch in. dem -pa» der ihm gemacht wird, seinem hebräischen Namen Rechnung getragen wird. Das wiederholte zwecklose Allfstehen und Niedersetzeu der Kinder, wodurch unter ihnen unnötigerweise Bewegung und Unruhe hervorgerufen wird, möchten wir gerne vermieden wissen. Es ist der Grund nicht recht einzusehen, warum sich die Kinder beim -pa» 'v für einen nisa na erheben. Ganz überflüssig ist es, daß die Kinder gegen Ende der Exhorte aufstehen, wodurch der wirkungsvolle Schluß derselben rm Lärm verloren gehl. Hingegen würde es sich vom religiös-erziehlichen Gesichtspunkte aus sehr empfehlen, die Jugend beim Emporheben und Vorzeigeu der Thora zum Anfstehen zu verhalten, wie es ja in der Tat geboten lst, mit der auch Kindern sehr einleuchtenden Begründung, daß die Ehrfurcht, die durch das Sicherheben dem Gotlesgelehrten zu erweisen ist, in noch höherem Maße der Gotteslehre selbst gebührt. (Vergl. Kidduschin 33 b und Tur Jore Deah § 282). Wiewohl die Frequenz des Jugeudgottesdienftes mit dessen Organisation in keinem direkten Zusammenhänge steht, so sei uns auch darüber eine kleine Bemerkung gestattet. Die Frequenz des Jngeudgottesdienstes wird von Jahr zu Jahr schwächer. Es hängt dies unseres Erachtens auch mit der steten Zunahme der Privatinstitute und Lyzeen zusammen. Die meisten jüdischen Kinder, welche solche Schulen besuchen, sehen jahraus jahrein kein jüdisches Gotteshaus. Vielleicht würde es sich empfehlen, daß von zuständiger Seite an die Leitungen von Privatschulen mit vorwiegend jüdischen Kindern das Ansuchen gerichtet werde, bei Festsetzung der Stundenpläne am Beginne des Schuljahres auf die Stunde des Gottesdienstes Rücksicht z,t nehmen, zumindest aber den Kindern Gelegenheit zu geben, einigemale im Jahre am Jngendgottesdienste teilzunehmen. Sehr erheblich würde unser Jugendgottesdienst gewinnen, wenn diesem jedesmal ein Mitglied des Vorstandes der Knltusgemeinde oder ein Mitglied des TempelvorftandeS beiwohnen würde In früheren Jahren pflegte dies häufig, zumindest aber beim feierlichen Jugendgottesdienste zu Beginn nnd Schluß des Schuljahres zu geschehen. Es wäre im Jnleresie des Jngeudgottesdienstes zu wünschen, daß diese Gepflogenheit wieder ausgenommen werde. ' In Betreff des ersten feierlichen Jugendgottesdienstes zu Beginn des Schuljahres erlauben wir uns vorznfchlagen, ihn regelmäßig um nun nna» Nachmittag abznhalten. Die Feier würde zum Charakter des Tages ganz besonders passen und bei entsprechender Ausgestaltung mit den mapn dem Vorlesen des Schlusses und des Anfangs der Thora nnd einer angemessenen Ansprache gewiß nicht verfehlen, auf die Jugend einen tiefen uud nachhaltigen Eiudrr^ck zu machen. Die Schwierigkeiten, die sich der Ausführung dieses Anbetracht Vorschlags entgegenstellen, sind nicht so groß, daß sie in des erhabenen Zweckes nicht überwunden werden könnten. Uerschiedene Nachrichten. Wien. Entladung zur öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Knltusgemeinde Wien am Sonntag, d e u 17. Dezember 1916, 19 ll h r vormittags, im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstetteugasfe 4, 2. Stock. Wien, 13. Dezember 1916. Der Präsident.

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