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Die Wahrheit · 1916-12-15 · Heft 31 (15.12.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 31 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 31. Vien. Anläßlich des Hinscheidens Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef 1. har der „Israelitische humanitäre Unterstützungsverein der Kolomeaer" in Wien am 29. November 1916 im Bethaule „Eures Weschulmi" eine solenne Trauerandachr Veranstalter, welche eisten überaus würdigen Verlauf nahm und bei den zahlreichen Tranergästeu einen tiefen Eindruck hlnrerlassen har. Der Ehrenpräsideut des Vereines, Herr Dr. Josef Zipfer, Hos- und Gerichtsadvokat in Wien, schilderte einleitend die Entwicklung der Rechtslage der Juden während der glorreichen Regierung des Kaisers Franz Josef I. und betonte insdcsondcre diejenigen Momente, m denen der große Kaiser trotz der antisemitischen Umtriebe persönlich zu Gunsten der Juden eingegriffeu hat. Mit warmen Dankesworten gedachte der Redner der Fürsorge, die der greise Monarch den vielgeschmähten Kriegsflüchtlingen ans dem Osten zuteil »oerden ließ und erinnerte an die im Jahre 1914 und 1915 seitens der jüdischen Flüchtlinge entgegengebrachte und vom Kaiser gnädigst angenommene Huldigung. Der Redner schloß »nt einer von den Versammelte» mit Begeisterung aufgeuommeuen Huldigung für Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita. Hierans folgte eine Lies durchdachte nur zahlreichen Zitaten aus Bibel und Talmud geschmückte Trauerrede des Kolomeaers Gemeinderabbiners G. H. S i l b e r e r, welcher während der ersten Ruffeuinvasiou viele Beweise - persönlichen Opfermutes m der Verteidigung der Rechte seiner Gemeiudegenosten erbracht hat. Nach dem von Herrn Garte nberg in vollendeter Weise vorgetragenen „El mole fiachmim“ sprach Herr ' Joses BL» ksenbaum einige ergreifende Worte über die groß^ Trauer, d:e das jüdische Volk an der Bahre des Kaisers empfindet. Das jüdische Volk sei arm, um gleich anderen Nationen dem heißgeliebten Kaiser Denkmäler aus Stein und Erz zu errichten, aber elf Millionen Juden tragen in ihrem Herzen ein treues und dankerfülltes Gedenken nach dem großen Toten und dieser Gefühlswert, welcher auch den nachfolgenden Geschlechtern überliefert werden wird, sei nicht zu unterschätzen. Zum Schluß brachte d>e andächtige Versauimlung dem jungen Karserpaar, welches den Anwesenden aus dem Aufenthalte in Kolomea wohl vertraut ist, eine begeisterte Huldigung dar. Dr. A. F. Wien. (A u s z e i ch u n n g.) Der im XIII. Bezirk bestbekanute Zahnarzt, Herr Hermann Kuu er, Vorsteher des Hletzinger Tempelvereines. ist nlit dem Ehrenzeichen HL Klaffe vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoratiou ausgezeichnet worden. Wie«. Samstag de» 2. d. beging der allgemein beliebte und geschätzte Chordirigenr des Leopoldstädter Tempels, Herr Julius H e im a n ii, die Feier seines 70. Geburtstages. Diese Feier gestaltete sich zu einer solennen Kundgebung für den Jubilar. Elne Tempelseier, die ««gemein schön verlies, leitete die Reihe der Ehrungen ein. Her H einuim wurde zur Thora aufgerufen, daun trug Herr Obcrkantor Josef Morgenstern mrt Chorbegleilung in feierlicher Weise einen zu diesem Anlasse verfaßten Mischeberach vor, daraus richtete Sr. Ew. Herr Rabbiner Dr. Max G r u u w a l d an den Jubilar eine warme, herzliche Ansprache, in der er der langen Tätigkeit, der menschlichen Eigenschaften und der Beliebtheit des Chordirigenten rühmend gedachte. I» die Wohnung des Jubilars überbrachten die Bethausvors° stäube an der Spitze der Präsident k. k. Landesschulrat Dr. Jur. und Phil. Markus Spitzer die Glückwünsche des Vorstandes. Die ungemein wirkungsvolle Rede hielt Herr Dr. Markus Spitzer und überreichte zum Schluffe im Nameu dieser Körperschaft dem Jubilar ein Ehrengeschenk. Herr Oberoffizial Hugo Weiß verlas sodann ein Gratulationsschreiben des Bethausvorstandes. Sodann verlas Herr Sekretär Dr. Emil Adler ein GratulatiouSschreibeil des Kultusvor» staudrs. Gleichzeitig überbrachte Dr. Adler die Glückwünsche der Beamtenschaft der Kulmsgemeinde und übergab ein Ehrengeschenk. Ferner gratulierten der Oesterr.-nngar. Kautorenverein uuter Ftzhrnng des Präsidenten Oberkautor Jakob Bauer, Vizepräsident Oberkantor Josef M o r g e u st e r n und Kassier erster Kantor Salomo» I u rb e r g e r. Es gratulierten ferner persönlich Rabbiner Dr. Max G r u u w a l d und Gemahlin, erster Sekretär kaiserlicher Rar Dr. Theodor Lieden und viele Beamte, der Obmann des Fünf- Hauser Tempels Herr Kultusvorsteher Samuel Steiner. Die Funktionäre des Leopoldstädter Tempels Überreichten ihre Bilder in einem künstlerisch ansgeführten Tableau. Weitere Ansprachen au. den Jubilar richteten Profeffor Josef Sulz er und Chormiiglied Michael Striks. Eine Deputation des Synagogeusängervereiiles überbrachte die Ernennung des Herrn H e > m a n n zum Ehrenmitgliede und über- . reichte der Obmann dieses künstlerisch Humanitären Vereines Herr Oberosfhjial Salo Lemberger mit einer formvollendeten Ansprache ein prachtvoll ausgeführres Ehreudiplom. Die Kollegen des Stadttempelchores widmeten ein schönes Geschenk, die Ansprache hielt Herr Chordirigeut Josef Z e l l n i k. Eine wertvolle RanchgarniMr mit Gravierung überreichte der Präsident des Vereiues zur Bekleidung armer alter Männer Isidor Schwarz im Namen des Vereines und im Namen der Tischgesellschaft des Jubilars aus dem Restaurant H erlitt g e r. Der Knabeuchor des Leopoldstädter Tempels stellte sich mir einem Gruppenbild ein. Zahlreiche Telegramme, Briefe u. a. ein Gratnlationsschreibeu des Vorstandes der türkisch-israelitischen Kultnsgemeinde, ein sehr stlmmuugsvolles Gedicht eines Jugendfreundes des Herrn Franz Frankl, Vorsteher des Tempels Wieden und Margareten, ebenso des Herrn Kantors Isidor L ö w i t liefe» ein und sprachen für die große Beliebtheit des Jubilars, dessen Ehrentag zu einer der schönsten Erinnerungen für ihn und seine Freunde werden. Wie«. Hofrat Berstl, der nahezu volle 17 Jahre an der Spitze -er k. k. Steueradministration für den 2. und 20. Bezirk in Wien gestanden, nachdem er dieser Behörde überdies vier Jahre als Beamter zugeteilt war und sich wegen seines überaus gerechten und humanen Vorgehens allgemeiner Wertschätzung und Beliebtheit erfreut hat, wurde zur Leitung der k. k. Steueradministration für den 4., 5. und 10. Bezirk, der größten Steuerbehörde Wiens, berufen. Hofrat Berstl bleibt jedoch auch fernerhinP räsident des von ihm gegründeten Zweigveereines Leopoldstadt vom Roten Kreuz, welcher Verein trotz seines erst einjährigen Bestehens schon 6300 Mitglieder zählt, und außer dem großen Rekonvaleszentenheim, 2. Bezirk, Schüttelstraße Nr. 18, eine segensreiche Tätigkeit für Kriegsblinde betreibt. Die Leitung der Steueradministration für den 2. und 20. Bezirk hat Oberfinauzrat Dr. Herzog übernommen. Wie«. Sonntag, den 17. Dezember l. I., um 3 Uhr nachmittags, sindet in der Tempelkanzlei, XX., Kluckygaffe, die Generalvers a m m l » u g des Brigittenauer ifr. Franenwohltät.gkeits-Vereines statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Tätigkeitsberichtes und des Rechnungs-Abschlusses. 2. Erteilung der Entlastung. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Eventuelles. Oberhollabrunn. Am Sonntag, den 3. Dezember 1916 fand im schwarzdekorierten Tempel zu Oberhollabrunn unter Anwesenheit des Kultnsvorstehers des Herrn Wilhelm Brei er und dessen Stellvertreter Herrn Karl R a n z e n h o f e r ein Trauergottesdienst für weiland Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I. statt, ^welchem in Vertretung der k. k. Bezirkshauptmaunschaft Herr Dtt H e i n d l, k. k. Konzipist, nebst einem zahlreichen Publikum beuvohnre. Herr Rabbiner Dr. M. Rosen mann ans Wien entwarf mit einer erhabenen Schilderungsfähigkeit das glänzende Lebensbild vom verewigten Kaiser, wslches aus alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Den gesanglichen Teil des Trauergottesdienstes brachte Herr Kantor S. Jelliue k mit seiner hexrlichen Barltonstimme exakt zum Vortrage, wofür ihm vom Vorstände" als auch vom Vertreter der k. k. Bezirkshauptmaunschaft belobende Anerkennung gezollt wurde. Franzensbad. Dienstag,, den 5. d. M., 2 Uhr nachmittags, wurden die irdischen Ueberreste des am nördlichen Kriegsschauplätze gefallenen Kadetten Herrn Philipp Adler. Sohn des Herrn Ignaz Adler in Franzensbad, zur ewigen Ruhe-bestattet. Kadett Adler fand am 3. Juli beim Anführen seines Zuges den Heldentod und wurde von seinen Kameraden an der Front mit militärischen Ehren beerdigt. Nun fuhren die Angehörigen bis hart an die Front, wo die feindlichen Gejchvße platzen und holten ihren heißgeliebten Toten, nm ihn in die Heimatscholle zu betten. — Die große Beteiligung an dem Leichenbegängnisse gab beredtes Zeugnis von der Beliebtheit des gefallenen Helden. Bor dem mit Blumenkränzen reichgeschmückten Sarge schritt eine starke Soldaten-Abteilung von der Garnison Eger. Unter der großen Trauergemeinde bemerkten wir u. a. die Herren: Stationskommandant Oberst Hahnenkaul mit zwei Offizieren, Polizeikommissär Kunze, Gendarmerie-Kommandant Günzel, den Direktor der Anglo- Oesterreichischen Bank in Eger, kais. Rat Heinzel ustv. Am Grabe rühmte Herr Rabbiner Dr. Spitzer in schönen und rührenden Worten den edlen Charakter, das liebenswürdige und selbstlose Wesen seines gewesenen Schülers, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt hätte. Der Heldenmut des Toren hat auch vollste Allerkennung mit der silbernen Tapferkeitsmedaille gefunden. Sodann trat Vox das Grab Herr k. u. k. Leutnant Professor Altmann und widmete dem gefallenen Kameraden einen kurzen Nachruf. Es waren Worte von soldatischer Knappheit, aber sinnig und packend. Mit einer Ehrensalve fand die feierliche Beisetzung ihren Abschluß. Die Trauerliturgie zelebrierte sehr gefällig Herr Kantor Gottlieb. Franzensbad. Der Trauergottesdieust in der Franzensbader Synagoge, der zum Zeichen uuvergängiicher Dankbarkeit und Verehrung für weiland Sr. Majestät Kaiser Franz I o s e f I. Mittwoch, den 29. November, nachmittags 4 Uhr, abgehalten wurde, gestaltete sich zu e>ne erhebende Feier für den Toten. Die schwarz drapierte Estrade, in deren Mitte sich die trauerumflorte Büste des verstorbenen Kaisers erhob, erhöhte schon beim Eintritt in das Gotteshaus die teilnahmsvolle Stimmung jedes Besuchers. Der Gemeinde-Rabbiner Herr Dr. David Spitzer hielt eine wohldnrchdachte Trauerrede. In gedrängten Kürze bot diese ein treffliches Bild des langen segensreichen Lebens und Wirkens unseres verblichenen Kaisers, das für alle Gläubigen Oesterreichs, besonders für die Juden von der nachhaltigsten Bedeutung war. Der Kantor der Gemeinde Herr Abraham Gottlieb, brachte einige Trauerlieder und Psalmen zum wirkungsvollen Vortrag, wobei er vön Herrn Chordirigenten Kernich in bester Weise auf dem Harmonium begleitet wurde. Der Gottesdienst machte auf alle Besucher der dichtgefüllten Synagoge einen tiefen Eindruck. An der Feier nahmen teil: Herr Stationskommaudant Oberst Hahnenkam^ Herr Vizebürgermeister Franz Köppl mit mehreren Herren Stadträten und Stadtverordneten, der Kommandant des k. k. priv. Schützenkorps Herr Stadtrat Kranner, die Vizepräsideulin deS Franenhllfsvereins vom Roten Kreuz Frau Dr. Hofmauu mit der Präsidentin des Hilfskomitees für italienische Flüchtlinge Frl. Jjabella Fantoni, in Vertretung des Lehrkörpers Herr Oberlehrer Lienhart, in Vertretung des k. k. Postamtes Herr Oberosfizial Weiner, der Stationsvorstand der königl. sächsischen Staatsbahu Herr Bahnvorstand D r e x l e c und Herr Sekretär Zumketler, ut Vertretung des Mäunergesaugvereines „Liederkrauz" Ehrenvorstand Herr Stadtrat Karl Wiedermann und , der Vorstand-Stellvertreter Herr Stadtverordneter Adam Karg, in Vertretung der Beamtenschaft der Kurstadt Franzeusbad Herr Stadtsekretär Münichsdorfer, Herr Polizeikommiffär Kunze und Herr Stadtbuchhalter Kohl, in Vertretung der k. k. Gendarmerie Herr Wacht--; meister Künzel, die Aerzteschait von Franzensbad u. v. a.

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