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Die Wahrheit · 1916-12-01 · Heft 30 (1.12.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 30 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 30. da alle Kruder und für wie viele wäre dies ein Ansporn, sich gleichfalls daran zu versuchen! Auf diese Weise wäre zunächst der unmittelbare Zweck der aktiven Teilnahme am Z u g e n d g o t t e s d i e n st e erreicht, überdies würden aber die Kinder auch zu künftigen aktiven Teilnehmern am Gottesdienste erzogen werden. DaS irH^-Gebet betreffend, mit dessen Inhalt nrrd Bedeutung gewiß jeder Religionslehrer seine Schüler und Schülerinnen bekannt macht, so darf es nicht mit solcher Eilfertigkeit abgetan werden, wie es jetzt in der Regel geschieht. Bei der Geschwindigkeit mit welcher die Schlußworte dem Anfänge folgen, muß sich unwillkürlich die Meinung bilden, eS genüge, durch lautes Aussprechen der ersten und letzten Worte eines Absatzes daS Beten bloß zu markieren. Hingegen wäre die übermäßig lange Dauer der Verbeugung bei dem Satze irjro 12112x1 etwas zu verringern. Wer die Kinder während ihrer nahezu eine Minute dauernden gebückten Haltung beobachtet hat, wird bemerkt haben, daß sie unter den Bänken allerlei Ulk treiben. (Fortsetzung folgt). Die Unsteuherrschaft in Czernowitz. Bon Armin Wilkowitsch, Eger. Von den in letzter Zeit nach Eger angekommenen Flüchtlingen ans dem Osten erzählt ein ans Czernowitz stammender Evakuierter folgendes: ..3n Friedenszeiten herrscht zwischen der Bukowina und dem benachbarten Wolhynien ein reger Geschäftsverkehr, der den Grenzbewohnern hüben wie drüben reichen Gewinn bringt. Zu den israelitischen Herbstfeiertagen pilgern Tausende der angesehensten Chassidim (Orthodoxe des Ostens) aus Rußland nach Sadagora (in der Nähe von Czernolvitz), um des Wunderrabbis Segens vor dem Beriöhnungstage teilhaftig zu werden, das Gold rollt zur „Saison" in unserer Gegend sozusagen auf der Gasse . . . Kaum aber fiel an den Grenzen der erste Schuß, war uns allen klar, was wir von den „Verteidigern der Kultur", den Kosaken, zu erwarten haben! Wir wünschten den Foui (die russische Soldateska) dahin, wo der schwarze» Pfeffer wächst oder nach den Gefilden Sibiriens, nur nicht, daß er unser geliebtes Vaterland betritt. Aber leider ist die örtliche Lage um Czernowitz von solcher Beschaffenheit, daß ihre Verteidigung gegen den Einbruch des Feindes äußerst schwierig ist und trotz des Heldenmutes unserer herrlichen Heere lvar »man immer wieder gezwungen, diese schöne Stadt dem Feinde ans kurze Zeit preiszugebeu. Wohl wurden beim Einzuge der „Befreier" die Lebensmittel bald reichlich: es kamen Wagen um Wagen von Weizenmehl, ganze Herden von Rindern wurden eingetrieben, russische Magazine aus den Hauptplätzen eröffnet, die sämtliche Bedarfsartikel billig verabreichten. Trotzdem wurde das Leben der Bevölkermig stets unerträglicher. Man traute sich nicht auf die Gaffe. Wer einen besseren Rock oder gnterhalteues Stiefelwerk trug, mußte jederzeit gewärtig sein, daß er aus der Straße von einem Kosaken entkleidet wird. Eine Taschenuhr wagte Nieuiand bei sich zu tragen, die russischen Horden litten es nicht, daß die Bevölkerung erfahre, wieviel es geschlagen . . . Die Frauen wagten nicht, ihre Gemächer zu verlassen, um nicht der Sinnesgier der Rohlinge, auch am hellichten Tage mitten auf der Gasse, zur Beute zu werden. Die ungebetenen Gäste - statteten zuweilen auch in den Familien auf „höheren Befehl" Besuche ab. Und wehe den Häusern, an deren Schwellen das Sporengeklirr der Kosaken erklang. Mord, Raub, Schändung der Frauen und die elendesten Greueltaten wurden in Gegenwart der Offiziere verübt. Zuweilen kamen auch russische Unteroffiziere, um für den Heeresgebrauch Einkäufe zn besorgen. Die Preise wurden einfach von den „Einkäufern" fixiert: fünf Mastochsen 200 Rubel, zehn Wagen Heu 30 Rubel usw. Der Kaufpreis wurde wohl sofort erlegt, allein erhielt der Verkäufer beispielsweise den Betrag von 300 Rubel, so wurde er gezwungen, eine Quittung über den Erhalt von 3000 Rubel anszustelleu. Irgendwelche Einwendungen wurden sofort mitdem Revolver beantwortet. „Es scheiut, daß die listigen Rumänen", bemerkte der junge Flüchtling aus Czernowitz, „schon damals mit Rußland den Ränberbund geschlossen hatten, im. gegebenen Falle den Verbündeten in den Rucken zu fallen, denn wo die Kosaken Gewißheit erlangten, daß sie eine rumänische Familie vor sich haben, ließen sie von jeglicher Belästigung ab." Nun haben wohl die Rumänen ganz kurze Zeit in der Dobrudscha nach dem Muster ihrer verbündeten russischen „Kulturträger" gehaust; nur ist es ihnen nicht gelungen, die^ winzigen Erfolge, die ihre Tonangeber zuweilen erringen, auch für sich zu erkämpfen. — Die Niedertracht muß. schließlich doch unterliegen, denn es gibt einen gerechten Richter! Israelitischer Möchnerinnen- Uerbaud. Seit dem Jahre 1900 besteht iu Wien eine Bereinig gung der israelitischen Frauenvereine zur Unterstützung von Wöchnerinnen unter dem Namen Verband zur Unterstützung, armer israelitischer Wöchnerinnen. Seine Tätigkeit besteht darin, den Frauen in ihrer schweren Stunde nach jeder Richtung hin behilflich zu sein. Er bietet ihnen vor allem die kostenlose Zuweisung der Hebamme, im erforderlichen Falle auch einen Arzt, eine Pflegerin, Bargeld, hygienische Behelfe sowie Kindes-, Leib- und Bettwäsche. Die einzelnen Fälle werden von Vorstandsdamen in diskreter Weise recherchiert und in einer allwöchentlich am Mittwoch stattfindenden Sitzung eingehend besprochen. In diesen Sitzungen werden die erforderlichen Gelder und für jeden Einzelfall notwendigen Anordnungen getroffen,, die sodann gewissenhaft ausgeführt werden. Im Jahre 1915 wurden 396 Fälle behandelt und hiefür K 21.710.— aufgewendet. Solange es möglich war, hat der Verband — selbst unter den bedeutendsten Opfern — die erforderlichen Wäschestücke angekanft, um sie seinen Schützlingen bieten zu können. Der Krieg hat aber auch hier zuungunsten dieser Armen gewirkt, da jetzt keine Wäsche mehr im Vorräte liegt und die Anschaffung von neuer Wäsche, abgesehen von den bedeutenden und für den Verband beinahe unerschwinglichen. Kosten,. im Handel in solchem AnSmaße nicht zn erlangen ist. Aus diesem Grunde wendet sich die gefertigte Leitung des Verbandes an die Oefftntlichkeit, bauend auf das jederzeit bewährte Mitgefühl mit Armen, und hofft, daß auch dieser Appell in die Herzen der edlen jüdischen Frauen Eingang finden werde. In jedem Haushalte dürften sich so manche alte Wäschestücke vorfinden, die von der eigenen Familie nicht mehr benützt werden können, jedoch den armen Frauen oder den Neugeborenen noch gute Dienste leisten könnten. Jede an das Bureau des Verbandes, I., Seitenstettengasse 2 gemeldete Spende wird dankbarst angenommen und über Wunsch auch abgeholt. . Charlotte Freifrau v. Königs wart er als Präsidentin. Therese Geisenheimer Mathilde Her-zl Schriftführerin. Vizepräsidentin.

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