Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 30 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 30. Maße, als es bisher der Fall war, in Anspruch genommen werden mußte. Das ist, um es gleich zu sagen, bei unserem Vorschläge tatsächlich der Fall. Denn mit der bisherigen bequemen Art, die Kinder beim Jugendgottesdieuste bloß zu beaufsichtigen, das Beten aber ihnen allem zu überlassen, im -günstigen Falle hie und da einzelnen am Bankende sitzenden Bindern zn zeigen, wo der Vorbeter in diesem Augenblicke hält, kommen^ wir nicht mehr ans. Es muß die Schwierigkeit, die das Mitbeten den Kindern bereitet, behoben, zumindest aber wesentlich verringert werden. Bevor wir die Frage beantworten, in,^ welcher Weise dies geschehen fömite, müssen wir von einem Faktor sprechen, der allerdings nur in wenigen Gotteshäusern nt den Jugend- Gottesdienst emgefügt erscbeint, dem aber durchaus nicht jener hohe Wert znzniprechen ist, den man für ihn in Anspruch nimmt und der ihn für den Jugendgottesdienst förderlich .oder gar unentbehrlich machen würde. In einigen Gotteshäusern unserer Gemeinde wird nämlich der Jngendgottes- Lienst mit Zuhilfenahme eines Knabenchors abgehalten. Damit geschieht unseres Erachtens etwas zn viel, weniger wäre mehr. Wenn der Jugendgottesdienst den Zweck haben soll, die Kirider zur aktiven Teilnahme am Gottesdienste zn erziehen. so wird durch den Chor gerade das Gegenteil davon erzielt. Wozu sollen die Kinder i2v 71121 ki.i 7112 und -7122 «21 .12» ktt jbx sprechen, wenn es die Chorknaben für -sie tun? Wozu überhaupt anfmerken, an welcher Stelle man mit diesen Responsorien einzufallen habe? Auch zum Mitsingen sehen sich die Kinder nicht veranlaßt, weil sie der Meinung sind, daß dies Sache der Chorknaben sei, die zu diesem Zwecke bestellt worden sind und dafür bezahlt werden. Bon dem Verhalten der Chorknaben beim Jugendgottesdienfte soll hier nicht weiter gesprochen werden. Den erwähnten Momenten gegenüber, welche den Kern und den Zweck des Jugeudgottesdienftes betreffen, dürfen etwaige Bedenken äußerlicher Art, wie mögliche Beeinträchtigung des rhythmischen und harmonischen Gesanges bei Entfall des Knabeuchores, nicht in Betracht kommen. Ueberdies sind diese Bedenken auch an und für sich schon deshalb nicht begründet, weil in vielen, Ja den meisten Gotteshäusern der Jugendgottesdienst tatsächlich ohne Knabenchor abgehalten wird, wobei die Kinder /schön, in einzelnen Gotteshäusern sogar sehr schön mitsingen. Für Kinder ist das Einfachste auch das Beste, und deshalb erscheint ein Jugendgottesdienst ohne Chorknaben, nur von einem mit angenehmer, wohlklingender Stimme begabten Kantor geleitet, angemessener und zweckentsprechender. Anders jedoch als mit dem Singen verhält sich die Sache mit dem Beten der Kinder. Gerade das Moment der -Leitung und Mithilfe, welches wir beim Gesänge entbehren können, wird beim Beten, wo sich die Kinder ihrer Schwäche und unzulänglichen Fähigkeit sehr wohl bewußt sind, zur dringenden Notwendigkeit und zum unerläßlichen Mittel, um die daraus entspringende Schüchternheit und Unsicherheit zn überwinden. Die Kinder können nun einmal noch nicht allein beten, sie bedürfen des Haltes und der Stütze um mikzubeten und fehlt ihnen diese,- so verhalten sie sich entweder passiv, oder sie tun etwas anderes, sie schwätzen. Sollen die Kinder beten, dann erscheint es unbedingt notwendig, daß die Lehrer nicht nur mitbeten, sondern vielmehr, daß sie mit den Kindern beten, das heißt den Kindern vorbeten, derart, daß ein Lehrer die Gebete den Kindern vorspreche. Es ist eine den Lehrern zur Genüge bekannte Tatsache, daß die Kinder den Vorbeter nicht versteheu. Damit soll jedoch keineswegs gegen irgendeinen Vorbeter auch nur der leiseste Vorwurf erhoben werden. Die Eiklärung liegt vielleicht in dem Umstande, daß der Vorbeter in Die Richtung der heiligen Lade spricht, infolgedessen dte gesprochenen Worte, zumal sie stellenweise den Kindern weniger vertrant sind, von Liesen nicht in jeder vollen Reinheit und Deutlichkeit vernommen werden können, die es ihnen ermöglichen würde, rLem Bortrage zn folgen. In einem größeren Gotteshaus« .und bei den Kindern, welche in den letzten oder seitwärts gelegenen Bankreihen sitzen, ist dies ganz besonders der Fall. Dem soll nun vorläufig in der Weise abgeholfen werden, daß bei jenen Partien, welche de» Kindern weniger geläufig und vertraut sind, ein mit kräftigerem Organe begabter Religionslehrer. der in der Mitte der obersten Bankreihe unter den Kindern steht, und. wie erwähnt, das Angesicht den Kindern zuwendet, nach den vom Vorbeter stark markierten ersten Worten des betreffenden Gebetstückes, dessen weiteren Bortrag übernimmt. Alle übrigen Religionslehrer folgen diesem Bortrage leise in dem für den Jugendgottesdienft bestimmten Gebetbnche ltud achten darauf, daß dies auch von Seiten der vor ihnen stehenden Kinder geschehe. Das jeweilige Umschlagen eines Blattes durch den Lehrer dient den Kindern als eine Art Orientierungszeichen. um den eventuell verloreneit Kontakt mit dem Vortragenden Lehrer wieder herznftellen. Selbstverständlich müssen Kinder und Lehrer gleichmäßige Texte in Händen haben. Man frage sich, ob es eine einfachere Art als diese gibt, Kinder, die selbständig nichs beten körrnen, zum Beten anznleiteu. Unser Jugendgottesdienst hätte sich folgenderweise zu gestalten. Ans- und Einheben der Thora in der bisherigen Weise, nur ohne Chorknaben. Alle beim Ans- und Einheven und Vorlesen der Thora zn sprechenden Respousorien als: nm2i ,p« by m 7120.7 'i 7112 .D"p2i.i ariKi werden von den Lehrern den Kindern deutlich vorgesprochen. Was das 'ivn betrifft, welches jetzt in einigen Gotteshäusern von zwei. Knaben .aufgesagt" wird, während sich alle übrigen Kinder passiv verhalten, so hat dieser Modus. mall verzeihe den Ausdruck, etwas Komödienhaftes. Das 'ivrr soll von einem Knaben mit allen im Gottescaitfe anwesenden Kindern satzweise alternierend gesprocheir roerden. In größeren Tempeln, wo die Stimme eines Knaben itichl ausreicht, soll es vom Kantor, und zwar von der Stelle ans, die der Exhortaut beim Bortrage einnimmt, mit den Kindern alternierend gesprochen werden. Die Mnßaph-Tefilla rezitiert der Kantor bis zur Keduschah in der bisher üblichen Weise. Da dieser Teil der Tefilla dem Klange nach dem Unterrichte her den Kindern mehr oder weniger vertraut und geläufig ist, so sind sie ohne weiters imstande, dem Vortrage des Kantor-, vorausgesetzt daß dieser das entsprechende Tempo einhält und sich einer deutlichen Aussprache befleißt, leicht zu folgen. Damit aber die Kinder auch wirklich dem Vorträge des Kantors folgen, wird j«che Gruppe von dem vor ihr stehenden Lehrer verhalteik, an den betreffenden Stellen mit 7112 i2v 7121 tti.i einzufallen, ein Moment, dem bisher beim Jngendgottesdienste wenig Beachtung geschenkt wurde. Bon ri2v mar, bis Schluß der Tefilla wird der Bortrag von einem Lehrer übernommen. Dieser Bortrag hat rein oratorisch, ohne jede kantorale Färbung und einzig und allen^ darauf berechnet zu sein, die Worte den Kindern so deutlich zu Gehör zn bringen, daß sie ihnen mit den Augen im Gebetbuche zu folgen imstande sind. Und folgen einmal di« Kinder den Worten des Vortragenden im Gebetbnche mit ihren Augen, so werden sie auch bald, je nach dem Grade ihrer Fertigkeit im Hebräischlesen, mehr oder weniger leise mitbete». Nach Beendigung der Tephilla spricht der Kantor wnp und beginnt wby, worauf der Lehrer in der vorerwähnten rezitativen Weise das Gebetstück den Kindern vorspricht. Diese» Modus denken wir uns jedoch nur als Uebergangsstadmm, der zu dem eigeutlicheu Ziele, die Kinder selbst iu den Gottesdienst eingreifen zu lassen. allmählich hinüber leiten soll. Daß einzelne Kinder nach sorgfältiger Vorbereitung ein hebräisches Gebetstück tadellos zum Vortrage zn bringen imstande sind, das hören wir allrvöchentlich bei dem erwähnten Aschre. Es ist höchst erfreulich zu beobachten, mit welchem Eifer sich die Kinder der Eiitübung dieses Gebetstückewidmen. Warum sollte nun aber gerade das Aschre diesen Vorzug haben und warum sollte, was beim Aschre möglich ist, nicht auch bei inn nrin.ri2v rvvri oder unma» nxi m möglich sein? Welchen Eindruck müßte es machen, wenn ein Knabe den pxi \t> vor Rosch-Chodesch-Bentschen mit Verständnis vortragen würde! Wie aufmerksam wären