Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 29 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29. Die Wahrheit. Seite 7. Leichen ihrer Erkenutlichleit, mit der Bemerkung, daß sollte er mal ein Anliegen haben, sie es ihm gewähren würde. Als seine Schwester, noch em junges, schönes Mädchen, die durch ihr standhaftes Schweigen einigen Familien das Leben rettete, zum Scheiterhaufen verurteilt wurde, kam seine Mutter in ihrer größten Angst und Not und entdeckte ihm seine Abkunft. Die Schwester zu retten, war zufpät, doch er entfloh ans Spanien und kam nach Wien. Zur Erbauung Schönbrunns lieh er 30.000 fl., eine für damalige Zeit horrend große Summe, und in den Tempeln von Wien und ILemesvar sind von ihm noch Silbergeräte für die Thorarollen vorhanden. Er war bei Hofe gerne gesehen, aber als man in Spanien von seinem Aufenthalte in Wien erfuhr, 'wurde die Ausfolgnug gefordert; so entfloh er abermals aus Oesterreich und kam, wie es späterhin hieß, nach England. Geschichtlich ist bekannt, daß Moses Lopez Perera Diego d'Aqnilar einen weittragenden politischen' Eluflltß übte, so daß er imstande war einen gar strengen Befehl'eines österreichischen Feldmarschalls in Mähren rückgängig zu machen. Es wurden nämlich die Juden Mährens unschuldig verdächtigt, daß sie es mit dem Feinde hielten und am 14. März 1742 kam aus Brünn ein Patent, daß bis znm -20. März 50.000 fl von der Jndenschaft nach Brünn einzuliefern seien, widrigenfalls alle Juden allerorten, wo sie in Mähren anzutreffeu seien, geplündert und niedergemacht würden. Diesen Auftrag zu hintertreiben, gelang nur Diego d'Aqnilar. — Er zeigte sich aber nicht nur jndenfreundlich sondern auch österreichisch-patriotisch, in dem er dem österreichischen Staate durch verständnisvolle Ausnützung der Tabak-Regie hervorragende Dienste leistete. Er zahlte für das Tabak-Gefälle jährlich einen Pachtschilling von 260.000 fl. Wie gesagt, legte er den Grund zur türkischen oder spanischen Gemeinde in Wien. — Die nach Ungarn ein- .gewanderten spanischen Inden nahmen in Temesvar ihren Hanptsitz und gründeten dort eine Gemeinde. Als ihnen Kaiserin Maria Theresia^ auch dort in der inneren Stadt einen Platz spendete, erbauten sie sich einen Tempel, der sich noch. bis vor einigen Jahren erhielt. Jetzt gibt es in Temesvar nur eine kleine Gemeinde in der Vorstadt Fabrik, wo sie ein einfaches, aber äußerst nettes Gotteshaus besitzen. Die meisten in Oesterreich-Ungarn lebenden spanischen Juden sind Sprößlinge von türkischen Spaniern, d. h. von aus der Türkei später nach Oesterreich-Ungarn eingewauderten spanischen Juden, daher kommt es, daß bis auf den heutigen Tag noch viele von ihnen türkische Untertanen sind. In Spanien, es heißt zumeist auf den Balearen, leben noch Abkömmlinge von spanischen Inden, die unter dem Namen Marranen bekannt sind. Sie sind Christen, da sie die Taufe notgedrungen annahmen. um der. Verfolgung zu entgehen. Aber Sitten und Gebräuche der Juden haben sie bis heute erhalten in ihren Familien. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten Wien. Anläßlich der ersten Jahrzeit nach dem verewigten langjährigen Präsidenten kaiserl. Rat Adölf S ch r a m e k s. A. wird Montag, den 24. Cheschwan 5677 (20. November 1916), abends 6 Uhr, im Kaiser Franz Josef I. Huldigungstempel. II., Pazmaniten» gafse 6, eine Jahrzeitsfeier abgehalten. Nach der Trauerfeier öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes im Sitzuugssaale, wobei Präsident kaiserl. Rat Adolf W e n g e r die Gedenkrede halten wird. Wien. Am 4. November l. I. ist im Alter von 84 Jahren die Witwe des Börsensensals L. S. Fischel, Frau Henriette Fischel, eine durch hohe Geistesgaben ausgezeichnete Frau, die bis zu ihrem letzten Momente mit selten unverminderter Geistes» und Körperfrische begabt war, verschieden. Sie war das letzte überlebende Kind des Prediger- I. N. Mannheimer. Das Leichenbegängnis fand am 9. d. M. statt. Vien. Die Gründungs - B etjainiulung des „Jirael. Franenwohltätigkeits-Bereines für den II. und III Bezirk." findet Dienstag, am 21. Dezember 1916. 6 Uhr abends, im Sitzungsfaale der israel. Anltusgemeinde, I, Seitenstettengasse 4, 2. Stock, statt. Wien. Mittwoch, den 1. November l. I. wurde der Privatier Abraham Kläger, der Vater des kaiserl. Rates Philipp Kläger, im Alter von 85 Jahren zu Grabe getrage,i. Mir dem Verblichenen schied ein Mann ans dem Leben, der durch Werke wahrhafter Menschlichkeit in den weitesten Schichte» der Gesellschaft bekannt war und wegeri seiner sieteil aufopfernden Hilfsbereitschaft allgemein verehrt wurde. So gestaltete sich, obzwar im Sinne des Verstorbenen von einer Veröffentlichung des Tages und der Stunde der Beerdigung abgesehen werden mußte, die Tranerfeierlichkeit zu einer überaus ergreifenden Kundgebung. Dem Sarge folgten nebst sämtlichen Familienmitgliedern — ein Sohn des Verblichenen, Gemeindesekretär Robert Kläger, war aus Mährisch-Ostrau, ein Enkel war vom Kriegsschauplatz gekommen — eine große Schar von Leidtragenden. Galt es doch, einem wirklich seltenen Menschen die letzte Ehre zu erweis-n. Sein Andenken wird bei allen, die ihm nahestanden, bei allen, die ihn kannten, fortleben! Wie»». Der Oberkantor im neuen Temvel, II. Pazmanitengaffe, Herr Josef Gidlichmann. der sich seit Sommer 1915 im Felde befindet, ist zu 14tägigem Aufenthalt nach Wienznückgekehrr und wird den sabbathlichen Berufspflichren obliegen. Vien. (B a r m i z w a h s e i e r.) Samstag, den 11. d. M.. feierte Herr Karl K a l l m a n, Vorstandsmitglied des Kranken- und UnterftütznugSvereiueS „Montefiore". im Stempel, II. Bezirk. Tempelgasse. die Barmizwahfeier senies Sohnes Robert. Baden bei Wien. Anläßlich der hohen Feiertage fand in unserem Tempel der Gottesdienst an den Festtagen in besonders solenner Weise statt, denn jeder Einzelne der Fnnkionäre gab fern Bestes, insbesonders der seit dem Vorjahre hier anwesende Oberkantor, Herr Ferdinand Jura. Andächtig lauschte man den altehrwürdigen, traditionellen Gesangsweisen, bewunderte das Vollendete des BortrageS sowie deffen prachtvolle Stimme. Von Seite des Vorstandes wie auch von dem anwesenden weltberühmten Künstler Professor Alfred Grünfeld wurde Herrn Jura für seine gottesdienstliche Leistung die Anerkennung in spezieller Weise ausgesprochen. Biseuz. Einer der eigenartigsten Menschen weit und breit ist mit dem am 31. Oktober d. I. im 82. Lebensjahre verstorbenen Herrn Ignatz S,t ö ß l e r ins beffere Jenseits abberufen worden. Herr Stößler, welcher bis ins Greisenalter hinein über außergewöhnliche Körperkräfte verfügte, führte trotz seiner günstigen Bermögensverhält,risse eine streng asketische Lebensweise, zeichnete sich ans vielen Gebieten der Wissenschaften und geistigen Kultur aus. So beherrschte er beispielsweise die ganze alte und iuoderne Literatur, war m den politischen Dingen sehr versiert, beherrschte mehrere Sprachen, war ferner ein großer Kenner der Weltgeschichte und befaßte sich schließlich intensiv mit Philosophie und Naturwissenschaften. Er verfügte über ein staunenswertes Gedächtnis und rezitierte die Klassiker aus dein Stegreife. Seine Kenntnis der hebräischen Literatur wurde von dem jeweiligen Rabbiner unserer Stadt bewundert. Ganz besonders bekannt »nd beliebt in seiner eigenen Heimatsgemelnde war er durch seine kernigen Aussprüche, die stets den Nagel auf den Kopf trafen in,d allgemeines Erstaunen heroorriefen. Trotz seiner starken Kurzsichtigkeit trug er niemals eine Brille. Stock oder Uhr, lebte nnd wohnte sehr primitiv, besuchte täglich das Gotteshaus, hielt alle Fasttage des Jahres und war zeitlebens niemals krank. Und als er erst im letzten Jahre seines frommen Lebens von einer heftiges Rippenfellentzündung befallen wurde, legte er sich trotzdem nicht zu Berte und konsnltlerte zum ersteumale in fernem Leben einen Arzt, erst in der vergangenen Woche, einige Tage vor seinem erfolgten Ableben. Herr Stößler .hinterließ drei Söhne, wovon der eine als k. k. Finanzrat in Brünn, der zweite als Kantor und Sekretär der Knltusgemeinde in Olmütz und der dritte als Lehrer in Retz sich betätigt. Graz. (S i l b e rne- Ho chz e k t.) Der 1. November war für die israel. Knltusgemeinde ein besonderer Festtag, denn ihr hochverehrter und beliebter Präsident Herr Simon R e n d i feierte mit seiner verehrten Gemahlin, Rosa R e u b i. Borstandsdame des Israelitischen Fraueilvereines, das Fest der silbernen Hochzeit. Das Jubelpaar war an diesem Tage Gegenstand herzlichster Ovationen und Ehrungen» Abordnungen des Kultusausschuffes, geführt von Herrn Präses-Stellvertreter Armin Birman, des Vorstandes der Cyewra-Kadischa nnd der Beamlenschaft der Kultnsgememde m:t Herrn Univ.-Doz. Rabbiner Dr. David Herzog an der Spitze, fanbeu sich um 11 Uhr vormittags in der Wohnung des Herrn Präsideiiten ein. Präses-Stellvertreter BirmaÄ beglückwünschte im Namen der Kultusgemeindevertretuilg das Paar und würdigte in einer herzlichen Ansvrache das vielfach verdienstvolle Wirken des Herrn Präses, hob sein allseitiges amtliches »nd privates huinanitäres Wirken sowie den wohltätigen Sinn seiner hochgeschätzte» Frau Gemahlin hervor und brachte ihm den einhelligen Beschluß des Kultusrates zur Kenntnis. den großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde aut dem Bilde des Jubilars zn schmücken. Hierauf folgte euie wohldurchdachte, in den wärmsten Worten gehaltene Ansprache des Herrn Ulnv.-Doz. Rabbiner Dr. David Herzog, der u. a. besonders daideale Verhältnis zwischen der Beamtenschaft und dem Herrn Präses betonte und dem Jubelpaare den priesterlichen Segen erteilte. Der