Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 29 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite >8. Die Wahrhit Nr. 28. Präses der Chewra-Kadischa, Herr Ignaz Adler, überreichte mit Worten innigster Verehrung für das Jubelpaar einen von den Vorstandsmitgliedern der Chewra-Kadischa gewidmeten wertvollen silbernen-Pokal, und schließlich Lberbrachte Schuldirektor Anton Ungar die Glückwünsche des Lehrkörpers der Israel. Privat-Bolksschule. Unter Führung der Präsident'» des Grazer Israel. Frauenvereiues, Frau Charlotte Stern, erschien auch rine Abordnung des Frauenvereines, der anläßlich der Feier an die hierort'gen Armen eine» namhaften Betrag zur Verteilung brachte, sowie mehrere Damen des Lesezirkels jüdischer Frauen und Mädchen, mit Frau Präsidentin Herma Feuerstein an der Spitze, und brachten die herzlichsten Glückwünsche dar. Herr Präses Simon Rendi, der mit seiner Frau Gemablin das Familienfest eigentlich ui bescheidener Zurückgezogenheit und im engsten Familienkreiie feiern wollte, war sichtlich ergriffen und von den vielfachen Beweisen der allseitigeu Wertschätzung serner Person und seiner Gemahlin gerührt und dankte mit schlichten Worten oen verschiedenen Deputationen. Baja. (I u b i l ä u m.) Am Simchas Tora feierte der allgemein hochgeschätzte Kantor Herr Joses B r a u n s e l d, Binder de- Sekretärs der Kultu-gemelude Holleschau, Adolf Brauuseld, des Oberkantors Julius Brauuseld in Neu-Orleans und des Franz Braunseld, Oberkantors m Nagy-Körös, senr 40jähriges Amtsjubiläum. Aus sdiesem Aulaffe war er Gegenstand besonderer Ehrung. Galt es doch, einen Mann zu feiern, der vermöge seiner hervorragenden persönlichen und sachlichen Eigenschaften von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet wird. Am Vorabend des Jubilöumstagcs. als er in die'Hallen seiner sOjährigen Wirksamkeit eiutrat, begrüßten ihn die beiden Tempelvorsteher und begleiteten ihn zu seinem reich mit Blumen geschmückten Sitz. Simchas Tora wurde er als Chasan Bereschis zur Tora gerufen, wobei Obertantor Berger einen von Herrn Rabbinar-verweser eigenen für diese Feier verfaßten Mischeberach mit Chorgesang vortrug. Als der Rabbiuatsstellvertreter in Verlängerung des Gebetes für den Landesfürste» auch für das Wohlergehen des Jubilars betete und Worte der Anerkennung für ihn sprach, war die Gemeinde in gehobener Feststlmmnug. Nachmittags erschien der Vorstand mit der ganzen Repräsentanz beim Jubilar. Kultuspräses Dr. Bruck überreichte mit einer schönen Ansprache ein Ehrengeschenk und echen Protokollauszug über die Anerkennung der Leistungen, serner erschienen der Chef der Chewra- Kadischa uut den Vorstehern, der Frauenverein, die sich mit namhaften und wertvollen Ehrengeschenken eiustellten. Es gratulierten überdies: Der Direktor der Volks» und Bürgerschule mit den Lehrkörpern, Kultusbeamte unter Führung des Gemeindesekretärs u. v. a. Zahlreiche Telegramme aus den In- und Auslande von Gemeinden und Korporationen, Blumen und sonstige sinnreiche Geschenke sind eingelaufen. Herr Joses B r a u n f e l d hat die ihm dargebrachten Ehrungen redlich verdient und ist :hm nur zu wünschen, daß er noch recht lange in voller Rüstigkeit zur Ehre Gottes, zur Würde seines Standes und zum Ruhme unser alten ehrwürdigen Genleinde wirken möge. Jsch Jwri. Literatur. Vom ulten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher. Jüdischer Verlag. In höchst eleganter Ausstattung sind bis jetzt erschienen: Svlialorn Asch, Im Lande der Väter. Bilder und Dichtungen aus Palästina. Sch. Gorelik, Die liebe Provinz. Aus-der russisch-jüdischen Kleinstadt. J. L. Perez, Volkstümliche Erzählungen. Scholem Alejchem, Die verlorene Schlacht. Humoristische Erzählungen. Sämtliche aus dem Jiddischen von Mathias Acher. Für Gorelik, Perez und Scholem Alejchem können wir dem rührigen Verlag nicht genug dankbar fein, daß er uns diese Perlen des jüdischen Humors und der naiven Erzählungskunst zugänglich gemacht hat. Namentlich für Geschenkszwecke sind diese prächtig ausgestatteten Büchlein wie geschaffen! Mit Schalom Asch aber hat der Verlag einen entschiedenen Fehlgriff getan. Wir bedauern aufrichtig, diesen niinderwertigen Schriftsteller h,er vertreten zu sehe». Er ist nur geeignet, seine Nachbarn in Mißkredit zu setze». Seine Reiseschilderungen könnte man noch allenfalls gelten laffen, obwohl auch da häßliche, unbegreifliche Fehler begegnen. So will er an einem Vortag des Schawuothfestes (nicht Sch'wuorh!), einem Freitagmorgen in Jerusalem gewesen sein. Das ist aber unmöglich, da der erste Tag Schawuoth nie auf einen Sabbat h fallen kann! — Dem Jesaja soll im Tempelhos eine Statue errichtet werde», wie er die falschen Priester samt ihren Kindern aus dem Hause Gottes jagt. Jesaja hat aber nie jemand aus dem Hause Gottes gejagt, weder falsche Priester noch ihre Kinder! Hier liegt eine komische Verwechslung mit — Jesus vor! c s. Matth. 21,12. Nun aber gar seine Biblischen Motive! Asch scheint für die grandiose Schönheit der biblischen Darstellung kein Verständnis zn besitzen und jo hater aus drei biblischen, unvergleichlich schönen Erzählungen — drei Karrikaturen geliefert! Dazu die unglaublichen Schnitzer, die jedem Schulkind auffallen muffen. Ben-Hadad ist de, ihm zn Ben-H a d a r geworden, was all^dings Schuld des Ueberietzers zu sein scheint. — Nack dem Weingatten des Nabob hat nicht A h a b, sondern seine Fron I s e b e l Verlangen! Samaria hat nicht O m r i erbaut und zur Residenz gemacht, sondern — Iarobeam den Nebat! — Der Prophet Micha bekommt hier den gar nicht existierenden Namen — Michia! Kenaana — Keuaauja! Der ehrwürdige, milde, gottergebene Priester E l i wird hier zu einer lächerlichen, abstoßenden F'gur» die immer mit den alten, weichen, z a h n l o s e n K i e s e r n klappert! Nein, wahrhaftig, Herr Asch k Die Bibel ist uns viel zu kostbar, als daß wir uns Ihre Verhunzung derselben gefallen laffen möchten! Prof. Dr. K a h a u, Znaim. Feuilleton. Die Schicksale dev Menschen! Von Armin Milkowitsch, Eger. Or wurde vor den Landesfürsten geführt. Er experimentierte vor den hochgelehrten fürstlichen Köchen mit seiner Frucht, bereitete mit Zusatz des Knoblauchs vielerlei Speisen und als der Landesfürst die Sachverständigen, znr Aeußernng aufforderte, ward ihm der Bescheid! „Mächtiger Herrscher! Die Frucht hat göttliche Eigenschaft —: zauberhaft, wundersam und edeuhaft köstlich, geeignet für der Götter Mahl! Da heftete der Landesfürst eigenhändig einen güldenen^ mit Demantensternen besäten Orden an Or's Brust, beschenkte ihn mit Gold und Silber und gab zn des Ausgezeichneten Ehr und Preis ein fürstliches Mahl. Der Knoblauch fand in des Landesfürsten Schatzkammer Verwahrung. Or kehrte mit vielen Kameelen reich beladen eines Nachts in feine Heimatstadt zurück. Er protzte mit feinem ungeheueren Vermögen nicht, wie es oft Unvernünftige Inn, denen es beschieden ist, plötzlich reich zu werden, ja er verbarg sogar feine hohe Auszeichnung, um der Menschen Neid und Mißgunst nicht aufznstacheln. Niemand erfuhr, welchen Schatz das Glücks füllhorn dem Or in den Schoß streute. Nun trachtete der Glückliche feinem vom Mißgeschicke verfolgten Freunde zn helfen,' da er es aber nicht so tun wollte wie die Halbedlen, deren Hilfe mit dem Beigeschmäcke der Herabsetzung verbunden ist, beschloß er Folgendes zu unternehmen: Er weckte beim Sonnenaufgang den Ana»: „ Aust auf, Freundchen, dort und dort winkt Dir ein gutes Geschäft!" Anan war nicht träge, stand auf, kleidete sich rasch an und begab sich dahin. Or hatte auf den Bürgersteig, den sein Freund nun passieren mußte, einen goldgefüllten Gürtel hingelegt, in der Voranssetznng, daß der Freund doch den Schatz entdecken müsse. Allein, was vermag der blinde Zufall nicht! Anan deuchte des Nachts, er sei des Augenlichtes verlustig geworden und wie er nun einherschritt, kam ihm der Gedanke: „Wenn ich mit Blindheit geschlagen würde, könnte ich da durch die Straße ohne Führer gehen?.. . Und er schloß die Angen, um fein Orientierungsvermögen zn prüfen. So kam es, daß er den Schatz nicht entdeckte^ Or stand seitwärts und betrachtete das Tun seines Freundes. ES war zu weinen um das Schicksal Ananas! Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählte einst Or denl Anan von seinem gewaltigen Erfolg und fügte dann hinzu: „Ich habe dort auch die Zwiebel vermißt! — Versuche es mir gleich zn tun. Ich hoffe, daß es Dir endlich gelingen wird, Dem Mißgeschick zu verscheuchen." Anan war von des Freundes Worten entzückt. Er nahm sich vor, fein Bestes zn tun, um das Glück zn erjagen. Also ging er heim, schnürte seinen Ranzen, küßte Weib und Kind nnd reiste fort. Kein Mensch wußte wohin. Seine weite Reise jedoch verlief nicht ohne Abenteuer: Nach dreizehn Reisetagen gelangte Anan in eine Stadt, in deren Nähe infolge eines gewaltigen Orkans, der Fluß jäh aus