Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 28 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 28. Die Wahrheit Seite 9. dieser Angelegenheit bekundete besondere Umsicht und seine außerordentliche Mühewaltung die belobende Anerkennung Mtsgesprochen. Schluß der Sitzung halb 9 Uhr abends. Aphorismen. XIV. Die alten Pharaonen und die modernen Franzosen. Der alte egyptische König Pharao war unstreitig einer der undankbarsten Fürsten, die es je gegeben. Bekanntlich hatte sich der Patriarchensohn Josef unermeßliche Verdienste nm die Prosperität des ägyptischen Reiches erworben, denn nur seinen vortrefflichen Ratschlägen, die er dem König Pharao erteilt, wie überhaupt seiner ausgezeichneten Finanzverwaltung, Humanitären Tätigkeit und segensreichen Wirksamkeit allein war es zu verdanken, daß hunderttansende Menschen vom Hnngertode und der Staat vom Untergange gerettet wurden. Ihm gegenüber benahm sich Pharao allerdings sehr lieben-würdig. Bor allem hatte er ihn zum Vizekönig ernannt, und im zweiten Staatswagen, der ihm gehörte, fahren lassen, wobei man vor ihm herrief: Awrech (auf's Knie). Sodann sprach er zu ihm: „Ich bin Pharao, aber ohne deine Genehmigung darf niemand im ganzen Lande Wichtiges für den Staat unternehmen" usw. Bei Gelegenheit hatte er ihm den Titel eines Geheimrates {Zofrat paneach Entdecker der Geheimnisse) verliehen. Ja, noch mehr, als er ihm (dem Könige) anzeigte, daß sein Vater und seine Brüder aus Kanaan nach Aegypten kommen, um daselbst während der Jahre der Hungersnot eine Zufluchtsstätte zu finden, sagte er zu ihm: „Dein Vater und deine Brüder sind zu dir gekommen. Nun, denn das Land Aegypten steht dir zur Verfügung, in dem besten Teile des Landes laß wopieit deinen Vater und deine Brüder." Kaum aber hatte Josef seine irdische Laufbahn vollendet, als Pharao als neuer König erschien, der den Josef nicht kannte, oder richtiger, nicht kennen, von seinen edlen liberalen und humanitären Ansichten nnd Bestrebungen nichts wissen wollte. Er trat in höchst eigener Person als Agitator -und Volksverhetzer auf und hielt eine Ansprache (richtiger eine Hetzrede) an sein Volk, nm durch lügenhafte Verleumdungen und gemeine Verdächtigungen die Söhne Israels herabzuwürdigen, zu diskreditieren. Die famose Ansprache lautete: „Er sprach zu seinem Volke: Das Volk der Kinder Israels wird uns zu mächtig — sie haben in kurzer Zeit -auf allen Gebieten des Lebens einen riesigen Aufschwung genommen..— Wohlan! Wir müssen diesem Volke durch List, Schlauheit und politische Klugheit beikommen, sonst würde es' noch zahlreicher werden; sollte einmal ein Krieg ansbrechen, so wird dieses verräterische Volk zu unseren Feinden übergehen, vereint mit denselben uns bekämpfen nnd aus dem Laude ziehen und wir dadurch hunderttansende reichbegabte Arbeitskräfte verlieren würden." — Welch eine Fülle von Lug und Trug, List und Schlauheit, Bosheit und Tücke, Verleumdung nnd Verdächtigung liegt in dieser königlichen Ansprache! Wäre man nicht beim Lesen dieser Hetzrede versucht zu behaupten, daß-die Diplomaten der Ententemächte bei der Entwerfung ihrer gefährlichen, auf die Vernichtung der Zentralmächte zielende Pläne die Pharaonische Politik ins Auge faßten? — Nnn hören wir, welche Mittel Pharao angewandt, um sein sich gestecktes Ziel, die Entwurzelung des Hebräerstammes, erreichen zu können. Vor allem hatte er die eingewanderten Hebräer als Ausländer bezeichnet, daher als Verräter nnd Kriegsgefangene behandelt und als Arbeiter bei Festungsbanten verwendet. 'Wajosimii olow sore misim „Man setze über -das Volk Beamte der Frohndienste. um es durch schwere Arbeiten quälen, martern, foltern, geistig und körperlich rninieren zu können." Es mußte dem Pharao Vorstädte bauen, nämltch Pitom und Ramses. Als jedoch der grausame Pharao sah, daß man durch Folternqualen und alle möglichen Torturen diese m Volke nicht beikommen kann — „denn je mehr man sie unterdrückte, peinigte und martete. destomehr nahmen sie zu" kam er auf die verteufelte Idee, daß dieses Volk nur dann vollständig vernichtet werden könnte, so die n e u g e b o r e n e n Knaben, ehe sie noch recht das Licht der Welt erblicken, dem Tode preisgegeben werden. Selbstverständlich konnte eine solche scheußliche Freveltat nicht ungestraft bleiben nnd blieb auch nicht ungestraft. Als später, nachdem die Söhne Israels bereits durch wunderbare Begebenheiten, durch welterschütternde Ereignisse aus der egyptischen Sklaverei befreit worden waren, der heidnische Priester Jetro zu seinem Schwiegersöhne Moses zu Besuch kam uitb dieser ihm die Bestimmuugsgeschichte ausführlich erzählte, rief dieser begeistert aus: „Jetzt erst bin ich aufs innigste überzengt, daß „Adonai" größer sei als alle göttliche Wesen, denn die Egypter wurden mit derselben Sache gestraft, mit welcher sie gestraft haben; sie . ließen die neugeborenen Knaben der Israeliten ins Wasser werfen, daher fanden sie selber in den Wellen des Meeres ihre Gräber. „ Ja, Pharaos Verbrechen war sehr groß, denn er wollte ei n ganzes Volk der völligen Vernichtung preisgeben, daher er die Gesetze Gottes und der Natur in frevelhafrer Weise verletzt und sich schwer versündigt hatte. Schwerer noch als die alten Pharaonen haben sich die modernen Franzosen durch die Eluführnng einer ähnlichen bösartigen Unsitte versündigt, daher sie es jetzt schwer büßen müssen. Maurice Latnlle. Professor der Academie de medicine, sagte im „Matin", vom 12. Juni d. I.: „Der Grund des Verfalles unserer (der französischen) nationalen Kräfte liegt darin, daß viele französische' Familien infolge eines nur allzu individnatistischen Egoismus möglichst wenig fortpflanzen wollen: ein Kind, zwei Kinder höchstens in jeder Familie — und mau glaubt seine Schuld gegen die Gesellschaft abgetragen zu haben. Multiplizieren Sie diese beklagenswerte, diese verbrecherische Gewohnheit mit mehrere» Hunderttausend und rechnen Sie sich die Ergebnisse aus! Man hat es unserem Volke noch nicht oft genug gesagt: Die Macht einer Nation kann nur durch die unaufhörlichen Fortschritte ihrer Geburten gewährleistet werden. Die Familie ist nur durch ein viertes Kind mindestens zu rette». Gegen diese Maßregel verstoßen, heißt für ein Volk dem Selbstmord entgegeneilen." Ja, die modernen Franzosen haben durch ihren Egoismus selber zur Entvölkerung ihres großen Reiches wesentlich beigetragen. I^arr lesonu dorn. Der Allmächtige hat nicht das schöne, prachtvolle, imposante Westgebände ins Dasein gerufen, damit die Menschen sich gegenseitig befehden, bekriegen, zerfleischen, sondern damit sie sich brüderlich behandeln, liebevoll umfassen, mit vereinten Kräften gemeinschaftlich an dem großen Werke der Veredlung und Vervollkommung arbeiten, die herrliche Welt verschönern, vergrößern und verbessern. Die ersten Menschen erhielten den Segen: „Seid fruchtbar, vermehret, aber vermindert euch nicht, füllet die Erde, aber nicht frühzeitig die Gräber." Ein talmudisches Sprichwort lautet: „Der Gott, der Leben schenkt, gibt auch die Mittel zur Erhaltung desselben". Dr. Friedländer. Zur 125sShrige« Inbetseier der Kerliner Sing Akademie. Bon Königl. Musikdirektor AronFriedmann. Am 27. und 28. Mai beging die Berliner Sing- Akademie in zwei großen Konzerten die Feier ihres 125jährigen Bestehens. Es dürfte anläßlich dieser Gelegenheit von Interesse» sein zu erfahren, daß in diesem Kunstverem, in dem nur ernste und heilige Musik gepflegt wird, der ehemalige Rab-