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Die Wahrheit · 1916-11-03 · Heft 28 (3.11.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 28 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28. Die Wahrheit Seite 7. treu getragen; er stutzte mit Geist und Herz die Säule», Lsobsr habajis nochaun alehem auf denen unser ganzes Gebäude ruht: Gottesdienst, Gotteslehre und Wohltätigkeit. So ward er zu Bielen zu Viel, um im Strom der Zeit rasch unterzutauchen; hat zuviel geleistet, um rasch vergessen werden zu können; und was er geleistet hat, wird segensreich fortwirken. Sein Lebensprinzip war: ^sbszs dsroobo Du sollst ein Segen sein, ein Segen für die Gemeinde, ein Segen für die Menschheit; wir dürfen hinzufügen: 6lara doroob ■jihej'e er wird auch gesegnet sein und bleiben. 8svbsr Laääilr lirvrovbo. Amen! Nach der eindrucksvollen Rede sprach Rabbiner Dr. Bach das Kadischgebet und hierauf wurde die Trauerandacht mit dem Trauergesang Schiwissi und dem Olenu- Gebet geschlossen. O e f f e n t l i ch e T r a u e r s i tz n n g des Kultus- Vorstandes. Im Anschlüssean die synagogale Trauerfeier fand im Zeremoniensaale des Tempels eine öffentliche Plenarsitzung des KultnsvorstandeS statt, an welcher gleichfalls die Familienmitglieder des Verstorbenen und ein zahlreiches Publikum teilnahmen. Hier hielt Präsident Dr. Alfred Stern die nachfolgende Gedenkrede: Verehrte Kollegen vom Vorstande, verehrte Anwesende! Wir kommen vom Gotteshanse, von der Tranerondacht, sagen wir lieber von der Erinnerungsandacht nach unserem unvergeßlichen Kollegen Dr. Gustav Kohn. Wir haben gehört die ergreifenden Worte, welche der ehrwürdige Rabbiner an die Gemeinde gerichtet hat. Ich und mit mir alle Kollegen des Kultusvorstandes glauben aber, daß es auch dem Kultusvorstande obliegt, in feierlicher Sitzung desselben das Gedächtnis des Dahingeschiedeneu zu ehren, am ersten Jahrestage feines Todes seiner in Liebe zu gedelcken. Und indem ich nun anfblicke zu dem Bilde des Verewigten, welches diesen Saal schmückt, zu dem Bilde, welches feine freundlichen, lebenswarmen Züge, den milden Blick deS Auges wiedergibt, gedenke ich jener Zeit, gedenke ich des mir mein Leben lang in Erinnerung bleibenden Ereignisses vor Jahresfrist. Ich weilte damals nicht in Wien, er hatte ckich am Lande, in Baden, besucht. Wir hatten wichtige Angelegenheiten der Gemeinde besprochen und Vereinbarungen für die nächste Zukunft getroffen. Wenige Tage darauf erhielt ich ein Schreiben, worin er mir seinen demnächstigen Besuch ankündigte, er kam nicht, in« n,2v '2 w« „Er war nicht mehr, Gott hatte ihn zu sich genommen." Er war nicht mehr, er, der herzensgute, liebe Mann, er, die Seele unserer Gemeinde, er, der in alle Angelegenheiten unserer Gemeinde Einblick hatte und Rat wußte, er, der Vater der Hilflosen und Bedrängten. Wohl, wenn ich heute einen Rückblick werfe auf vergangene Zeiten, auf das Viertelzahrhundert, in welchem wir gemeinsam in diesem Hanse wirkten und schafften, schwebt mir vor, wie wir gemeinsam Rat hielten, wie wir gemeinsam immer bestrebt waren, das Beste für unsere Gemeinde zu sinden und wie wir den Ausgleich unter unserer manchmal divergierenden Anschauungen zn finden Mißten. Und immer und immer, — mochten in ber Sache selbst die Anschauungen noch so weit und tiefgreifend aiiseinandergehn — der Meinungskampf wurde in den urbansten Formen geführt und so durfte auch der Ausgleich dem Interesse unserer Gemeinde entsprochen haben. D,nt?« in« nph '2 i:r«i .2'.-ib«n n« -fb.nn'i „Er ist nicht mehr, Gott hat ihn zu'sich genommen." Dies war, wie jene Bibelstelle besagt, der Abschluß eines gottgefälligen Lebens. Und das ist im vollem Sinne der Nachruf nach unserem Dr. Gustav Kohu, der sein Leben der Sorge für seine Mitmenschen, für seine Glaubensbrüder, der Hilfeleistung für die Notleidenden und Bedrängten widmete, der -ein Vater der Armen war, der jeden Tag für eine verlorenen nnsah, an dem ihm nicht die Gelegenheit geboten war, Wohltat zu üben, ein Werk der Menschenliebe zn tun, dem Bedrängten, dem Hilflosen die hilfreiche Hand zu bieten. \ Wir wollen und werden das Andenken unseres dahingeschiedenen, edlen Glanbensbruders Dr. Gustav Kohn i» Ehren halten für alle Zeiten! Ans der Wiener Knttnsgemeinde. (Aus der Plenarsitzung des Kuliusvorstandes vom Io. Oktober ISIS unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred S t e rn.) Im Einlaufe befinden sich: Erlaß der k. k. n.-K Sralthalterei, Z. W. 3820/3, mit welchem zufolge Erlasses des k. k. Ministeriums des Innern, Z. 48533, mitgeteilt wird, daß „in analoger Au- Wendung des § 3 der Minister ialverorduung vom 14. Juli 1916, R.-G.-Bl. Nr. 216, für Angehörige des mosaischen Glaubensbekenntnisses, welche am 7. Oktober 1916 (Bersöhunngstag) Fasten halten, am vorangehenden fleischlosen Tage. d. i. am Freitag den 6. Oktober, die Zubereitung, die Verabreichung und der Genuß von Fleisch und Fleischspeisen zngelassen wird." Aus dem Militür-Kommaudo-Befehl Nr. 226 äs dato 3. Oktober 1916. Auf Erlaß des k. k. Kriegsminifteriums II. Abt., XU. Nr. 96648 vom 30. IX. 1916. „Mit Rücksicht darauf, daß der israel. Versöhunngstag, welcher ein strenger Fasttag ist. auf den 7. Oktober fällt, wird, um den Offizieren nnd Mannschaften des israel. Glaubensbekenntnisses am Vortage zum Versöhnungsfeste den Fleischgennß zu ermöglichen, der 6. Oktober (Freitag) für die gesamte Mannschaft als Fleischtag. dagegen der 5. Oktober (Donnerstag) für die gesamte Mannschaft als fleischloser Tag erklärt. D»e diesbezüglich erforderiichen Veranlassnngen sind rechtzeitig zn treffen." Mitteilung des Vorsitzenden des k. k. Bezirksschulrates Wien. Sr. Exzellenz des Bürgermeisters Dr. Weißkirchner, wonach zufolge Erlasses des k. k. n.-ö. Landesschulrates vom 29. Mai 1916, Z. 1905/2 II. das Mitglied des Vertreter- Kollegiums der Wiener iirael. Kultnsgemeinde, Herr Hofnnd Gerichtsadvokat Dr. Wilhelm Pappenheim, zum Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes im Bezirksschulräte der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien ernannt worden ist. Dankschreiben des Ministers für Kultus und Unterricht Dr. Max Freiherrn Hussarek v. Heinlein für die Gratulation des Vorsitzenden anläßlich seiner Erhebung in den Freiherrnstand. Dankschreiben des Chefs des Steneramtes der Wiener israel. Kultnsgemeinde, Herrn Adolf Popper, für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 26-jährigen Amtsjnbilänms, Dankschreiben des Rektors des israelitischen Rabbiner- Seminars, Prof. Dr. Adolf Schwarz, für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seines 70. Geburtstages. Dankschreiben der Frau Ernestine Lang für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten des Herrn k. k. Hofrates Prof. Dr. Eduard Lang, sel. A. Dankschreiben der Frau Clorhilde Reitlinger für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens ihres Gatten, des Herrn Julius Reitlinger, s. A. Dankschreiben des Füriorgekomitees des Roten Kreuzes für Kriegsgefangene für Ueberlaffnng von 2000 Gebetbüchern für die israel. Kriegsgefangenen. Dankschreiben des Herrn Dr. Albert Kuh, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, für die Gratulation des Vorstandes anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages. Bor Eingang in die Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende deS Hinscheidens der Vorstandsmitgliedes, Vertreter Prof. Dr. Josef P o l l a k, s. A. in warmen Worten. Der Verblichene, welcher 10 Jahre hindurch dem Vorstände,

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