Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 27 (20.10.1916)
- Date
- 1916-10-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrhit Es ist leider keine Hoffnung vorhanden, obgleich ja manchmal schüchterne Versuche seitens der Verbündeten gemacht werden, um die Russen Menschlichkeit zu lehren, daß diese Zustande sich bessern; das unnatürliche Bündnis der sogenannten Kullurstaaten mit einem Barbarenreiche bringt die erstereu nicht zu der Erkenntnis, daß es ihre heiligste Pflicht wäre, diese Barbarei aufhören zu lassen. Auch hier können wir nur hoffen, daß Menschlichkeit und Aufklärung allmählich den Steg über Grausamkeit nnd Barbarei davoutrageu. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Un e n t g e lt l i ch e r Kurs über Geflügelhaltung und Geflügelzucht für Flüchtlinge.) Mit Rücksicht auf de» Erfolg, den der vom Galizjschen Hilfsvereine iu den Mouateu Juni und Jul, d. I. veranstaltete Kurs über Geflügelhaltung erzielt hat und dem vielfach geäußerten Wunsche — sowohl von Teilnehmern au diesem Kurse als auch von Nichtteiluehmeru — entsprechend, errichtet der Hilfsvereiu neuerlich einen Kurs, au dein der Konsulent für G<flügelzncht iiu k. f. AckerbaullMllsteriuul, Herr Georg Wieu,nger, mit Zustimmung dieses Ministeriums, sechs Vorträge über Nutzgeflügelzucht und -Haltung abhalteu wird. Es soll dadurch 'den ,u Wien werlenden Flüchtlingen Auleituug geboten werden, nach Rückkehr in ihre Heimat, durch die Produktion von Eiern eine Einnahmequelle zu finden,, ohne iu der Betätigung ihres sonstige» Erwerbes behindert zu werden. Die Vorträge finden au Dienstagen, Donnerstagen ujw., am 7., 9., 14., 16., 21., und 23. November l. I., jedesmal von 4 bis 6 Uhr nachmittags, im Josefiue M e u d l s ch e u Wohlfahrtshause (Toynbeehalle), XX. Bezirk, Denisgaffe 33, statt. Der Kurs ist unentgeltlich. Wien. (Filctkurs für Flüchtlings-Mädchen und -Franc n.) Nach den jüdischen Feiertagen errichtet der Galizische Hilfsverein für in Wien weilende Flüchtlings-Mädchen und -Frauen in seinen Lokalitäten einen zweiten Kurs für Filettechuik. Ausgelernte erhalten dauernd Beschäftigung. Anmeldungen nimmt das Büro des Hilfsvereins, DL, Berggaffe 4, schriftlich oder von 9 bis 12 Uhr vormittags mündlich entgegen. Wie«. (Ein Bortrag des Dr. Max G r u n w a l d in der Urania.) Mit großem Jutereffe erfährt mau, daß am Donnerstag, den 2. November l. I., der Rabbiner der Wiener Kulmsgemeinde Dr. Max Grün mald iu der Wiener Urania einen Bortrag über den Talmud Hstlten wird. Die Veranstaltung findet im großen Saal, präzise halb 8 Uhr, statt. Karteuvorverkauf an der Tageskaffa der Urania, 1. Bezirk, Aspernplatz. Mir«. Herr Alexander Haslinger feierte am 14. Oktober l. I. im großen Tempel sein bOjähriges Hochzeitsjubiläum; zur Tora gerufen, hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. Grmrwald an den Jubilar eine zündende Ansprache, wo er deffeu immerwährende Rechtschaffenheit hervorhod und daß er seine Kinder zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erzogen habe, insbesondere seinen Sohn, ^erru Bezirksrat Josef Haslruger, der iu dieser großen Zeit so eminent viel für die Allgemeinheit und ganz Hervorragendes für die galizische» Flüchtlinge geleistet har. Nach dem Gottesdienste fand die Feier im Zeremoniensaalc ihre Fortsetzung. Hier wurde der Jubilar vom Präsidenten der israel. Kultnsgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern in seinem Namen und im Nonien der KultuSgeme,nde auf das Herzlichste beglückwünscht und sodann wurde ihm eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreicht. Herr Gemeinderat Rudolf Schwarz-Hiller beglückwünschte den Jubilar «u Vertretung Sr. Exzellenz des Bürgermeisters Dr. Richard Weißkirchner für die Gemeinde Wien. Unter den Festgästen bemerkte man die Herren Gememderäte kais. Rat Fischer und Neustadtl, Herrn Bezirksrat Pollak. Fabrikant Severin Jellmek und Gemahlin, kais. Rat Lieben, Sekretär Dr. Adler und viele andere. Wie» Fra» Josefine S t e r u, geb. Frischauer, ist nach klirzem Leiden im 84. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand am Freitag, den 13. Oktober l. I., um 3/iß. von der Zeremonie»halle7des Zentralfriedhofes ans, statt. In der Verstorbenen betranern die Herren Julius Stern. Redakteur des „Fremdenblatt", Friedrich Leop. Stern, kaiserl. Rat Maximilian Stern, Professor Emil Stern der Akademie Rr. 27. für Musik, derzeit Einjährig-Freiwilliger beim k. u. k. Jnft.-Rgmt 4, sowie Frau Rosa Wilhelm nnd Frau Klara Jnrberger, Gattin des Ersten Kantors der Israel. Kultnsgemeinde, ihre Mutter.. Wien. (Tee für Flüchtlinge nach Jom KipNr.s Seitens der israel. Kultnsgemeinde wurde an den hohen Feiertagen im Saale des Restaurant Ferdinand Leicht, f. t. Prater, ein Gottesdienst für Flüchtlinge veranstaltet. Durch die Hochherzigkeit der Frau Anitta Müller, Frau Karoline Cantor, sowie der Herren Heinrich E n g e l, Hugo Rau ch b e r g e r und anderer Wohltäter war es möglich, etwa 800 Flüchtlinge» am Ausgange des Jom Kippur Tee und Bäckerei zu verabfolgen. Die Leitung des Gottesdienstes dankt sowohl den hochherzigen Spendern als auch jenen Damen, die sich bei der Beteiligung betätigt haben, auf das herzlichste. Baja (Jubilierende Kantoren.) Herr Salomo» Berger, der Oberkantor der israelitischen Kiiltnsgemernde Baja und/ Herr Josef Braunfeld, der vielverdiente Kantor dergleichen Kttltusgemeinde feiern zn gletcher Zeit ihre Jubiläen. Braunfeld vollendet soeben das vierte Jahrzehnt seines Amtes. Berger dagegen die füttsundzwanzigste Jahreswende feiner! lässlichen Gesangsknnst. Die beiden hochverdienten Jubilare sollen anläßlich der Snkkothfeiertage von der Kultnsgemeinde gebührend gefeiert werden und Beiden wurden kostbare Ehrengeschenke bereits votiert. Die Kunst Bergers würdigten auch die Gesamtbewohner Bajas und auch alle die für Gesangskunst Begeisterten außerhalb der Reihen der Gläubigen. Die hohe Anerkennung für die zwei Jubilare wurde auch protokollarisch verzeichnet. Tre«eseu. Julius Gold ring, Fähnrich. Besitzerder großen silbernen Tapferkeitsmedaille, Kantor der Trencseuer israel. Kultusgemeinde, hat am 4, September I. I auf dem nördlichen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Er war 25 Jahre alt und hinterließ eine junge 'Gattin. Er stand am Äeginn seiner Lanfbahn. Mit seiner angenehmen, geschulten Stimme, seinem Fleiße und seiner Strebsamkeit und gewinnenden Persönlichkeit hat er sich schon während seines kurzen WirkenS die allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung erworben. Er absolvierte in Papa das Obergymnasium nnd wandte sich dann dem Berufe seines Vaters, der Kantorenlansbahn, zu. Im August 1914 wurde er nach Trencsen berufen, im September gemustert nnd kam bald an die Front, wo er seinen Hauptmann, unter Gefährdung seines eigenen Lebens, aus den Händen der Russen befreite. Bei einem späteren Anlaffe hielt er mit achtzig eigenen Mann den Vorstoß eines feindlichen Bataillons auf und ermöglichte es dadurch, daß die Unsrigen sich in Ordnung zurückziehen konnten. Damals wurde ihm die große silberne TapferkeirsMedaille zuteil. Mit einer Schußwunde wurde er heimgeschlckt. Nach seiner Heilung machte er in Preßburg die Offiziersschule durch, kam dann wieder ins Feld, wo. er bald darauf znm Fähnrich ernannt lvurde. Karlsbad. Bei der .am 8. Oktober l. I. stattgefniidenen Wahl eines Kulrusvorstehers der israelitischen Kntlnsgemeinde Karlsbad wurde einstimmig der bisherige Stellvertreter des verstorbenen ^Vorstehers Ludwig Moser, Herr Adolf R o s e n f e l d, znm Knltnsvorsteher und Herr Josef Hainsfnrth zum Bocsteherstellvertreter gewählt. Lewberg. In zwei 'Sitzungen befaßte sich der unlängst ernannte Knltusbeirat, unter Vorsitz des Regierungskorpmiffärs Dr. Emil Parnas, mit der Frage des Gesetzentwurfes über die Reichsorganisation der Kultusgemeinden. Nach einem Referate des Dir. Feldstein, dem sich ein zweites Referat des Dir. Ringel anschloß, und nach einer eingehenden Disknssion, in welcher gewissen Befürchtungen und Zweifeln Ausdruck verliehen wurde, entschied sich der Lemberger Kultusvorstand dafür, den Regierungsentwurf des Gesetzes über die. Reichsorganisatiyn im Prinzip anzunehmen, jedoch gegen zwei ^Bestimmungen des Entwurfes entschieden Stellung zu nehmen, und zwar gegen die Zweiteilung Galiziens durch Bildung von zwei Landesverbänden, sowie gegen die stiefmütterliche Behandlung der galizischeu Jndenschaft, welche zirka 900.000 Seelen zählt, in Bezug auf die Zahl der Delegierten in der Reichsversammluug und im Oberrat. Der Beschluß wurde — nachdem der erste Referent Dir. Feldstein einige Einwände fallen ließ und dem Kompromißantrag beigetrete» ist— einstimmig gefaßt. In dieser Angelegenheit soll noch im Laufe dieses Monats ein persönlicher Meinnngsaustansch zwischen den Vorständen der größten Knltusgemeiilden Galiziens in Krakau stattfinden. Fenistelon. Die Schicksale der Menschen! Bon Armin Wilkolvitsch, Eget. Or und Anan waten verwandt intk befreundet miteinander. Ihre Schicksale jedoch ll/yren s?hr verschieden : Der Elftere wuchs von Tag zu Tag' 'an Reichtum, sonach auch an Ansehen in den Augen seiner Mitmenschen, der