Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1916-10-20 · Heft 27 (20.10.1916) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 27 (20.10.1916)
Date
1916-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063828-3063855--10153-3077465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 6 Die 2i{iitnt}eit 'Jir. 27. bezahlten Ageitten der Ententemächte blieb es Vorbehalten, Korach und seine Ratte bezüglich der Lügen und Jntriguen, der Schliche und Kniffe, der Verleumdungen und Verdächtigungen weit in Schatten zu setzen und fast die ganze Welt in Brand zu stecken, und da erfrechen sie sich noch zu behaupten, daß sie siegen, glänzend siegen und die Hunnen und Barbaren niederschmettern werden. Humbug, Humbug, nichts als Humbug! xm Frömwelrrde Machthaber sind die gefährlichsten Feinde der Völker und des Glaubens. Wenn man die Weltgeschichte studiert, gewinnt man die Ueberzengnng, daß zu allen Zeiten frömmelnde Machthaber es waren, die mit Hilfe bezahlter Agenten Kriege fangefacht, Völker verhetzt und Throne erschüttert haben, und zwar angeblich zur Ehre Gottes (ad majorem dei gloriam), tatsächlich aber um ihren Ehrgeiz, ihre Herrsch- und Habsucht befriedigen zu können. Dieser Heuchler und Frömmler wegen konnte die Welt nie zur Ruhe kommen. Allerdings kann es nicht geleugnet werden, daß es nie au edlen, redlich, denkenden Kirchenfürsten, an hohen vorurteilsfreien Würdenträgern gemangelt. die jeden ungerechten Krieg, jede Raub- und Habsucht entschieden verurteilten und jeden konfessionellen Haß perhorreszierten. die den Mut hatten, es einzugestehen, daß die kultivierten und zivilisierten Völker ihre besseren Begriffe über Gott, Mensch und Welt einzig und allein der am Sinai Israel verliehenen Thora zu verdanken haben. Allein diese gerechten und edlen Hirten besaßen doch nicht die Macht, dem blutgierigen, herrschsüchtigen, fromm erscheinenden Despoten beizukommen. Der Stifter der christlichen Religion, der keinesfalls die Absicht hatte, an dem Judentum zu rütteln oder gar etwas Neues zu schaffen — was ans seinem Ausspruche: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz umzustoßen, sondern es zu erfüllen, kein Jota darf davon aufgehoben werden" zur Genüge erhellt — hatte zweifellos mutwillig heraufbeschworene Kriege als schweres Verbrechen bezeichnet. Schon feine Lehrsätze: „Wenn dir jemand einen Hieb auf die rechte Wange versetzt, so halte ihm die linke hin"; „Verlangt jemand dein Kleid, so gib ihm deinen Mantel hin"; „Aergert dich das Auge, so reiße es aus nud wirf eS von dir"; „Liebe deine Feinde, tue wohl denen, die dich hassen, bitte für die. d i e d i ch v e r f o l g e n"; „Richtet nicht, so weidet ihr nicht gerichtet"; „Verzeiht, so wird man euch verzeihen, seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist", «sw. beweisen klar und deutlich, daß er ein Feind von Angriffskriegen war. Dursten ja auch die Juden keine Angriffskriege führen, ihre Kämpfe galten lediglich der Verteidigung. Wie gesagt, wenn die christlichen Machthaber allerzeilen die Lehren ihrer Religio,! beherzigt hätten, so hätte es auch nicht im Lause der Jahrhunderte so viele Menscheuschlächtereien gegeben. Ein hochgelehrter äußerst frommer Rabbi, R Jakob Emden, schrieb im achtzehnten Jahrhundert: „Heil uns und Heil den Bekenner» der Heilsbotschaft, wenn sie die liebevollen und menschlichen Lehren derselben stets beherzigt hätten; o, daun hätten sie uns nicht hassen und verfolgen, daun hätten sie nie zugeben dürfen, daß unsere Vorfahren zu Tausenden und Myriaden gemordet wurden." — Das mögen sich die frommen (?) britischen Diplomaten, die den Weltkrieg — den sie zumeist hervorgerufen — noch immer weiter verlängern wollen, wohl merken. Dr. Friedländer. Jüdische Aerzle im Felde. Im Verlage der Manischen Hofbnchhandlung, Wien, haben G, d. I. E. von W o i u o v i ch und Oberst Alois Beltze ein Sammelwerk: „Helden des Roten Kreuzes" ans den Akten des Generaliuspektorats der freiwilligen Sanitätspflege herausgegeben, dem wir folgende Abschnitte, die von Heldentaten jüdischer Aerzte berichten, entnehmen: Der tückischeste Gegner. Nicht immer ist es das Schwert in der Feindesfaust. Seinen Stoß kann man parieren, seinem Hieb zuvor kommen — einem noch so tapferen persönlichen Widersacher kann mau m,l eigenen Waffen den Herrn zeigen. Aber wo die Elemente sich verschwören, da beginnt oft nervenan freibend ein Kampf mit dem Unsichtbaren, der „Schlag in die Luft". Wir Menschen haben gelernt, der Natur manches Gheimnis abzulisten.: ihre dämonischesten, letzte Kräfte gibt sie nicht her. Schnee und Frost, Sümpfe und Waldwildnis, Ueberschwemmung und Fenerbrunst stellen sich der Ausführung kühn erdachter, schöner Feldherrnpläne entgegen^ die Natur treibt spöttisch und trotzig ihre Gegeustrategie. Als Trnmpfaß aber spielt sie am Ende die Seuchen ans. Im folgenden nur zwei kleine, schlichte Votivtafeln für zwei große, unerschrockene Männer der Pflicht, die im Verbände der k. u. k. 9. Jnfaulerie-Trnppendioiston diesen tückischesten Gegner der Armee bekämpft und besiegt haben. Ende März 1915 brach beim Infanterieregiment Nr. 76 in der Gegend, von Harczo Cholera aus. Stabsarzt Doktor Josef Arnstein, Sanitätschef der 9. Infanterie-Truppendlvision, ließ die Gefahr nicht bis ans Sicht herankommen. Leidenschaftlich stürzte er sich in die Bekämpfung der Krankheit, damit sie nicht zu einer wirklichen Epidemie anschwelle. Ergibt Tag und Nacht Anordnungen, errichtet Unterstände, isoliert jeden Verdächtigen, geht pflegend von Patient zu -Patient, ohne die Gefahr für das eigene Leben auch nur eine Sekunde zu denken. Ja, diese Selbstvergessenheit treibt er bis zur Todesbravonr, indem er 'in die vorder sten Schützenlinien voreilt, um hier, inmitten des feind lichen Kitgetregens, die Choleraimpfung persönlich zu überw achen und stundenlang bei hygienischen Maßnahmen im Feuer ausznharreu. Persönlich leitet er auch den Abschnb aller Kranken und nach acht Tagen und Nächten rastloser Mühe kann er sagen, daß er der Seuche mit fast überraschendem Erfolg Einhalt geboten hat. Als in den Monaten April—Mai die furchtbare Würgerin aufs neue ihre Hand erhob, war es Regiment sarzt Dr. Josef Holzner, der sich in der Gegenwehr besonders auszeichnete. Dieser Arzt hatte schon vordem vielfach Proben einer ungewöhnkichen Hilfsbereitschaft gegeben : jetzt, im Augenblick einer ernsten Gefahr, überbot er sich selbst. Er erwog, wieviel darauf ankommt, daß Jsolierungs- und Transportmaßnahmen mit einer bis ins Unscheinbarste reichenden, minutiösen .Genauigkeit durchgeführt werden — denn bei Epidemiegefahr gilt die Anschauung des römischen Juristen, daß in der Unterlassung oft die schwerere Schuld liege. So überließ er fast keinen Schritt seinen untergeordneten Organen — von früh bis abends tat er alles wichtige selbst. Jede vom Sanitätschef getroffene Anordnung führte er so genau und so fachkundig durch, bei der Behandlung schwerer Cyolerafälle zeigte er sich so selbstaufopfernd, daß ihm ein ruhmvoller Anteil au der glücklichen Betämpfung der Seuche zngesprochen werden muß. Die beiden Männer, deren sanitäres Wirken in Anlage und Erfolg gleich vorbildlich genannt werden kann, empfingen das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoration. Das Muster eines- Mediziners. Beim Durchbruch bei Cbmel, als das 75. Infanterieregiment in der Nacht vom . 29. auf den 30. Juli 1915 den entscheidenden Sturm durchführte, waren unsere Verluste außerordentlich stark. Unser Sieg hatte schwere Opfer gefordert, er war bitter ertämpft worden, und 728 Mann lagen tot oder verwundet auf dem Schlachtfelde. Das Regiment drang vorwärts, aber noch immer wehrten sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.