Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 26 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr- 26. Die Wahrheit. Seite 7. In Heu. gegenwärtigen ^ovaim nauroim werden in den Indischen Tempeln wieder inbrünstige Gebete um Schutz und Sieg der vaterländischen Waffen gesprochen werben. Hoffen wir, daß dieselben Don dem Weltenschöpfer voll erhört werden und die erfreuliche Entscheidung bald komme! R. L. Kon der Herberge der Freiheit. Ans der englischen Lngenknche in Amsterdam war, wie die „Köln. Ztg." berichtet, eine Erklärung des deutschen .Kaisers verbreitet worden, daß die. in Deutschland seit einer gewissen Zahl von Jahren ansässigen Ausländer ihrer Staatsangehörigkeit entkleidet und ins deutsche Heer eingestellt werden sollen. Als Gewührsquelle für die Rede des Kaisers war die Kölnische Zeitung angegeben, die nie ein Wort enthalten hat, das solcher Deutung fähig wäre. Außer dem stets wirkenden Trieb, Deutschland draußen zn verleumden, haben solche Erfindungen oft den Zweck, englische -oder sonst feindliche Maßregeln ähnlicher Art schon im voraus als die Antwort ans ein deutsches Vorgehen zn beschönigen. Die Anwendung liegt nahe: sie richtet sich auf die Behandlung der russischen Flüchtlinge in England, die zum Eintritt jus Heer gezwungen werden, mtt der entsetzlichen Aussicht, im Weigerungsfälle der bekannten russischen Gnade überliefert ju werden. Schon mehrmals witrde dieser Hohit auf den englischen Schützer- und FreiheitSruhm erwähnt; in seiner neuesten Gestalt ist er durch den Abgeordneten Morel, der noch ein Gefühl für diese Schande hat, dem Unterhause eingerieben worden. Morel wandte sich mit ollem Eifer gegen das Bestreben des Ministeriums des Innern, russisch-jüdische Flüchtlinge im wehrfähigen Alter vor die Wahl zu stellen, in das englische Heer einzutreten oder nach Rußland verschickt zu werden. Der Minister habe kein Recht, die politischen Flüchtlingen von jeher gewährte Zuflucht in England abznschneiden. Diese jüdischen Flüchtlinge seien herübergekommen, um der russischen Herrschaft zn entgehen, und wenn der Minister seine Politik durchführe, so begehe er eine der größten Uebeltaten, die ein Mann seiner Abstammnng andern Inden zufügen könne. Der Minister — Herbert Samuel ist sein Name — ist in der englischen Heuchelknnst genugsam bewandert, um seinen Ausweg zu finden. Gewiß habe England seit Jahrhunderten die jüdische Bevölkerung mit vollkommener Gerechtigkeit und Gunst behandelt. So müsse diese auch bedenken, daß der. Genuß von Rechten eine Beteilignng an den Lasten erfordere. Es sei kein Grund vorhanden, weshalb ein politischer Flüchtling ans Rußland nicht im engl,scheu Heere dienen solle. Die Regierung sei nicht gewillt, Leute gewissermaßen aufzufordern, sich als politische Flüchtlinge zn erklären, und sich dadurch der Wehrpflicht 311 entziehen. Solcher Vorgang könnte im Ostende Londons zn Ruhestörungen führen. (!) Indes werde er dle Angelegenheit eitler sorgfältigen Erwägung unterziehen. Der Abgeordnete Trenelyan fragte, ob den russischen Flüchtlingen freigestellt werden würde, nach Amerika überznsiedeln. Der Minister Samuel sprach seine Zweifel darüber ans, ob das angängig sein wurde, versprach aber, sich den Vorschlag zu überlegen. Das böse Gewissen des Unterhauses verriet sich deutlich in der völligen Schweigsamkeit gegen die haarsträubende- Verletzung des politischen Gastlechts, welche die Furcht vor dem russischen Unwillen dem. sogenannten freien England auferlegt. Noch vorwenigen Jahren hätte eine Regierung, die mit dem Gedanken solcher englischen Selbstbeschimpfung vor das Unterhalts getreten Wre, keine Viertelstunde mehr der allgemeinen Entrüstung ^andznhalten vermocht. Bei der versprochenen Erwägung des Herrn Samuel wird wohl nichts Heranskommen, - als eine Ansflllcht der Regierung. Jener Allschlag gegen Re völkerechtliche Stellung nicht eingebürgerter 'Ausländer, den die englischen Schwindler in Amsterdam dem deutschen Kaiser anfbürden wollten, wird schon allein dadurch der englischen Regiernng zngewälzt, daß diese offen ihren Beschluß zugebe,i muß, fremde Staatsangehörige zum Eintritt in die britischeil Truppen zu zwingei». Olrerkantor Prof. Adolf Kazar«». Am 15. v. M. waren es 25 Jahre, seitdem Oberkantor Lazarus, ans Hannover kommelid, i» Budapest am großen Tempel in der Dohäny-utcza seine Tätigkeit begann. Aus diesem Alllasse beschloß der Vorstand der Großgemeinde 1 eine dem Verdienste des allgemein beliebten und hochgeschätzten Oberkantors enlsprechende Feier zn veranstalten und ih,l in würdiger Form zn ehren und mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse die Feier an der Stätte seines Wirkens, als den würdigsten Platz, anzuberaumen, 2. demselben zur Erinnerung an diesen Tag einen ivertvolleu Kttnstgegenstand als sichtbares Zeichen zn überreichen und 3. demselben eine lebenslängliche Jubiläumsznlage von 1000 Kronen jährlich znznwendeu. Mit der Anordnung dieser Feier wurde der Vorsteher der Kultnssekuon Dr. Friedrich Halasz betraut. Samstag, am 16. Seplember hat diese erhebende und tiesergreifende Feier im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes stattgefunden und nahm folgenden Verlauf: Ein feierliches Prälndlnm von Professor Josef Bahuert meisterhaft gespielt, leitete die Feier ein. Der Sitz des Oberkantors war mit einem prächtigen Bllunengewinde geschmückt. Mit dem feierlichen Rufe zur Tora und der vom Rabbinate dem Jubilar verliehenen „Morenn-Würde" erhob sich spontan die ganze Gemeinde. Der Chor stimmte den zn diesem Behufe vom Chordirigenten Alfred Szegfi kompouirten 43. Psalm an. welcher einen mächtigen Eindruck ans die Zuhörer machte. Kantor Licht las dann den von Rabbiner Dr. Hevesi meisterlich verfaßten hebräischen Segensspruch, der vom Oberkantor Armin Rosner künstlerisch kaligrafisch änsgeführt wurde, mit erhobener Stimme. Hierauf verrichtete der Gefeierte das von ihm verfaßte und tiefempfundene Gebet für sich und für die Gemeinde, welches die Herzen ergriff, besonders derer, die es verstanden. Bei dieser Gelegenhett spendete der Jubilar die Summe von 1350 Kronen zu ivohltätigen Zwecken. In der Festpredigt des Meisterreduers Dr. Simon Hevesi wurden die Verdienste des Oberkaritors in hervorragender Weise gewürdigt. Nach beendigtem Gottesdienste fand die Begrüßung im Blantzimmer des Tempels statt, seitens des RabbinatS Rabbiner Dr. Julius Fischer, des Gemeindevorstandes Präsident Ludwig Adler, des Tempelvorstandes Jnlins Adler, der Chewla Kadischa Präsident Hofrat Julius Wiuterberg. namens der Beamten Generalsekretär Dr. Jltlins Weißburg, namens der Schuljugend Religionsinspektor Dr. Scheiber und namens der Kantoren Kollege Jakobowitsch. Sämtliche Ansprachen waren herzlich, sinn- und empfiudnngsreich. Hierauf dankte der Gefeierte in bewegter Rede. In der Wohnung des OberkantorS fanden sich im Verlaufe des ganzen Tages Deputationen von Vereinen sowie eine Schaar von Verehrern und Freunden mit Wünschen und Geschenken ein, darunter das Geschenk des Gemeindevorstandes (ein künstlerisch ansgeführter Tafelaufsatz in Gold und Silber von riesiger Dimension), das Geschenk des Tempelvorstandes (eine Obstschale, welche tu sinniger Form ein Torabrnstschild darstellt), beide Geschenke graviert. Anlaß und Namen. Ein herrliches Aqnarellgemälde vom Maler Gerenday (das Chorpersonal und irer Organist). Eine große Anzahl von Depeschen und Zuschriften von Vereinen und Privaten taufen auch jetzt noch ein. So ehrt die Gemeinde einen Mann, den sie schätzt, hochachtet »lud liebt.