Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 26 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6 Die Wlihrheit >Hv: 26. die an die Gründung von allgemeinen, Mittleren und höheren jüdischen Schulen geknüpft werden, in nichts anflöseu, wenn mau an die Berwirklichnng dieser Gedanken herautritt? Nur von der nationalen jüdischen Schale dürfen wir irr Deutschland eine Erhaltung des Judentums, eine Wiederbelebung des jüdischen Geistes, eine neue Blüte jüdischer Gedanken eine Kultur des jüdischen Herzens erwarten. Die Schützer der Kleiustaaten mrd der Mensrhlichkeit. Der Frieden vom Jahre 1871 zwischen Deutschland und Frankreich weckte im französischen Volke sofort die Sehnsucht nach Revanche und eS ist eigentlich ein Wunder, daß die Friedenspause 43 Jahre betrug. Aeltere Leute, welche den Krimkrieg und die Aeußerungen der Weltdiplomatie der damaligen Zeit rroch im Gedächtnisse haben, kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie gegenwärtig Frankreich' und England mit dem barbarischen moskowitischen Reiche eng verbunden sehen und genannte Staaten das kostbare Blut ihrer Bürger und das Staatsvermögen daran setzen, um für die russischen Horden den Weg nach Koustantinopel frei zn machen und die Dardanellen für ihre Kriegsschiffe zu öffnen. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Höher geht die Heuchelei wohl nimmer, als wenn die Weststaaten Frankreich und England vorgeben, mit Rußland im Bunde die Menschlichkeit und das Völkerrecht schützen zu müssen. Ohne in die inneren, von der Diplomatie verschleierten Ursachen des gegenwärtigen Weltkrieges eingeweiht zu sein, muß auch der Laie bereits erkennen, wo die Angreifer und wo die Angegriffenen, wo das Recht und wo das Unrecht zu suchen ist, wenn man sich nur vor Augen hält, wer gegen den russischen Würger aller Volksrechte kämpft und wer sich mit ihm zum Zwecke des LäudesraUbes verbunden hat. Der Vierbund stellt gegenwärtig in der Tat Staaten vor, welche von ihren Kriegsgegnern vernichtet, ausgehungert und aufgeteilt werden sollten und welche die gemeinsame Gefahr zur gemeinsamen Verteidigung zusammengedrängt hat. Der Bierverband, welcher im Laufe des Krieges sich bereits zu einem Eilfverband erweitert, ist aber nichts anderes als ein Raubverband. Der „heillige Egoismus" hat nicht nur Serbien, Montenegro und Italien in den Krieg verwalt, sondern seit Ende August l. I. auch Rumänien. Sehr wahrscheinlich ist, daß Krone und Regierung Rumäniens nicht gerne und freudig in den Krieg zogen, aber die unbezähmbare eigene Beutelust und die Drohungen und Versprechungen der Entente haben den Ausschlag gegeben. Du russischen Kriegshorden standen marschbereit vor den Landesgrenzen und erklärten, wir marschieren durch, mit oder ohne Rumäniens Einwilligung. Tritt Rumänien in diesem Momente nicht nuferer Raubvereinignng bei, so versäumt es die Ueberfnhr, wird aus dem eventuell erzielten Kriegsraube nicht bedacht und verliert überhaupt seine weitere Existenzberechtigung. Damit soll nicht etwa behauptet werden, Rnmänien fei unschuldig, weil es in den Krieg gedrängt wurde. Wohl würde es die habgierige rumänische Regierung vorgezogeu haben, ihre Neutralität noch länger aufrecht zu halten, das Waffenglück der Kriegsvölker abzuwarteu, um schließlich wie im Jahre 1913 ohne blutige Kriegsopfer schamlos und feige tüchtig zuzugreifen. Das war aber nicht mehr möglich. Im Augenblicke, wo sich der Bundesgenosse von gestern, Oesterreich-Ungarn, gegen die russische und italienische Offensive erwehren mußte und an diesen beiden genannten mehr als 1000 Kilometer langen Fronten keine Abwehrkräfte abziehen 'konnte, stel dem bedrängten Staate der neue Verräter in den Rücken und fügte den alten Kriegsfronten um Siebenbürgen herum noch 600 Kilometer neue Kriegsfront-hinzu. Es kann deshalb nicht überraschen,' ' daß die Rnmällenin den ersten drei Wochen über die Grenzen Siebenbürgens drangen. : :, :; '; Doch die Vergeltung eilt schnell genug hinterdrein^ Schon eilten Bulgaren, Deutsche und Osmänen in treuer Waffenbrüderschaft in die Dobrndscha/ schon - ist dort l ein entscheidender Sieg erzielt und es dürfte nicht länge mehr dauern, so ist die ganze Dobrndscha von Rumänien Und Russen gesäubert. Schon finden aber auch in Siebenbürgen die eingedrnngenen Feinde tapferen und energischen Widerstand und der Sieg bei Hermäunstadt ist ein untrügliches Zeichen/daß die Sänbernngsarbeit unserer Truppen und der unserer Verbündeten bereits begonnen hak.- Serbien und Montenegro schweben bereits dem schilldbeladenen, erschreckten Rumänien als drohendes Beispiel vor und es ist durchaus nicht unmöglich, daß es von gleichem Schicksale ereilt wird. Wohl ist leider der blutige Krieg durch das Eingreifen Rumäniens verlängert worden, wohl ist das Ende der Kriegsleichen noch nicht äbznsehen, noch nicht kann man mit Sicherheit prophezeien, wo und wann das entsetzliche Völkerringen beendet wird, aber die vereinigten gewaltigen Kriegsgegner erleben bereits neue Enttäuschungen. Trotz ihrer scheinbaren Ueberlegenheit müssen sie das Völkerrecht in ihrer Kriegsnot ununterbrochen weiter brechen. Immer rücksichtsloser und entschiedener vergewaltigen sie die Staalsrechte aller -neutralen Staaten, 'l0rdaMerika wicht ausgenommen. Noch geben sie es nicht ans, neue Kriegshelfer zn erpressen, aber schon deuten erfreuliche Anzeichens auf eine energische Einigung aller noch neutral gebliebenen Staaten behufs gemeinsamer Abwehr der russischen und englischen Vergewaltigungen. Kann aber die geplante Aushungerung der gesamten Bevölkerung des Vterbnndes nicht erfolgreich dnrch. geführt werden, dann kann der Krieg ins Endlose fortdaueru. Eine solche Konsequenz ist aber für den Vier- oder Elfverband ebenso verderblich wie für den Bierbund. Das gewaltige russische Reich kann nicht nach Konstantinopel, dem Ziele seiner Sehnsucht gelangen. Es kann seinen rumänischen Knecht ebensowenig vor Katastrophen bewahren, wie Serbien oder Montenegro. Aber auch das weltbezwingende britische Reich offenbart nun schmählich genug seine Ohnmacht. Keiner seiner Kriegspläne ist ihm bis nun gelungen. Die Dardanellen, Knt el Amara und auch Saloniki bilden traurige Leidensstationen seiner letzten Kriegsnnternehmnngen. Der Vierverband verschießt nun wieder an den Ost- und Westfronten seine gewaltigen Mnuitionsmassen vergeblich, denn wenn auch die- Kriegsgegner etwas znrückgedrängt werden, so ist dies noch kein Schlnßerfolg. Der rauhe Oktober ist bereits in Sicht und weder Lemberg noch Brüssel sind noch in derFeindeHand. DasRanbgeschäftwillnichtgelingeu. Die ganze Kriegsranbgeiellschast hat sich aber während der Kriegszeit arg bloßgestellt. ZVohlkonnte bereits die russische Waffengesellschaft darüber anfklären, wie weit die französische oder englische Schutzbereitschaft für die Völkern, rechte und die Menschlichkeit her ist, aber das Bündnis mit der feigen rumänischen Hyäne wirkt gär zn kompromitierend. Die jüdischen Staatsbürger Oesterreich-Ungarns hat das Schicksal gezwungen, gegen die zwei jndenfeindllchsten Staaten in Europa, gegen Rußland und Rumänien, im Kriegsverhältnisse zn stehen. Darum Kopf hoch auch in dieser beispiellos schweren Zeit! Der Krieg soll das Schicksal von Millionen unserer hartbedr äugten Glaubensgenossen im Osten entscheiden. Grund genug für jedeil anfrechten Juden zur opferwilligsten Teilnahme au demselben. Die jüdischeil Staatsbürger haben sich auch freudig mit Gut und Blut beteiligt und es ist an der -Regierungdurch energische und zweckmäßige Maßnahmen den zahlreichen arbeitenden und besitzlosen Volksschichten das- Durchhatten in der Kriegsnot zu ermöglichen. Aufrechte, - kluge und -charaktervolle Inden -werden dieselben sicherlich genau befolgen, deünusiewissen, daß berufsmäßige - Politiker - bestrebtsind, /.-die 'Augen! -von Tansendenunserer Mitbürget während - der-' Kriegszeit/-auf uns zu lenken. v?-.:-.uu