Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 25 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 25. Im Jahre 1868, als der ungarisch-jüdische Kongreß tagte, unterbreitete Friedmanu ein Memorandum betreffs Errichlnng von Kantorenschulen an den ungarischen Präparandien, welches volle Würdigung erfuhr. Eine ähnliche, Ftwas erweiterte Denkschrift richtete Friedmanu im Vereine mit Meister Sulzer au die Synode zu Augsburg im Jahre 1871. So hat Friedmann seine soziale Stellung und sein Ansehen als Künstler seines Faches nie für sich, sondern mehr für seinen Stand ausgenntzi. In vierfacher Richtung hat er sich namhafte und bleibende Verdienste erworben. Als Kantor und Scheliach Zibbnr hat er sich um die Veredlung und Verherrlichung des Gottesdienstes hoch verdient gemacht. Als Lehrer und Schulfreund hat er auf dem Gebiete der Volksbildung und Erziehung die glänzendsten Resultate erzielt. Als Philantrop hat er mit Eifer und Hingebung viel des Guten und des Gemeinnützigen geübt und vollbracht. Endlich hat er sich als Patriot verdient gemacht, indem er Synagogengesänge mit ungarischen Texten komponierte und herausgab, durch welche die Einführung der ungarischen Sprache in den Gottesdienst erleichtert wurde. Nach solchen Verdiensten wird es kein Wunder nehmen, wenn sich das von Friedmann am 13. November 1875 gefeierte 25jährige Berufsjubtläum zu einem Feste, nicht allein für die Pester Gemeinde, sondern auf für das gesamte jüdische Kantorat gestaltete. Im Tempel, wo der Jubilar amtierte, fand eine erhebende Feier statt. Nach derselben empsing Friedmanu im Prachtsaale der Gemeindeschule zahlreiche Ovationen. Aus der vom Gefeierten aus dem Bankett gehaltenen Rede sei hier nur Folgendes wiedergegebeu: „Die Vergangenheit ist maßgebend für die Zukunft. Ich verspreche Ihnen also feierlich, mit meiner Vergangenheit nicht zu brechen, vielmehr mtt doppelter Kraft und Liebe zu wirken. £VTTlj6 TK v'1 “OJNE6 TK W* iTOÖ N'V' TK Das tk habe ich G. L. mit meinem 49. Jahre hinter mir. Und wenn mit Beginn meines nahenden 50. Lebensjahres das -rm&TK an mich herantrit, so werde ich darin den Mahnruf geh' vorwärts, strebe und wirke, 'jhk “jnbü 'a, denn du hast eine heilige Mission zu erfüllen. Ich habe gottlob noch Zeit und Kraft und guten Willen für mein Amt zu wirken und der Menschheit zu dienen. Mögen nun die Verhältniffe wie immer sich gestalten, die Erinnerung an den heutigen Tag wird mich stets anspornen, meiner Mission treu zu bleiben, in meinem bescheidenen Wirken rüstig und unverdrossen fortzufahren. Das verspreche ich Ihnen, so war mir Gott helfen möge.*1) Die allgemeine Beliebtheit und Verehrung, die Friedmann genoß, geht schon daraus hervor, daß ihm nicht weniger als 38 Gemeinden, 32 Rabbiner, 72 Kantoren, 56 Lehrer, 12 Vereine, 96 verschiedene angesehene Persönlichkeiten als Künstler, Gelehrte und Private ihre Teilnahme in Adressen, Geschenken und Zuschriften bekundeten. Auch Kaiser Franz Josef I. gedachte des Jubilars, indem er ihm „in Anerkennung seiner Verdienste" einen Orden verlieh. Was Friedmann in seiner Erwiderung versprach, das hielt er auch, indem er sich unausgesetzt kompositorisch und literarisch betätigte. Seiner Initiative ist die Errichtung der Kgl. ungarisch-israelitischen Präparandie, an der er unentgeltlich Gesangnnterricht erteilte, zu verdanken. In Aiterkennuug seiner vielen Verdienste wurde Friedmann am Pester Rabbinerseminar, 1879, eine eigens für ihu-geschäffene Professur verliehen. Im Jahre 1882 gründete er den Uugar.-israel. Kultusbeamtenverein, deffen Präsident er war. Auf Friedmanus Anregung entstand auch „Der Knltusbeamte," Organ für die Gesamtinteressen der israelitischen Gemeindebeamten, dessen Redakteur er war. Für diese Zeitung schrieb Friedmann sehr gediegene fachgemäße Artikel. Ebenso war er ffeißiger Mitarbeiter vieler anderer jüdischer Zeitschriften. Im Jahre 1883 besuchte Friedmanu Berlin und wohnte am Sonnabend dem Gottesdienst in' der „Neuen Synagoge" bei. Seine freundlichen.Worte, die er mir bezüglich meines Vorbeteus aussprach, will ich an dieser Stelle nicht wiederholen. Am Sonntag darauf hörte ich ihn bei Lewandowski singen. Der gewaltige Eindruck, den seine Stimme und sein Vortrag auf mich machten, wird mir unvergeßlich bleiben. Am 13. Jänner 1883 beging Friedmanu sein 25jähriges Jubiläum als Oberkantor der Pester Gemeinde. Auch diese im Tempel ftattfindende Feier gestaltete sich würdig der großen, hochherzigen Gememde, die sie veranstaltete, wie des großen Mannes, dem sie galt. Nachdem Kantor Schnschny ein vom Rabbiner verfaßten „Mischeberach" vortrng, sprach Dr. Kohn folgendes Gebet: „Für den gottbegnadeten, ansgezeichtleten und berufenem Mann, der seit 25 Jahren für unsere Gemeinde betet, heute wollen wir für ihn beten, daß er uns zur Ehre Gottes und zur Verherrlichung seines Namens noch lange erhalten bleibe." Nach Beendigung des Gottesdienstes verfügte sich der Gemeindevorstand und das Rabbinat in corpore in die Wohnung des Jubilars, wo der Präses im Namen der Gemeinde die Glückwünsche darbrachte, während der Sekretär die Adresse verlas, aus der nur folgender Passus wiedergegebeu sei; nämlich, daß der Knltnsvorstand dem Jubilar jährlich 1000 Francs für eine Badereise bewilligte. Ein sehr passendes und sinniges Geschenk sandten die Kollegen des Wiener Stadttempels, Singer, Fischer und Schiller, nämlich einen prachtvollen Tallis, auf dessen Borte in großen Goldbuchstaben gestickt der Vers stand: -pw >2 -p7j6 aiban *f? abvr Die von den Teilnehmern ausgesprochenen Wunsche, daß es dem Jubilar vergönnt sei, auch das goldene Jubiläum zu feiern, gingen leider nicht in Erfüllung. § Am 29. August 1891 hauchte Moritz Friedmanu seine fromme Seele aus und sein liederreicher Mund, der Tausende und Abertausende für das Gotteswort begeistert hatte, schloß sich für immer. Am 31. August fand das Leichen-' begängnis Friedmanns in einer den reichen Verdiensten des Verstorbenen angemessenen und würdigen Weise statt. Im Sterbezimmer intonierte Kantor Schnschny die Lieblingskomposition des Dahingeschiedenen Dnosotr edh. jizdok pnejoz'ro „Wie will der Mensch gerecht werden vor seinem Schöpfer," die auf dessen Wunsch an seiner Bahre gesungen werden sollte. Auf dem Friedhofe hielt Oberrabbiner Dr. Kayserling einen tief ergreifenden Nachrns. Daun nahm Kantor Schnschny' im Namen seiner Bernfsgenossen in erschütternder Rede Abschied: afia^rfcyrnwa „Der Geist dieses „Moses", so^schlost Schnschny, hat sich zu Gott emporgeschwnngen; dort wird er am Gottesthroue für uns beten und im mächtigen Chor der Engelscharen die Herrlichkeit des Höchsten rühmen." 25 Jahre schlummert nun der rühmlichst bekannte Meister des Gesanges, Moritz Friedmann, im kühlen Schoße der Erde. Seine kantorale Bedeutung aber wird für ewige Zeiten unter seinen Fachgenosseu fortleben. Aufruf! Unsere Glaubensbrüder im Heiligen Lande sind infolge des Krieges und verheerender Seuchen (Cholera, Flecktyphus u. a.) mit dem Untergange bedroht. , Diesen Aermsten der Armen rasche Hilfe zu bringen, hat sich die Hi l fs ko m mission für Palästina zur Aufgabe gemacht. 300.000 Kronen haben wir bereits durch das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern nach Palästina gesandt Friedmannalbum, Seite 11.