Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 25 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25. Die Wahrheit Seite 5. gezählt. Der russische Zar ist nicht nur das politische, sondern auch das religiöse Oberhaupt seiner zahlreichen Völkern. Zar Nikolaus ist der größte Fanatiker, den es je gegeben, ein wahrer „Chosid schote," ein echter Weltverderber, und sein - Leibprophet, der Bauer Raspntin, der ihm stets eine glückliche Zukunft prophezeien muß. dieser törichte Wahrsager übt einen mächtigen Einflitß auf ihn ans. Wentl also auf dem Throne eines so großen Weltreiches — das 140 Millionen Menschen zählt — ein solch fanatischer, herrschsüchttger Despot sitzt, was Wunder also, daß seine Räte, die ihn umgeben, wie überhaupt die Priester, Wächter des Gesetzes, die hohen, höchsten und niedrigsten Militär- und Zivilbehörden von demselben Geiste beseelt und durchdrungen sind. Wie der Herr, so die Diener — Moschel makschiw al dewar scheker, mescliorsow reschoim. — Mit dem Propheten JeremiaS darf man die russischen Zustände in folgender Weise schildern „Die Priester denken nicht, wo ist der Ewige? Die Wächter des Gesetzes wollen mich nicht kennen, die Hirten, Leiter und Führer des Volkes empören sich wider mich und Propheten weissagen für den Götzen, und unnützen Wesen sind sie anhänglich usw." — Und dieser fanatische Despot hatte noch den traurigen Mut in die Welt hinaus zu posaunen: er sei nur deshalb in den Kampf gezogen, um die Zivilisation und die kleinen bedrückten und bedrängten Völker zu befreien. — Welch bittere Ironie! — V. Französische Rachgier Um Elsaß Lothringen, wie auch eiuen großen Teil der - Rheingegend erobern und da- Deutsche Reich niederschmettern zu können, haben die Franzosen, die grarrds Nation, sich mit den wilden Russen verbündet und gleich jenen ihr Menschenmaterial und zahlreiche Milliarden bereitwilligst geopfert. Als sie m den Kampf zogen, riefen sie, wie einst die Egypter, ans: „Ich verfolge, hole ein, teile Beute aus; mein Mut soll ihrer voll, ich zücke mein Schwert, meine Hand soll sie vertilgen." Welche Folgen sie erzielen werden, wird die Zukunft lehren." — VI. Die siegreichen Redeschlachten der Diplomaten der Entente. Seit Beginn des Weltkrieges haben die Diplomaten der Ententemächte nicht aufgehört, in Sitzungen und Versammlungen siegreiche Redeschlachten zu halten, um in den Herzen ihrer Völker den Patriotismus wachznrufen und rege zu erhalten und ihre Millionenheere anzueifern, allzuspornen und anzufenern, damit sie recht lebhaft in die Situation eingrelfeu, heldenmütig kämpfen und die schwachen Feinde niederschmettern. Diese Maulhelden riefen hochmütig in die Welt hinaus: lilschonenu nagbir, „durch unsere glänzende Rednergabe müssen wir die Völker und die Heere für uns gewinnen und glorreiche Siege erringen, slosonu itonu mi odon lonu,~ die Sprache beherrschen wir meisterhaft, wer kann uns widerstehen?" Wie hat nur die edle, fronime Chaua, die Mutter des Profeten Samuel, derartigen Hochmut getadelt? „O, sprechet nur nicht so stolz, und hochmütig, kein Trotz entfahre eurem Munde, denn der Allwissens Herr ist Gott; er allein ist der Lenker aller Geschicke. Wie oft bricht der Bogen der Helden, und die Schwachen umgürten sich mit Kraft usw." VII. Die feindliche Uebermacht. Die Diplomaten der Ententemächte pochen nicht nur ans ihre oratorische Begabung, sondern auch auf die vielen Millionen tapferern Soldaten, die ihnen zur Verfügung stehen und behaupten steif und fest, daß sie unter allen Umständen siegen werden, siegen müssen. Nun höret, ihr Brandstifter, wie der größte Feldherr vor Jahrtausenden, der König David, der schon als Jüngling den Riesen Goliat niedergestreckt und Israel aus dem Rachen seines erbittersten Feindes befreit hatte, sich über feindliche Uebermacht geäußert: „Vom Himmel schaut Galt und sieht alle Menschenkinder; von seinem festen Wohnsitze blickt er hinab auf alle Erdenbewohner. Der gebildet hat insgesamt ihr Herz, der achtet wohl auf all ihr Tun. Nicht ist dem Könige geholfen m i t seiner großen Heeresmacht und der Starke rettet sich nicht mit seiner großen Kraft. Trüglich ist das Roß zur Hilfe und mit seinem riesigen Heere rettet er sich nicht. Das Auge des Ewigen ist gerichtet ans die Gottesfürchtigen, die auf feine Gnade hoffen usw." VIII. Die ersten israelitischen Flüchtlinge in graner Borzeit. AlS einst die letzte Katastrophe über Mizraim, Egypten, hereinbrach, sah sich endlich der barbarische König Pharao gezwungen, die Jahrhunderte lang sklavisch behandelten, geächteten und geknechteten Söhne Israels ans dem Lande frei ziehen zu lassen. Ja, „die Egypter brauchten Gewalt, um die Israeliten eilends forlznjagen." Und so mußten die freigewordenen Israeliten buchstäblich als Flüchtlinge das Land verlassen, ohne daß man ihnen Zeit ließ, den Teig säuern zu lassen. „In folgender Art sollt ihr das Passalamm genießen: euere Lenden gegürtet, euere Schnhe an den Füßen und euer Stab in euerer Hand usw." Zwei Millionen Menschen zogen fluchtartig aus Egypten, ohne jedoch, daß sie ihr Hab und Gut hätten zurücklassen müssen, sie nahmen vielmehr viel Gold und Silber, das sie über göttlichen Auftrag von den Egyptern für die schweren Arbeiten, die sie ihnen Jahrhunderte lang unentgeltlich leisten mußten, abverlaugten, mit. Das Merkwürdigste bei der Sache war, daß die egyptischen Kriegshunde beim Anblick von zwei Millionen Flüchtlingen sich rrchig verhielten, ohne daß nur einer von ihnen es gewagt hätte, die Zunge zu regen. Wie anders haben sich im jetzigen Weltkriege die moskowitischen Bluthunde, die wilden, entarteten Kosaken, die berüchtigten Pogromhelden, gegen die jüdischen Flüchtlinge benommen! Tausende und abermals Tausende Flüchtliuge mußten plötzlich Haus und Hof, Hab und Gut verlassen und dabei wurden sehr viele von ihnen von den blutgierigen Kosaken auf die scheußlichste Weise beraubt, geplündert, gemordet und geschändet. Solch' schwere Verbrechen werden unmöglich ungestraft bleiben. IX. Das Vorbild der Rumäne» und Italiener. Als die Söhne Israels durch wunderbare Begebenheiten ans der Knechtschaft Egyptens befreit und am Roten Meere durch welterschütternde Ereignisse vollständig erlöst wurden, waren sie keines Angriffs und Ueberfalls mehr gewärtig, da die Böller alle, als sie von diesen Ereignissen Kunde erhielten, von Angst, Schrecken, Furcht, Bangen und Grauen ergriffen worden sind. Nun kamen die Erlösten bald nach Refidim. Dort aber mangelte es an Wasser. Infolge dessen entstand eine Aufregung im Volke, sie erhoben sich gegen ihren gottbegnadeten Führer, gegen Moses, überhäuften ihn mit den bittersten Worten. Diesen Moment jedoch benützte der freche, gottlose, blutgierige Amalek und überfiel plötzlich ohne Kriegserklärung Israel in Refidim, um es vollständig zu vernichten. Sein ruchloser Plan wurde jedoch vereitelt. Ueber Auftrag Moses zog Josna, der ein ausgezeichneter Stratege war, mit wackern heldenmütigen Männern gegen Amalek zn Felde und errang über ihn einen glänzenden Sieg. Diese amalekitische Untat wurde für ewige Zeiten in der heiligen Schrift gebrandmarkt: Rumänien und Italien können sich rühmen, daß sie ganz nach dem Muster Amaleks gearbeitet haben. Mögen sie auch mit ihm ein gleiches Geschick haben.