Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 24 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite Ä. Wie« Au der fünfklassigen Kilybenvolksschule mit dem Oeffentlichkeitsrechre (Talmud-Thora), Wien, II., Malzgafse 16, wurde ein Erholungsheim für Schulkinder Minderbemittelter errichtet. Besondere Berücksichtigung finden Kinder, deren Väter eingerückt sind. Unter Aufsicht zweier Lehrer turnen und spielen die Zöglinge — über,50 an der Zahl — machen Spaziergänge, ferner Ausflüge ui die Umgebung Wiens. Der Ernährung der Pfleglinge wird die größt« Sorgfalt gewidmet und eine schmackhafte Kost, in reichlicher Menge verabreicht. Spenden für diese eminent humanitäre Institution werden in der Schulkanzlei mit Dank entgegengenommen und öffentlich ans gewiesen. Literatur. 8as Bach von den polnischen Juden. Herausgegebe» von S. I. Aguou und Ahron Eliasberg. Jüdischer Verlag, Berlin. „Das vorliegende Buch will die polnischen Juden aus ihrer Eigenknltur heraus verstehen lehren", so sagen die Herausgeber und sie bieten in recht gefälliger Form eine Sammlung von Erzählungen und Skizzen, nebst eungen schönen Bildern, die, den verschiedensten Ouelleu entuommeu, zum Teil sehr intereffaut sind. Wir heben namentlich die zwei reizenden Skizzen von P e r e z hervor. Leider aber ist das ganze Buch etwas Skizzenhaftes und entspricht durchaus nicht dem viel versprechenden Titel. Zudem stört oft manche undeutsche Wendung, die aus dem sklavischen Festhalten am hebräischen Original hervorgegangen ist. Wenig Geschmack verrät die Aufnahme von E h r l i ch § „Zwischen zwei Müttern". Offenbar hat dieser „frühere Chaffid" das Deutsche gar nicht beherrscht. Er mußte bei der Mutter saugen! Bei ihm neigt Samuel sein Haupt a n mich! Er spricht von einem Unternehmen, das gott- und selbstgefällig zugleich war. Bei ihm redet man von der Zunge weg statt von der Leber. Er macht aus einer ffiaije einen Waisen, natürlich weil es eiuen Knaben bezeichnet! — Wollten etwa die Herausgeber zeigen, wie ein polnischer Jude das Deutsche mißhandeln kann? — Zn „Der große Kosakenaufstand" ist die Rede von D i e n s t a g, den 1. Aw und Mittwoch, den 2. Aw. Nun kann aber der 1. Ab n i e auf einen Dienstag fallen — wer hat diesen groben Fehler verschuldet, das Original oder die Uebersetzuug? — Trotz der am Schluffe gegebenen Berichtigung der Druckfehler sind doch viele stehen geblieben, so z. B. S. 219 M'eftnz statt Wochaj. S. 233 Kap. 45 statt 15. Größere Sorgfalt wäre bei einem so vornehm ausgestatteten Buche am Platze gewesen! Prof. Dr. Kaha n, Znaim. Aufruf! Der „V e r e i n z n r R e t t n n g v e r l a s s e n e r j ü d i s ch e r Kinder Galiziens und . der Bukowina" versendet folgenden Aufruf! Glaubensgenoffen! Tausende jüdischer Kinder in Galizien haben durch den Krieg, durch Seuchen, Flucht Und Verschleppung ihre Eltern verloren; völlig verlassen, ganz schutzlos, verhungern, verkommen sie elend in Kellern, Erdhöhlen, auf der Straße. Hier zu helfen, solange Hilfe noch möglich ist, ist Ehrenpflicht jedes Juden, jedes Menschen, jedes Einzelnen, der vor gleichem Unglück bewahrt ist. Deshalb haben wir vor wenigen Monaten den „Verein zur Rettung verlaffener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina" (Jahresbeitrag mindestens K 5.—, Gründerbeitrag mindestens Kronen 160V.—, eventuell in 5 Jahresraten; Stifterbeitrag mindestens K 3000.—. eventuell in 5 Jahresraten) gegründet, der den Zweck hat, dazu beizutragen, die verlaffeneu jüdischen Kinder zu sammeln, m Heimen unterzubrinzen, vor dem Hungertode, vor geistiger und sittlicher Verwahrlosung zu schützen. Wir rufen alle Glaubensgenoffen auf. Wir bitten unserem Verein als Mitglieder und Spender beiziftreteu und denselben durch Werbung weiterer Mitglieder werktätig zu fördern. . Jede, auch die kleinste Gabe, wird dankbar angenommen, öffentlich ausgewiesen und verrechnet und ihrem Zwecke der Milderung dieses fürchterlichen Kind'erelends zugeführt. ' "T Spendet Geld, um den verloffenen Kmdgrn Nahrung und . Obdach zu geben, spendet Kleider, Wäsche, Stoffe, um sie zu kleiden! Jeder aber gebe nach seiner Kraft, mit warmer, offener jüdischer Hand! Verein zur Rettung verlaffener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina. Wie«, IX/3, Universttätsstraße 4. Oesterr. Pvstsparkaffen-Kvnto 451.857. - ____----— Nr. 23. ---;- ' ' . Präsidium: ' . Dr. S. Ehrmän», k!. Universitäts-Professor, Vizepräsident; Frau Lisette Gelber, BizepräsidentiN; Dr. Edmund Kahn, Vizepräsident; Dr. Arnold Ascher. kaisSrl. Rat, Generalsekretär der Baron Hirsch- Stiftung, Schriftführer; Ernst Simon, Kgffenverwalter; Rudolf Kohn, Kassenverwalter. . Exekutiv - K o m i t e e: Alexander Hecht, Direktor; Heinrich Mendl;, Eveline Klärmann Dr. Jakob Nirenstein, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr, Josef Löwner, k. k. Hofrat; Dr. Moritz Schnabl, Hof- und Gerichtsadvokat; Alexander Weiner, Direktor der Boden-Kreditanstalt; Dr. Julius Zapperl, k. k. Umversitätsproseffor. B o r st a n b: Rudolf Borges, Jaques Brichta, Direktor; Karl Freund, Dr. Ludwig Gelber, Hof- und Gerichtsadvokat; Heinrich Glücksthal; Domänen» Direktor; Leopold Jerusalem. Prag; Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem, k. k. Regierungsrat; Jaques Karpeles; Dr. Wilhelm Knöpflmacher, Hof- und Gerichtsadvokat; Philipp Kohn, königl. uugar. Kom.-Rat; Robert Kol-sch, Börserat; Dr. Emil Krasny, Hofu. Gerichtsadvokat; Dr. Moritz Laub; Frau Emma Lilien, Lemberg; Edmund Melcher. Architekt, Stadtbaumeister, Gemeinderat der Stadt Wien; Wilhelm Pappeuheim; David Rotter. Vertreter der I. C. A.; Dr. Felix Schiff; Hugo Winter. Für die Werbetätigkeit in den Kronländern Böhmen, Mähren und Schlesien sind Landeskomitee in Bildpng begriffen, denen beizutreten die hervorragendsten Persönlichkeiten ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen haben. Anläßlich des bevorstehenden Neujahrsfestes bitten wir, unserem Vereine Gratulationsablösungs-Beiträge zu widmen. „Die Wahrheit" ist gerne bereit, solche Spenden entgegenzunehmen und anszuweisen. Fürsorge-Komitee für jüdische galizische Flüchtlinge Lundenburg (Mähren). Aufruf! Fast tausend Flüchtlinge ans Galizieu und der Bukowina wurden über behördlichen Auftrag in den letzten Wochen in unserer Stadt untergebracht. Die weitgehendste Opferwilligkeit der Mitglieder unserer Kultusgemeinde, von denen ein großer Teil zur militärischen Dienstleistung eingerückt ist, ist nicht imstande, ohne auswärtige Hilfe das namenlose Elend dieser bedauernswerten Kriegsopfer zu lindern und ihr Los nur halbwegs erträglich zu gestalten. Der staatliche, Unterstützungsbeitrag von K 1— per Kopf und'Tag reicht infolge der horrenden Teuerung kaum zur Beschaffung der wichtigsten Lebensmittel — Brot und Milch — hin. Daher ist es ein Gebot der wahren und echten Nächstenliebe, die keinen Unterschied des Glaubens und der Nationalität kennt, diesen unglücklichen Geschöpfen rascheste Hilfe zn gewähren. Es ergeht hiemit an alle edlen Menschen, die ein Herz für fremdes Leid sich bewahrten, insbesondere an jene Wohltäter, .denen unsere Stadt als ihr Geburt»- oder Heimatsort lieb und teuer ist, an alle verehrlichen auswärtigen Korporationen die innigste Bitte um Gewährung eines Beitrages zu unserem Hilfswerke. Möge ein jeder helfen, die Not dieser Aermsten der Armen zn lindern, möge eiltjeder tun, was in seinen Kräften steht! Lundenburg, im August 1916. Für das Fürsorgekomitee der jüdisch-galizischen Flüchtlinge in Lundenburg (Mähren) Der Obmann: Moriz Holländer, Bürgermeister der politischen israel. Gemeinde Lundenburg Dr. Heinrich S ch w e n g e r, Rabbiner. Josef Holländer, Obmann der Kultusgemeinde. Regine Bauer, Präsidentin des israel. Frauenwohltätigkeitsvereines. Oesterr.uugar. Kantoren -Verein. Aus der Sitzung am 30. August 1916. Anwesende: Bauer, Dünemann, Morgenstern, Jurberger, Sererebnik und Mayrowitsch. / * Vorsitzender: Präsident Bauer verliest die; Einläufe^ und werden hierauf die im Felddienste stehenden Vorstandsmitglieder und sonstigen Kollegen mit Wünschen bedacht. Pie Wahl heit