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Die Wahrheit · 1916-09-08 · Heft 24 (8.9.1916) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 24 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Oie Wadrveit Seite 6 Nr. 24. der gehässigsten Art wurde deshalb der große Nxw-Dorker Philanthrop überschüttet, so daß dem feinfühligen Manne diese Art des Kampfes das fernere Wirken im Dienste der jüdischen Oeffentlichkeit verekelte. Jacob Schiff ist aber nicht zurückgetreten, ohne vorher die Kampfesweise seiner Gegner öffentlich zn charakterisieren, ihre vergifteten Waffen aller Welt zu zeigen. Zwei Wochen nach seiner angefochtenen Rede hat er nochmals zur Jndenheit Amerikas und der Welt würdig und eindrucksvoll gesprochen. „Ich habe", so führte er ails, „wiederholt dargelegt, daß ich angegriffen worden bin, daß das Vertrauen der Judenheit zu mir untergraben werden soll und daß ich darüber niedergebrochen bin. Dieser ganze Angriff ist nur ein Teil eines wohlüberlegten Planes. Was immer ich auch gesagt hätte — und hätte Gott, der Allmächtige, selbst die Worte iu meinen Mund gelegt — ich würde deshalb geschmäht worden sein, weil das zn dem sorgfältig ausgeklügelten Plan meiner Gegner gehörte. Wer kann voll mir behaupten, daß ich mich selbst jemals meinem Volke versagt hätte? Wer immer von mir sagen kann, daß ich nicht nur aus meinen Mitteln dafür gegeben, sondern daß ich nicht auch meine Person dafür tageiu tagaus eingesetzt habe, der stehe auf und klage mich an!" Tiefes Schweigen folgte auf diese mit erhobener Stimme vorgetragene Aufforderung deS Redners. Er erinnerte daran, daß er es gewesen sei, der be» Präsidenten der Bereinigten Staaten zur Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland wegen der russischen Behandlung amerikanischer Juden gedrängt habe. Und dann kam Schiff zur Aufklärung des „Mißverständnisses" seiner zionistisch-nationalistischen Gegner. Er habe nicht gesagt, daß die russischen Juden durch ihr Verhalten die russische Jndenpolitik veranlaßt haben, sondern er habe umgekehrt ausgeführt, daß die Isolierung und Trennung der Inden von der übrigen Landesbevölkernng, welche die russische Regierung jenen aufgezwungen habe, schuld an den Leiden der dortigen Juden sei. Schiff verlas de» Wortlaut des von ihm gesprochenen Satzes: „Wenn die Inden' Rußlands und Polens nicht als ein getrenntes Volk gehalten worden wären, mit Sondergesetzen, dann würden die vorurteilSvollen Verfolgungen gegen sie nicht jenen bedauerlichen Grad erreicht haben, zn dem sie zn unser aller tiefstem Bedauern gelangt sind." Er halte jedes dieser Worte aufrecht. Mau vergleiche, was Schiff wirklich gesagt hat — jeder Vernünftige wird sein Urteil unterschreiben — und was ihm seine hetzerischen Gegner unterschieben — das direkte Gegenteil seiner Worte! Einem solchen agitatorischen Trick ist die öffentliche jüdische Wirksamkeit eines Mannes zum Opfer gefallen, der zu den Zierden der Judenheit gehört. Wahrlich, die Urheber dieses Feldzuges, die immer die tönenden Worte von ihrer Hingebung für die jüdische Sache künden, müßten eigentlich über dieses Ergebnis ihrer Kampfeswut trauernd ihr Haupt verhüllen. Schalmonilh Ueber das Wort „Schalmonith", welches mehrere Selichoth als Ueberschrift tragen, herrschte trotz der vielfachen bibliographischen Bearbeitung, die man in der modernen Zeit dieser Art Poesien gewidmet hat, ein tiefes Dunkel. Was bedeutet „Schalmonilh"? Der gelehrte Leopold Dukes <geb. 26. Jänner 1810 zu Preßburg, gest. 3. August 1891 zu Wien) schrieb vor ungefähr 60 Jahren, daß jene Gedichte deshalb mit „Schalmonilh" überschrieben seien, weil deren Verfasser zumeist Schelomo geheißen. Diese Erklärung scheint in gelehrten Kreisen Anklang gefunden zu habe», daher auch I. Hamburger m späterer Zeit schrieb: „Die Benennung „Schalmonilh", die viele Selichoth führen,§ deuten auf den Namen ihres Verfassers Schelomo". Diese Behauptung jedoch entbehrt jeder Begründung, da es tatsächlich Selichot gibt, die die Ueberschrift „Schalmonith" tragen, obwohl deren Verfasser nicht Salomo hießen.) Der rühmlichst bekannte Professor Dr. I. Goldenthal war meines Wissens der erste, der auf diesen Irrtum anfmerksam gemacht und überhaupt über dieses Thema Licht verbreitet hatte. In seinem im Jahre 1859 in den Sitzungsberichten der phil.-historischen Klasse der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. erschienenen Artikel über die Benennungen der synagogalen Gesänge des Mittelalters, wie über die Erklärungen der Akzente im Hebräischen äußerte er sich hierüber unter Anderem in folgender Weise: „Abgesehen davon, daß es gar nicht Sitte und auch bei keiner anderen Art ritueller Poesien sich vorfindet, daß irgend eine Komposition mit dem Namen des Verfassers benannt wäre, lesen wir ja unter den Selichoth des Versöhnnngstages z. B. eine, welche ebensalls die Ueberschrift „Schalmonith" trägt und deren Verfasser nicht Salomo, sondern Mordechai hieß. Wir wollen, um nicht scheinbar was Wages zu behaupten, diese Selicha näher bezeichnen. Sie fängt an: „Malki mikedem poel jeschuoth bekereb hamonai.— Nozer ckesed la alofim wenose peschoay v’ awonay.“ „Mein König, der Du von Alters her Hilfe verleihest unserer Gesamtheit, und Gnade bis ins tausendste Geschlecht übest und mir Sünden und Vergehen verzeihest; und endigt, /nach dem in jeder Strophe wiederkehrenden Hajom mit der folgenden Schlnßstrophe: „Kodosch nakenu wetaharenu mikol petach schaare rachamim wejaalu tachnunay“. ..O Heiliger! läutere und reinige uns von allen unseren Vergehen, öffne die Thore der Erbarmung, daß anfsteige unser Flehen." Das Akrostichon zeigt den Namen Mordechai b. R. Jakob hooruch. 8otsr geobi vkosak Mvvmoz. Mordechai, Sohn des Rabbi Jakob des Langen,, der Schreiber, er lebe gesund und stark. Nach der obigen Erklärung müßte also diese Selicha nicht Schalmonith, sondern Mordechonith überschriebeu sein, und wenn der Verfassername Ephraim lautete, die Selicha Ephraimonith genannt werden, und ebenso, wenn der Verfasser gar Schlemiel hieße, sein Gedicht nicht anders als Schlemilonith betitelt werden. Betrachtet man jedoch den Ban dieser Bnßgedichte, und die Anordnung bei der Rezitation derselben, so erklärt sich Alles ans das Leichteste. Die gewöhnlichste Form der Selichot ist nämlich die, daß eine jede Strophe vier Verse enthält. Manche dieser Gedichte gibt eS aber, deren Strophen ans bloß'zwei oder drei Versen bestehen; solche werden vermittelst der Ueberschrift Schenijah die zweiteilige oder zweiversige und Schelisch'jah, die dreiteilig, jedesmal gekennzeichnet. Bei der dreiversigen Selicha springt dies gleich in die Augen, weil diese immer mit Endreimen versehen ist; hingegen hat die zweiversige eben so oft keine Endreime, wo nur der Inhalt als ein in jedem Berspaar abgeschlossene Gedanke sich zeigt. Wie z. B. folgende Schenijah: Ach. boch ladol maos — Bazar lo mezo sether. — G-oneschet goel rescha — Dan lischut mechappesoh. zedek. „Nur in dir hat der Arme eine Beste um in Nöten sich zu flüchten. Du verbirgst die Sünde und die Missetat, hast Nachsicht und suchst Verdienste hervor. Alle diese Selichot aber sind derart nach von einander nicht im Geringsten verschieden. Alle werden Selichot benannt, wegen ihre- Inhaltes als Bnßgedichte, in welchen um Verzeihung der Sünden gebeten wird. Schenijah, Schelischijah und Selicha sind demnach eins und dasselbe, und kann auch die vierversige Selicha mit Rewijah, d. i. die viersilbige, überschrieben sein, ohne damit etwa eine neue Gattung Poetischer Produktion bezeichnen zn wollen. Dem ähnlich verhält es sich mit der Ueberschrift „Schalmonith", welche sich blos auf Ordnung in der Rezitation bezieht. An jedem Tage, wo solche Selichot gebetet werden, ist die Ordnung derart, daß zuerst die Bnßgedichte von der Gemeinde und hem Vorbeter zusammen hergesagt werden; darauf folgt ein Pismon, d. i. melodischer Gesang, ein Gedicht nämlich, welches der Vorbeter versweise mit Gesang vorträgt, und die Gemeinde dasselbe ebenso veröweise

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