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Die Wahrheit · 1916-08-25 · Heft 23 (25.8.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 23 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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!: J? :Ui I - Sette 8_ . - Die Wahrheit . Nr. 23. Das vornehm und handlick ousgestatteie Buck (Feldpostformat) kostet K 2 50 (SRI 1.80). Bestellungen nimmt der Verlag ^Jüdische Zeitung" j» Wien, II. ZirkuSgaffe H3, entgegen. Das Bildungsproblem In der Ostjudenfrage von Dr. I. Wohkgemuth. Berlin, Nr. 24. Verlag des Jeschuruu. Zu drei Aufsätze» tritt der bekannte Berliner Gelehrte für die Erhaltung der Eigenart des Ostjnden und ihrer Bildungsquellen, Eheder und Talmud, mit Geist und Energie ein. In der Natur des Gegenstandes liegt es, daß je,» Appell sich an die deutsche Regierung richtet. Aber aus feinen geistvollen Ausführungen über den Talmud töuuen auck die Westjnden sehr viel lernen. Mit Bedauern werden sie hier aus beredtem Munde erfahren, welch' unvergleichlicher Bildmigsquelle sie sich und ihre Kinder berauben, wenn sie den Talmud, diese Lebenkguelle des Judentums, als unzeitgemäß, als etwas Ueberflüfsiges oder gor Schädliches beiseite liegen lassen. Vielleicht wird doch der eiue oder andere durch Wohlgemnths Ausführungen auf den Talmud neugierig werden. Prof. Dr. Kahan, Znaim. Fenllleton. So ein Pech! Eurer Begebenheit aus'der Mitte des vorigen Jahrhunderts uacherzäblt von L. Rosenthal, Basel. (Fortsetzung.)' Da klopfte es au der Tür und auf Sallys „Herein!" erschien ein sehr vornehm aussehender Herr in grauem Reiseanzug auf der Schwelle. „Habe ich das Vergnügen, Herrn Stern zu sehen?" begann nach artigem Gruß der Eiugetretene. «Zn bienen Herr —" „Kurt von Sch . . ." stellte sich der Fremde vor. „Ich bin der Neffe des verstorbener' Kammerherrn und sah gestern Abend, daß dieses Bild da — er wies nach dem Sofa — hierhergetragen wurde. Ich möchte es gern zurückkaufen, da es ern Familienandeukeu ist und meine schönsten Zugenderinnernngeu damit verknüpft sind. Würden sie es mir ablasfen? Auf.den Preis soll es mir nicht ankommein" Sally fühlte eine Felsenlast von seinem Herzen gleiten. Wie eine Himmelsbotichaft klangen die Worte an sein Ohr. Gott sei gedankt. — er würde das teure Ding wieder los und die 500 Taler waren-gerettet. Aber als Geschäftsmann ließ er sich nichts merken. „Tja", sagte er gedehnt, „das ist so'ne Sache. Ich habe das Bild als Geschenk für meine Braut gekauft und es geht nicht gut, daß ich —" „Bester Herr", unterbrach ihn der andere, indem ein besorgter Ausdruck über sein sonnengebränntes Gesicht flog, „es gibt ja noch so viele reizende Sachen, die man Damen schenken kann. Ich wäre tief unglücklich, wenn ich dieses teure Familienstück fremden Händen überlassen müßte. Weiß Ihr Fräulein Braut von der Sache?" „Das nicht, Herr von Sch . . ich wollte sie damit überraschen." Nun also Verehrtester, — dann macht sich die Sache ja uw so leichter. Ueberhaupt, — ein Bild. Paßt nicht für eine Dame. Ich bin überzeugt, wenn Sie Ihr einen Schmuck, eine Broche. Halskette, ein Armband, oder, einen Brillantriug kaufen werden Sie damit mehr Ehre einlegen," Ein Brillantriug. Ja, an den hatte Sally auch gleich wieder gedacht, als sich ihm die Aussicht eröffnele, ans dieser schlimmen Geschichte herausznkommen. War das doch seine ursprüngliche Idee gewesen. Niekcheu wußte ja noch nichts von dem ganzen Handel, und so konnte er noch immer tun und lassen, was er. wollte. Welch ein Glück, daß. dieser Herr noch zur rechten Zeit gekommen war. Der studierte indessen aufmerksam die Gesichtszüge- Sallys. Er sah, daß er überlegte Nttd eine gewisse Fröhlichkeit nicht verbergen konnte. Die Sache stand gut. Als gewiegter" Menschenkenner tat er, als ob er nicht länger lästig fallen möge und griff nach seinem Hut. „Gott — er wird doch nicht fortgehen wollen", sagte sich ängstlich Sally, und lant setzte er hinzu: „Sre meinen also, ich soll etwas anderes schenkend ‘ Es komuu mir jetzt selbst so vor, daß ein Gemälde nicht das Richtige ist." „Ganz und' gar nicht, Herr Stern. Also, — was verlangen Sie für das Bild?" ... „Nicht mehr als es mich selbst gekostet hat: 500 Taler." „Abgemacht! Wahrhaftig, Sie sind ein ebenso liebens-' würdiger als ehrenwerter Charakter. Mein Diener wird das Bild nachher abholen. Hier daS Geld." Damit zog er feine Baninoteutasche, die etwas anders^ aussah als die Onkel Simons, denn sie war vom feinsten Leder und mit dem goldgedrnckten Wappen derer von Sch . . . geziert. Auch die fünf Hnnderttalerscheine, die er" Sally ans den Tisch legte, waren noch ganz neu. Seelenvergnügt schloß Sally sie in seinen.Schreibtisch und geleitete dann den vornehmen Besuch bis auf die Straße hinaus. „Recht hafte gehabt, Sally", sagte der alte Joel, als dieser ihm und der Mutter den ganzen. Sachverhalt mitgeteilt hatte, ,,'u Präsent, was wert is 100 Taler, is — weiß. Gott — anständig genug. Aber 600 Taler — Cholile^—- das ist ja allein schon 'ne kleine „Nedinje" (Mitgift). Nnu drängte es Sally, sein Bräutchen änfzusuchen. Das arme Mädchen hatte sich schon schier die Augen nach ihm ansgeschaut, denn nach einem sv tenrev Geschenk hätte er eigentlich bereits gestern Abend sich entstellen oder richtiger ihr jubelnd an den Hals stiegen dürfen. - Da kam er über den Platz —sie hatte ihn gleich, erspäht —, aber vow „stiegen" merkte sie nichts. Ganz, gemächlich schritt er auf ihr Hans Kt. Zn gewohnter Weise begrüßte er sie und die Eltern. „Wird heiß heute", sagte er. Erstaunt sah ihn Riekchen an; —- sie wußte nicht, wasie von ihm halten sollte. Er mnßte^doch das Bild auf dem Sofa gesehen haben. Der Kntscher^Hatte hei seiner Rückkehr noch ausdrücklich erwähnt, daß er es darauf gestellt habe. — (Fortsetzung folgt.) KRIEGS- AUSSTELLUNG WIEN 1916. K. k. Prater—Kaisergarten Eintritt 60 Meller. Permanenzkarten zu 20 Kronen; bei KeWendorfer, Wien, I., Krugerstrasse 3 und in der - Ausstellungskanzlei im Kaisergarten'erhältliche. „Ab 10 \lhr v o r m itta gsyge öltne t.“

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