Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 23 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 23. Die Wahrheit. Seite 7. —-:-^-:-:- blick über die Binnenwanderung in Asien, Angabe d?r Institute zur Leistung und Unterstützung dieser Auswanderung und die dafür verwendeten Summen. 5. Vorschläge für eine praktische jüdische Auswaudernngspolitik. Iüdisch er Kon greß in Per ma n euz. 1. Kurzer Ueberblick über jüdische Kongresse seit Beginn des l^ils. 2. Die Zweckmäßigkeit der Einrichtung eines amerikanisch-jüdischen Kongresses als dauernde Einrichtung. 3. Vorbereitung eines eventuellen Statuts für den permanenten Kongreß. Falls die obigen Themata von wirklich Sachverständigen bearbeitet werden, so dürste das erste Ergebnis des kommenden Kongresses eine nngemeiu wertvolle Sammlung von Material über die Lage des Judentums in der ganzen Welt werden. Verschiedene Uachrichten Wien. (De. Alfred Stern.) Der Präsideirt der Wiener israelitischen Kullusgemeinde Dr. Alfred Stern begeht am 29. d. M. m Baden bei Wien in vollster körperlicher und geistiger Frifche den 85. Geburtstag. Wien Festgottevdienste in d en W i e n e r Tempel».) "Anläßlich de- Geburtstages Sr. Majestät des. Kaiser fanden Fest- , gottesdienste in sämtlichen Tempeln und Bethäusern statt. Im Stadtrempel hielt Rabbuier Dr. Kamiuka die Festrede, die kautorale Funktion versah Erster Kautor Matyas. Dem Gottesdienste im Leopoldstädter Tempel wohnte der Kultusvorstand mit dem Präsidenten Dr. Stern an der Spitze bei. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Grunwald, die kautorale Funktion versah Oberkantor Morgenstern. Beim Militärgottesdienste sprach der Leiter der jüdischen Militärfeelsorge Rabbiner Dr. Franksnrter. In« Tempel Währing sprach Rabbiner Dr. Feuchtwang, » die kautorale Funktion versah Erster Kantor Sererebnik. Ich. Ottakringer Tempel sprach Rabbiner Dr. Bach, die kantorale Funktion hatte Erster Kantor Kaufmann. Im Temvel Fünfhaus sprach Rabbiner Dr. Taglicht, die kantorale Fnnktion versah Erster Kantor Schleifer. Im Tempel der türkischen Gemeinde sprach Rabbiner-Stellvertcerer Owadja, die kautorale Funktion hatte Oberkantor Bauer. Im Tempel XXI. Bezirk svrach Rabbiner Dr. Rosenmann, die kanrorale Fnilktion versah Kantor Margulis. Im Temvel IX. Bezirk svrach Rabbiner Dr. Schwarz, die kantorale Funktion versah Erster Kantor Mayrowitsch. Im VUE. Bezirke sprach Rabbiner Dr. Bauer, die kantorale Funktion versah Kantor Grob. Im III. Bezirke sprach Rabbiner Reich, die kantorale Fnnklion versah Oberkantor Weiß. Im VI. Bezirke versah Oberkantor Dünnmann die kantorale Funktion. Im XX. Bezirke sprach Rabbiner Dr. Abeles, die kautorale Funktion hatte Oberkantor Baffer. Im Jubiläumstempel H. Pazmanitengasse hielt Rabbiner Dr. Fnnk die Festrede, die kautorale Funktion versah Kantor Stift. Wien. Mttwoch, den 16. d. M., fand die Einweihung einer Synagoge im Kriegsspital Nr. 6 statt. Wie uns mitgeteilt, werden . über Anregung des äußerst rührigen Leiters der jüdische,! Milttärseelsorge, Feldrabbiner Dr. Franksurter. mehrere solcher Bethäuser in den Militärspitälern eingerichtet. Nach wirkungsvollem Bortrag des 3jMatowu“ vom Kantor Horndorf mit Begleitung eures Mäuner- QuartettS, welches unter Leitung des Chorme>sters I. Löwit stand, hielt Feldrabbi Dr. Franksurter eine überaus tief eurpfnudene Ansprache. Mit der Absingung der Kaiserhymne schloß diese erhebende, würdige Feier. . . . . r. Stockerau. Nach zirka, 42-jähriger Tätigkeit als Kantor und Religionslehrer, hievon durch 18 Jahre ununterbrochen in unserer Gemeinde, hat Herr I. S. W e r d i s h e i m am 1. August 1916 Stockerau verlassen nnd sich nach Graz zurückgezogen, um dort im Kreise seiner daselbst und in der Nähe ansästigen achtbaren Kmder im Ruhestände zu leben. Wenngleich zwischen Religionslehrer und -Gemeinde, wie überall, hie und da D fferenzen vorgekounnen sind, so war doch uieuiattd da, der Werdi-Heim nur irgendwie Ehre und /Achtung abspreche,i konnte , und begleiten ihn auch unsere besten Wünsche für sein ferneres Wohl. Werdisheim war ein Religionslehrer der alten Schule, jedoch Neuerungen, soweit selbe mit dem Wesen der Religion vereinbar waren, immer zugänglich und ist auch der Ba» des hiesigen Tempels zur» großen Teile auf seine Anregungen zurückzuführen. Im Orte selbst, und bei den hier herrschenden Parteiströmilngeu will es genug besagen, stand Werdisheim i» Achtung aller Kreise nud war der würdige Vertreter einer kleinen Jlldengemeinde. Er war aber auch ein tüchtiger Religionslehrer, was insbesondere diejenigen genau zu schätzen wissen, Ul deren Häuser weniger auf Frömmigkeit gehalten wird und deren Kinder trotzdem religiös ausgebildet wurden und ein gewisses jüdisches Können, sich aneigneteu, .das nur seiner Tätigkeit als Religionslehrer znzuschreiben ist. Möge lein Nachfolger, der erst ernannt werden wird, im gleichen Sinne ' wie Werdisheim wirken und unsere Gemeinde kau» zufrieden sein. - 8.0. / Bade». Freitag, de» 18. August, halb 3 Uhr abends, fand ein Festgoltesdienst aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers in der Synagoge der hiesigen Gemeinde statt. Zn derselben hatten sich nebst den Honoratioren der Kullusgemeinde, Bertreter der k. k. Bezirkshauptmaunschast und der Militärgarnison eingesuudeu. Es nahmen an demselben auch viele Offiziere und Soldaten teil. Der Gottesdienst verlief in solenner Weise. Nachdem Oberkantor Jura den gesanglichen Teil exekutiert hatte, hielt Oberrabbiuer Reich bie Festpredigt und sprach daun vor offener Bundeslade das stimmungsvolle Kaisergebet. Mit Absiugen der Bolkshymue schloß die herrliche Feier. X. Prag. Der Lehrerma»lgel in den jüdischen Gemeinden Böhmens ist so drückend geworden, daß der jüdische Schulverein in Prag eS versuchen will, durch eine Hilssaklion wenigstens teilweise.und provisorisch diesen Mangel zu heben. Er w ll Elemente, die über das bescheidene Maß hebräischen Wissens, das von dem jüdischen Lehrer auf dem Laude verlangt wird, verfügen, und sonst sich zur Not für einen solchen Posten eignen, heranzieheu. Diese» Personen wird vom Schulverein ans eine ans kurze Zeit beineffene flüchtige Ailsblldung erteilt werden, die sie instand setzen würde, ihre Ausgabe halbwegs zu erfüllen. Der Schnlverein ist sich bewußt, wie unzulänglich diese Aktion ist, allein der Umstand, daß von den 200 Jndengemeiude» Böhmens mehr als 60 jetzt schon ganz ohne Lehrer sind uuv daß diese Zahl sich von Jahr zu Jahr erschreckend vermehrt, veranlaßt ihn, zu einem solchen Aushilssniittel zn greisen. Warschau. Die „Warschauer deutsche Zeitung" bringt folgende sehr beherzigenöwerke Anregung: „Aus Grund verschiedener Beobachtungen möchten wir uniere deutschen Landsleure auf eine Eigentümlichkeit der Warschauer Marktverhälciusse hmweiieu, d,e sie der ihren Ledensmitteleinkäusen beachten sollen. Die Deutschen sind von der Heimat her gewohnt, mit Borliebe an den Sonnabenden ihren Lebensmittelbedarf zu kaufen nnd wenn möglich gleich Vorräte für mehrere Tage zu beschaffen, da m Deutschland an den Sonnabenden die Märkte von den Bauern meist stark besucht sind. In Warschau befindet sich weitaus der größte Teil der Ledensmittelgeschäfte aus den Märkten m den Händen orthodoxer Inden, die den Soilnabeild streng feiern nnd an diesem Tage ihre Geschäfte geschlossen halten. An» diesem Grunde ist die Konkurrenz an den Sonnabenden viel geringer und die Preise der Waren gewöhnlich um 15 bis 30 Prozent höher. Die einheimische Bevölkerung pflegt daher ihre Einkäufe gewöhnlich am Freitag zn erledigen und auch die Bauern finden sich an diesem Tage 'zahlreicher als am Sonnabend ein." New-Aork. Die jüdische Bevölkerung New-Dorks, die bei ihren Bemühnngeii, ihren Militärpflichten den Bereinigten Staaten gegenüber «achzukommen, infolge der Vorurteile der Militärorgailisationen ans große Schwierigkeiten stößt, läßt sich dadurch trotz allem nicht beirren. Da die New-Aorker Natiopalgarde den Rekruten jüdischer Abstammung den.Eintritt möglichst zu verwehren sucht, hat sich ein New-Aorker jüdisches Milizregunellt gebildet, das den Namen „Erstes New-Aorker Freiwilligeuregimenl" führt. klebrigengibt es im stehenden Heer Amerikas genug Inden. Und der erste amerikanische Soldat, der m den jüngsten Kämpfen gegen Mexiko fiel, war ein Jude, was von den New-Iorker Blättern sensationell genng besprochen wurde. Literatur. Jüdischer Nationalkalender 5677. Ende August erscheint im Berlage der „Jüdischen Zerrung", Wien, der „Jüdische Nationalkalender 5677", herausgegeben von Otto Abeles und Ludwig B a t 6. Dieses Jahrbuch wird im 20. Jahre nach dem Auftreten Theodor H e r z l s veröffentlicht und tu zahlreichen Arbeiten berufener Autoren ivird diesem bedeutsamen Zeitabschnitte Rechnung getragen. Der reichhaltige belletristische Teil, sowie Bilder und Zeichnungen unserer ersten Küirstler verleihe» dem zweiten Jahrgauge des jüdischen Nationalkaleiiders dauernden Wert. Aus dem Inhalte heben wir folgende Aussätze hervor: „Das Jahr 5676" von Ludwig B a t 6. „Theodor Herzl und wir" von Adolf Stand. „Zwanzig Jahre politischer Zionismus" von Otto Abeles. „Zurück zu Herzl" von Nachum Goldman tu „Großzügige Palästina-Arbeit von Adolf Böhm. „Die Eutdecknug des Ostens" von Osias Thon. „Vom Leben einer toten Sprache" von Dr. Heinrich . 2 o e w e. „Die volkserzieherische Bedentniig des jüdischen Nationalsonds" von Doktor Egon Zweig. „Bon jüdischen Dichter» und Erzählern" von Martin B u b e r. „Scholom alechem“ von Dr. Z. F. Finkeisteiu. „Bialik im Lichte des zeitgenössischen Judentums" von Erlist Müller. „Arnold Zweig" von Dr. Auguste W e l d l e r - S t e i N b e r g. — „Wilhelm Wachtel" von Joses P a r a i. Ferner Novellen. Skizzen, Gedichte und Nachdichtungen von Otto Abeles, Lndwig Bato, Ch. N. Bialik, Max Beod, David Frischmailn. S. Frug, Otto Hauser, Josef K>ß, Alfons Petzold, M. Scherlag, Scholom Alechem. Abraham Somlo, Arnold Zwe^g. In den Text sind zahlreiche sorgfältig gewählte Kernworte jüdischer Denker zur Judenfrage erngestreut. Das Buch, dessen Umschlagbild von Wilhelm Wachtel gezeichnet wurde, bringt Bilder von Hermann Struck, Jakob Stark. Wilhelm Wachtel, zahlreiche interessante Jllnstcationen und die Autopsie des denkwürdigen Briefes Theodor Herzls an die Münchner jüdische Kullusgemeinde»