Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 22 (11.8.1916)
- Date
- 1916-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Die Wahrheit. Seite 7. Perl,1,irdene Nachrichten. Wien. (Au S z e i ch n » n g.) Herr Guido Fuchs gelb, ^ekretär-Stellveclreter der israelitischen Kulrusgemeinde Wien, derzeit 1. k. Oberleutuant iu einem Landivehr-Jufanterleregiulente, ging zinn .zweiten Male an die rnjsiiche Front ab, erhielt bereits dw belobende Anerkennnng durch das Kriegsnnil.sterinin und wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde neuerlich durch das Signum laudis am Bande des Mililärverdienstkrenzes ansgezeichnet und gleichzeitig zum Regimentsadjnlauleu ernannt. Wien. Oberleutnant Leo K o r n i tz e r, stationiert iu Pola, früher Oberkautor am Prager Jubiläumstempel, jetzt in Hamburg, erhielt das Signttin laudis. Wien. (F e st g o t t e s d i e n st.) Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Freitag, den 18. d. M., im Tempel, ^IX, Müllnergasse (Grünethorgasse), anschließend an den Abendgottesdienst, eine Kaiserfeier statt. Wien. (Ferienkolonie des Vereines Kinderst ü tz e.) Der Verein „Kindel stütze", XVI. Bez., Hnbergasse 3, sendet am 10. August seine zweite diesjährige Kolonie nach Liliendorf bei Frain in Mähren. Die Kinder der ersten Kolonie haben sich ganz außerordentlich erholt und steht zu erwarten, daß die Kinder der zweiten Kolonie genau dieselben Erfolge anfweisen werden. Der Verein „Kinderstütze", an dessen Spitze als Obmann Herr Philipp Blau steht» bemüht sich seit vielen Jahren einer großen Anzahl voll .-Kindern die Wohltat eines mehrwöchenrlichen Landaufenthaltes zn bieten. Der Obmann der Ferienkolonie, Herr D o n a r h, und Herr Moriz Ungar, Oifizial des Wohltäcigkeicsamtes der israeliiischen .Kultusgemeinde in Wien, bemühen sich ganz besonders,- den Kindern all das zn biecen, was für das Wohl der Kinder angezeigt ist. Trotzdem der Verein infolge der kritischen Zeit und den ganz außerordentlich hohen Kosten der ersten Kolonie fiilanziell sehr schwach ist, entsendet er eine Zahl von zirka 40 Kindern iu die zweite Kolonie, hoffend, daß edle Kinderfrenilde Spenden für diesen Zweck widmen und an den Verein „Kinderstütze".- XVI. Bez. Hnbergaffe 3, überweisen werden. Wien. (S y n a g o g e u - B e r e i it „B e t h I s r a e l".) Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers findet Freitag, den 18. August 1916, um 9 Uhr Vormittag, tu der Synagoge, II. Leopoldsgasse 29, ein feierlicher Gottesdienst statt. Linz. Herr k. k. Lentiiant Willy S ch w a g e r,. Sohn unseres verehrten Herrn Kultusoorstehers Benedikt Schwager, welchem bereits früher die silberne Tapferkeitsmedaille und das 8i»unm laudis verliehen wurde, ist neuerdings für tapferes Verhalten vor dem Finde mit der Allerhöchsten belobenden Anerkennung ausgezeichnet worden. ZnaiM. Freitag, am'4. August, fand hier das Leichenbegängnis des Herrn Heinrich Jellinek starr, welcher über 50 Jahre m der hiesigen Kultnsgemelude als Gemeinde- und Ch>'wcadiener augestellt war. Zur Tranerfeier hatten sich Mitglieder des Vorstandes, sowie der Chewra-Kadischa, eine "Abordnung des Frauenvereines und des ch'er bestehenden Wandererbundes und eine Anzahl von Gemeinde- Mitgliedern elilgefundeu. Rabbiner Professot Dr. K a h a n schilderte in seinem Nachrufe den Verblichenen als einen überaus treueil Mud hingebungsvollen Diener der Gemeinde, der ganz in seinem Dienste anfging und nur für die Gemeiltde lebte. Seine großen Ersparnisse Hat er bereits vor Jahren zum Neubaue der Friedhosshalle gespendet, wofür ihm zur ewigen Erinnerung eine Gedenktafel in der Halle des Friedhofes errichtet wurde, ferner hat er eine neue Thorarolle mit silbernen Hs Xodsseb und andere wertvolle Geräte für 'den Tempel gespendet. Hemrich Jellinek hat" ein Alter von 81 Jahren erreicht. Im-Namen des Kuitnsvorstandes sprach der I. Beirar Doktor Sigm. R o s e n f e l d. im Namen der Chewra-Kadischa Obmann David Wessely. Franzensbad. Am 4. Juli 1916 fand der Kadett im k. u. k. Jnft.-Rgmt. Rr.^D^ Philipp Adler, Sohn des Htrrn Ignaz Adler aus Franzensbad, absolvierter Handelsakademiker, am russischen Kriegsschauplätze infolge eines Kopfschusses im Alter von 19 Jahren den .Heldentod. Kadett Adler, der in letzter Zeit von Todesahnungen befallen war. schrieb in einem seiner letzten Briefe an seine Eltern: ^Würden die Menschen sehen, wie nichtig hier des Einzelnen Leben ist, sie würden bald von. Haß und Verfolgung gegen einander ablaffen nnd, gleich uns Kameraden, friedlich und verträglich miteinander -leben. Sollte ich den Tod fürs Vaterland sterben, so bitte ich Euch, Eurem Schmerz Einhalt zn gebieten, denn an meiner Seite fallen Leute, um deren Verlust Weib und Kind trauern, wogegen ich nm niemanden z>i sorgen habe . . '. ." Der fürs Vaterland Gefallene bekundete seinen Patriotismus auch unter anderem m der Weise, daß er-bei AitSbrnch des Krieges sich der k. k. Bezirkshailptmauuschaft in Eger, die seinerzeit von Amtsgeschüflen überbürdet war, unentgeltlich Luc Verfügung stellte und wochenlang als siotter Schreiber und Stenograph dem Militärrefer^nten Dr. Vocab gute Diertste leistete. - Lemberg. Die Auslösung des hiesigen Kultnsvorstandes scheint nun eine beschlossene Sache zu-sein. Seitens des Magistrates ist ein diesbezüglicher Antrag bereits zur Statthalterei abgegangen. Zum Regiernngskommiffär ist Advokat Dr. Emil P a r n e s designiert, als dessen Stellvertreter sollen die Herren, Dr. M. Allerhand nnd -Jakob F e! d st e i n fnilgieren, in den Beirat sollen die nachstehenden Herren berufen werden: - Oberfinanzrar Grab scheid, Direktor Ö r a n g e, Philipp Leon P a r n e S. Dr. Wasser, Michael Uta iu, Dr. Ringel, Dr. Alexander M a j e r, David Salamander und Sigmund Schleicher. Es dürfte zum ersten Male geschehen, daß der Leiliberger Knltusvorstand aufgelöst wird. Literatur. Ehrentafel der auf dem Felde der Ehre gefallenen Jüdischen Soldaten. Der diesjährige Wiener jüd. Bolkskalenüer enrvälr eine Abteilung : „Ehrentafel der gefallenen jüd. Soldaten." Es wird nm freundliche Bekanntgabe von: Name, Ort, Beruf, Charge, Art. Tag des Todes der Gefallenen an Herrn Redakteur Max H > ck l, Wien, VIII., Lerchengasse 6 a, gebeten. An dem diesjährigen Kalender arbeiten unter anderen mit: Feldrabbiner Dr. Frankfurter, Rabbiner Dr. M. Grnnwald, Malw. Grunwald, akad. Maler Dawid Kohn, I. Krauß, Prof. Dr. Knrrein, Aililta Müller, Friedr. Porges, Dr. Marek Scherlak, Knllusvvrsteher Dr. Schreiber, Gemeinderac Dr. Schwarz-Hiller, Adolf Stand, B. Tag u. v. a. . Treue, eine jüdische Sammelschrift, herausgegeben von Leo Herrmaun. Jüdischer Verlag, Berlin, 1916. „Die erste Auflage dieser Sammelschrift wnxde >m Auftrag der Zionistiicheil Vereiniguug für Deutschland heransgegeden und zn Peffach 5616 den Fremrdeu im Felde gewidmet" — so berichtet der Herausgeber, und wir können hinznfügen: Diese hübsche Sammlung meist hochintereffanter, zum Teil liefpoetischer Aufsätze wird auch dem großen Publikum eine sehr will-' kommene Gabe sein. Nur Härten wir manches daraits weggewünscht, so z. B. die Beiträge von Agnon und D i e s e n d r n ck. Martin Bnver erklärt zwar Herrn Agnon zu lieben. Aber was hier von ihm geboten ist, rechtfertigt diese Liebe nicht. Namentlich sein „Aufstieg" ist eine niederträchtige Berlänmdung der Inden Litauens und ein Blödsinn dazu! — In den Süddenlichen Monatsheften (Ostjnden) sind dre litauischen Inden von einem hochgebildeten Fachiuann als die Elite der lirisisch-polnischen Inden mit Recht geschildert worden. Die größten jüdischen Gelehrten, Dichter, Schriftsteller und Künstler sind ans Litanen. Wir nennen nur Elia Wilna, Lebeniohu (Vater und Sohn), Schulmann, F'.nn, Magu, Smolensky, Antokolsky! Ihre hohe Intelligenz har sie davor bewahrt, die Beure des Chassidismus zu werden, und dafür werden sie eoen von den Chassidiin gehaßt! Und nun erKhlt uns Agnon in feinem „A u f st l e g", Wie es einem „Sendling" der Chassidim wirklich gelang, den Sohn eines littanischen Rabbiners für den Chassidismus zu gewiilneu und wirklich — wahnsinnig zu machen! Und Agnon glaubt wirklich, uns eine herrliche Tat des Chassidismus vorgeführt zu haben! Als Probe seiner chassidischen Weisheit diene folgender Satz (S. 62): Eigentlich gibt es k e r n e n Unterschied zwischen Jude und Jude. Wobt aber einen zwischen Seele und Seele. — Meint nun Agnon die Seele» von Inden oder N chljnden? Oder haben die Juden überhaupt keine Seelen? Kurz, meinem Verstand ist solche Weisheit etwas zu hoch. — Auf Rechnung der Ueberietznllg kommt der schöne Satz: er roch an dem Krug des RabbluerSfohns, eine talmndische Redewendung für prüfen (Baba b. 22 a). die aber wohl kein Deutscher verstehen wird, ebeilioweuig, wie Finger erblinden können (S. 63)! Man sieht, die Sammelschrift hätte nur gewonnen, wenn Agnon darin nicht vertreten wäre. Ebenso gerne hätten wir auf das schwülstige, meist nnverstäiidliche Elobarat von Diejendrnck verzichtet. Solche Arbeiten verstimmen nur und beeinträchtigen den hohen Genuß, den diese Sammelschrift sonst bietet. Znm Schluß sei noch Herrn Bergmann bemerkt, daß es nicht Haiwrl h achadaich, sondern h echadaich heißt — das Hebräische Var auch bekanntlich seine Grammatik! Prof. Dr. K a h a n, Znaim. Fcnillelou So ein Pech! E uer Begebenheit ans der Mitte wes vorigen Jahrhunderts uacherzäbkr voll L. Rosenthal, Basel. (Fortsetzung.» „20 Taler zum ersten!" schrie Kluckhuhn und hob sein Hänuuerchen. Nun glaubte Onkel Simon seilte Zeit gekommen. Er batte sich ebenfalls vorgedrängt und pflanzte sich brett vor Tannenbanm aus. „30 Taler!" lautere sein Gebot, wobei er einen giftigen Seitenblick ans den kleinen Trödler warf. Er konnte ihn überhaupt nicht lewen, da er vor Jahren mal einen