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Die Wahrheit · 1916-07-28 · Heft 21 (28.7.1916) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 21 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i&ifUe 6. Dle Wahrheit Nr 21. habe», daß eine weitsichtigere Auffassung der religiösen Freiheit nichl besser ins, Auge gefaßt werden kann, als durch die Errichtung eines jüdischen Staates. Dieser .Tage brachte wiederum die „Gazette de Lausanne" einen Pariser Eigenbericht betreffs der Befürchtungen des Brerverbaudes gegenüber der deutlichen Absicht Amerikas, mit der Türkei wegen Palästinas einen endgültigen Vertrag, behufs Errichtung einer jüdischen Republik abzuschließeu. Zn Washington wünsche mau eine Wiederholung dieses Experimentes. Die Republik Liberia würde Palästina unter ihr. Protektorat nehmen. Die Türkei habe weitestgehende Kollisionen zugesagt. Bezeichnend sei ferner die Ernennung des türkischen Großrabbiners -Haim Nahum zum Gesandten in Washington. Nnn Hütten aber — nach dem Pariser Berichte — die Ententemächte bereits das Schicksal der türkischen Territorien geregelt, besonders Palästina bildet das Objekt eingehendster Verhandlungen. Falls der Vierverband beim Ende des Krieges sich Rechten gegenüber sähe, die inzwischen von Amerika erworben wurden, wäre das ganze Problem geändert, kompliziert und verdunkelt. Ein türkischer Vertrag mit Washington müßte bei den Eutentenläudern größten Nachhall erregen. Es ist sicherlich überflüssig, besonders zu betonen, daß alle diese Meldungen, nichts als sensationelle Phantasien sind. Wenn sich aber ziuonistische Blätter finden, die diese Gerüchte mit einer gewissen Genngtuung registrieren, indem sie damit ans die große Wichtigkeit verweisen, die die Palästinafrage ^gegenwärtig besitzt, so müßten sie andererseits bedenken, daß derartige Phantasmen viel' eher dazu geeignet sind, die Sache ad absurdum zu führen.' - KriegsspilaUftlfe für Kalüstma. Vom Vorstände des Allgemeinen Jüd. Krankenhauses- „Schaare Zedek" zu Jerusalem erhalten wir ans Frankfurt am Main folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion k Es ist uns bekannt geworden/ daß seitens eines Komitees in Wien Gelder für „Kriegsspitalhilfe für Palästina" auf dem Wege eines Aufrufes gesammelt werden sollen. Wir erlauben uns dazu bemerken: Der Wunsch, in Palästina Kriegshilfe zu leisten, ist >. gewiß ein sehr lobenswerter. Leider müssen wir aber der Meinung sein, daß der vorliegende Aufruf geeignet ist, Bedenken hervorzurufen. Es ist in Zeiten so außerordentlicher Inanspruchnahme der Spendeukreise für heimische, und für der Heimat nahestehende Zwecke, eine unbeweisbare Notwendigkeit. daß die Spender über den Gegenstand völlig im klaren sind. Der vorliegende Aufruf (die Veröffentlichung erfolgte seinerzeit in unserem Blatte. Die Red.), für den wir die notwendige Genehmigung natürlich yoraussetzen, läßt aber zunächst unseres Erachtens diese Klarheit völlig vermissen, indem er. als ein neuer Unternehmen, nicht sagt, in welcher Weise die gesammelten Gelder augewendet werden sollen. Die Hilfe Erkrankter, namentlich schwer Erkrankter, von denen die Rede ist, erfordert Hospitalbehaudlung. Der Aufruf besagt nun weder, daß durch die gesammelten Gelder vor- ' handene Hospitäler in ihrer Wirkungsmöglichkeit gestärkt werden sollen. Wenn schon zum Teil.die in dem Aufruf angeführten Tatsachen der Ueberfüllnng der Hospitäler und der schweren Beschaffung der Medikamente richtig sind, so treffen die Schwierigkeiten doch nicht in gleichem Maße für alle im Heiligen Lande arbeitende Institutionen zu. Wenn mau aber in Wien daran denken sollte, ein neues Hospital in Palästina zu errichten, so muß mau sich doch darüber klar sein, daß bis zur Errichtung und Inbetriebsetzung eines neuen Hospitals, gerade unter den erschwerenden, jetziger! Umständen soviel kostbare Zeit verloren geht, daß die von dem Leiden Heimgesuchten längst zu Grunde gegangen sein würden, ehe die Hilfeleistung voll oder auch nur teilweise in'Wirkung treten kann. An die Benutzung freistehender Hospitäler kann nun deshalb nicht gedacht werden, weil alle verfügbaren Gebäude, und insbesondere die. bisher dem feindlichen Anslande unterstehenden Anstalten, bereits für Zivil- und Militärhospitalszwecke in vollem Umfange herangezogen sind. Es arbeiten außer den deutschen,, christlichen Hospitälern das städtische, neu eingerichtete Hospital, das Rote Halbmondhospital, das Militärhospital und daS Militärseuchenlazarett. Von jüdischen Anstalten sind unseres.Wissens voll in Betrieb: Znnächst das Allgemeine Jüd. Krankenhaus „Schaare Zedek" voll, sodann das Bikkur Cholim-Spital und die große Angenklinik des Vereins „Lemaan Zion." Während wir es den einzelnen Jnstitntionen überlassen inüssen, ihrerseits Stellung zu nehmen, erachten wir es für unsere Pflicht, zur Aufklärung und zur Steuer der Wahrheit, diejenigen Unrichtigkeiten richtig zu stellen, welche in den Aufruf enthalten sind. Unser Hospital hat nicht daran gedacht, „eine Abteilung nach der anderen zu sperren," sondern hat seine.sämtlichen Räume im Hanptban und in den Jsolierpavillons sofort in vollstem Umfange zur Verfügitng gestellt, und beherbergt zur Zeit eine weit höhere Anzahl von Kranken, als eigentlich' vorgedacht sind. Es geschieht dies feiten» unserer Verwaltung in dem blinden Vertrauen darauf, daß der Opfersinu unserer Brüder uns nicht im Stich lassen wird. In welchem Maße die Leistungen z. B. unseres Hospitals zu bewerten sind, und tu welchem Maße nicht nur die Kaiser!. Ottom. Regierung, sondern auch die Kaiserl. Deutsche Regierung diese Leistungen wertet, geht aus einem Briese hervor, der uns von dem Kaiserl. Deutschen Generalkonsulat Jerusalem durch das Auswärtige Amt in Berlin übermittelt wurde, und von dem wir eine Abschrift beifügen. Außerdem steht uns unsere Hohe Regierung in jeder Weise zu Seite, Um Medikamente und ' Gelder nach drüben zu schaffen. Wir glauben, daß es unsere Pflicht ist. Sie, geehrter Herr Redakteur, von den tatsächlichen Verhältnissen in Kenntnis zu setzen, da das Publikum, für dessen Interesse die Presse. doch eintrilt, richtig unterrichtet sein sollte. Genehmigen Sie die Versicherung unserer vorzüglichen Hochachtitng! Der Vorstand des Allgemeinen Jüd. Krankenhauses „Schaare Zedek." Der Krieg nnd der Kricgsmncher in den Sprüchen Saiomons. An zwei Stellen nur — und wie man zu sagen pflegt — mir en passant, wird in den Sprüchen des Königs L>alomon des Krieges gedacht, an die ich während des jetzigen Weltkrieges, namentlich nach der Seeschlacht am Skageräk. oft gemahnt wurde oder richtiger gesagt, auf die ich bei der mir an meinem Lebensabende lieb gewordenen Arbeit der metrisch gereimten Uebersetzuug der Alttestamentarischen Poesien gestoßen bin. Es ist daher nur natürlich, daß sie mir jetzt in der Kriegszeit oft in den Sinn kamen. Es sind dies die zwei Stellen (Kapitel 21, 31, dann 24, 6.): „Das Roß wird für den Kriegstag gerüstet, den Sieg aber verleiht nur Gott der Herr." — Nur durch weise Anordnung kannst du den Krieg führen, durch reifere Ueberlegnng erlangst du den Sieg. Der Gedanke des ersten Satzes bietet nichts Neues. Es wird auch in den Psalmen und im gleichen Bilde wiederholt ausgesprochen, so in Psalm 33,. 17 und 147, 10: „Trügerisch ist das Roß in der Hilfeleistung. Nicht durch starkes Heer wird der Krieg gerettet." „Nicht an des Rosses Stärke, nicht an den Schenkeln des Mannes findet Gott Wohlgefallen, Gefallen findet er nur an jenen, die seiner Gnade harren."

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