Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 20 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite M t Me WayMeit . . R i. 20. «Mett. Freitag, deu 7. d. M., ist hl>r der Großindustrielle, Herr Julius M ei tliitg er, im 74. - Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der zu den hervorragendsten Persönlichkeiten des Wiener Judentums zählte, nahm besonders in früheren Jahren mit großem Interesse au der Berwalrnng jüdischer Institutionen teil. Er war ehemals uuch Mitglirt» des Wiener Knltusvorstandes und gehörte bis zu seinem Ableben dem Vorstände der „Israelitischen Allianz" au. Mit hochherziger Freigebigkeit förderte er jedes gute und edle Werk und sein Heimgang wird von Tausenden, denen er seine hilfreiche und rettende Hand geboten"hat, beklagt und betrauert werden. Das Leichen» begüilgms iaud Sonntag, de» 9. D, M., unter ungemein zahlreicher Teilnahme statt. Wie«. (B a rm izw af e ie r im S t a d t t e mp e l.) Äm letzten Sabbat wurden 2 Knaben der Flüchtlingsfürsorge feierlich daselbst zur Thora gerufen. Nach der Einsegilnug vor der Thora durch Herrn Rabbmer Dr. K a m i u k a — Mi Scheberach vom I. Kantor M a t y a s'— hielten nach dem Gottesdienste Herr Armenrat L e mberge r, Herr Gemeinderat Dr. Schwarz-Hill er und Herr Bethausvorstand Tr. E. Münz warme ergreifende Ansprachen au die Konfirmanden und an die Flüchtlingsknaben-Abordnung, die der Feier de,wohnten. Der Schutzdauien wurde sehr ehrenvoll gedacht und machte die Feier tiefen Eindruck. Ragy-Tapolesany. Am Montag, deu 3. d. M., wurde hier die Rabbmersgatlm Frau Ignatz Schweiger unter großer Teilnahme zu Grabe getragen. Die teuere Verblichene war ein Muster der Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Kaum gab es iu ihrem Haufe eine Mahlzeit, an welcher uicht arme Talmudjünger oder Talmudgelehrte gespeist wurden. Die Verblichene erreichte ein Alter vou 66 Jahren und hatte das seltene Glück, ihre zahlreichen Kinder nicht nur versorgt, sondern in vornehmen gesellschaftlichen Stellungen zu sehen. 45 Jahre wirkte sie segensreich an der Serte ihres Gatten, des rühmlichst dekamiten gelehrten Rabbiner Ignatz Schweiger. An der, Bahre widmete ihr der schwerbetroffene Gatte emcn würdigenden Nachruf. Sodann hob ihr ältester Sohn Dr. Alois Schweiger, Rabbiner aus Erlau, in ergreifendsten Morren die seltenen Berdlenste der Verblichenen hervor. Ihr anderer Sohn, Dr. Albert Schweiger, Rabbiner in Kremsier, war durch feinen Dienst als Feldrabbiuer an der Frout verhindert, seiner teueren Mutter die letzte Ehre zu erweisen. Kinder und Enkel, sowie die ganze Gemeuide umstände» die Bahre und trugen die edelste Mutter und Gartiu zu ihrer letzten Ruhestätte. Sarajevo. Sonntag, deu 2. d. M. um 4 Uhr nachmittags fand vom Trauerhanje, Franz-Josefsgasse Nr. 36, unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung das. Begräbnis des verstorbenen pensionierten Steneremnehmers Zekki eff. Atrias R a f a i l o v i c statt. Die Traüerzeremoule, welche vom ganzen sephardischen Rabbinerkollegium mit dem Rabbiuer Dr. Levi an der Spitze vorgenommen wurde, wurde mit eiuer Trauerrede des Dr. Levi eingeleitet, in der er die vorzüglichen Eigenschaften des Verblichenen pries, der sie nicht nur zum Wohle jeiuer zahlreichen Familie sondern auch dem seiner. Vaterstadt mnd des Staates anweudete. Literatur. 1. Achad Haam, Am Scheidewege. I. Band aus dem-Hebräischen von Israel Friedlaeuder. Zweite, verbefferte und vermehrte Auslage. 2. Dasselbe. IL Band. Aus dem Hebräischen von Dr. Harry Tores yn er, Privatdozent an der k. k. Universität Wien. 8. Martin Buber, Die jüdische Bewegung. Gesammelte Aussätze uud Ansprachen 1900—1915. 4. Vas Buch der polnischen Juden. — Herausgegeben von S. I. Aguon und Ahron Eliasberg. Jüdischer Verlag, Berlin. Besprechung dieser elegant ausgestatteten Bücher folgt demnächst. . vie Juden Im Zartum Polen. Ein geschichtlicher Ueberblick von Dr. Zosef Meisl. Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag. Mk. 1.80. Prof. Dr. K a h a u, Zuaim. In lichtvoller Darstellung wird hier die Geschichte der Inden iu Polen von deu ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart in gedrängter Form geboten uud darf bei dem regen Jutereffe, dem jetzt dasLudenpolen Im Osten allenthalben begegnet, als höchst willkommene Gabe begrüßt werden. Feuilleton. So ei« §M|! Einer Begebenheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nacherzählt von & Rosenthal, Basel. Zu eiuer der schönste» Gegeudeu des ehemaligen Kurfürstentums Hessen liegt, von hohen waldigen Bergen umgeben, das altertümliche Städtchen Z . . . . . Noch heute sieht man die Spüren - seinerehemaligen -WäÜgräben, Teile der . Stadtmauer mit ephennbersponnenett Turnistümpfeu mit) einige halbverfallene Tore.' Ein urgemütliches altes Nest. , Auch ein Dutzend jüdischer Familien wohnen darin, die mit den christlichen Einwohnern im besten Einvevnehmen leben. . . . Am-Marktplatz stand das Haus des alten Joel Stern, der im Erdgeschoß ein Gemischtwareugeschäft betrieb, dessen Hauptstütze zur Zeit unserer Geschichte sein einziger Sohn Sally war. Er hieß eigentlich Salomon und Viele nannten ihn noch immer so; aber er hörte es nicht gern: Sally klang entschieden schöner. ' . Er zählte jetzt 28 Jahre nnd war verlobt mit Riekchen, der hübschen Tochter des Pferdehändlers Juda Hamberg, dessen stattliches Giebelhaus schräg gegenüber lag. In vier Wochen sollte die Hochzeit statlfinden. Wie das so üblich ist, beabsichtigen die Brautleute sich vorher gegenseitig ein wertvolles Geschenk zu machen. Sally dachte an einen bescheidenen Brillantring, den er in der nahen Residenzstadt kaufen wollte und Riekchen an eine schöne Uhr mit Kette, beides von seinstem Golde: aber damit war er leider schon versehen. .Da mußte also etwas anderes gesunden werden und sie beschloß, ihm dieserhalb vorsichtig auf den Zahn zu fühlen. Die Gelegenheit dazu stellte sich auch bald ein. ' Der Kammerherr von Sch .... ein reicher, etwas wunderlicher Junggeselle, war plötzlich vom Schlage gerührt worden. ^Seiu Neffe und Erbe, der sich auf Reisen befand, hatte von Palermo aus den Notar des Städtchens — Möllmann hieß er — beauftragt, seine Rechte wahrznnehmen und die beweglichen Habe an Möbeln. Spiegeln, Bildern, Teppichen und Kllriositäteu (der alte Herr war ein leidenschaftlicher Sammler von letzteren gewesen) öffentlich versteigern zu lassen. In kurzer Zeit würde er selbst nach Z. „ kommen, um die Erbschäftsangelegenheit endgültig zu erledigen. Notar Möllmann war gleich daran gegangen, dem^ Wunsche seines Klienten nachzukommen und richtete den ganzen Nachlaß zum Verkauf her. In acht Tagen schon sollte die Allktion stattfinden. Den Kanfliebhabern war es freigestellt, sich vorher die Sachen in der Wohnung des Verstorbenen ansehen zu können. Schon aus Neugier gingen viele hin und auch Sally und Riekchen kamen überein, mal hinzugehen, um die ausgestellten Gegenstände zu betrachten. Von ihren beiderseitigen Hintergedanken ließen sie nichts verlauten. Jedes von ihnen dachte nämlich: „Vielleicht findet sich da etwas Passendes, was man schenken kann." .Das war. wirklich wie aus einer Ausstellung. Hier Tische, Stühle, Sessel und Sofas, dort venetianische Spiegel, geschliffene Krystallgläser, seltsam gemusterte Teppiche, allerlei altmodische Pendulen, dazwischen Waffen ans allen Zeiten und Ländern, Rüstungsstücke, Meißner Porzellan nsw. Das Schönste aber waren die Bilder, die in einem besonderen Zimmer aufgestellt waren. Sally sowohl als Riekchen glaubten, noch nie so etwas Herrliches gesehen zu haben. Besonders das größte Bild, das in der Mitte des Raumes ans einer Staffelei stand,- gefiel Ihnen ausnehmend gut. Es stellte eine dramatisch bewegse Szene aus alter Zeit vor; man sah darauf behelmte Reisige in Harnisch oder Lederkoller, Edelleute in spanischer Tracht, aber auch Damen in brokatnen Gewändern, Spitzenkragen und reichem Goldschmuck, ferner Bauern, fahrendes Volk, ' zigeünerartige Weiber und Kinder. Sally drehte das Kartonblättchen, das unten an dem Bilde hing und die Nummer 16 zeigte, um — vielleicht daß da was Näheres über den "Titel oder Preis stand — aber diese Hoffnung sollte sich-nicht erfüllen. Die Rückseite war leer.