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Die Wahrheit · 1916-07-14 · Heft 20 (14.7.1916) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 20 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Die Wahrheit Nr. 20. 2. Die Tosifta in ihrem Verhältnisse zur Mischna poetisch unlersncht. (Sabbat, Karlsruhe 1879, Erubin, Karlsruhe 1882, Seraim, Wilna 1890, Chnlin, Frankfurt a. M. 1901. Baba Kama, Wien 1912.) 3. Predigten. (Sabbaipredigten 1879—83, Frstprediglen 1884. 1892 Karlsruhe.) 4. Die Komroverseu der Schamaiten und. Hilleliten. Ein Beitrag zur Entwicklnugsgeschtchte der Halachah. Wien 1893. 5. Die hermenmische Analogie in der talmudischen Literatur. Wien 1897. 6. Der hermenutische Syllogismus in der talmudischen Literatur. Ein Beitrag zur Geschichte der Logik im Morgenlande. Wien 1901. 7. Der Mischnah Thora, ein System der mosaischtalmndischen Gesetzeslehre. Zur Erinnerung an den siebenhundertjährigen Todestag Mailnnuis. Wien 1905. 8. Die hermeueunsche Induktion in der talmudischen Literatur. Ein Beitrag zur Geschichte der Logik. Wien 1909. 9. Die hermeneutische Antinomie in der talmudischen Literatur. Wien 1913. Möge ihm noch eine lange Reihe von Jahren fruchtbarer wissenschaftlicher Tätigkeit beschieden sem! In diesem Wunsche vereinigen sich heute alle seine Verehrer, Freunde und Schüler. Chanoch Al—k. Gunomos ans Gadra und unsere Zeit. Einst versammelten sich — so wird im Midrasch erzählt — die Feinde Israels, um zu beraten, auf welche Weise die Macht des Judentums zu brechen wäre. Da machte Euuomos aus Gadra darauf aufmerksam, daß das Judentum -eine geistige Potenz sei und daher auch mit geistigen Mitteln bekämpft werden müsse. „Israel", setzte er weiter auseinander, „schöpft seine Kraft und Macht aus seiner GotteSlehre. Nehmet also den Inden die Thora weg. schließet ihre Schulen, in denen die jüdischen Kinder eine gründliche Unterweisung in ihrer Religion erhalten, und der Lebensbaum Israels wird nach und nach verdorre», da die Quelle, welche ihn bisher befruchtet, versiegt sein wird." — Der Eununziatiou des heidnischen Philosophen, daß die jüdische Schule dle Bedingung unseres Fortbestandes fei, wird in jüngster Zeit von jüdischer Seite die eindringliche Warnung au unser Volk entgegengestellt, israelitische Schulen zu errichten, da diese angeblich dem Judentum schaden, die Reaktion aber fördern würden. Difficile est, satiram non scribere! Die Volksschule hat zur Aufgabe, die Kinder nicht nur mit den zur weiteren Ausbildung für das Leben erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten ausznstatten, sondern sie auch zu erziehen. Die Erziehung der Jugend ruht in der allgemeinen Volksschule auf breiter konfessioneller Basis. Konfessionell ist das Schulgebet; im Dienste der religiösen'Idee stehen — um nnr noch einiges zu sagen — der Lese-, Stil-, Geschichts- und Gesangsunterricht. Daß die Evangelischen, eine Minorität wie wir. in ihrem Glaubenseifer die größten Opfer bringen, um ihre konfessionellen Volks- und Bürgerschulen zu erhalten, ist bekannt. Und das jüdische Kind soll ohne gründliche religiöse Erziehung durch die Schule heranwachsen? Einen solchen Wunsch kann doch nicht hegen, wer es mit der jüdischen Jugend gut meint und sich vor Augen hält, daß eine mangelhafte religiöse Erziehung in der Jugend so häufig Verfehlungen in späteren Jahren zur Folge hat, welche der Reaktion die erwünschte Gelegenheit geben, für die Schuld des Einzelnen die Gesamtheit unseres Volkes verantwortlich zu machen. Es läßt sich absolut nicht in Abrede stellen, daß bei den Inden dieser Reichshälfte der Sinn fürs Religiöse immer mehr schwindet und daß der Abfall vom Glauben der Väter immer größere Dimensionen aunimmt. Eine Sanirung kann nur durch eine religiöse Erziehung unserer Jugend erfolgen. Eine solche Erziehung dem jüdischen Kinde in den ersten Schuljahren zu vermitteln, ist eben die Aufgabe der israelitischen Volksschule. Adolf Fried. Die Flüchtlinge. Es ist kein Wunder, daß die^LAibelknndigen aller Nationen, ohne Unterschied der WeltanWannng, dem „Buche der Bücher" göttliche Verehrung zollen. Es ist'führwahr ein merkwürdiges Buch, das von unendlichen Wahrheiten und Menschlichkeiten strotzt und alle Geschehnisse mit seltener Diviuation voranssagt. „Leka midi dela remisa beojrajta“ (Es gibt teilte Sache, die nicht in der Thora angedeutet wäre) sagten mit Recht die Kabbalisten. In der Tochacha finden wir einen Satz: „Uboneclia netunim leam acber“ (Und deine Kinder werden einem fremden Volke ansgeliefert werden). Nur ein Flüchtling kostet die Bitternisse ans, welche in^-diesem Straftvorte enthalten sind. Die Flüchtlinge sind, ans^ ihrer Wohnung aufgeschencht, in eine fremde Gegend, unter fremde Leute hineiugeschlendert worden und, ihrer Ernährungsquelle und ihres Vermögens beraubt, urplötzlich zu Bettlern herabgesunten. Sie mußten ihre im Schweiße des Angesichts erworbene Habe, ihr Hans, ihr Bett, ihre Kleider, -ihren "Herd mit zerrissenem Herzen verlassen, um irgendwo in elner engen Stube, in einer Baracke oder in einer Scheune ans nackter Erde zu liegen. Mit ihrer Heimat, ihrer Umgebung haben sie auch ihr Tl^sLheu, ihre persönliche Würde oder ihre Autorität, deren sich manche in ihrer Gemeinde erfreuten, ja ltnen normalen Menschenverstand verloren. Es ergeht ihnen geradeso wie jenem weisen Europäer, den irgend ein Schicksal in ein sprach- und sittenfremdes Land verschlagen hat und der dort als der größte Lümmel galt. Ihre Stimmung ist gedrückt, ihr Gemüt getrübt, ihr Herz von Sehnsucht zermürbt, ihr Mut gebrochen, ihre Ehre gekränkt, ihr Milien fremd, ihre Atmosphäre kalt und wenn sie die Häupter ihrer'Lieben zählen und finden, was ans der Flucht sehr oft geschah, daß ihnen ein teures Haupt fehlt, so ist ihr Schmerz grenzenlos. Einen nicht minderen Schmerz bereitet den Flüchtlingen die Demütigung, welche mit der Hilfsbedürftigkeit verbunden ist. Ein Mann der jüngst ein.tüchtiger Kaufmann oder ein fleißiger Gntspächter, ja sogar ein reicher Gutsbesitzer oder ein Advokat, ein braver Handwerker oder sonst ein erwerbsfähiger Bürger war, welcher zeitlebens fein tägliches Brot durch Fleiß und Arbeit erworben nud-seine Familie ehrenhaft erhalten hatte, muß jetzt Hilfe anttehmen! Wohl denen, die sich dieser Unglücklichen annehmen, sie laben, trösten, ihnen Mut zusprechen und - ihnen ihre spendende Liebe zuwenden. Diese erhabenen Wohltäter, deren es gottlob viele gibt, hat eine hiesige Dichterin mit Recht „Cherubim der Menschlichkeit" genannt. Wir sehen seit zwei Jahren voller Dranges und Blutes göttliche Wunder der Nächstenliebe, die wahre, schmerzlösende, werktätige Liebe leuchtend in menschlicher Reinheit, für die kein Wort der Bewunderung auch nur annähernd hinreicht. Ein himmlisches Entzücken taut durch unsere Seele und wir mochten mit tränenüberströmter Dankbarkeit die goldenen Engelhände jener „Cherubim" küssen, die so viel Hilfe, so viel Trost und so viel Glück der kummerbeschwerten Menschheit mit herzerquickender Gutmütigkeit und Anmut im „Geben" bringen. Siehe, wie sie laben, nähren, heilen, kleiden, wärmen, trösten, schützen, pflegen,, lehren mit dem unendlich beseligende.n Gefühl, ein Opfer ans dem goldfnntelnden Altar, der Nächstenliebe gelegt zu haben! Um einen edlen Wiener Bürger, den „Hohepriester der Menschlichkeit", der seit zwei Jahren mit unvergleichlicher stabiler Energie und Generosität in reinster Form „im Dienste" der Flüchtliugsfürsorge steht, haben sich edle Männer und Damen geschaart, die für die ^Flüchtlinge Taten verrichten, für die ihnen „die Ehre der ganzen Menschheit" gebührt.

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