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Die Wahrheit · 1916-06-30 · Heft 19 (30.6.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 19 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Seite 7. Die Wahrdeit. womitwir uns schließlich laugst abzufinden gewöhnten. Aber bei Gott! Die Kurgäste versichern, daß sie die Preise in den Franzeushßder Restaurants im Gegensatz zu jenen der Großstadt gar ltT^t übermäßig hoch empfinden. Die Kultusgemeinde in Franzensbad hat stets darauf gesehen, den konservativen Charakter in ihrem Kahalleben zu wahren. Chor' und Orgel, wie es in den benachbarten Knltnsgemeinden seit langem eingeführt, findet hier keinen Eingang, desto mehr wird die jüdische Wohlfahrt gepflegt. Das Hospital wird, trotz der Schwierigkeiten, die uns der Krieg., auferlegte, unvermindert weitergefühn. den tunlichen Wünschen und Bedürfnissen der jüdischen Kriegsflüchtlinge und Verwundeten vollauf Rechnung getragen. Hiebei erwies sich Herr Kultusvorsteher Theodor Spiegel als umsichtiger mit) unverdrossener Führer und Leiter der Kultnsgemeinde. Aber auch die Kurverwaltung und an ihrer Spitze der Bürgermelster Herr Engen L o i m a n n, unterließ es nie, ihre Opferfrendlgkeit für die Bedürftigen der jüdischen Kriegsbeschädigten zu bekunden, sie gib^ mit vollen Händen und hilft, wo es nottut. Nicht unerwähnt darf die segensreiche Tätigkeit des Seelsorgers Herrn Dr. Spitzer, der Herren Kurärzte und der gesamten jüdischen Bevölkerung bleiben. Jeder einzelne hat sein Scherflein znr Milderung der Kriegsbeschädigten freudigen Herzens beigestenerl. Und wie wir im Kriege der Vorsehung vertrauen lernten, daß das Giite belohnt und das Böse geahndet wird, hoffen wir zuversichtlich, daß 'der schöne Weltknrort Franzensbad, wo das Wohltnn im reichlichen Maße geübt wird, immer mehr an Ansehen wachsen w.ird zum Heile und Segen der leidenden Menschheit. R Moses Kapsoli und R Josef Kolon. Ein Beitrag zur Geschichte d e r I n d e n in der Türkei. ■*> Von Dr. M. H. Frredländer. (Fortsetzung und Schluß.» Die Mantuaner ^'Gemeinde eri^mute ihn zu ihrem religiösen Oberhaupte. Allein hi?r geriet er bald mit dem gelehrten, freisinnigen, vielseitiggebildeten Rhetoriker Messer Leon in Zeinen heftigen Konflikt, weil er, der hochorthodoxe Rabbi, in jeder freien, wenn auch nnschuldigen Aeußerung Messer Leons eine gewaltige, das Judentum seinem Untergänge entgegenführeilde Destruktion wittern zu müssen glaubte. Dieser Streit nahm solche Dimensionen an, daß die Gemeinde sich in zwei Parteien teilte, wodurch sich der Herzog von Mantua veranlaßt sah, sowohl Messer Leon als R- Ioief Kolon ans Mantua anszuweisen. Letzterer ging nach Pavia und wurde von der dortigen Gemeinde per Akklamation zun^Rabbiner ernannt. Kolon war trotze seiner äußerst streng religiösen Lebensweise nicht unfehlbar; er besaß die Schwäche, Verlenmdnngeu Gehör zu geben, den Einflüsterungen rachsüchtiger Heuchler und Frömmler Glauben zu schenken und infolge dessen oft gegen würdige, unschuldige Persönlichkeiten,- die ihm als Ketzer bezeichnet wurden,-in Kampf-zu ziehen. Als das famose Memorandum derv bereits erwähnten vier Konstantinopler Finsterlinge ihm durch den berüchtigten GrandschwiNdler Moses V i e r n n d z w a n z i g, einen baumlangen Gesellen, der sich ihm als Märtyrer vorgestellt, indem er seine Heimat, seine Familie verlassen undeine so weite, mit so vielen Leiden, Qualen und Widerwärtigkeiten verbundene Reise-unternommen hatte, um das Juderrtüm vor Ketzern schützen und retten zu können, überreicht wurde, war er über Kapsali so sehr entrüstet, daß er ihn von vorneherein schon verurteilte, ohne zuvor näher e Erkundigungen über-Vesseit-religiösen Anschailustgen, Charakter und Lebensweise einznholen. ' ' " ' In einem Sendschreiben, das er dem Landstreicher Moses Viernndzwanzig zur weiteren Beförderung übergab, forderte er die Inden der Türkei auf. Kapiali als Ketzers.» betrachten, der nicht würdig sei. ein Radbineramt zu bekleiden. da er ihm von glaubwürdiger?? Seite als radikaler Reformer geschildert worden sii. Der Denunziant Moses Vierundzwanzig aber wagte es nicht, sofort nach der Türkei zuriickzureisen und das Sendschreiben Kolons zu veröffentlichen, sondern durchstreifte, nach wie vor schnorrend, die Welt. Ueberall, wohin er kam, stellte er sich den Rabbinern und maßgebenden Persönlichkeiten als heiliger Sendbote „Schloicha deraclunone“ vor, der die hohe Aufgabe hat, das Judentum vor dem einflußreichen Ketzer Kapsali zu schützen und zeigte bei Gelegenheit ihnen im Vertrauen das Sendschreiben Kolons. Erst nach zwei Jahren gelangte Kapsali in den Besitz dieses ihn in seiner Ehre und Wurde tief verletzenden Sendschreibens. Sofort ließ er die Vertreter und Führer der lürkischen Inden einberufeu, teilte ihnen diese Schandtat mit und las ihnen selber Kolons Sendschreiben vor. Wulentbrand ständen sie alle da. als sie hörten, daß ihr edler, frommer, allgemein beliebter und verehrter Rabbi, dessen kristallreiner Charakter Allen imponierte, mit) dem nichts ferner lag als die Absicht, destruktive Neuerungen einzusühren. als Ketzer gebrandmarkr ivurde. Mit einer Judignanou sondergleichen wiesen sie all' die lügenhafieu. jeder Begründung entbehrenden Beschuldignugen entschieden zurück. Kapsali selber schrieb eine Entgegnung an Kolon, in der er dessen unwürdige Bersahrnngsweise scharf tadelte. Die angesehensten Rabbiner Italiens, wie Menz, Del Medigo u. a. m. mißbilligten Kolons Vorgehen gegen Kapsali, dem sie seiner Charakterfestigkeit, wahrhaften Frömmigkeit, liefen Gelehrsamkeit und sonstigen hohen Tugenden tvegen die ihm gebührende Hochachtung und Anerkennung zollten. — Als nun endlich Kolon die Ueberzengung gewann, daß die Beschuldigungen der vier Konstantinopler Verleumder — die mittlerweile von der Pest hingerafft wurden — rein aus der Luft gegriffen waren, gestand er reumütig ein, daß er sich schwer versündigt habe, indem er sich von Heuchlern. Frömmlern, Denunzianten dnpieren ließ. Im Jahre 1490, als er schwer daruiederlag. schickte er seinen Sohn Perez Kolon nach Konstantinopel unde ließ Kapsali um Verzeihung bitten. Mit offenen Armen wurde Perez Kolon von Kapsali empfangen und äußerst liebevoll behandelt. Die ihm zngefügten Kränkungen und Beleidigungen vergaß Kapsali um so mehr, als er überzeugt war, daß Kolon nicht aus Haß und Rachsucht, sondern aus all zu großem Glaubenseifer so schonungslos gegen ihn gehandelt hatte. Noch in hohem Greisenalter hatte sich Kapsali um die 1492 aus Spanien vertriebenen Juden „ große Verdienste erworben, indem er die Ansiedlnng der grausam verfolgten spanischen Juden im türkischen Reiche förderte. Viele tausende s e p h a r d i s ch e Flüchtlinge hatten es den edlen Bestrebungen Kapsalis zu verdanken, daß es ihnen gelang, im türkischen Reiche eine neue Heimat gefunden 'zu haben, wo sie sich frei bewegen dursten und' gar bald einen mächtigen Faktor im Staate bildeten, mit dem man rechnen mußte. Die Wl e n e r.Sefardim bekunden noch heute bei jeder Gelegenheit ihre Dankbarkeit dem türkischen Staate, der einst ihre Ahnen, als sie Spanien verlassen mußten, aus warme Befürwortung des edlen, frommen.' lürkischeu Oberrabbiuer Moses Kapsalt frenndlichst ausgenommen und liebevoll behandelt hatte. Moskowski Shntiki. (Moskauer Spitzbuben.) * ^Gaunerstreiche. Mitgeteilr von Armin Wittowitfch (Eger). Anton Rubinstein, der hervoragendste Pianist und . populärste TonkünstlerMnßlands. von dem man sich «flh seiner Heimat sagte, daß jeder von ihm geschriebene Noteukopf

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