Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 18 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Kielce 3× ep/1001109
- Radom 3× ep/1000823
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Seite 7. Nr. 18. Die Wahrheit. Militärbehörden bei ihrer humanen Gesinnung und bei ihrer ^Kenntnis der Tatsache, daß gerade die Juden in Polen während des Krieges wegen der bei ihnen von den Russen vorausgesetzten Neigung zu Oesterreich ein Martyrium zu erdulden. hatten, bei ihrem Einzüge als Befreier in das Land der ärgsten Not unter unseren Glaubensgenossen Abhilfe zu gewähren bestrebt waren. In mehreren Fällen wandtensich die k. k. Etappenkommandanten an die Allianz unter Hinweis aus die unter den Juden der besetzten Orte herrschende Not um Gewährung von Hilfe und m solchen Fällen war die Allianz in der Lage, ihre Unterstützungen sofort durch die betreffenden Kommandanten verteilen zu lassen. Erst im Jänner laufenden Jahres konnte die Allianz ihren ' Sekretär nach Russisch-Polen delegieren, um eine systematische Regelung der Hilfsaktion im ganzen Lande soweit es von den österr.-ungar. Truppen besetzt ist und. in den angrenzenden wolhynischen Bezirken zu organisieren. Die in Betracht kommenden Gonvernemente in Russisch-Polen allein haben eine jüdische Bevölkerung von ungefähr 500.000 Seelen (ganz Russisch-Polen zählte nach einer Statistik Dom Jahre 1909 unter 11,935.818 Einwohnern 1,747.655 Inden). Davon wohnen: im Gonvern. Lublin 206.180 Inden unter in der Stadt „ 31.607 „ „ nm Gonvern. Radom 153.782 „ „ in der Stadt „ 16.279 „ „ im Gonvern. Kielce 106.511 „ „ der Stadt „ 11.207 „ 948.770 Einw. * 62.222 , .. 1,989.244 t, . 39.981 .. „ 973.247 30.818 1,901.662 * . 38.115 „ großer Teil des Gonverrn im Gonvern. Piotrkow 288.082 in der Stadt „ 13.960 wobei zu bemerken ist, daß eln Elements Piotrkow mit der großen Fabriksstadt Lodz (88.201 Inden unter 162.950 Einw.) nicht zum österr.-nngarischen, sondern zum deutschen Okknpatiansgediete gehört. Der Sekretär der Israelitischen Allianz besuchte die jüdischen Gemeinden in den Hanptorten, trat mit allen Bevölk'ernngskreisen in Berbiltdnng, bildete sich durch eigene Beobachtungen ein Urteil über den Umfang und die Art der Rot, hielt mit den Gemeindevorständeil und den Leitern der Wohltätigkeitsvereine eingehende Beratungen ab und organisierte vier jüdische Hallptkomitees in den größeren Städten, durch welche in Berbiildnng mit zahlreichen Lokalkomitees in den 'kleineren Orten die Fürsorge' für die notleidende silbische Bevölkerrtng in zirka 120 Gemeinden ansgeübt wird. Auf Grnnd der telegraphischen Anträge des Delegierten konnten bereits Ende Jänner erhebliche Monatsbeiträge zur Erhaltung von Volksküchen, Kinderheimen und anderen 'Wohlfahrtseinrichtungen sofort planmäßig bewilligt werden. Die gegenwärtigen Monajsbeiträge in Russisch-Polen betragen für den Fürsorgesprengel des Hilfskomitees Lublin Kronen 36.000, für Radom K 25.400, für Kielce K 9000, für Piotrkow K 9000, zusammen K 79.400. Diese Beiträge wurden jedoch für den Monat April mit Rücksicht auf die Pessachfeiertage erhöht. Insgesamt haben wir bis jetzt mit -Einschluß der nach einzelnen Orten, insbesondere in .Wolhynien direkt durch die k. u. k. Etappenkommaudos gesandte Unterstützungen für die notletdenden Juden in den okkupierten Gebieten K 305.550 verwendet, welche Summe Pch, wie folgt, verteilt: 1. Durch das Hilfskomitee in Lublin K 147.650.—. Ä. Durch das Hilfskomitee in Piotrkow 21.500. Z. Durch das. Hilfskomitee in Radom 82.320. 4. Durch das Hilfskomitee in Kielce 37.700. 5. Direkt überwiesen nach Dnbno, Gorodiscze, Radziwillow. Zelow u. a. Orten in den okkupierten Gebieten X 16.780, Summe K 305.930. Die gesamten für die verschiedenen Hilfszwecke bis jetzt verwendeten Beträge haben die stattliche Summe von K 3,00.000 erreicht und monatlich gelangen in Galizien und in -Russisch-Polen in zirka 300 jüdischen Gemeinden insgesamt Durchschnittlich je K 200.000 zur Auszahlung. Die eigenen von der Israelitischen Allianz im vorige» Jahre veranstalteten Spendensammlnngen. welche rund K 360.000 ergeben haben (wozu noch eine Sammlung des Verbandes der Humanilätsvereine „B*nai B'rith" in der Höhe von L 160.000 lind ein Beitrag deS Galizifchen Htlfsvereins für die gemeinsame Aktion im ^Betrage von K 50.000 österr. Rente hinzukam) hätten, wie der Bericht hervorhebt, nicht rm entferntesten ansgereicht, um auch nur eiuigermaßelt die momentane Not zu lindern, wenn nicht das Hilfskomitee in A m e r i t-a in ganz hervorragender Weise mit seiner großzügigen Spendensammlung den europäischjüdischen Organisationen einen Beistand gewährt hätte. Aus Amerika sind der Israelitischen Allianz zu Wien allein bis zum Jahresschlüsse TL915 fast K 1,500000 und seither noch weitere bedeutende Beiträge zngitnsten der notteidenden Juden in Galizien und Russisch-Polen zngegangen. wofür im Berichte Dem Retief-Cvmmillee in warmen Worten der Dank ausgesprochen wird. K. Moses KapfiM und K. Josef Kolon. Ein Beitrag zur Geschichte der Inden in der Türkei. Bo» Dr. M. H. Friedländer. Als die Inden im fünfzehnten Jahrhundert in den meisten Ländern Europas, wie Spanien, Portugal, Frankreich, England usw. den gransamsten Verfolgungen, namenlosen Leiden und unerträglichen Qualen ansgesetzt Ware», wurde ihnen im Orient durch ein großes Weltereignis ein neues Asyl eröffnet. Am 29. Mai 1453 wurde nämlich das frevelbelastete byzantinische Reich — nach mehr als einem tausendjährigen Reich — mit dem Falle Konstantinopels zertrümmert. Die früheren Kaiser — Julian II., der seiner Freisinnigkeit und Jndensrenndlichkeit wegen Apostat genannt wurde, ausgenommen — waren durchschnittlich unerbittliche fanatische Jndenseinde. Ais nun der türkische Eroberer Mohammed H. Konstantin opel eroberte, gewährte er den Inden, wie den anderen Konfessionen vollständige Freiheit und Gleichberechtigung. Die bedrückten und verfolgten Juden durften sich nunmehr in der Türkei niederkassen und ihren Kitltns ungestört ansüben. Es war ihnen gestattet, Synagogen zu bauen, Lehr- und Erzlehuugsanstalten zlt gründen, Seelsorger und sonstige Killtnsbeamte anzustellen, für die Erhaltung religiöser Anstalten und humanitärer JnstttnUonen Sorge zu tragen. — Als Jsm<.Zarfgti, ein Franzose, der in Deutschland geboren und erzogen wurde und dann nach der Türkei übersiedelte, von zwei deutschen jungen Leuten, die nach der Türkei gekommen waren, erfuhr.Zdaß die Lage der Inden in Mitteleuropa eine höchst unerträgliche sei. sah er sich veranlaßt, ein Selidschrelben an die Inden von Schwaben, der Rheiugegend, Steiermark, Mähren und Ungarn zu erlaffen. in welchem er ihnen die günstige Lage der Inden in der Türkei schilderte und ihnen den wohlmeinendeil Rat erteilte, die alte Heimat zu verlassen, um aus der finsteren Hölle in das lichtvolle Paradies kommen zu können. In diesen interessanten Sendschreiben. das der set. Dr. Adolf Jellinek in einem Hefte Kontros Geseros veröffentlicht halte, heißt es unter anderem: „Meine Brüder und Lehrerfreuude und Bekannte! Ich, Isaak Zarfali, der ich aus Frankreich staumre, in Deutschland geboren bin und dort zu den Füßen von großen Lehrern gesessen, rufe euch z», daß die Türkei ein Land ist, in dem nichts fehlt. Wenn ihr einwilligt, jo kann eS euch gilt gehen. Ihr könnt sicher durch die Türkei nach dem Heiligen Lande gelangen. Ist es nicht besser unter Mohamedanern als im Westen zu wohnen! -Hier dürft ihr euch in die feinsten Stoffe kleiden. Hier kann jeder unter