Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 18 (16.6.1916)
- Date
- 1916-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die Wahrheit Nr. 18. zeit, von zwei Wocheustundeu noch die große Lehraufgabe hinznfügen, den weitläufigen Inhalt des Machsors mit den Kindern erschöpfend durchzunehmen! Nicht einmal für das ,-Einlesen guter Uebersetznngen" mld „Einüben der Hauptstücke" findet sich genügende Zeit, soll Geschichte und Btbelübersetzen nicht vernachlässigt werden. Vor allem muß, wie Direktor Mautner selbst beipflichtet, die Unterrichtszeit v e r m e h r t werden, selbstdann, wenn der derzeitige Lehrstoff nicht vermehrt wird, und mit Vergnügen weise ich in diesem Belange auf das erste E i n v e r st ä n d n i s zwischen unseren Ansichten hin. Jawohl die harmonische Brücke „zwischen Pflicht-, Lese- und Bibelschule" muß im Interesse der Fruchtbarmachung des Religionsunterrichtes geschlagen werden! Die Methodeist mit der individuellen Beschaffenheit der Lehrpersonen, mit beffeu gründlicher Vertrautheit miNdem betreffenden Lehrgegenstande, mit dessen Gesinnung. Begeisterung für den Lehrberuf ltud dessen psychologischer und methodischer Begabung unlösbar verknüpft. Es ist daher ein Unding, von allen Lehrpersonen die gleiche Methode zu fordern und mit Recht normiert das niederösterreichische Landesgesetz deshalb die Methodenfreiheit. Eines möchte ich auch gerne wissen, ob wirklich Herr Direktor Mautner die Meinung! des Herrn Rabbiners Dr. Ziegler teilt, der kurz und klar sagt: „Was das Elternhaus nicht leistet, das kann und muß die Schule tun". Ist er auch der Meinung, diese „neue.Lehrmethode" müsse ^.anf ganz Oesterreich ausgedehnt werden und wenn" der Rel'.gionslehrer nichtmusikalisch ist, müsse der Kantor beim Rellgionsuilterrichte Mitwirken? Ein zweites Einverständnis zwischen unseren Ansichten registriere ich mit Vergnügeit in der Forderung, daß a it ch anderwärts solche Lehrversnche srüher angestellt werden müssen, ehe man an die Ausführung einer allgemeinen Schulreform des Religionsunterrichtes schreiten kann. Ich habe nichts dagegen, weün diese Lehrversuche bereits im nächsten Schuljahre stattfinden, nur, meineich, eignet sich der „Erfinder" besonders hiezu und wenn schon auch andere Lehrkräfte hiemit betraut werden, so können es mir sich frei w i l l i g hiezll meldende Lehrpersonen sein. Ich gestehe aber, daß ich der Sache ilmso pessimistischer gegenüberstehe, als sogar der deutsche-Religionslehrer und Kantor Herr I. B. Levy meinen Pessimismus teilt. Die Lanze für Herrn Killtusvorsteher Brod einznlegen, war unnötig, denn ich würdigte in meinem Aufsatze sein Streben bezüglich der Verbesserung des Religionsunterrichtes uneingeschränkt und schrieb, es gebühre ihm hiefür die. vollste Anerkennung von allen aufrechten Inden. Du er aber kein Religionslehrer ist, so bleibt er trotz seines hebräischen Wissens in dieser Frage ein Laie, welcher Ausdruck doch keine Herabsetzung bedeutet. Herr Direktor versichern am Beginne Ihrer Arbeit, keineswegs mir oder Herrn Levy „eines am Zeuge flicken" * zu wollen, da beide „der Frage in entsprechend ernster Welse näher getreten seien". Sie hielten dieses Versprechen aber nicht ein, indem sie anfangs schon betonen, die Frage „ruhig — vorurteilslos" zu behandeln und am Schluffe reden Sie von „Übel angebrachten Witzeleien und persönlichen Anspielungen", mit denen mau Ihnen nicht kommen dürfe. Ich habe eben so wenig Ursache zu persönlicher Unruhe in dieser Sache, wie Sie, Herr Direktor, denn auch mein Haupt deckt bereits der Schnee des Alters und wie Sie habe ich ' das langjährige Lehrerwirken hinter mir und persönlich istchts mehr zu erreichen. Trotzdem besitze ich das größte Interesse für die weitere Gestaltllng des Schulwesens und glaube gelegentlich "n ich t schweigen zu dürfen. Auch Sie, Herr Direktor, sind von keinen anderen Motiven dazu gedrängt worden, Ihre Meinung zu veröffentlichen und wenn es in kurzen Aufsätzen auch nicht möglich ist, die Sache „nach allen Seiten erschöpfend" zu behandeln, so sind Sie meiner Ansicht näch gar nicht berechtigt, dies nicht zu wollen und Zeit haben Sie dazu jedessalls mehr als früher. Für den Ton oder den Zorn, der sich etwa in Seite 5. den Aeußerungeu eiuschleicht, kann man aber eigentlich nicht verantwortlich gemacht werden, sofern keine egoistischen Motive mitspieleu, denn dies ist ein Ausfluß der Jndi» vidnalität. Im Interesse der Sache und der davon zu er» wartenden-Klärung der Frage begrüßte ich Ihre Entgegnung freudig und antworte auch vergnügt, denn: „Kol mach&* laukes, schein bescheret sehomajim, ssaufoh lehiskajem.“- Und so danke ich auch der geehrter Schriftleitung für die Ranmgebung und spreche meine Ueberzengnug aus, daß sie auch wetteren ähnlichen Arbeiten die Oeffnung ihre Spalten nicht verweigern werde, sobald sie geeignet scheinen, die wichtige Frage zu klären. Ehe aber eine Unterrichtsreform mit halben Maßregeln dnrchgeführt wird, welche wieder einen sicheren Erfolg nicht verbürgen kann, lieber gar keine. Ans jeden Fall ist es angezeigt, auch andere Vorschläge zu beleuchten, selbst wenn dieselbett noch nicht in der Unterrichtskommission der Wiener ilrael. Kultnsgemeinde beraten wurden. Wollten Sie nicht vielleicht dem Gedanken näher treten, Herr Direktor, eine systematische Organisierung von Elternabendett an den Schttlen ztt beleuchten. um die religiöse Hauserziehung wieder aus ihrem Schlafe zu erwecken? Ich bin überzeugt, daß sich hiezu geeignete Kräfte findeii werden, uitd der Mitwirkung der Eltern bedürfen die Religionslehrer auf alle Fälle. R. L. Israelitische Allianz za Wien. Die -43. ordentliche Generalversammlnng der „Israelitischen Alliaitz zu Wien" fand am 5. Jitni 1916, 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Knttusgemeinde in Wien statt. Anwesend waren fast alle in Wien weilenden Mitglieder der Vereinsleitnng: Der I. Vizepräsident Doktor Arthur Kuranda als Vorsitzender; der II. Vizepräsident Dr. Felix Katzau; die Herren: Wilhelm P a pp e n h e i m, Dr. Jakob Nir eustF'i n. Dr. Joses Brener, Richard B e t t e l h e i m. Prof. S. Ehr m n n n, Mor. E i ß l e r, Hofrat Dr. Joses Löwner, Univ.-Profesfor Dr. Josef P o l! a k, kais. Rat L. Sachs Edler von S a ch s e n h a l l, Alexander Weiner, Direktor der Bodenkredit-Anstalt und Sekretär Rabbiner Dr. Armand Ka minka. Ferner die Gemeinderabbiner Dr. G r u n w a l d, Dr. T a g l i ch t und Dr. R o s e n m aim;. vom Wiener Kultusvorstande die Herren Salomon Brod, Heinrich Meudl und Dr. H. Schreiber, Sekretär Dr. Adler, dle Redakteure Dr. I. S. Bloch nnd Dr. M. Löwy, Schriftsteller Albert Löw, Reg.-Rat Dr. Frankßnrter, Reichsratsabgeordneter Dr. Steinhaus, der Präsident der Handelskammer in Brody Lazar Bloch, der Berwaltee der I. 0.-^..-Kasfen in Galizien David Rotter, Oberinspektor Jotef Sieger, Pros. Moritz A nt s ch e r l mtb zahlreiche andere angesehene Mitglieder. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung, indem er die Beschlttßsählgkeit derselben konstatiert und des im verflossenen Jahre damngeschiedenen Vorstandsmitgliedes Generalrates Adolf Kl ein, sowie der verstorbenen Mitglieder der Filialleitnngen gedenkt. Ueber Antrag des Herrn D. Rotter wird von der Verlesung des bereits seit mehreren Tagen in Händen der Mitglieder befindlichen umfangreichen Jahresberichtes abgesehen. Zum Inhalte desselben ergreift Herr M. Baum das Wort und hebt mit besonderem Danke die weitverzweigte segensreiche Tätigkeit der Vereiitsleitung in diesen schweren Zeiten hervor. Er konstatiert, daß dieselbe in hohem Maße den gestellten Anforderungen entsprochen hat. Der Dank gebühre ebenso dem Vertreter des amenkanischen Hilfskomitees Herrn Marimilian Paul-Schiff. Er kommt ferner auf leine in der vorjährigen Generalversammlnng bereits gegebenen Anregttngen zurück, daß dem seit einigen Jahren beobachteten Rückgang der Mitgliedsbeiträge durch eine