Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 17 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. - Die Wahrheit Nr. 17. Wie Italien durch seinen nie dagewesenett Wortbruch, feine eigenartige Treulosigkeit, so hat das heuchlerische England durch schnöde Habgier und Gewinnsucht Europa vergiftet und auch für dieses Jnfelreich wird das Gottesgericht kommen. Die verantwortlichen Staatsmänner mit Grey an der Spitze werden dereinst vor Gott und Weltgeschichte dieses Verbrechen zu verantworten und zu büßen haben, ebenso wie Frankreichs und Rußlands Kriegshetzer den Lohn ihrer Niedertracht und Heimtücke einheimsen werden. „Der Uebel größtes ist die Schuld" wird sich an ihnen erfüllen, die an der Menschheit so schwer gefrevelt und sich vergangen haben. Sie wollen ihr Gewissen mit dem Gestammel über Kampf für „Freiheit und Selbstbestimmung" der Völker beruhigen, sie vergewaltigen täglich mid stündlich alle, die ihnen nicht zu Willen sind und etwas auf ihre Freiheit und ihr Selbstbestimmungsrecht halten, wie Griechenland zur Genüge zeigt. Sie versprachen Serbien, dem Laude der Fürstenmorde, alle nur mögliche Hilfe, um auszukueifeu; sie benten schamlos ihre eigenen Bundesgenossen aus, verlangen unerschwingliche Kohlenpreise und sehen ruhig zu, wie ihre Bundesgenossen für Englands Größe sich verbluten. Das sind sie, die hochfahrenden Insulaner Englands, die auf ihrer Insel Europas Zerfleischnng sehen, um daraus Kapital zu schlagen. Wir sehen hier, wie ein Volk in heimtückischer Bosheit, immer im Gewände der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, das schnödeste Handwerk der Selbstdereicherung 'und eigenen Machtvergrößerung bis zum äußersten treibt und die eigenen Sünden und Verbrechen zu bemänteln und zu beschönigen sucht. Auch diese „Offenbarung" ist uns heilsam und gut. Lernen, wir daraus, wie wir als Gotteskinder nie sein dürfen! So wollen wir wiederimt „das Fest der Erstlinge" in Demut und Ergebung feiern, da so viele von uns ihre Erstlinge der Liebe und Güte dem Vaterlaude opferten, gewiß das schönste, würdigste Opfer für die Wohlfahrt und Blüte des geliebten Vaterlandes. Nicht umsonst gilt überall der Tod fürs Vaterland als besonders ehrenvoll, denn die Stätte unserer Väter, unserer teuersten Erinnerungen, die Stätte mit dem heimatlichen Herde, ist allen Völkern stets heilig gewesen. Uns umsomehr, da wir nicht wünschen können, daß moskowitische Zerstörungswut und Grausamkeit für die Dauer siege und die Kultur zerschlage, wie die Menschheit in Nacht und Unbildung zurückwerfe. Niemals, kann dies - der Vorsehung und Weltgeschichte Wille sein. Rußlands eigene und Fremdvölker stöhnen unter dem schweren Drucke furchtbar; sollte er noch weitere Opfer wie bereits jetzt verschlingen! Das verhüte Gott! Frankreich und England, Italien und die kleinen Helfershelfer des Biererverbandes haben ihre Völker getäuscht und betrogen, um verwerflicher Ziele willen. mit den schlechtesten Mitteln eilte ihnen passende Umgestaltung der Welt erzwingen wollen, Gott hat es verhütet und feilten Frommen offensichtlich gegen eine Uebermacht von Feinden geholfen. Ihm sei dafür heißer Dank, Ehre und Ruhm! Israel aber möge in unerschütterlichem Vertrauen auf seinen ewigen Hort weiter mit seinen übrigen Mitbürgern opferfreudig in Werken der Vaterlandsliebe wetteifern und sich seiner Aufgabe, ein Licht unter den Völkern zu fein. Liebe und Güte zu verbreiten und für alles Große und Wahre zu kämpfen, gewachsen zeigen. Dann wird die Zeit kommen, da wir alle uns zur großen Siegesfeier von Gesetz und Rech;, Ordnung und Rnhe zufammenstndeu und unsere gerechte Sache von aller Welt trotz der Lügen und Verleumdungen, Entstellungen und Verdrehungen verblendeter Feinde anerkannt sein wird. Darum laßt uns durchhalten und ausharren in Sturm und Not, bis zum endgültigen Triumphe der Gerechtigkeit und Wahrheit! Prof. Dr. L. Hirsch, Krummau. Eine Warnung. Der Weltkrieg scheint trotz wütenden Gezeters und gehässigen Gepolters der vom Kriegsglück verlassenen Kriegsgegner der europäischen Zentralstaaten dem Ende entgegenzueilen. Die offenbare Niederlage des moskowitischen Reiches, der sichere Untergang des tyrannischen Zarisnills, dieses Erbfeindes aller Volksfreiheit, aller Volksrechte nnd^ aller Aufklärnng beunruhigt alle Feinde des Knltnrfortschrittes und der sozialen uub rechtlichen Ausgleichung. Nach dem Friedensschlüsse haben wir besonders in Oesterreich -ein gewaltiges Ringen der Volkskräfte und Geister zu erwarten. Der Volks nach wuchs bildet die Zukunft der Staaten und die Schitlen sind jene Stätten, wo derselbe ansgebildet wird. „Wer die Schule hat, der besitzt die Zukunft." Diese Wahrheit erkennen alle einander bekämpfenden Parteien Oesterreichs und gegenwärtig schon bereiten sie alles ihnen zweckmäßig Scheinende vor, um die Schule in ihrem Siinie zu beeinflussen. Die „Freie Schule", der freisinnigste österreichische Knlturverein, welcher die Sozialdemokratie und die ehrlichen bürgerlichen Demokraten in. ihren Reihen vereinigt, raffle sich vor kurzem, trotz der Kriegsnot zu neuem Leben ans nird legte der Oeffentlichkeit ein umfassendes neues Schulu n d Bolkserzi e- ' h u n gspr o g r am in vor, welches nicht allein die bildnngsfeindliche „Schulnovelle vom Jahre 1883" ihrem wohlverdienten Untergange entgegenzuführen, sondern auch das ursprüngliche österreichische Reichsvolksschnlgesetz vom 14. Mai 1869 in ihrem Sinne noch zu verbessern sucht. Aber auch die konfessionell gesiiinten Parteien rühren sich bereits, voran die katholischen Kirchenbehörden und die christlich-soziale Partei. Kürzlich war in den Tagesblättern die Ankündigung zu lesen, daß auch im Wiener erzbischhöflichen Palais und im Ministerium für Kultus und Unterricht an der Ansarbeitnng einer neuen umfassenden Schulreform gearbeitet wird nnd . der christlich-soziale Bürgermeister. Herr Doktor Weißkirchüer, kündigte unlängst an, daß sich ein neues Kinder- und B o l k s f ü r s v r g e k o m i t e e gebildet hat, welches sehr volksfrenndlich wirken soll. Der Kampf um die Schule wird also heiß entbrennen. In einer derartigen Zeit ist jede Aeußernng betreffs des Schulwesens von doppelter Bedeutung und eS wäre sehr bedauerlich, wenn sich auch die Jndenschaft in dieser Frage spalten würde, was ihnen nur zum Schaden gereichen müßte. In der letzten Nummer (15) der „Wahrheit" legte Herr Adolf Fried unter dem Titel „Die religiöse Erziehung der israelitischen Volksschuljngend" in einem polemischen Aufsatze seine Abneigung gegen die „Nenschnle" an den Tag, die seiner Ansicht nach die Teilnahmslosigkeit der israel. Jugend für den Glauben ihrer Väter und massenhaften Abfall vom Jndeutnme verschuldete. Der Autor begnügt sich in seiner Arbeit mit der Verurteilung der Nenschnle, verrät aber nicht näher, wie die „Tat" beschaffen sein müßte, zu der man schreiten müßte, um zu erfüllen, „wie es die Pflicht gegen Gott und unser Volk erheischt". Ich glaube, Herr Fried wird es nicht als unrichtig in Abrede stellen, wenn ich vermute, er habe eine Lanze für die k o n s e s s i o n ell e Schule einlegen wollen. Die Christlich-Sozialen wären mit einer derartigen Forderung der Judenschaft sicherlich zufrieden, sofern sie für die katholische Volksschule nur tüchtig mitsteuern. Für die Klugheit der Inden wäre aber ein solches Vorgehen ein schlechte- Zeugnis. Warum sollen die Juden die allgenieine Volksschule, zu deren Kosten sie weit mehr beitragen, als es ihrer ' Zahl entspricht, nicht benützen? Das Züsammeusitzen vpu jüdischen nnd christlichen Kindern in der allgemeinen Volksschule war es nicht, was den religiösen In di ff er e n-