Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 17 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrcheit; Redaktion und Administration: Wien, II., Novaragasse 27 Televbo»: Redaktion Automat 42.888. Administration Am. 47.654? ft. k. öfterr. Postsparkasia- Schcck-ttoiuo Nr. 100.818. Inserate: Die viermal gespaltene ' Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnements- und JnsertionSbetröge sind in Wien zahlbar i und klagbar. «abhängige Aerlschrift für jüöifche Iuieresserr. Erscheint jeden Kreitng. Hatto: „Dss 8i6Avl l-ioddss I8L "Wa.lirlieit!“ Bezugspreis: ipanzjährig.K 15.— Halbjährig.K 7.50, Für KiUtttSbeainte: Ganzjährig .K 10.— Kill Alls lau d: «ilanzjährig.8 Mark 6 Nudel oder l6 FrcS. Kr. 17. ieu. '£. Intti l!M 6. Ilkhalt: Das Fest der Gesetzgebung. — Eine Warnung. — Neue Stadcverordnung für die Landeshauptstadt Warschau. — Sederabeud in Sofia. — Emil Neurat. — Ein Erlaß gegen den Luxus. — Wiener Kruder auss Land. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur.. Das Fest der Gesetzgebung. Wieder naht dies hehre Fest, das uns zur denkwürdigen Sinaihöhe führt, wo Israel und mit ihm die Menschheit bas erhabene Gesetz und die Verfassung erhielt. Jahrtausende sind seither dahiugerauscht, Völker und Staaten in den Staub gesunken, vergessen, aber „das Wort unseres Gottes besteht ewig". So sind vor uns Aegypten, Assyrien, Babylonien versunken, unsere Dränger und Peiniger dahin, Israel aber, „das kleinste unter den Völkern", hat sich trotz unmenschlicher Leiden und Verfolgungen erhalten und „als Zeuge der Gottesidee und herrlichen Sinailehre in der' Zeiten Stürmen behauptet". Das „Erbe der Gemeinde Jakobs", die Gotteslehre, hat es gegen alle Leiden und Oualen unüberwindlich gemacht und wird es stets erhalten. Die zwei größten Ideen der Menschheit: die Lehre vom einig-einzigen Gotte, dem Vater aller Menschen, und die Menschenliebe, die Liebe zum Nächsten, hat Israel der Welt stets in seinem Leben und Wirken gezeigt und niemals ist es davon abgewichen oder daran irre geworden. Diese Grundlagen jedes Gottesglanbens hat Israel trotz aller Schmähungen und Verunglimpfungen seiner Gegner stets aus seine Fahne geschrieben und in seinen Taten zum Ausdrucke gebracht. Leset nur mit Aufmerksamkeit das Gottesbuch und unsere Geschichte, ihr werdet es gewiß bestätigt finden. Unsere Liebe und Treue gegen den Allvater, der alle Wesen mit Güte und Fürsorge umhegt, der Aller Geschicke weise lenkt und voll Gnade und Huld gegen alle ist, hat uns gegen alle Versuchungen des Treubruches und Abfalles gestählt und gepanzert, in allen Prüfungen und Verfolgungen bei Gott und seiner Lehre ausharren lassen trotz der gleißnerischen Lockungen und schweren Drohungen der Zetten, Verhältnisse und Menschen. Heil Israel ob dieser Treue, die ihren Lohn in sich selbst findet und vorbildlich, erzieherisch für die Welt bleibt. Wohin Treulosigkeit und Abfall führen, das zeigt unS am besten die Gegenwart, da unser ehemaliger Bundesgenosse die verdiente Züchtigung und Strafe für seinen gemeinen Wo.rtbruch empfängt. Im „heiligen Egoismus" fiel er über seinen Bllndesgenossen her, als der russische Bär ihn. zu umfassen drohte, in feiger Hinterlist hatten Italiens Verführer auf den Augenblick billiger Lorbeeren gelauert und einem „militärischen Spaziergang", nach Wien unternehmen! wollen, um hier den Frieden mitbefehlen, zn können.. Diesen Spaziergang machten seither gar viele von Diesen Gesellen — als Gefangene. Großes, Herrliches haben Armee und Flotte Führer und Soldaten zu Lande und Wasser, in den Lüften und auf Eisgletscheru und Felsenhöhen geleistet und mit ehernem Griffel wird dies alles un Buche der Geschichte verzeichnet bleiben. Gar mancher unserer Brüder hat auch dort gegen die Welschen für Kaiser und Reich sein junges, hofinungsvolles Leben als Held geopfert, gar Herrliches vollbracht und voll Stolz blicken wir. wenns auch tränenerfüllten Auges, auf die Walstatt, wo so viele junge Saat begraben liegt. Doch eine schönere Zukunft soll ans diesen Gräbern sprossen, ein neneS, größeres Oesterreich voll Glück und Freiheit, Licht und Bildung erstehen, wie wir zuversichtlich hoffen. In schweren Zeiten und Kämpfen hat gemeinsame Not uns zusammeugeschmtedet für immer und Kaiser und Vaterland haben nicht umsonst ihre Söhne gerufen, sie kamen freudig, heldenmütig alles zu opfern, für des Kaisers und Reiches Blüte nnd Hell. Unsere Feinde aber haben sich in der wirtschaftlichen und finanziellen Anshtlngerllng ebenso wie mit der Erschöpfung unserer Reserven getäuscht und verrechnet, das Bärenfell ohne Bären verteilt. Ist nicht Gott offenkundig mit unserer gerechten Sache, indem Er die Hochmütigen erniedrigt und die Bescheidenen emporsteigen läßt! Ist nicht in all diesem Ringen Gottes Hand erkennbar? Bo viel Feinde, mit solchen Hilfsmitteln aller Art ausgerüstet, die uns durch Abschließuug von allen Meeren schanungslos dem Hungertode preisgeben wollen, kein Mitleid mit wehrlosen Frauen und Kindern, Greifen, Kranken und Krüppeln kennen, alles göttliche nnd menschliche Recht mit Füßen treten, um. „die Barbarei" zu treffen, sind nicht imstande, nach zwei Jahren unerhört blutiger Kämpfe uns. niederzuringen und auf die Knie zu zwingen, wie es des treulosen Albion teuflischer Aushungerungsplan bezweckte. Schmach und Schande über diese Beschützer der kleinen Völker, die an Irlands Edeln Heukerarbeit als Beispiel „edler Menschlichkeit und Freiheit", -wofür sie gegen „Gewalt nnd Knechtung" für ein „freies Europa" kämpfen. Mit heuchlerischem Angenanfschlag hetzt England die Völker des Kontinents in den Kampf bis zum Weißbluten und schließt Mitteleuropa von aller Zufuhr ab, um so in de.i niederträchtigsten Absicht zu erreichen, was ihm im ehrlichem Kampfe versagt bleibt. Es hält furchtbare Blntgerichte in Irland ab, um wenigstens da gegen Wehrlose seine Macht und Erfolge, die ihm an den Dardanellen, in Mesopotamien und anderwärts nicht winken, zu zeigen und auch seine wahre Gesinnung für Freiheit und Gleichheit der Völker.