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Die Wahrheit · 1916-05-12 · Heft 15 (12.5.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 15 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 15. . Die Wahrheit. Der König Saul hört, als er mit den Rindern vom Felde lommt, daß der Ammoniterkönig ganz Israel beschimpfen will, indem er allen Einwohnern von iZavesch-Giload das rechte Auge ansznstechen droht. Saut, empört über diese Barberei, zerstückl ein paar Rinder, schickt die Stücke im Lande herum nüt der Drohung: wer sich nicht dem Heeresbann anschließt, dessen Rinder sollen ebenso zerstückt werden.. In beiden Fällen sind die Mittel zwar sehr drastisch, aber keineswegs barbarisch. Gunkel aber macht daraus folgendes : Ein barbarischer Brauch (!) des hebräischen Altertums ist es, die blutigen Teile eines geschlachteten Tieres oder gar die Stücke eines vono Feinde (?!) gemordeten Menschen im Volke. nmherznsenden: jeder, der davon empfängt (?!) ist zur Heeresfolge heilig verpflichtet. — Wahrlich, wenn alle Geschichtschreiber mit den Quellen so verfahren würden, die Weltgeschichte würde ein sonderbar verzehrtes Gesicht bekommen! Zn kleinen Einschiebungen und Verzerrungen ist Gunkel Meister. Die jedyn Inden bekannten Worte ans Numeri 10, 35: Es geschah, wenn die Lade anfbrach, da sprach Mose usw., lauten bei Gunkel so: Wurde die Lade des tuorgeus(!) in die Höhe genommen, so sangen die Priester(!) „Deborah singt ihr gewaltiges Lied und bannt damit die Gegner". — Gunkel vergißt, daß Deborah das Lied nach dem Siege gesungen hat! Für Gunkel steht es fest, daß Jahve Zebaoth „Jahve der Heerscharen" heißt. Was sind das aber für Heerscharen? Darauf die Antwort: Sturm. Feuer, Erdbeben, das sind Jahves Streiter! Erst nachträglich habe matt andie'^Kriegsscharen Israels gedacht und Jahve Zebaoth heißt eigentlich: der Feldherr Jahve. Zn diesem ' kriegerischen Namen habe sich der gewaltige unb gewalttätige Recke Elia bekannt. — Aber merkwürdig! Der erste, der Gott mit Jahve Zebaoth anredet, ist — die still betende Hannas Und der gewiß nicht 'kriegerische letzte Prophet Male acht gebraucht in seinen drei Kapiteln nrcht weniger als 24 Mal den „kriegerischen" Namen Jahve Zebaoth! Wo bleibt da der Spürsinn der protestantischen Theologie? Aber Jahve Zebaoth heißt, wie ich schon längst nachgewiesen habe, Schöpfer aller Heerscharen, gleich: Weltenschöpfer, und dieser hat mit dem Kriege genau so viel en tun, wie mit — dem Frieden! Für den Leichtsinn, mit dem Gunkel manchmal arbeitet, nur. noch ein Beispiel: Die Propheten haben die Schicksale Israels ans das Verhalten des Volkes bezogen: als Lohn oder Strafe Gottes: Selbstredend haben danach die Feinde Israels nur als Werkzeuge in der Hand Gottes gedient. Aber an der Ueberzengnüg wurde immer jestgehalten: Israel, das Volk Gottes darf nicht untergeheu. Gunkel nnn findet darin einen Widerspruch. Er schreibt: Einst hätte es geheißen: Geheiligt w a r Israel Jahve, seine Erstlingsernte; alle, davon a ß e n, m n ß t e n es büßen, Unheil kam über sie! (Jer. 2. 3.) Jetzt aber heißt es, daß Jahve Assur entsandt hat — gegen Israel! (Jes. 10, 6.) Abgesehen von den' falsch übersetzten Worten, die ich durch Sperrung angedenler, begeht. Gttnkel den unbegreiflichen Unsinn indem er vom f r ü Heren Jesaja mit jetzt, dagegen vom späteren Jeremija mit einst spricht! Dazu hat er, wie es scheint, die Worte Jesajas gar nicht verstanden. Denn Jesaja entlädt gerade seinen Zorn gegen: Assur! Trotz alledem wollen wir Gunkel dafür dankbar sein, daß er itusere Bobfahren verherrlicht und sie in der ernsten Zeit als Muster hingestellt foot. Er sagt und wir wollen es mit ihm hoffeN: Auch nufer Volk (die Deutschen) bleibt Unüberwindlich, wenn es beides k e n n t: b a s H e l d e n t u m des Schwertes und das H e l d e ll t n m d e s G l a u b e n s. Die religiöse Erzieh«»- der israelitische« Notksschntjngend. Es war gegen Ende des 19. Jahrhunderts, das Jahr 1869 hatte den Bölkerit Zisleithanieus das neue Schulgesetz gebracht und dadurch bei unseren Glanbensgenosseu Gefühle und Hoffuuugen ausgelöst, welche Oberrabbilier W. Reich, Baden in seinem trefflichen Bliche „Knlturfragen" packend mit folgenden Worten schildert: „Als die „Neuschnle" eingeführt wurde, war al^s eitel Freude unb Jubel. Dieser Sieg der Nenzen! Oyn^ Unterschied der Konfession werden die kleinen unschnldigeu Kinder täglich zll'ammenkommen, zusammen in den Banken sitzen, gemeinsam lauschen dem Worte des guten Lehrers; Katholiken, Protestanten, Inden gibt es nur mehr in der obligaten Religionsstnnde, sonst nur gleiche Menschenkinder. Selbst die Lehrer werden nicht gefragt, welchem Bekenntniffe sie altgehören. Es ist das ja bei beu profanen Gegenständen ganz gleichgültig. Das A-B-C und das Einmaleins sind doch konfessionslose Begriffe. Welch herrliche Zukunft werden wir da erleben! Diese Kinder der „Neuschnle" werdeit sich lieben lernen, werden mit ihren kindlich reinen Gefühlen übergehen in die Mittel-- und Hochschulen, in den Handelszentren. Handwerkerstätten, in die Fabriken, in die Bureaus, in die verschiederrsten Lebensstellungen — nur 20 Jahre fortgesetzter, gleicher öffentlicher Erziehnngswetie und der Liberalismus lst gerettet für ewige Zeiten. . Der Jude hatte wohl ein unbestimmtes Gefühl, daß er da etwas opfere; als Minorllät werde er vieles vernachlüjsigeu müffen, lvas ihm bisher heilig war. Allein es gilt dem „Zeitgeist" ein Opfer zu bringen — das hat der Jude noch jederzeit gern getan. 20 Jahre in der „Neuschnle" und Salomon und Johann. Moses und Stephan. Sara und Gretcheu. Rachel und Bärbele werden Bruder und Schwester sein — im Leben, in der Gesellschaft." Nahezit 50 JahreJind nun sei: Einführung der „Neuschule" verflossen; aber eine allgemeine Verbrüderung der Menschen hat noch immer nicht stattgefnndeu, noch immer nicht ist die messianische Hoffnung „der Wolf wird mit dem Lamme friedlich zusammen sein, der Leopard beim Böcklein sich lagern" in Erfüllung gegangen. Dagegen ist leider die traurige Tatsache zu verzeichnen, daß ein großer Teil der israelitischen Jugend dem Glauben, für den. die Väter gelitten und gestritten, gleichgiltig gegenüberfteht und schließlich leicht geneigt ist, das allehrwürdige Banner des Judentums feige zu verlassen. Wohl hat es zu allen Zeiten solche. Charakter, schwache gegebell; aber die Zahl der Abtrünnigen nimmt in neuester Zeit in erschreckender Wetie zu, ja der Abfall vom Jlldeutume tritt bereits — man möchte sagen — epidemisch auf. Ist es angezeigt, dieser höchst betrübenden Erscheinung eine „Vogel-Strauß-Politik" in Anwendung zu bringen? Durchaus nicht. Der Ernst der Situation erfordert vielmehr, daß unverzüglich zu Taten geschritten werde, rra iypj arvvn wie es die Pflicht gegen Gott und unser Volk erheischt. Adolf Fried. Das 1aim«dis«ye Handelsgesetz «der Preistreibereien nnd Höchstpreise. Sehr , geehrter Herr Redakteur! Zu dem unter obigen Titel in den letzten Nummern dieses Blattes erschienenen Artikel vom Prager Rabbiner nnd bekannten Talmndiften Professor Stark sei mir gestattet, folgende Bemerkungen hmznznfügen: Im zweiten Teile dieses Artikels spricht der Verfasser von Täuschungen nnd Irreführungen der Gedanken. Meinungen nnd Gefühle anderer unb zitiert den bekannten Sprilch unserer Weisen: „usur lignab daas habrijosn, d. h. „es ist nicht gestattet, die Gedanken der Menschen zu stehlen.'*

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