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Die Wahrheit · 1916-05-12 · Heft 15 (12.5.1916) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 15 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wahrheit m 15. begegnen. Nach diesem Knege^ln welchem wir Juden voll und ganz unsere Pflicht gegen Kaiser und Reich erfüllten, wird es wohl noch immer antisemitische Parteien in Oesterreich geben, die Duldung der antisemitischen Hetze aber, die ungleichartige Auslegung und Umgehnng der Gesetze wird ein Ende nehmen müssen, nicht so sehr im Interesse der Juden als im Interesse des Staates, für dessen aufrechten Bestand wir gekämpft und geblutet haben. Wenn das Armee-Oberkommaudo es feierlich als eine absolute Unmöglichkeit erklärt hat, das Okkupationsgebiet nach koufessiouellen AusuahmSgesetzen zu vermalten, so können umsoweniger in Oesterreich selbst die Juden noch fernerhin äs facto außer Recht und Gesetz gestellt werden. Wir schließen mir dem sinnigen Wunsche, daß unsere tapferen Heere auch weiterhin siegreich bleiben und uns einen dauernden, ehrenvollen Frieden erringen mögen." ' Zu dem Berichte ergriff Herr Bezirksrat Dr. Leopold * Brady das Wort. Redner erklärt, daß er sich nicht leicht einen Verein vorstellen könne, welcher aus dem Gebiete des Rechtsschutzes so Vieles und so Namhaftes im Interesse der gesamten Judenschast erfolgreich dnrchgeführt hätte wie die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union". Tausende von Juden müßten in die Generalversammlungen der „Union" eilen, um hier zu hören, mit welchem Aufgebote von Scharfsinn, Ausdauer, Unerschrockenheit, Zeit, Mühe und Geld ihre staassbürgcrlichen Rechte von diesem Schutzvereine gewahrt werden. Den Leistungen der „Union" gebühr die höchste Anerkennung und ihren Leitern der uneiugeschränkle Dank der Jnderrschasl. Redner bespricht sodann eine Reihe rechtsfreundlicber Interventionen, welche er selbst für eine Anzahl von Flüchtlingen durchgeführt hat und welche beweisen, daß der Autisemitismus nicht nur in der Provinz, sondern auch in der Reichshauptstadt noch üppige Blüten treibt, Dr. Brady schlreßt seine Ansführungen mit Worten herzlichen Dankes an die einzelneu Vorstandsmitglieder, sowie an den Sekretär und das gesamte Brrreau. (Lebhafter Beifall.) ~~ Hierauf erstattet Herr Teweles den Kassabericht. Herr S. Brod beantragt im Namen der Revisoren die Erteilung des Absolutoriums und betont die geradezu musterhafte Führung der Bücher. Der Antrag auf Erteilung des Absolutoriums wird einstimmig angenommen. worauf die Herren Eduard Melcher, Dr. Jakob O r n st e i n, Dr. Bruno P o l l a ck, Edler von P a r n a u, Dr. Isidor Schwarz m a n n, Ernst Simon und Richard Teweles in den Vorstand wiedergewählt werden. Zu Revisoren werden die Herren S. Brod und Adolf Glück berufen. Mit herzlichen Dankesworten schloß der Vorsitzende die Versammlung. Hexmaun Guillrels Irrtnmcr. Bon Prof. Dr. Kahan, Znaim. In zwei interessanten Aufsätzen (Israelitisches Heldentum und K r i e g s f r ö m m i g k e i t im Alten Testament, Vandenhoeck & Ruprecht, Güttingen 1916, Mk. 1.50) verherrlicht Gunkel, einer der namhaftesten protestantischen Theologen Deutschlands. das Volk Israel und seine Religion. Er stellt das Volk Israel als Heldenvolk dar, das auch im Leben des Friedens heldenhaft dachte und tatkräftig bandelte. Besonders hebt er die herrische Gesinnung israelitischer Frauen hervor und ruft bewundernd aus: »Kein Wunder, daß Männer Israels solche Heldentaten vollbracht haben; denn was haben sie auch für Mutter gehabt!" —, Und neben dem Heldentum des Schwertes lebte in Israel das Heldentum des Glaubens, das besonders vertreten sei in jener stolzen Galerie gewalti-g^r Gotteshelden (Propheten), wie s i e k e i n anderes Volk besitze. — Schmerzlich bitter berührt uns Gnnkels Bemerkung, daß das Heldentum des treuen Ansharrens, bei Zahve und Zion im Judentum nicht allgemein sei, es gebe da der Abtrünnigen genug. Aber verfehlt halten wir den Hinweis auf I o s e p h u s, der kein Held gewesen fei. Denn neben Jvsephns waren Jausende und .abertausende Helden, die gegen das gewaltige Rom mit unerhörter Tapferkeit gefochten haben und am „Heldentum des Schwertes" den Makkabäern nichts uachgaben — und der Erfolg allein macht doch wahrlich nicht den Helden! Ueberhaupt sind in den beiden Aufsätzen ziemlich viel Jrrtümer enthalten, die bei der Bedeutung' Gltnkels eine Richtigstellung als geboten erscheinen lassen. Geht er doch soweit, das jüdische Volk zu verleumden und der Heuchelei zir zeihen, ohne auch nur den Schatten eines Beweises dafür beiznbringen! Man denke: Kyrvs erweist sich als Freund und Wohltäter der Juden, erlaubt ihnen den Wiederaufbau des Tettkpels, damit sie dem Gott des Himmels Opfer darbringen und für das Leben des Königs und feiner Söhne beten sollten (Esra 6, 10). Zu diesen Wörtern fügt Gunkel die Paranthese hinzu: Den Gott stürzen möge! — Hätten die Inden für Kyros wirklich solche Gefühle, so wären sie ja die niederträchtigsten, undankbarsten Menschen von der Welt — aber wo in aller Welt' hat es Gunkel heransgelesen? Etwa in den begeisterten Worten Jesajas (46), der ihn als den Messias preist, dem Gott selber die Völker unterwirft und alle Festungen sprengt? — Gegen diese ans der Luft gegriffene Verleumdung der Inden erscheinen die anderen Jrrtümmer Gnnkels als harmlose Entgleisungen. „Dem Krieger, der ins Feld gezogen ist, soll es verboten gewesen sein, ein Weib zu berühren" —von einem solchen Verbot ist nirgends eine Spur zu staden! Urya und David, auf die sich Guukel beruft, beweisen gar nichts. Gnnkel sindet einen Widerspruch zwischen dem kriegerischen Israel und den Patriarchen, die als so friedfertige Männer geschildert werden. Er behauptet daher: „Diejenige Bevölkerungsschicht (!), die in Israels Kriegen die Führung gehabt hat, war eine andere als di^, die sich diese Sagen erzählt hat: sie hatte „Abraham nicht zum Vater". — Hat also Gnnkel das vierzehnte Kapitel der Genesis nicht gelesen, wo Abrccham als gewaltiger Kriegsheld geschildert wird, der vier siegreichen Königen nachsetzt und ihnen ihre Beute entreißt? Öder kann ein Kriegsheld nicht im Grunde friedliebend sein, wie z. B. das deutsche Volk? An Verleumdung der heiligen Schrift grenzt Gnnkels Umdeulung der Kriegsvorschriften im Dentorominm 20, 5—7. Kurz vor der Schlacht sollte nämlich folgendes bekannt gegegeben werden: Wer ein neues Hans gebaut und es noch nicht eingeweiht hat, oder einen Weinberg gepflanzt und ihn noch nicht genossen, oder wer eine Frau sich augelobt und noch nicht geheiratet hat, oder wer auch nur feige ist, der kehre um und gehe nach Hause, daß er nicht mit seiner Feigheit die anderen anstecke. — Welche Menschlichkeit, welcher . Heldengeist spricht ans diesen Worten! Auf israelitische Krieger konnte man sich verlassen — sie waren keine Drücke- * berger! Aber Gnnkel weiß es besser: Erwägungen der Menschlichkeit? O nein! „Alle die genannten Personen stehen unter dem Emfluß böser Geister, die sie im Kriege umbringen würden l" — Wahrhaftig, ich wäre sehr geneigt anznnehmen. daß, wer derartiges schreibt, stark unter dem Einfluß eines bösen Geistes stehen muß! Die folgende Verleumdung Alt-Israels reiht sich würdig der vorigen an. Im Buche der Richter (Kap. 19) wird folgendes erzählt: Ein Mann kehrt mit seiner Frau in Gibea ein, wobei die. Frau von den unmenschlichen Einwohnern Gibeas zu Tode gemartert wurde. Der unglückliche Mann zerstnckt in seiner Verzweiflung die Leiche und zeigt die Leichenteile im ganzen Lande, um die Empörung des Volkes gegen dlL Unmenschen wachzurufeu. Seine Absicht gelingt,' das ganze Volk erhebt sich wie ein Mann, um die Unmenschen zu bestrafen. — Ferner wird im Buche Samuel I, 11. erzählt:

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