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Die Wahrheit · 1916-05-12 · Heft 15 (12.5.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 15 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 15, Zu demselben Sinne finden wir auch folgende Worte, n. zw. in der Tosifta deß Traktates Nesikiu, Baba kamma, geordnet und kommentiert von Rektor Prof. Dr. Adolf Schwarz: „schiwoh gauowim hem, liorischaun sch’b’kulom gannew daas habrijaus“. Sieben Arten von Diebstahl gibt es; die erste von allen ist der Diebstahl der Gedanken der Menschen. \ Sui vierten Teile beschäftigt sich der Verfasser mit dem Kartell und erhärtet durch angezogene Stellen im Talmud, daß keine Vereinigungeri zu Vereinbarungen zwischen Händlern Wd Handwerkern geschlossen werden dürfen, durch welche das Publikum geschädigt werden'und welche der Gesamtheit zum Schaden gereichen sollten. Bezüglich dieser Kartelle verweist uns aber auch der in Wien allbekannte und vor 2 bis 3 Jahren verstorbene Orientalist Universitätsprofessor Hofrat Dr. D. H. Müller in einem seiner berühmten Werke ans eine Stelle in der Bibel, die er eben ans die inoderueu Kartelle deuten will. Diese Stelle befindet sich im Buche Proverb. Kapitel I., Vers 10 bis 19. Zu diesen Sätzen, welche nur von Sündern, von Räubern und Mördern sprechen, bemerkt Müller folgendes: „Die Verse handeln aber gewiß nicht von Raubmördern, es ist vielmehr die Rede von „Kartellbildungen" behufs Attsbentnug der Schwächeren, was der Verfasser vorgreifend mit den schärfsten Worten als Raub und Mord brandmarkt. In dem Artikel „Der mäusearlige Kamps der englischen Diplomaten" von Veritas in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 7 bezeichnet der Autor nach einem Aussprüche unserer Weisen „die Mäuse als boshafte Geschöpfe", die so oft Ranbzüge unternehmen. Wenn es ihnen gelingt, sich im reichsten Maße fremdes Gut auzueiguen, an den schönsten, besten und edelsten Früchten der Felder, Gärten zu delektieren, zu sättigen, . da genügt dies ihnen noch lange nicht, sie rufen vielmehr auch andere, abseits stehende Mäuse herbei, laden sie ein, sich ebenfalls dem Raubzuge anzuschließen, an der-Plünderung lebhaft zu beteiligen, um die Besitzer irdischer Güter und Reichtümer vollständig vernichten' zu können. Mit diesen Mäusen, mit diesen Raubtieren, vergleicht er die englischen Diplomaten, ^ie ganz nach diesem Muster ihre auf die völlige Vernichtung der Zentralmächte zielende Pläne entwerfen.- Auch in bezug auf diesen Artikel möchte ich auf die Deutung, die der zitierte Gelehrte D. H. Müller den oben erwähuten Sätzen gibt, Hinweisen. Er führte nämlich weiter aus: „Wenn die geriebenen Gauner (Engländer) zu dir mit Plänen kommen, welche auf die Ausbeutung der anderen berechnet sind, ist dies nach des Verfassers Auffassung Blutvergießen und Mord; die Ränkeschmiede werden dir aber haarklein beweisen, daß die anderen -auf die einfachste und reinlichste Weife vollkommen beseitigt und gleichsam lebendig vom Orkus verschlungen werden, wobei großer Gewinn und reiche Beute zu erzielen sei; man verübe dabei nichts Unrechtes, es gelte nur eine gemeinschaftliche Kasse (die der Entente) zu errichten und gleiche Anteilscheine zu beheben (für Rußland: Galizien. Konftantinopel; für Frankreich: Elsas-Lothringen usw.) So laß dich auf ihre Vorschläge (Kr Entente) nicht ein und halte dich von ihren Plänen fern. Sie werden wohl Unheil anrichlen (Weltkrieg, Weltbrand) und Blut vergießen, aber die Vögel, auf die sie (die Entente) lauern, werden ihnen nicht in das Garn gehen. Sie werden sich selbst im eigenen Netze fangen und ihr eigenes Blut vergießen; denn die Habsucht (der Entente) vernichtet des Habsüchtigsten Leben'" Robb. Dr. Leo Bertisch, Dentschbrod. Uerschiedene Nachrichten. Wie«. Am . 27. v. M. starb plötzlich der langjährige Kantor des hiesigen Bersorguugshauses Herr Salamon Weiß im Alter von 70 Zehren. Der Verblichene fungierte m früheren Jahren in U.-Brod und Neusohl, wo er sich überall durch seinen ehrenvollen Charakter, seine religiöse Gesinnung und seine Pflichttreue allgeuieiner Sympathien erfreute. Bei der am letzten Sonntag stattgefundenen Beerdigung widmete Herr Kantor Löwy dem Verstorbenen den verdienten warmen Nachruf. Er rnhe in Frieden! ' Wien. Dienstag, den-8. Mai fand das Leichenbegängnis des Herrn Jonas L ö w i t. langjährigen Beamten der Aktiengesellschaft für Mineralöl-Industrie, Sohn des sel. Oberlehrers Wilhelm L ö w i t und Bruder des Kantors Isidor Löwit, unter zahlreicher Beteiligung statt. Rabbiner Dr. Grnnwald widmete den Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf. Die kantorale. Funktion versah Erster Kantor M. Matyas in erhebender Weise. Wien. (Die P e s s a ch - Ä u s s p e i s n u g der jüdischen Soldaten durch die „E i n h e 1t".) Zn den vorzüglichsten Fürsorgewerken während dieser schweren Kriegszeit gehören entschieden auch die Ausspeisungeu der Soldaten durch den jüdischen Verein „Einheit". Aber zur Pessachzeit > hat der Verein seine Arbeit zu vervielfachen, da errichtet er neben seinem eigentlichen Sitz im II. Malzgasft 12, noch Filialen, da verfünffacht sich die Tätigkeit des Oekonomen Herrn Adolf Fischer, dieses Meisters in Organisation und Wirtschaftsbereirschast. Und Herr Bernhard Hofban er. der Fahnenträger eines unentwegten und überzeugnNgstrenen Jndeutnms! Ihm. darf nichts entgehen, was die Tage weihevoll, macht. Der heurige Peflach hat sich besonders von den anderen ausgezeichnet. Er war militärisch organisiert und geweiht durch den priesterlichen Gruß des Feldrabbiners Dr. Arnold Frankfurter, des Leiters der Israel. Militärseelsorge in Wien. Diesem von Liebe und Begeisterung für das Judentum erfüllten Seelsorger ist, was immer wieder zu betonen und zu unterstreichen ist, die Organisation der israelitischen Militärseelsorge zu danken und er verstand es, seinem Amre das gebührende Ansehen zu verschaffen. Wo es gilt, das Judentum zu bekennen, tritt Doktov Frankfurter mit Erfolg ein. Alle nötigen militärischen Verfügungen zur rit. Osterverköstigung wurden durch ihn erwirkt. Ec übertrug auf Befehl des Militärkommandos dem jüdischen Verein „Einheit" die Verköstigung der 2500 jüdischen Soldaten der Station Wien für die 9 Tage des Pessachsestes. 500 Soldaten mußten, weil sie nicht ausgaugsfähig waren, in ihren Aufenthaltsränmen versorgt w.rdeu. Dasgroße Werk, für welches nur kurze Vorbereitungszeit war, gelang, Herr Oberleutnant Felix Lederer als technischer.Beirat, der i;rael. Militärseelsorge und Herr Leutnant König von deMÄenvgeverwaltung förderten die schwierige Arbeit, anfs beste. Auch Herr Oberoffizial Weiß von der isr. KultilZgemeinde^hat sich durch vie Umsicht^ hie er den Ausspeisungen widmete, im Interesse de§ Gelingens des Werkes betätigt. Weiters'hat sich eine stattliche Zahl edler Damen und Herren ans Mariahilf und Nsuban in lobenswerter Weise in den Dienst der guten Sache gestellt. Wien. (Jüdische T o y n b e e h a l l e, Wien, XX. B e z.,. D e n i s g a s s e 33.) Am 8. April fand in der Toynbeehalle ein die Saison abschließendes Schlußkonzert statt, das von Herrn Oherkantor M. B. Kaufmann arrangiert war-und für die künstlerische Höhe der in^dEser Institution stattfindendeu Kunstabende ein glänzendes Zeugnis ablegt. Der Hauptanteil daran gebührt Herrn Oberkantor Kanfmanir nicht nur als''Arrangeur, sondern als Mitwirkender. Eine schöne Stimme, cheren heller, weicher Timbre tief zu Herzen geht, eine prachtvolle Technik und eine von Innerlichkeit getragene Interpretation machen jeden Vortrag dieses begabten Sängers zu einer Glanzleistung und zu einem Genuß von seltener Köstlichkeit. Herr Oberkantor Kauf-- mann sang zwei polnische Arien von Monuszko und jiddische Volkslieder; hier besonders kam der süße Schmelz seiner Stimme zur Geltung und entfesselte Beifallsstürme. Eine vollwertige Künstlerin, Frl. K o g a n, die die Gesangsvorträge begleitete, spielte dann mit Meisterschaft Liszts XU. Rhapsodie. . Der jungen Pianistin ist nach diesen Proben ihres Talentes eine große Zukunft zu verheißen. Nach ihr deklamierte Frl. Grete Bach (Tochter des Herrn Rabbiner Doktor Max Bach) sehr wirkungsvoll heitere und ernste Dichtungen und riß die Zuhörer durch ihr Temparameut und ihre jugendliche Frische hin und wurde allgemein bejubelt. Zu dem Abend hatte ein zahlreiches Publikum den Saal bis zum letzten Platz besetzt. Herr Prof. Doktor Roth, Borsteher der Toynbeehalle, dankte den Künstlern herzlich für den so schönen Abend, richtete an alle, die uu Laufe dieses Jahres durch Unterstützung welcher Art immer dazu beigetragen hatten, die jüdische Toynbeehalle, diesen geselligen Klub'der Armen, fortzusühren, mi Namen desLorstandes und Obmannes Dr. Samualy, warme herzliche Worte. Im Namen des Vorstandes begrüßte er alle Anwesenden mit dem heißen Wunsche, daß der nächste Abend der Toynbeehalle bereits im Friedensjahre veranstaltet werde. Herr Obmannstellvertreter Karl Freu » d, der mit seiner trefflichen Äattin u'ner-- müdlich m der Toynbeehalle wirkt, und der den Besuchern durch.seine vornehme, liebenswürdige Art die Atmosphäre, eines Heuiies.geschaffen hat, der Vater der Toynbeehalle, richtete herzliche, innige Worte des Abschiedes an die Gäste. Er erwähnte überdies die Hochherzigkeit des Herrn Heinrich Mend l, dessen Güte der Bestand dieses, schönen Heimes zu verdanken ist. in rühmender und dankbarer Weise. Wieder ist eine Saison vergangen, in der die Toynbeehalle im Stürme einer bedrängten Zeit allabendlich einer großen Zahl von Menschen Erholung, Freude ilud Belehrung bot. Der unermüdlichen Leitung, gebührt der Dank der Oeffentlichkeit. Anerkennung und Däpk verdient auch der rastlos schaffende und ganz von seiner Aufgabe erfüllte Sekretär der Toynbeehalle, Herr Dr. Jakob Bronner, der mit vollkommener Hingabe seine Kräste der guten Sache widmet. Auch das Berwälterehepaar Klein erfüllt seine Pflichten mit seltener Gewissenhastigkeit. Die Toynbeehalle bleibt, nun bis znm Herbst geschloffen. S.

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