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Die Wahrheit · 1916-05-05 · Heft 14 (5.5.1916) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 14 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 14. Ueber Antrag des Herrn Josef K o h n wurden in das Kuratorium Frau Regine Köpft ein, Frau Dr. Emilie Weiß, kais. Rat Dr. S. Kruge r, wieder-, Frau Dozent Sofie Grüttfeld, Frau Direktor Regiue Ullmanu, Frau Anita Müller. Professor Dr. Wilhelm Roth und Dr. Rudolf Furth nengewählt. Nach Erschöpfung der Tagesordnung schloß der Vorsitzende unter Ausdruck des Dankes an die Erschienenen die Delegierten-Versammlung. Verein „Kinderheim". Der »Verein zur Errichtung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, schwache und rekonvaleszente Kinder jüdischer Konfession" hielt am 1b. April 1916 im Restaurant Tonello unter dem Vorsitze seines Präsidenten, Herrn Moriz Elßler, seine 18. ordentliche Generalversammlung ab. Zu derselben waren erschienen in Vertretung des KuUuSvorstandeS Herr Dr. I. Sam u el y, in Vertretung der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen die Herren Kultusvorsteher Heinrich M e n d l und Sekretär Dr. L ö w y, in Vertretung des »Kinderhort" Herr Karl Freund, in Vertretung des «Hietzinger Frauenvereines" Frau Elsa Kl in ger und in Vertretung des „Mädchen-Unterstützungsver eines" Frau Regine Ullmanu. — Dem Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verein nach Ausbruch des Krieges seine Heimstätte in Laa dem Fürsorgeamte des k. u. k. Kriegs- Ministeriums zur kostenlosen Unterbringung und Verpflegung von dreißig Kindern armer Reservistenfamilien oder solcher, deren Erhalter durch den Krieg arbeitslos geworden waren, für die Dauer von sechs Monaten zur Verfügung gestellt hat. Nach' Abschluß dieser Aktion ist dem Vereine ein Anerkennungsschreiben deS Fürsorgeamtes des k. k. KriegsministerimuS zugekommen. Im Spätsommer 1915 konnte das Heim durch Aufnahme trüppelhafter und schwacher jüdischer Kinder seiner ursprünglichen Bestimmung wiedergegeben werden. Aber auch jetzt noch zwang die mittlerweile eingetretene ganz außerordentliche Verteuerung aller Lebensmittel die Vereinsleirung, die Aufnahme auf das notwendigste Maß z«l beschränken. Der Bericht schließt mit einem dringenden Appell an die jüdische Oeffentlichkeit, dem Vereine in dieser schweren Kriegszeit nach Möglichkeit die erforderlichen Mittel zuznführen, um den armen Eltern kranker jüdischer Kinder eine gegenwärtig doppelt notwendige Erleichterung zu bieten. Dar Verein hat seit seinem Bestände in der Heimstätte zu Laa v86 kranke Kinder in 91.338 Verpflegs ragen mit einem Kostenanfwande für den bloßen Haushalt von K 145*892, somit per Tag und Kind K 1.69, verpflegt. An Milch allein, welcher der Verein aus seiner eigenen Landwirtschaft bezieht, wurden im Jahre 1914 9333 Liter und im Jahre 1915 4785 Liter konsumiert. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1914 K 26.163, die Ausgaben L 19.801. Im Jahre 1915 beliefen sich die Einnahmen auf K 21.985, die Ausgaben auf K 12.377. Nach Begrüßung der Versammlung und der erschienenen Delegierten hielt Herr Präsident Eißler den verstorbenen Vorstandsmitgliedern Ignaz Klein und Salomon Siein einen warmempfuudenen Nachruf, und sprach den edlen Wohltätern, welche die humanitären Zwecke des »Kinderheim" durch Spenden förderten, sowie den Professoren und Aerzten für deren selbstlose Tätigkeit den innigsten Dank aus. Von der Verlesung des gedruckt vorliegenden Jahresberichtes wurde Umgang genommen und es erstattete sodann der Obmann., des Geschäftskomitees, Herr Vizepräsident Emil Keleti, ein eingehendes Referat über die Heimstätte in Laa. Redner wies auf die großar-tigen Heilerfolge hin, welche durch die ausgezeichnete Ernährung und den Aufenthalt in frischer reiner Lllft an krüppelhaften Kindern erzielt wurden. Es waren erstaunliche Gewichtszunahmen schon nach wenigen Wochen, und zwar von zwei bis sechs Kilo, ja sogar bis zehn und zwölf Kilo, zn verzeichnen. Kinder welche bei ihrer Aufnahme Hände und Füße zur Hilfe nehmen mußten, konnten schon nach kurzer Zeit aufrecht gehen. Besonderes Lob zollte der Redner der Oberin Frau Kreuzer, welche in wahrhaft mütterlicher Weise für die Kinder sorgt. Der Verein hat die Absicht, nach Maßgabe der znfließendew Geldmittel eine Heimstätte weiter ausznbanen, doch wird der Umfang der Erweiterung von der Höhe der. zur Verfügung, stehenden Mittel abhängig sein. Das in der eigenen Landwirtschaft investierte Kapital verzinst sich mit sechs bis sieben Prozent. In der Diskussion über den Bericht verwies Herr Generalkonsul Jacques Weiß darauf, daß die Knltnsgemeinde dem Verein in dankenswerter Weise eine Subvention gewähre und lud den Vertreter der Knltusgemeinde, Herrn Dr. Sam ne ly. zu einem Besuche der Heimstätte ein. Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely erklärte, daß. er für die Erhöhung der Subvention eintreten werde und empfahl neuerdings den schon einmal erörterten Gedanken, daß die Heimstätte in Laa mit dem von der Knltnsgemeinde zn erbauenden Kinderspitale als Rekonvaleszentenheim in Verbindung gebracht werde. Er dankte namens des Kultusvorstandes für die Einladung zum Besuche des Heimes, welcher er gerne Folge leisten werde. (Lebhafter Beifall.) Herr Knltnsvorsteher Men dl betonte, daß die Geldfrage leicht gelöst werden könnte, wenn der Verein auch Kinder gegen Bezahlung aufuehmen würde. Die hieraus erzielten Einnahmen könnten den armen Kindern zugute kommen. Auf solche Weise wäre es möglich, den Fassungsraum zu vergrößern, ohne den Betrieb zu verteuern. (Lebhafte Zustimmung.) Herr Spitzer regte au, die Kinder zur Gartenarbeit heranznziehen. Herr Dr. Stricker begrüßte die Ausführungen des Herrn Men dl mit lebhafter Befriedigung und trat gleichfalls für eine Vergrößerung des Heimes zum Zwecke der Aufnahme von Kindern der bemittelten Klassen gegen Entgelt ein. Zu einer solchen Vergrößerung sei der Boden da'und das Kapital vorhanden. Redner bemerkte, daß der Direktor des künftigen Kinde.rspitals, Herr Dr. Zappert, mit der Verwendung der Heimstätte Laa als Rekonvaleszentenheim sich einverstanden erklärt habe. Herr Freund führte ails, daß der Verein eine große Wohltat üben würde, wenn er auch Kinder gegen Entgelt..anfnehmen würde. Als ehemaliger Landwirt konstatierte Redner, daß in der Landwirtschaft um 50 Prozent mehr produziert werden könnte und erklärte sich bereit, die Wirtschaft zu besichtigen. (Beifall. Präsident Eißler betonte, daß der Verein in keinem Falle seine Selbständigkeit aufge.ben dürfe. Der Vorstand könne nur bauen, wenn der Banfonds beisammen ist. Redner dankte für alle gegebenen Anregungen, welche die Vereinsleitnng in sorgfältige Beratung ziehen werde. Herr Keleti führte ans,, daß die. Heimstätte vor allem den armen Kindern Heilung bieten müsse/ für welche niemand zahlt. Herr Ignaz Glück sprach sich gleichfalls für eine schrittweise Entwicklung des Vereines aus. Die Landwirtschaft des Vereines sei für die jetzige Zahl der Kinder ausreichend, es sei jedoch zweifelhaft, ob deren Produkte auch einer größeren Kinderzahl genügen würden. Auf Antrag des Revisors, Herrn Ignaz Urbachs erteilte die Versammlung dem Vereinsvorstande einstimmidas Absolutorium.

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