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Die Wahrheit · 1916-05-05 · Heft 14 (5.5.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 14 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14. T)ie Wahrheit. Seite 7. betraut worden und gleichzeitig ist von Herrn Kollegen Beck die Anregung erfolgt, der Ausgestaltung unserer Jllstitution nunmehr energischer zuzustreben. Nun gehen wir daran, die Zentralisierung und planmäßige Organisierung der Armenpflege in die Wege zu leiten. Vor allem sollen die Leistungen der Zentralstelle derart erhöht werden, daß den augeschlossenen Vereine» und Privatwohltätern besondere Vorteile geboten werden, Vorteile, welche im eigenen Jmeresse der Vereine Anreiz zum Anschluß geben. Es sind dies zweierlei. 1. Wollen wir von nun ab über alle Petenten durch beamtete Personen Grnnderhebungen durchführen lassen, welche über Familienstand der Petenten, Gesnudheitsverhältnisse, Erwerbsverhältnisse, Qualifikation jedes einzelnen Familienmitgliedes, Wohnnngsverbültnisse, Verwandtschaft, Art und Ursache des Notstandes ein erschöpfendes Bild gewähren. Diese Grnnderhebnng steht jedem der Zentralstelle angeschlossenen Vereine oder Privaten zur Verfügung und bildet eine fundierte Grundlage für die Beurteilung des Falles. Der freiwillige Recherchent wird also nicht mehr mit dem Ausfragen über allerlei Details seine Zeit verbringen, sondern eine Vorarbeit in die Hand bekommen, die ihm erleichtert, der größeren Frage: luie ist Abhilfe zu schaffen, seine Kraft zu widmen. 2. Wollen wir den Kataster, der vor einigen Jahren über Anregung der Frau Dr. Grünfeld angelegt wurde, nach der Richtung ausgestalten, daß die Zentralstelle in der Lage ist, Auskünfte darüber zu erteilen, welche gesetzlich verpflichtete Personen, Behörden, Korporationen usw. und welche freiwillige Fürsorgestellen bei Behebung eines bestimmten Notstandes zur Mitwirkung herangezogen werden können. Für die Zentralisierung und Organisierung der Armenpflege selbst bildete die Schaffung dieser Ausknnftsmöglichketten die unbedingt nötige Vorarbeit. Diese Vorarbeit funktioniert zum guten Teile, sie wird ausgebaut und wir können daher einen Schritt weitergehen. Wenn wir die Armenpflege unter dem Gesichtswinkel anffaffen: Die A ufgäbe derselben besteht in der Endrichtung, in dem Bestreben, jeden Fall ans der Armenpflege ausznscha lten, d. h. aus einem Hilfsbedürftigen einen nicht Hilfsbedürftigen und Erwerbenden zu machen und das glaube ich, wird von allen Vernünftigen eingesehen, dann müssen wir uns sagen, die bisherigen Methoden, nach welchen jeder Verein und Private separat gehandelt haben, haben ganz entgegengesetzte Ziele erreicht und haben zur'Züchtung des Bettels geführt. Unter den vielen Versuchen, gemeinsame Arbeit zu leisten, ist nach der Gründung des Wöchnerinnen- Verbandes, des Verbandes der Kinderbekleidnngsvereine Und des Knrverbandes besonders bemerkenswert der unter dem Titel „W eidliche Fürsorge" vor einiger Zeit unternommene Versuch einer Gruppe von Damen, welcher zur günstigen Erledigung einer Zahl von Notständen geführt haben soll. Noch immer sind aber diese Verbände und Gruppen zu kleine und in nicht genügender organischer Verbindung, um dem großen Wiener Elend systematisch an den Leib zu rücken, es sind einzelne Zweigbetriebe ohne Gemeinsamkeit. Diese Gemeinsamkeit in die Wege zu leiten, soll Sache der Organisation sein, zu deren Schaffung wir Ihre Mitarbeit anrufen und die wir uns etwa so denken: Jeder Verein, jeder Private soll wie bisher autonom jeden an ihn herantretenden Fall behandeln. Nur eines soll vorausgesetzt werden: Vorherige Anfrage beim Kataster der Zentralstelle und sodann eine derartige Behebung des Vorgefundenen Notstandes, daß der Petent sich keinesfalls sofort oder binnen kurzer Zeit noch an andere Stellen um Hilfe soll wenden müssen. Ist aber der Verein nicht in der Lage oder nicht geneigt, die nötige Hilfe allein zu leisten, dann soll er den Fall an eine Zentralkommiffion leiten ähnlich der „Weiblichen Fürsorge", in welcher über die volle Hilfe beschlossen werden kann. Die Zentralkommission (hier werden wohl mehrere solche gebildet werden müssen) setzt sich zusammen aus Delegierten der einzelnen unterstützenden Vereine und Privatwohltäter oder ihrer Fachverbände. wird aber ergänzt durch Aerzte, Juristen, Beamte der Arbeitsvermittlung und Praktiker, ist also ein noch wirksamerer Faktor als dle „Weibliche Fürsorge". Der Zentralkommiffion können aber noch Bezirkskommissonen als Hilfskräfte ungegliedert werden zn dem Zwecke, um Gutachten über Ursachen des Notstandes und Abhilfsmöglichkelten abzugeben. Hiezll sind sie, da ihnen vermöge ihres kleineren Gebietes die Verhältnisse besser bekannt sind, gewiß befähigter, als die Zentralkommission und solche Bezirkskommissioneu können ein wertvoller Faktor in der Armenpflege werden. Wir erheben nicht den Anspruch, mit dieser, im allgemeinen angedeutetenOrganiiation etwas Originelles, absolut Neues zu bringen, wir behaupten auch nicht, daß sie unbedingt die richtige ist. Es muß aber Wert darauf gelegt werden, daß überhaupt endlich eine gemeinsame Organisation entstehe. Besser eine nicht gute, als gar keine, denn die Mängel der Anfangs- Organisation werden ja in der Arbeit zn Tage treten nud da wir sie durchaus nicht als starre Form, sondern als eine entwicklungsfähige und bedürftige Schöpfung von Menschen aniehen, wird eine stetige Verbesserung um so - sicherer zu erwarten sein, je intensiver alle Beteiligten Mitarbeiten. Und diese Mitarbeit ist es, die wir dringend von Ihnen erbitten. Das Kuratorium soll durchaus keine Behörde, keine absolut regierende Stelle s e l n. s o n d e r n nach demokratisch republikanischem System der E x p o n e n t Ihres Willens. Die von Allen zu befolgenden Grundsätze. Leitsätze, Formen und Regeln sollen nicht diktiert werden, sie sollen von denen die sie zu befolgen haben, sich selbst als Gesetze gegeben werden und deshalb ist es so überaus nötig, daß Sie bei Punkt 4 der Tagesordnung: „Wahlen", diejenigen Personen in das Kuratorium entsenden, denen Sie die Fähigkeit zntrauen, die Organisation zn schaffen, denen Sie aber dann auch Willens sind, Gefolgschaft zu leisten, d. h. die Sie bei Durchführung der Beschlüsse auch voll und ganz nuterstützen wollen. Lassen wir alles Persönliche über die Wichtigkeit der Sache beiseite. Weder meine Kollegen noch ich klammern uns an die Stellen hier; entsenden Sie. wen Sie wollen, ich für meine Person werde stets gerne Mitarbeiten, aber sprechen Sie es aus, daß Sie die für die Verbesserung der Armenpflege unbedingt nötige Zentralisierung nicht durch einseitige Maßnahmen stören, sondern sie mit Hintansetzung jeder anderen Tendenz voll und ganz fördern wollen." An der hierauf folgenden Debatte beteiligten sich: Herr Josef K o h n. Frau Direktor U l l m a n n, namens der „Weiblichen Fürsorge", Frau kais. Rat Schweinburg, Dr. Rudolf F ü r t h. Sämtliche Redner anerkannten die Tätigkeit der Zentralstelle und äußerten sich mit voller Befriedigung über die geplante N e n o r g a n i s i e r n n g der Armenpflege. Insbesondere Dr. Rudolf Fürth betonte in seinen überaus sachgemäßen, mit allgemeinem Beifall aufgenommeueu Ansführnngen die Notwendigkeit des engen Anschlusses sämtlicher auf dem Gebiete der Armenpflege tätigen Faktoren an die Zentralstelle und sprach dem Kuratorium. sowie dem Sekretär der Zentralstelle den wärmsten Dank für ihre ersprießliche Mitwirkung bei einer in der letzten Zeit von seiner Organisation eingeleiteten Hilfsaktion aus. Hierauf wurde dem Kuratorium einstimmig das Absolutoriilm erteilt. Znm Punkte 3, „Aenderung des Regulativs" sprachen: Herr M. Bau m, der Vorsitzende, Hofrat Dr. B. Rappa- Port, Dr. Josef S. Bloch und Dr. R y b a z e w s k r, worauf die Aendernng des Regulativs einstimmig sn dloo angenommen wurde.

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