Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 14 (5.5.1916)
- Date
- 1916-05-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Die Wahrheit Seite 5. präsentantenkolleginm. von der gesamten B'nai Brithloge unterzeichnet und außerdem voll 1300 Unterschriften bedeckt war. Die Gemeinde bietet mir Garantien dafür, daß ich, wie bisher, schon äs facto, so fortan auch äe fürs ein Oberrabbinat bekleiden werde, ohne den Titel eines Oberrubbiners zu führen. Die einmütige Erklärung meiner Gemeinde gipfelt darin, daß sie in meinem Weggange einen unersetzlichen Verlust sehen würde nicht nur für Frankfurt a. M., sondern für die Sache der Einheit deS deutschen Judentums gegenüber den Separationsbestrebungen von rechts und links. Dies habe ich mit göttlicher Hilse durch eine friedliche, im Sinne der Milde und. Versöhnlichkeit geübte fünfjährige Tätigkeit erreicht. Dem gegenüber stehen die schweren Kämpfe, die für mich in Wien zweifellos in Aussicht sein würden. Und nicht nur mir, sondern auch Ihnen, Herr Präsident, und der ganzen Verwaltung der Gemeinde. Ich bin keine Kämpfernatnr, sondern bin empfindlicher als einem znkommt, der bereits seit 20 Jahren in öffentlicher Stellung steht. Aus all diesen Gründen bitte ich ergebenst von meiner Berufung nach Wien abznsehen und mich auf dem friedlichen und bedeutenden Posten zu belassen, den mir die Vorsehung angewiesen hat. Ich muß es ausdrücklich anssprechen, daß mir die Absage sehr schwer fällt. „Man spricht vergebens viel, um zn versagen — der andere hört von allem nur das Nein" — so sagt der Dichter der Deutschen. Aber dies trifft doch bei so hervorragenden Persönlichkeiten wie bei Ihnen, Herr Präsident, nicht zu. Ihnen ist Weisheit und Menschenkenntnis verliehen. Sie werden einen Blick in meine Seele getan haben, in ihr Kämpfe und Ringen die Monate hindurch, während derer die bedeutsame Angelegenheit schwebte. Ich hoffe, Sie haben erkannt, daß Sie keinem Unwürdigen Ihr so großes ehrenvolles Vertrauen geschenkt haben. Hochgeehrter Herr Präsident, Sie sind für mich geadelt durch ihr begnadetes Alter, durch Ihre begnadete Stellung. Ich muß Sie bitten, vergessen Sie mich. Aber vergessen Sje mich nicht ganz, sondern gedenken Sie meiner als eines Mannes, der Ulf tiefer Verehrung und Dankbarkeit mit Ihnen verbunden ist. Gott erleuchte Ihre Augen, daß Sie den richtigen Mann finden. In bekannter Gesinnung Der Ihrige Anton Nobel m. p. Der Präsident knüpft daran den Ausdruck lebhaftesten Bedauerns, daß Rabbiner Dr. Nobel sich zn dieser Absage veranlaßt fand, da nach seiner vollsten Ueberzeugung die Gemeinde an Herrn Rabbiner Dr. Nobel eine hervorragende Kraft gewonnen -hätte. Die gleiche Ueberzeugung wurde auch in jenen Herren des Vorstandes hervorgernfen, welche Gelegenheit hatten, Herrn Dr. Nobel in längerer Aussprache kennenznlernen, ein Eindruck, der im übrigen schon ans den Zuschriften kompetentester Persönlichkeiten, wie z. B. Geheimrat Hermann Cohen, Professor Dr. Braun, Dr. Adler, Direktor des Philantropins in Frankfurt a. M. gewonnen werden mußte. Auf. die Vorgänge in Wien, welche Herrn Rabbmer Dr. Nobel nicht in letzter Linie zu seinem Entschluß vewogen, wolle der Präsident derzeit nicht weiter eingehen. Nur einer von mancher «Seite geäußerten Meinung wolle er entschieden entgegentreten, daß die Berufung einer hervorragenden auswärtigen Kraft nach Wien als eine Zurücksetzung der in Wien wirkenden und sich voller Anerkennung erfreuenden Rabbiner gedeutet lverden könne. Znm Schluffe bemerkt der Präsident, daß die Ausführungen des Herren Dr. Nobel Ui seinem Briefe hinsichtlich der von der Frankfurter Gemeinde an ihn gerichteten Adresse sowohl in Frankfurter Zeitungsberichten, sowie in Privatschreiben ans Frankfurt ihre Bestätigung fanden, die auch der besonderen Ehrungen erwähnen, welche Dr. Nobel anläßlich seines Verbleibens in Frankfurt bezeigt wurden. * * * Rituelle Verköstig nng jüdischer Soldaten. Auf verschiedene Anfragen wird mitgeteilt, daß das k. n. k. Kriegsministerium, Abt. XII., bezüglich der rituellen Kost für die israelitischan Mannschaftspersonen mit den Erlässen N. 113.483/15 vom 5. Januar 1313 und Nr. 31.340 vom 1. April 1916 folgendes verfügt hat: „Den Soldaten israelitischen Glaubens ist nach Möglichkeit die rituelle Kost durch Köche ihrer Konfession, namentlich bei jenen Unter-- abteilnngen zubereiten zn lassen, bei welchen ein größerer Prozentsatz dieser Mannschaft vorhanden ist. Das Zutragen rituell zubereiteter Kost wird nicht gestattet, hingegen wird über vorgebrachte Bitte die Auszahlung des Menagegelder auf die Hand, jed o ch nnr an den höch sten Feiertagen bewilligt. Mehrkosten dürfen keine erwachsen." Nach Berichten, welche der k. n. k. Militärseelsorge zugegangen sind, ist bereits in mehreren Stationen die rituelle Küche eingerichtet. * * * Z n m Bericht über die öffentliche Plenars i tz it n g der Wiener Israel. K tl l t n s g e m e i tt d e vom 13. April 1916. In dem Referate des Herrn Vize-Präsidenten Doktor Leopold K o h n über den Rechiinngsabschlliß pro 1915 wurde n. a. erwähnt, daß die Beitragslcistnng der Militärverwaltung für die rituelle Verköstigung der jüdischen Soldaten L 1.60 pro Kopf und Tag beträgt. Hierzu ist uachzutragen, bezw. richtig zu stellen, daß laut Militär- und Stationskommandobefehl vom 22. April 1916 für die gesunde Mannschaft K 2.18 pro Mann und Tag, für die kranke und rekonvaleszente Mannschaft K 1.86 pro Mann und Tag für die rituelle Verköstigung festgesetzt wurde. Zentralstelle für das jüdische Armenmefen. Unter ungewöhnlich großer Beteiligung fand Donnerstag, den 27. April, 6 Uhr abends, im großen Sitzungssaale der israel. Knltnsgemeinde, I. Seitenstettengaffe 4, die Delegierten-Versammlung der Zentralstelle für das jüdische Ärmenwesen statt. Anwesend waren die Damen: Baronin Charlotte Königswarter, Emilie Weiß, Regine Kopstein, Hermine Kadisch. Katharina Kohn, Charlotte Kisch. Nina Nobel, Dir. Deutsch, Dr. Schnr, Minna Halpern, Sofie Waltusch, Helene Stein, Alice Bruckner, Frau Doktor Rosa Steiner, Henriette Stiaßny, Frau' Rabbiner Dr. Feuchtwang, Frl. Hedwig Wolff, Rosa Werner. Fran Snback. Lina Weiß, Regine Ullmann, Sofie Quittner, Frau Hohenberg, Frau Dr. Krennberger, Fran Heller, Frau Jakob. Frau Dozent Sofie Grüuield, Charlotte Frischauer, Frau Bachstez. Frau Prof. Fridericke Roch, Marie Kohn, Frau Rabbiner Dr. Grunwald, Frau Dr. Bernek. Anna Brand, Frl. Lea Bondy. Fran Dr. Hopfinger, Grete Frisch, Albine Reiß, Frau Rabbiner Dr. Kaminka, Amalie Korany, Sofie Deutsch. Anitta Müller, Therese Spira, Olga v. Doktor, Rosalia Kahn, Jenny Frank. Die Herren: Heinrich Mendl. Hofrat Dr. Benjamin Rapaport. Karl Freund, Anton Beck, Leopold Herz, kaiserl. Rat Dr. Krüger. Jakob Kohn. Dr. Lang, Dr. Ostiller, Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang, Josef Kohn. Herr Rabbiner Dr. Grunwald, Max Tore, Herr Prof. Salzmann, Hugo Kadisch, Herr Amtsleuer Freistadr. Amlsteiler Rudolf Kraus, Vorsteher Eduard Schwarz, Aut. Pisk, kais. Rar Dr. Theodor Lieben, Sekretär Emil Adler. Ignatz Glück. M. Baum, Börserat Robert Kolisch, Herr Rabbiner Dr. Rosenmann. Sekretär Emil Engel, Moritz Ungar, Jakob Kraus. Salo Lemberger. Arnold Schleifer, Herr Duckes, Adolf Hecht, Herr Vorsteher Grünwald, Herr Rabbiner Dr. Kaminka, Herr Dr. Ribazewsky, Dr. Rudolf Fürth, Herr Schafrauek,