Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1916
- Issue
- Heft 13 (21.4.1916)
- Date
- 1916-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 gründliche Aeuderung erfahren; bei beifi gegenwärtigen System ist ein richtiger Erfolg nicht zu erreichen, nicht zu erwarten. Es würde zu weit führen, wenn ich mich in Details einlassen wollte, allein anerkauut soll es werden, daß unsere Lehrerschaft bemüht ist. nach Kräften der ihnen obliegenden schweren und großen Aufgabe gerecht zu werden, daß ihre Aufgabe mit Rücksicht auf die in meisten Fällen vollständig fehlende, häusliche Unterstützung eine äußerst schwierige ist ja daß leider, wie ich es konstatieren muß. in vielen Fällen dem durch den Religionsunterricht zu erzielenden. Erfolge entgegengearbeitet wird. Ich wende mich wieder dem Thema zn, welches ich heute zu behandeln halte. Das lebhafte Interesse für die Angelegenheiten unserer Gemeinde, welches jeder einzelne von uns im Herzen trägt, läßt es für gerechtfertigt erscheinen, wenn ich mich in Kürze mit der Frage befasse, wie sich unsere Wirtschaftsgebarung im Laufe dieses Jahres gestalten wird. Nach den bisherigen Ergebnissen aus den verschiedenen Einnahmsquellen, aus welchen wir die Erfordernisse unserer Kultusgemeiude decken, läßt sich, vorausgesetzt, daß nicht besmidere die Mittel unserer Kultusgemeiude besonders m Anspruch nehmende Ereignisse eintreleu, mit mehr als bloßer Wahrscheinlichkeit behaupten, daß das Defizit nicht die Höhe erreichen dürfte, welche wir im Budget angenommen haben. Zu dieser Behauptung berechtigt mich die Tatsache, daß bis heute bereits nahezu 1% Millionen an Kultussteuern eingegangen sind. Die Erklärung liegt einfach darin, daß im ersten Quartal bereits ein namhafter Teil der Steuer, welche einzelne!», Steuerzensiten auf Grund erhöhter Einnahmen vom Kriegsjahre vorgeschrieben wurde, eingegangen sind und es ist hervorzuheben, daß in den weitgus meisten Fällen bisher diese Erhöhungen anstandslos gezahlt wurden. Und es ist ein Verdienst unseres Steueramtes und defien Leiter Herrn Mautner, daß die schwierige Abwicklung der Steuerangelegeuheiten mit verringerten Arbeitskräften in dieser Weise bisher erfolgt ist, wofür ihm und serneu Mitarbeitern Dank zu sagen ist. Wenn ich mich bezüglich des zu erwartenden Ergebnisses in der wirtschaftlichen Gebarung des laufenden Jahres reserviert geäußert habe, so ist hiefür die Erfahrung aus der jüngsten Zeit maßgebend, welche wir gemacht haben gelegentlich der Versorgung unserer Glaubensgenoffeu mit Mazzoth. Daß wir Heuer ebenso wie im Vorjahre bedeutenden Ansprüchen werden Rechnnng tragen müssen, darauf waren wir vorbereitet, mußten es auch auf Grund der vorjährigen Erfahrungen sein. Nicht vorbereitet aber waren wir auf die Dimensionen, welche diese Angelegenheit für die Gemeinde angenommen hat. Von allen Seiten, von den entferntesten Plätzen des Reiches, von den Zivilltnb militärischen Behörden . ist an unsere Gemeinde wegen Beschaffung von Mazzoth herangetreteu worden, und wenn wir auch selbstverständlich nicht allen Ansprüchen, insbesondere nicht, was die geforderten Mengen entspricht, entsprechen konnten, so wird doch diese Angelegenhett für unsere Gemeinde mit einem derzeit noch nicht berechenbaren, aber jedenfalls ziemlich bedeutenden Anfwande verbunden sein. Ick will nur ein Moment hervörheben. Wir haben mit dem Verein „Einheit" die Verköstigung der jüdischen Soldaten der Wiener Garnison für die Osterseiertage übernommen und muffen hiezu mehr leisten, als dies seitens des Staates geschieht. Während letzterer per Kopf und Tag K 160 für diese Verköstigung beisteuert, geben wir X 2 und da hiemit der Bedarf nicht gedeckt ist, so wird der Fehlbedarf vom Verein „Einheit" beigesteuert, der überdies die hiemit verbundenen außerordentlichen Arbeiten auf sich genommen hat. Ich möchte bei diesem Anlasse folgendes bemerken: Es handelt sich in diesem Falle um Ansprüche, denen sich unsere Gemeinde nicht entziehen kann und mag. Als erste Gemeinde im Staate hat sie eben besondere Pflichten und Softe« und muß sich in derartigen Fällen mÄsomehr für die Gesamtheit eiusetzen, weil die geplante Gesamtorganisation Ar 13. für deren Zustandekommen sich unser verehrter Herr Präsident mit besonderem Eifer eingesetzt' hat, derzeit noch nicht zustande gekommen ist. Ich kann diesen Punkt nicht verlassen, ohne der außerordentlich mühevollen Arbeiten, Interventionen bei . verschiedenen Behörden und Aemtern.hervorzilheben, weiche die Ordnung dieser Angelegenheit im Gefolge hatte, und ich erachte es als meine Pflicht, hervorzuhebeu, daß sich auch in diesem Falle, sowie in allen anderen unser Bureau, jn erster Reihe die Herren im Sekretariate in intensiver Betätigung bemüht haben und hiebei in tatkräftiger Weise von unserem geehrten Vorstandsmitgliede Grünwald unterstützt wurde, der seine Kenntnisse nnd reichen Erfahrungen in den Dienst der Sache stellte und seit Monäten nahezu seine ganze Tätigkeit der Erledigung dieser schweren Frage ge-' widmet hat. Hervorzuheben ist auch die in dieser Angelegenheit aufgewandte Amtstätigkeit und gedeihliche Mitarbeit unseres Beamten Herrn Jakob Kraus, welche dankend anzuerkeunen sind. Ueberhaupt kann der Eifer und die erfolgreiche Tätigkeit unserer Beamten, ihr Fleiß und ihre Ausdauer, ihr Opferwille, und ihre ununterbrochene Arbeitslust während der Kriegszeit nicht genug betont werden. Wir hätten unmöglich in dieser chartbedrängten Zeit den schweren und wichtigen Aufgabe unserer Gemeinde entsprechen können, wenn nicht unsere Beamtenschaft mit seltener Liebe zur Arbeit nnd aufopfernder Tätigkeit alles daran gesetzt hätte, damit keine Störung in der Abwicklung der Agenden eintritt. Und der Verdienst derselben ist umso größer als bekanntermaßen ein bedenkender Teil unserer Beamtenschaft eingerückt ist und ein Ersatz für dieselben nicht stattgesunden hat. Hiefür gebührt allen unseren Beamten Anerkennung und bester Dank und halte ich mich für berechtigt, diesen Dank denselben auszusprechen. Indem ich schließlich noch dem Herrn Oberbuchhalter Rufi und seinem Assistenten Herrn Schäfer für die Unterstützung bei der Allsarbeitung meines Referates meinen Dank ausspreche, schließe ich mit dem Anträge, den Rechnungsausweis zu genehmigen." Russische Pogrome. Die heraunaheuden Ostern lassen in Rußland das übliche Ritualmordmärchen wieder aufleben. Nicht weniger als vierzehn russische Städte werden genannt, wo die russische Bevölkerung unter der begründeten Pogromfurcht zittert, oder' wo Pogromversuche bereits inszeniert worden sind. In russischen Großstädten, darunter Kiew, Odessa nnd Kischinew haben die jüdischen Gemeinden unser Beifügung von Erlässen und Aufrufen der. dortigen Organisation der Schwarzen Hundert das Polizeidepartement um Schutzmaßnahmen flehentlich geöeten. In Kiew hat die berüchtigte Doppeladlervereinigung gedrnckte Aufrufe veröffentlicht, deren Schluß lautet: „Die Juden haben unseren Zaren und und unsere christliche Armee um Silberlinge verraten. Ihr Osterbrot wird auch diesmal Christenblut enthalten, seid auf der Hut! Tod den verräterischen Juden!" In Riga rotteten sich am 20. März vor einem jüdischen Kramladen in der Schugurowstraße Hunderte von Personen aus der Hefe der Bevölkerung zusammen, weil eine Bauernfrau plötzlich zu schreien begann, ihr Töchterchen hätte diesen Laden betreten und wäre seitdem" spurlos verschwunden.' Benachbarte Juden, die sahen, wie der Mob unter Leitung von gut gekleideten Herren sich auschickte, den Kramladen zu zertrümmern, telephonierten an den Gouverneur und. wurden von ihm an den Polizeimiuister verwiesen. Dieser entsandte ganze zwei Wachleute, die aber die Leiter des beginnenden Pogroms ehrerbietig begrüßten und in Ruhe verharrten. Glücklicherweise schlug die Mittagstunde und es erschienen Arbeiter, die den bedrohten Laden umzingelten und die kreischende Bauernfrau nach Hause brachten, wo sie das verschwundene Töchterchen ruhig schlafend vorfanden. Sie zeigten das Kind den Leuten auf der Straße und murrend ging die Menge auseinauder./ Die Wadrheit