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Die Wahrheit · 1916-04-21 · Heft 13 (21.4.1916) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 13 (21.4.1916)
Date
1916-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Seite 5 Die Wahrheit „In welch hohem Maße die Kriegsereignisse sich für unsere Gemeinde auf dem Gebiete des -Beerdigungswesens geltend gemacht haben, geht aus folgenden Daten hervor: Im 1.1913 fanden 2501, im Jahre 1914 2709 und im Jahre 1915 3392 Beerdigungen statt; darunter im Jahre 1915 unentgeltlich (Gratisbeerdigungen) 1950. Dieses Anwachsen der Zahl der Beerdigungen, insbesondere der unentgeltlichen, erheischt die sofortige Anfführnng des Provisoriums auf dem für den nenen Friedhof angeschafften Grunde, da wir für unentgeltliche Beerdigungen und für solche der vierten Klasse nur mit Not für das laufende Jahr auf der derzeitigen Fried- Hofsabteilung Auslangen finden." „Wie bekannt, hat unsere Gemeinde bei Ausbruch des Krieges im August 1914 im Ro ths ch ild spita l e 100 Betten für die Mannschaft und 10 Betten in 5 Zimmern für Offiziere bis auf weiteres unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Verpflegung während der Zeit vom August 1914 bis inklusive Oktober 1915 repräsentiert einen Aufwand im Betrage von zirka X 300.000. Vom Monate November 1915 angefangen werden unserem Spital die üblichen Verpflegsgebühren vom Roten Kreuz vergütet. Die Gesamtausgaben des Spitals pro 1915 betragen X 608.100, gegenüber dem Präliminare um IC 110.800 höher. Der Zuschuß stellt sich auf 3C 351.804, daher um X 69.700 höher als präliminiert. Der höhere Bedarf im Spitale erklärt sich, wenn man erwägt, daß iu den 15 Kriegsmonaten vom 1. September 1914 bis 1. Dezember 1915 ein Mehrbelag von 10.000 Tagen gegenüber dem Normalbelage vorhanden war und dies allein an und für sich einen Mehraufwand von zirka X 80.000 in Anspruch nimmt; anderseits sind durchgehends die Preise für Lebensmittel und die für die Behandlung notwendigen Materialien enorm gestiegen, so daß beispielsweise die Anslagen für Verköstigung gegenüber dem Präliminare sich um IC 104.700, gegenüber dem Jahre 1914 um IC 174.500 höher gestellt haben. Die Kosten für die durch den starken Belag notwendige gründliche Reinhaltung kommt gleichfalls in Betracht. Im ganzen stellen sich die Kosten per Kopf und Tag zwischen 8 bis 9 Kronen." „I m A b s ch n i t 33, Versorgungs anstalt, sind die Einnahmen um zirka X 18.000 höher als präliminiert, hauptsächlich durch den Beitrag des Wiener Magistrates für nach Wien zuständige Pfründner im Betrage von IC 11.000 und Spenden per IC 3500. sowie Erhöhung an Zinsen und Jahresbeiträgen per IC 2500. Die Auslagen betragen X 320.455 gegenüber dem Präliminare von IC 276.300, sonach ein Plus von Kronen 44.000. Der Zuschuß beträgt X 170.283, um IC 26.289 , mehr als präliminiert. Wenn'ungeachtet der außerordentlichen Ausgaben für Zentralheizung, Renovierung usw. per X 41.200, der Mehranslagen für Verköstigung per K 50.000, der Mehrauslagen für Inventar per zirka X 15.000 im ganzen der oberwähnte Zuschuß in anspruch wurde, so spricht dies für eine außerordentlich sorgfältige ökonomische Behandlung und ist dies ein Verdienst der Verwaltungskommission und insbesondere des Herrn Hofrates Dr. Rappaport, welchen für ihre Mühewaltung und erfolgreiches Wirken besonderer Dank gebührt „Im Abschnitt 0 weisen die Eingänge an Knltnssteuern gegenüber dem Präliminare ein Plus von X 6880 aus. Gegenüber dem Ergebnisse des Jahres 1914 ist der Eingang an Kultussteuern nm K 113.000 zurückgeblieben. Der Grund hiefür liegt in den Kriegsverhältnissen..." „Aus dem vorgetragenen Berichte ergibt sich als. Gebarungsergebnis des abgelanfenen Jahres, daß an Zuschüssen erforderlich waren: Im Abschnitt A Kultusangelegenheiten X 402.502. Im Abschnitt B Unterrichtsangelegenheiten K 347.428. Im Abschnitt D Spital IC 351.804. Im Abschnitt X Versorgungshans und SiechenhauS Kronen 170.283-10. Im Abschnitt F Armen- und Wohtätigkeitsangelegenheiten X 347.579, zusammen X 1,619.597. Dagegen haben Ueberschüsse ergeben r Abschnitt F Friedhofs- und Beerdigungsangelegenheiten X 684.714; Abschnitt 6- Finanzielle- und Administrationsangelegenheiten X 791.855, zusammen X 1,376.569, woraus sich gleichfalls das im Eingänge schon erwähnte Defizit per X 243.027 als Resultat ergibt. Fassen wir diese vorangehend dargestellte Gruppierung der Zuschüsse und Ueberschüsse ins Auge, so gelangen wir zu folgendem Resultate: Die Ueberschüsse aus der Abteilung „Finanzielle und Adminiftratiousangelegenheiten" reichen knapp hin, den Bedarf für Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten zu decken, so daß bei den derzeitigen Eingängen an Kulknssteuerw hieraus für die Deckung des Aufwandes für unsere charitativen Institutionen ein ganz minimaler Betrag erübrig:, und da wir unsere charitativen Institutionen ebenso vom religiösen Gesichtspunkte aus als vom Gesichtspunkte der Nächstenliebe und insbesondere im Interesse unserer armen und hilfsbedürftigen Glaubensgenossen nicht auf ein Niveau Herabdrücken lassen wollen, welches weder dem Ansehen noch der Bedeutung unserer Kultusgemeinde, noch den ihr obliegenden Wichten entsprechen würde, so war es unerläßlich und geboten, im Wege der für das Kriegsjahr erhöhten Knltusstenerabgaben einigermaßen Deckung für unsere Wohlfahrtsinftitutionen zn erlangen und ich kann schon heute unt einer gewissen Befriedigung konstatieren, daß sich die Eingänge an Kultnssteuern durch die in einzelnen Fällen erfolgte Erhöhung wesentlich gebessert haben und teilweise das Defizit des laufenden Jahres Herabdrücken dürften. Ich habe im Voranstehenden es als Wicht der Kultusgemeinde utld als unerläßliche Aufgabe bcrfeXbeu hervorgehoben ihre intensive Betätigung ans charitativen Gebieten, nichtsdestoweniger sehe ich mich veranlaßt, einen Teil dieser charitativen Betätigung zur Sprache zn bringet: und auf das von Jahr zn Jahr sich steigernde Erfordernis unseres Spitals hinzuweifeu. Schon die hohe Ziffer per rnnd X 608.000, welche den sechsten Teil des Gesamtaufwandes unserer Kultusgemeinde repräsentiert, gibt umsomehr zu denken als sie nahezu die Ziffer erreicht, welche die gesamten Auslagen in Kultusangelegenheiten erfordern. Das Erfordernis unseres Spitales beträgt per Kopf und Tag eines Patienten 8 bis 9 Kronen, eine Ziffer, welche, abgesehen von dem Rudolfinerhause, in arideren Spitalern kaum erreicht werden dürfte. Es ist im gegenwärtigen Momente nicht der geeignete Zeitpunkt, diese Angelegenheit in Beratung zn ziehen und zu untersuchen, ob unbeschadet der erfolgreichen Führung unseres Krankenhauses Ersparnisse auf einzelnen Gebieten dieses segensreichen Institutes durchzuführen wären. Allein es soll schon heute die Anregung hiezu gegeben werden; vielleicht wird dies allein schon genügen, einen ökonomischen Wandel auf diesem Gebiete zu schaffen. y Gestatten Sie, daß ich auch die Frage des Religionsunterrichtes zur Sprache bringe. Schon anläßlich der Budgetberatung ist dieses Thema nach mehrfacher Richtung hin zur Sprache gebracht worden. Das Thema ist ein derarr schwieriges und kompliziertes, daß es mir heute im Rahmen der Aufgabe, die mir obliegt, schwer fällt, mich mit dieser hochwichtigen Frage zu befassen. Ich möchte heute nur eine Lanze einlegen für unsere Lehrerschaft, derlen die außerordentlich schwierige und heikle Aufgabe überwiesen ist, der im Kindesalter sich befindenden und der im Alter vorgeschrittenen Jugend ein religiöses Empfinden beizubringeu. Diese Aufgabe der Lehrer ist schon im allgemeinen und insbesondere iu der Großstadt aus dem Grunde eine äußerst schwierige, weil die Lehrer im Eltern Hause eine geringe und zum großen Teile gar keine Unterstützung für ihre Bestrebungen finden. Sie ist aber auch aus dem Grunde äußerst schwierig, weit in einer knappen Zeit von ein bis zwei Stunden wöchentlich unmöglich den Anforderungen entsprochen wnden kann, welchen ein erfolgreicher Religionsunterricht stellen müßte und sollte. Das System müßte eine

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