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Die Wahrheit · 1916-03-24 · Heft 10 (24.3.1916) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1916
Issue
Heft 10 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 10. Die Wahrheit. Präsidium antwortet, daß diese Unterstützungen nur eine Ablösung der Hilfsgelder seien, die diesen Armen von der Deutsch-Holländischen Palästina-Gesellschaft gezahlt worden waren, bis die Hilfskommission entstand. Jene Gesellschaft, bestimmt ohne Unterschied der Landsmannschaft den Armen Palästinas zu helfen, entzog den Ungarn, Russen, Rnmänen usw., die aus Palästina nach Wien gekommen und hier verblieben waren, die Hilfe mit dem Hinweis auf die Hilfskommission. Diese, obwohl ursprünglich und ausdrücklich zur .Unterstützung von Notleidenden — in erster Reihe natürlich der vom Kriege hart betroffenen Oesterreicher und Ungarn — in Palästina bestimmt, von jenen, die von anderer Seite keine Stütze erhalten, übernahm trotzdem auch diese Fürsorge, um die armen Palästinenser in Wien nicht verkommen zu lassen. Im übrigen werden die anderweitigen Unterstützungen, die diese erhalten, nach Möglichkeit in Evidenz gehalten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Julius Diamant aus Vnkovar, als Teilnehmer ans der Ferne und eifriger Mitarbeiter warm begrüßt, empfiehlt Sammlungen kleinster Beträge durch die Inkassanten der Knilussteuer in den einzelnen Gemeinden. Die Anregung soll mit Berücksichtigung lokaler Verschiedenheiten in Erwägung gezogen werden. Herr Oberrabbiner Dr. Brvdy. Prag, als Vertreter des nengegründeten Prager Komitees, herzlich bewillkommnet. stellt im Aufträge dieses Komitees Die Anfrage: „In welchem Verhältnis steht die Hilfskommission zu der Nossigst'chen Unternehmung, ferner zu der zionistischen Notftandsaklion und dem ungarischen, sowie dem Drohobyczer Kolel?" Vom Präsidium wird hierauf die Aufklärung erteilt, daß die Hilfskommission mit der Nvssigst'chen Aktion nie etwas zu tun haue, und daß die, gleichviel von welcher Seite, hierüber veröffentlichten Bemerkungen jeder Begründnng entbehren. Die zionistischen Sauimlnngen stehen gleichfalls zu der Hllsskommlssion bisher in keiner Beziehling. Von leitender zionistischer Stelle wurde bei uns angefragl. wie sich ein etwa zu erwägendes Znsammeuarbeiten regeln ließe. Hierauf wurde von nnierer Seite die folgende Antwort erteilt: Die HilsskoniMlsslon verfolgt, hierin durch ausdrückliche Aufforderungen aus der Provinz bestärkt, das Ziel, in Wien eine Zentrale für sämtliche Palästlnaaktionen in Oesterreich zu schaffen, d. h. ein enliprecheildes Bureau eiiiznrichten. in dem jede, wie immer geartete Bestrebung zugunsten Palästinas ihre Arbeitsräume und geeigneten Beamten sich sichern könnte. Es soll dadurch eni wesentlicher Teil der Regiespesen erspart werden, der auf Kosteil Palästinas selbst infolge der Zersplitterung der Palästiuaarbeit bisher unvermeidlich war. Nur die eine Bedingung stellten wir, daß jede dieser mit uns enger oder loser vereinten Aktionen durch regelmäßigen öffentlichen Ausweis ihrer Geschäftsgebarnng kontrollierbare Rechenschaft ablege. Wir haben, betonten wir des weiteren, die Absicht, sobald der Krieg beendet, durch Gründung einer Vvrichußkasse allen arbeilsfähigen und -willigen Elemeuteil in Palästina llnverzinsten Kredit zil verschaffe». Nach alledem könnte die zionistische Aktion uns ihre Sammlungserträgnisse mit Ausgabe der Bestlmmung überweisen. Wir würden für die rascheste und pünktlichste Uebermittlnng an die gewünschteil Adressen Sorge tragen. Auf diese Besprechung beschränkt sich bisher nnsere Uuterhandlung mit den Zionisten. Was unsere Beziehullgen zu den Kolelim aubetrifft, so haben wir auf Anregung des Herrn Dr. Brody zu Beginn unserer Arbeiten sowohl dem ungarischen Kolel ^Böhm.-mähr.-österreich.-ungar. Gemeinde) als auch dem Drohobyczer (Oesterr.-galizische Gemeinde) in Schreiben an die leitenden Stellen unsere Bereitwilligkeit erklärt, in irgendeiner Form mit ihnen zusammenzuwirken. Beide Kreise machten jede weitere Verhandlung durch ihr durchaus ablehnendes Verhalten unmöglich. Die betreffenden schriftlichen Belege wurden vom Präsidium der Versammlung im Original vorgelegt, ebenso Pamphlets aus den Kreisen der beiden .genannten Kolelim, die, mit den Unterschriften der Kaulel- Vorsteher in Palästina versehen, teils in Briefform, teils gedruckt an Gemeinden der Monarchie, Deutschlands, an führende Persönlichkeiten, auch im weiteren Ausland usw. gesandt worden sind mit Angaben, welche unsere Hilfskvmmiffion diskreditieren sollen. Herr Dr. B r o d y nimmt diese Erklärung zur Kenntnis lind empfiehlt, außer die Oesterreicher und Ungarn in Palästina auch andere Notleidende, vor allem die Jemeniten, zu unterstützen. Das Präsidium begrüßt diese An» regnng mit der Zusicherung, auch die Jemeniten und andere Hilfsbedürftige von Fall zu Fall, wie dies bisher schon bei einzelnen beionders dringenden Anlässen geschehen ist, mit Geldmitteln zu bedenken. Ablehnend verhalten müsse sie sich nur den Kreiseil gegenüber, die jede Unlersuchuilg der Dürftigkeit eines Bittstellers durch Verweigerung jeder Kontrolle unmöglich machen. Hierauf wird nufer durch nuferen Revisor, Herrn Richard L i s s a n, geprüfter miD für einwandfrei befundener Kassabericht der Bersammliing vorgelegt. Herr W. Papvenheim wendet sich mit einigen Anfragen an das Präsidium, die ihm zilreichend beantwortet werden. Ueber das Verhältnis der westgalizischen zu den ostgalizischen Kolelim werden von den Herren Rabbiner S t e i n b e r g und Vorsteher Alexander Land a u einige durch die Debatte notwendig gewordene Anfkläriingen erteilt. Herr Bernhard Hofban er stellt, wie schon in der vorjährigen Versammlung, als Ideal aller Palästinaarbeit die Vereinigung sämtlicher Aktionen hin. Vom Präsidium wird dieses Ziel glltgeheißeu und wenigsteilS für die Palästinaarbeit iu Oesterreich eine Zeulralisieruug in einem gemeiusamen Bureau als zweckdieuend. wünscheusilud erstrebenswert bezeichnet. Nach Erschöpfung der Tagesordnung und Erledigung aller Anfragen wendet sich der Präsident an die Versammlung mit einer warmen Aufforderung, den notleideiiden Brüdern im Heiligen Lande weiterhin alle erdenkliche Hilfe zu leiste u. Ihm soivie Herrn Rabbiner Dr. Max G r n u w a l d wird auf Anregung des Herrn Oberrabbiners Reich (Badeil) der Dank der Versammlung votiert. Schluß der Sitzung 8x/.2 Uhr. Das lalmndische Handelsgesetz über Preistreibereien nnd Höchstpreise von Rabbiner Prof. Stark, Prag. In dieien schweren Kriegszelten werden wohl viele erhebeiide Beispiele von patriotischer Begeisterung lind Opferwilligkeit gegeben, leider aber mitunter auch solche von niedriger unpatriotischer Hablind Gewilinsilcht, rücksichtslose Preistreiberei der mientbetjrlidjen Lebensmittel zum Zwecke schneller Bereicherung. Das bezeugen ja die verschiedenen behördlichen Festsetzniigen von Höchstpreisen llnd die anderen Maßnahmen zlir Verhinderung derartiger Bekilndiglingen von „Vaterlandsliebe". Eine vor mehreren Jahren im „Prager Tagblatt" erschienene Abhaudlniig „Das bibliich-rabblnische Handelsgesetz" von Rabbiner Stark zeigt itns wie der Talmud über solche Ausbeute der allgemeinen Nor geurteilt und welche gesetzliche Bestimmlingen er gegen ihr gewissenloses Treiben getroffen hat. Des höchst aktuellen Interesses wegen druckel» wir daher einige Kapitel der bezeichnereu Schrift hier wieder ab. Obgleich die pentateuchische Gesetzessammlung keinen Zweifel darüber läßt, daß nach Absicht des göttlichen Urhebers der in derselben enthaltenen Gesetze das Volk, für welches sie bestimmt sind, seine materielle Wohlfahrt hauptsächlich auf die fleißige und rationelle Pflege des Landbaues und weniger auf einen regen, gewinnbringenden Handelsverkehr gründen soll, so enthält dennoch diese Gesetzessammlung eine ganz stattliche Reihe von Gesetzen, die sich auf den Handel beziehen.

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